E-Book:   DIE VERBORGENE GESCHICHTE

DER JESUITEN  von Edmund Paris

 

Gott und Christus Loyalität zeigen oder Kadavergehorsam Menschen gegenüber?

B-Divers/Edmond Paris/Jesuiten/V.Teil.htm   V:20.10.11

 

 

V. Teil:  Der Teufelskreis

 

 

Inhaltsverzeichnis des Kapitels

 

5                      V. Teil:  Der Teufelskreis. 2

5.1               Kapitel 1:  Der Erste Weltkrieg. 2

5.1.1            Der apostolische Grossmachtsdrang des Papstes Pius X. Serbien und Russland an die Kirche zurückzubringen. 2

5.1.2            Die Schüsse vom 28. Juni 1914 in Sarajewo gegen Erzherzog Franz Ferdinand setzen die Welt in Brand. 3

5.1.3            Der mysteriöse Tod des Kardinals Rampolla der als Jesuitengegner galt löst Nachforschungen aus; Tod von Pius X. und Amtsantritt von Bene. 5

5.1.4            Beim Abschluss des Versailler Vertrages von 1919 war den Alliierten die Rolle der Katholischen Kirche als Kriegstreiberin wohl bewusst; Monsignore Pacelli bereitet die Inthronisierung Hitlers vor 7

5.2               Kapitel 2:  Vorbereitungen auf den Zweiten Weltkrieg. 8

5.1.5            Die Katholische Kirche geht als Verliererin aus dem 1. Weltkrieg! Jesuiten erneut in Russland aktiv. 8

5.1.6            Papst Pius XI. schliesst mit Mussolini den Lateranvertrag und toleriert dessen Überfall auf Abesinien. 9

5.1.7            Durch den Lateranvertrag wurde das Papsttum weltlicher Herrscher über die Vatikanstadt: Religion und Politik erneut vereint! 11

5.1.8            Hitler auserkoren von Monsignore Pacelli als Pius dem XI. als „deutschestem“ aller Päpste die „demokratischen Irrtümer“ auszumerzen; Franz von Pappen amtete als Königsmacher; am 20.Juli 1932 wird in Berlin Belagerungszustand ausgerufen. 13

5.1.9            In Deutschland und Italien ist es jeweils die Katholische Parte, die den Machtwechsel zu Hitler und Mussolini ermöglichte. 14

5.1.10         Die „Katholische Aktion“ unter der Fahne der Ultramontanen und der Jesuiten bereitet den Fall Belgiens. 16

5.1.11         Die Kirche fordert die Kollaboration des besetzten Belgien mit den Deutschen. 19

5.1.12         Untergrundarbeit der Jesuiten in den USA sollten deren Kriegseintritt verhindern oder zumindest verzögern! 21

5.3               Kapitel 3:  Die deutsche Aggression und die Jesuiten. Österreich – Polen – Tschechoslowakei – Jugoslawien  23

5.1.13         Jesuiten bereiten den Einmarsch der deutschen Truppen am 11. März 1938 in Österreich vor! 23

5.1.14         Hitlers annektiert am 15.März 1939 die „Resttschechei“ und kombiniert durch den Jesuiten Monsignore Tito Katholizismus mit Nazismus. 26

5.1.15         Jesuitengeneral Wernz hatte bestätigt, dass die Kirche Ketzer zum Tode verurteilen kann und Prälat Tiso liefert demgemäss erste Juden nach dem Konzentrationslager Ausschwitz ein. 26

5.1.16         Kroatische Terrororganisation der „Ustaschas“ nach Königsmord an Alexander I. von Jugoslawien vom Papst in Ehren empfangen: Treue zur Religion und zur Kirche berechtigt zum Mord! 27

5.1.17         Massenmord an orthodoxen Serben und Zwangskonvertierung zum Katholizismus unter den Augen des Papstes Pius XII. 28

5.1.18         Mörder in Gottes Namen terrorisieren Kroatien und führen durch Jesuiten den politischen Klerikalismus ein. 29

5.1.19         Organisierte Zwangsbekehrungen Orthodoxer zum Katholizismus in Agram durch Monsignore Stepinatz verniedlicht 33

5.4               Kapitel 4:  Die Jesuitenbewegung in Frankreich vor und während des Zweiten Weltkrieges. 36

5.1.20         Die „Katholisch-Nationale Vereinigung“ (FNC) bereitete unter faschistisch-klerikaler Führung den Sturz Frankreichs vor 36

5.1.21         Am 14. Juni 1940 wehte erstmals die Hackenkreuzfahne siegreich über Paris. 38

5.1.22         Die Jesuiten kontrollierte die gesamte Presse Frankreichs und schreiben deren Geschichtsbericht! 40

5.5               Kapitel 5:  Die Gestapo und die Gesellschaft Jesu. 42

5.1.23         Hitlers Erfüllung des Konkordates aufgrund der herausragenden Zusammenarbeit mit dem Katholischen Klerus. 42

5.1.24         1939 erklärte Abt Jean Vianeuf: Es braucht christliche Einstellung, um die Prinzipien der Inquisition zu verstehen! Kirchliche Rechtfertigung ungeheurer Gräuel im zwanzigsten Jahrhundert! 45

5.1.25         Katholische Priester in Unformen von Himmlers SS nehmen die wichtigsten Positionen im Mordkommando Hitlers ein. 47

5.6               Kapitel 6:  Die Todeslager und der antisemitische Kreuzzug. 49

5.1.26         Das scheinbar unverbrüchliche Recht der Katholischen Kirche all jene auszurotten, die ihr im Wege stehen: Himmlers Vorbild war Ignatius von Loyola! 50

5.1.27         Unter den sechs Millionen ermordeten Juden waren 1,8 Millionen Kinder: Alles unter den Augen der Katholischen Obrigkeit! 52

5.7               Kapitel 7:  Die Jesuiten und das Collegium Russicun. 54

5.1.28         Des Vatikans Hass gegen die Orthodoxe Kirche Russlands und Serbiens als Kriegsauslöser des 1.Weltkriegs. 54

5.1.29         Die Jungfrau von Fatima bemühte sich die Bekehrung Russlands zum Katholischen Glauben vorherzusagen! 56

5.1.30         Das von Papst Pius XI. geschaffene Collegium Russicum mit dem Ziel den Orthodoxen Glauben in Russland zu unterwandern. 58

5.8               Kapitel 8:  Papst Johannes XXIII. lässt die Maske fallen. 59

5.1.31         Die weitverbreitete und unausrottbare Illusion, dass von den Päpsten her frieden ausgehe! 59

5.1.32         Kardial Ottavianis Ansprache bezeichnete die russische Führung als Antichristen. 60

5.1.33         Hitlers Aufstieg entsprang der Hoffnung die Orthodoxe Kirche durch Gewalt mit Rom zu vereinen. 63

5.9               ANMERKUNG DES HERAUSGEBERS: 66

 

 

5                      V. Teil:  Der Teufelskreis

 

5.1                 Kapitel 1:  Der Erste Weltkrieg

 

5.1.1              Der apostolische Grossmachtsdrang des Papstes Pius X. Serbien und Russland an die Kirche zurückzubringen

 

Der im Vatikan durch den französisch-russischen Zweiverband erzeugten und in der Dreyfußaffäre derart sichtbaren Wut, dem Ärger, den das französisch-italienische Zusammengehen heraufbeschwor und von dem der Loubet-Zwischenfall klar Zeugnis abgab, wurde ein durch die Entente Cordiale mit England (durch die seit 1904 bestehenden bündnisähnl. Beziehungen zwischen Großbritannien u. Frankreich zum Zwecke militär. Absprachen f. d. Fall eines Krieges gegen d. Dt.Reich; ERKL.: „Herzl. Einvernehmen m. England“) verursachter bitterer Groll noch hinzugefügt. Frankreich war fest entschlossen, seinem „schwierigen Nachbarn“ sowie Österreich-Ungarn gegenüber nicht alleine da zu stehen. Die Monsignore Cristiani zufolge derart „blinde und unüberlegte“ Politik (Politik Frankreichs) wurde vom katholischen Allerheiligsten für äußerst ungünstig befunden. Denn besagte Politik war neben der Gefährdung der „völligen Ausblutung“, die Frankreich bräuchte, eine unbezahlbare Unterstützung des schismatischen Russlands, dieses verlorenen Schafes, für dessen Rückkehr in die römischkatholische Gemeinde man die Hoffnung nie aufgegeben hatte, auch wenn ihre Vollendung einen Krieg bedeuten dürfte.

 

Die orthodoxe Kirche aber blieb auf dem Balkan vorerst fest im Sattel, vor allem in Serbien, das der den Balkankonflikt (die zwei Balkankriege von 1912-13 zwischen d. „christlichen“ Balkanstaaten u. d. Türkei, die dabei bis auf einen kleinen Teil von Thrakien ihre europäischen Besitzungen verlor,) beendende Vertrag von Bukarest (Bukarester Friedensschluss vom 10.8.1913, der den Zweiten Balkankrieg beendete,) zu einem Anziehungspunkt der Südslawen machte, und insbesondere jener unter dem Joche Österreichs. Die ehrgeizigen Pläne des Vatikans und der apostolische Imperialismus (vom Papst beauftragte Großmachtsdrang) der Habsburger befanden sich wie bisher in völligem Einklang. Für Rom und Wien etikettierte die wachsende Stärke Serbiens dieses als den zu besiegenden Feind.

 

In der Tat begründet dies ein in den österreichisch-ungarischen Archiven gefundenes diplomatisches Dokument; es unterrichtet den österreichischen Minister Berchtold (ERKL.: Leopold Graf Berchtold, *1863, †1942) über die Gespräche, die Fürst Schönburg (ERKL.: Alois Fürst Schönburg-Hartenstein; dt.-österr. General u. Politiker, *1858, †1944) im Oktober-November 1913 im Vatikan führte:

 

„Bei den in der vergangenen Woche zunächst mit dem Kardinalstaatssekretär (höchsten Geistlichen d. Vatikans nach d. Papst sowie ersten offiziellen polit. u. allgemeinkirchl. Berater d. Papstes,) (Merry del Val) besprochenen Themen wurde, wie zu erwarten war, die Serbienfrage angeschnitten. Als erstes brachte der Kardinal seine Freude über unsere feste und opportune (d. jeweiligen Situation angepasste) Haltung der letzten Monate zum Ausdruck. Während der Audienz, die ich an jenem Tage bei Seiner Heiligkeit, dem Heiligen Vater, hatte, der das Gespräch mit der Erwähnung unserer in Belgrad unternommenen energischen Schritte begann, machte er einige charakteristische Bemerkungen: »Besser wäre freilich gewesen“, sagte Seine Heiligkeit, „hätte Österreich-Ungarn die Serben bestraft, für all die Untaten, die sie begangen haben.«“

 

(1) Politisches Archiv (P.A.), XI, 291.

 

Pius X.Und so wurden bereits 1913 die militanten Gefühle Pius’ X. klar zum Ausdruck gebracht. Daran ist, ziehen wir die Inspiratoren der römischen Politik in Betracht, nichts Überraschendes.

 

„Was blieb den Habsburgern zu tun? Serbien – eine orthodoxe Nation – zu züchtigen. Das Ansehen Österreich-Ungarns, dieser Habsburger, die mit Spaniens Burbonen der Jesuiten letzte Unterstützer waren, und insbesondere das Ansehen des Thronfolgers Franz Ferdinand (ERKL.: *1863, †1914), ihres Verbündeten, würde stark gehoben. Für Rom erlangte die Angelegenheit fast religiöse Bedeutung; ein Sieg der apostolischen (vom Papst beauftragten) Monarchie über den Zarismus könnte als Sieg Roms über das östliche Schisma gesehen werden.“

 

(2) und (3) Pierre Dominique, op.cit., S.245, 246, 250.

 

5.1.2              Die Schüsse vom 28. Juni 1914 in Sarajewo gegen Erzherzog Franz Ferdinand setzen die Welt in Brand

 

Allerdings zog sich die Angelegenheit durch das ganze Jahr 1913. Doch am 28.Juni 1914 wurde in Sarajewo Erzherzog Franz Ferdinand ermordet. Die serbische Regierung hatte mit diesem von einem mazedonischen Studenten begangenen Verbrechen nichts zu tun, doch war es für Kaiser Franz Joseph (ERKL.: Franz Joseph I.; Kaiser von Österreich u. König von Ungarn, *1830, †1916) ein hervorragender Grund, mit Feindseligkeiten zu beginnen.

 

„Graf Sforza (ERKL.: Carlo [Karl] Graf Sforza; *1872, †1952) behauptet, das vorrangige Problem sei gewesen, Franz Joseph von der Notwendigkeit eines Krieges zu überzeugen. Der Rat des Papstes und seines Sekretärs seien das gewesen, was ihn am besten hätte beeinflussen können.“

 

(2) und (3) Pierre Dominique, op.cit., S.245, 246, 250.

 

Selbstverständlich erging besagter Rat an den Kaiser und dergestalt wie er von diesem Papste und seinem Sekretär, „dem Lieblingsschüler der Jesuiten“, zu erwarten war. Während Serbien versuchte, durch Eingehen auf sämtliche Wünsche der österreichischen Regierung, die Belgrad eine Drohnote (förml. schriftl. Mitteilung einer Drohung) zugesandt hatte, einzugehen, übergab der österreichische Vertreter beim Vatikan, Graf Pálffy, seinem Minister Berchtold am 29.Juli eine Zusammenfassung der Gespräche, die er am 27. Mit Kardinalstaatssekretär Merry del Val hatte; Thema besagter Unterredung seien „die großen Fragen und Probleme, die Europa heute beschäftigen“, gewesen.

 

Höhnisch weist der Diplomat die „menschliche Phantasie“ hinsichtlich der angeblichen Intervention des Papstes zurück, der sich doch „mit der Bitte an Seine k.u.k. Apostolische (vom Papst beauftragte) Majestät gewendet hätte, den christlichen Völkern die Schrecknisse eines Krieges zu ersparen“. Die besagten „gedankenlosen“ Vermutungen abgehandelt habend, legt er somit die „wahre Denkart der Kurie“ dar, wie sie ihm der Staatssekretär vermittelt hatte:

 

„Von einer besonderen Milde oder Versöhnlichkeit war aber in den Bemerkungen Seiner Eminenz (Papst Pius des X.) Nichts zu fühlen. Die an Serbien gerichtete Note, die er als äußerst scharf bezeichnete, billigte er trotzdem rückhaltlos und gab gleichzeitig indirekt der Hoffnung Ausdruck, dass die Monarchie durchhalten werde. Freilich meinte der Kardinal, sei es schade, dass Serbien nicht schon viel früher »klein gemacht « worden sei, denn damals wäre dies vielleicht ohne einen so großen Einsatz an unübersehbaren Möglichkeiten durchführbar gewesen, wie heute. Diese Äußerung entspricht auch der Denkungsart des Papstes, denn im Verlauf der letzten Jahre hat Seine Heiligkeit mehrmals das Bedauern geäußert, dass Oesterreich-Ungarn es unterlassen habe, seinen gefährlichen Nachbar an der Donau zu »züchtigen«.“

 

(4) „Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs“, 26, Wien-Leipzig, 1930, S.893, 894.

 

Zugegebenermaßen ist dies das genaue Gegenteil zu „der menschlichen Phantasie“ hinsichtlich einer päpstlichen Intervention zugunsten des Friedens.

 

Dabei ist der österreichische Diplomat auch nicht der einzige, der Bericht erstattet, über die „wahre Denkart“ des Römischen Bischofs (d. Papstes) und seines Sekretärs.

 

Tags zuvor, am 26.Juli (ERKL.: FALSCH; RICHTIG: Drei Tage zuvor, am 24.7. [1914]!), hatte der bayrische Vatikangesandte Baron Ritter an seine Regierung geschrieben (ERKL.: telegraf.):

 

„Papst billigt scharfes Vorgehen Österreichs gegen Serbien und schätzt im Kriegsfalle mit Deutschland russische und französische Armee nicht hoch ein. Karsek (ERKL.: Abk. f. „Kardinalstaatssekretär“) hofft ebenfalls, dass Österreich diesmal durchhält, und wüsste nicht, wann es sonst noch Krieg führen sollte, wenn es nicht einmal ausländische Agitation, die zum Morde des Thronfolgers geführt hat und außerdem bei der jetzigen Konstellation Österreichs Existenz gefährdet, entschlossen ist, mit Waffen zurückzuweisen.“

 

(5) Diese Mitteilung findet sich in „Bayerische Dokumente zum Kriegsausbruch“, Band 3, S.205.

 

Der Heilige Stuhl war sich demnach der „unübersehbaren Möglichkeiten“ vollends bewusst, die eine österreichisch-serbische Auseinandersetzung in sich barg, tat aber dennoch, um letztere zu begünstigen, alles in seiner Macht Stehende.

 

Das den „christlichen Völkern“ drohende Leid kümmerte weder den Heiligen Vater noch seine jesuitischen Ratgeber! Es war nicht das erste Mal, dass diese Nationen für die Zwecke der römischen Politik herhalten mussten. Endlich war sie gekommen, die herbeigesehnte Gelegenheit für den Einsatz des deutschen weltlichen Armes gegen das orthodoxe Russland, das „gottlose“ Frankreich, das eine „völlige Ausblutung“ brauchte, und, als Zugabe, gegen das „ketzerische“ England. Alles schien einen „lebhaften und freudigen“ Krieg zu versprechen.

 

Dessen Entwicklung und Ergebnis, beide im Widerspruch zum Vorhergesagten Pius X., erlebte letzterer nicht. Er starb zu Kriegsbeginn, am 20.August 1914. Vierzig Jahre später aber wurde der ehrwürdige Papst durch Pius XII. kanonisiert (heilig gesprochen), und der für den Kirchenkatechismus (kath. Katechismus) verwendete „Précis d’Histoire sainte“ (Grundriss der Heiligengeschichte) (ERKL.: verfasst u. herausgegeben von den Maristen; Lyon, 1909) widmete ihm diese erhebenden Worte:

 

„Pius X. tat alles, um den Beginn des Krieges von 1914 zu verhindern und starb voller Schmerz angesichts des Leides, das dieser Krieg bringen würde.“

 

War dies Satire, so hätte sie in besserer Weise nicht formuliert werden können!

 

Wenige Jahre vor 1914 sagte Yves Guyot (ERKL.: frz. Schriftsteller, *1843, †1928), ein wahrer Prophet: „Wenn jemals der Krieg ausbricht – hört es wohl, ihr Frauen, die ihr beichten geht, ihr Männer, die ihr die Kirche als eine Bürgschaft für Ordnung und Frieden betrachtet, und ihr Einfältigen, die ihr glaubt, der Weihwedel könne Brände verhüten und auslöschen – wenn je der Krieg ausbricht, so suchet die Verantwortlichkeit nirgends anders als im Vatikan: er wird dafür verantwortlich sein, wie er auch verantwortlich ist für den Krieg von 1870!“

 

(6) Yves Guyot: „Bilan social et politique de l’Église“, S.139. IN DEUTSCH: Yves Guyot: „Soziale und politische Bilanz der römischen Kirche“, S.76.

 

Der Vatikan, Initiator des Abschlachtens, beabsichtigte diesmal nicht weniger hinterhältig seine österreichisch-deutschen Verfechter den ganzen Krieg hindurch zu unterstützen. Die Truppen, die der deutsche Kaiser sich brüstete, nach Frankreich schicken zu wollen, brachte man an der Marne zum Stehen und schlug den Aggressor nach jedem seiner heftigen Angriffe in die Defensive zurück. Die päpstliche Diplomatie aber ließ dem Kaiser letztlich alle erdenkliche Hilfe zukommen, was nicht überrascht, bedenkt man, dass die göttliche Vorsehung das Begünstigen der Mittelmächte (Deutschlands, Österreichs u. ihrer Verbündeten i.1.Weltkrieg; ERKL.: i. d. Mitte zwischen den Alliierten liegend) zu lieben schien.

 

5.1.3              Der mysteriöse Tod des Kardinals Rampolla der als Jesuitengegner galt löst Nachforschungen aus; Tod von Pius X. und Amtsantritt von Bene

 

In der Tat war der als pro-französisch geltende – und aus diesem Grunde auf ein Veto Österreichs hin vom päpstlichen Throne ausgeschlossene – Kardinal Rampolla nicht mehr unter jenen, die hätten Papst werden können, da er wenige Monate vor Pius X. gestorben war, ein, wie es scheint, sehr gelegener Tod. Doch dies soll nicht das Eingreifen „Gottes“ in seiner Gesamtheit gewesen sein: Wie er es versprochen hatte, ernannte der neue Papst Benedikt der XV. (ERKL.: *1854, †1922) noch vor Stattfinden der Abstimmung Kardinal Ferrata (ERKL.: Domenico Ferrata, *1847, †1914) zum Staatssekretär.

 

Doch hatte der Kardinal (7) gar nicht erst die Zeit, seinen neuen Posten richtig anzutreten. Er war gegen Ende September 1914 gerade erst in das Sekretariat eingezogen, als ER am 20.Oktober nach der Einnahme eines „IMBISSES“ einem furchtbaren Unwohlsein zum Opfer fiel und PLÖTZLICH STARB.

 

(7) Er war den Jesuiten nicht freundlich gesinnt.

 

„Er saß gerade an seinem Schreibtische, als ihm unvermittelt speiübel wurde. Wie vom Blitz getroffen stürzte er zu Boden. Die Bediensteten eilten ihm zu helfen. Der unverzüglich herbeigerufene Arzt erfasste sofort den Ernst der Lage und bat um rasche Rücksprache. Was Ferrata betraf, so hatte er bereits verstanden und wusste, dass es keine Hoffnung gab. … Er ersuchte inständig, dass man jenen zum Sterben nicht im Vatikan beließe. … Ohne Verzug kam es zu der ärztlichen Rücksprache mit sechs Medizinern in seinem Hotel. … Ein ärztliches Bulletin (ärztl. Schreiben in Form eines Berichts über d. Zustand des Kranken f. d. Facharzt; ERKL.: Krankenbericht über eine Person d. öffentl. Lebens) anzufertigen, lehnten sie ab; ein solches erschien dann doch, aber ohne Unterschriften.“ (8) Wonach er zuletzt an keinerlei Krankheit oder Gebrechlichkeit gelitten habe.

 

(8) und (9) Abt Daniel: „Le baptême de sang“, („Die Bluttaufe“, Éd. de l’Idée Libre, Herblay, 1935, S.28-30).

 

„Das Aufsehen, das dieser Tod erregte, war derart, dass sich eine Untersuchung seiner Ursache nicht vermeiden ließ. Deren Ergebnis: in dem Büro sei ein Glas zu Bruch gegangen. Dieserart erklärte man ganz einfach das Vorhandensein zerstoßenen Glases in der vom Kardinal verwendeten Zuckerdose. Wozu Kristallzucker so nütze ist! Damit wurde die Untersuchung beendet. … “

 

(8) und (9) Abt Daniel: „Le baptême de sang“, („Die Bluttaufe“, Éd. de l’Idée Libre, Herblay, 1935, S.28-30).

 

Abt Daniel fügt hinzu, dass wenige Tage später die plötzliche Abreise des Dieners des verstorbenen Kardinals nicht wenige Bemerkungen nach sich gezogen haben soll, v.a. da er offenbar, bevor sein Herr die Weihe (Priesterwürde) empfangen habe, der Diener von Monsignore von Gerlach gewesen sei. Dieser deutsche Prälat und berüchtigte Spion soll 1916 aus Rom geflohen sein: er sei im Begriff gewesen, verhaftet und angeklagt zu werden wegen Sabotage des italienischen Schlachtschiffes „Leonardo da Vinci“, das zusammen mit 21 Offizieren und 221 Matrosen im Golf von Tarent explodiert sei. „1919 kam es zur Wiederaufnahme seines Verfahrens. Von Gerlach erschien nicht und wurde zu zwanzig Jahren harter Arbeit verurteilt.“

 

(10), (11) und (13) Abt Brugerette, op.cit., III, S.553, 528, 529.

 

Durch das Beispiel dieses „Ehrenkämmerers“ (päpstl. Finanzbeamten; ERKL.: Geheimkämmerers) und Herausgebers des „Osservatore Romano“ bekommen wir eine klare Vorstellung von der Geisteshaltung in den höheren Sphären des Vatikans.

 

Es ist wieder Abt Brugerette, der das „Gefolge des Heiligen Stuhls“ beschreibt: „Professoren oder Geistliche, es gibt keinerlei Hindernis, das sie abhält von ihrem Bestreben, dem italienischen Klerus und der katholischen Welt in Rom Respekt und Bewunderung für die deutsch-österreichische Armee, Hass und Verachtung für Frankreich einzuschärfen.“.

 

(10), (11) und (13) Abt Brugerette, op.cit., III, S.553, 528, 529.

 

Ferrata, der für Neutralität war, war zur rechten Zeit gestorben und Staatssekretär wurde Kardinal Gasparri (ERKL.: Pietro Gasparri, *1852, †1934); in völliger Übereinstimmung mit Benedikt XV. tat dieser sein Bestes, den Interessen der Mittelmächte zu dienen.

 

„In Anbetracht all dessen ist es nicht mehr überraschend, dass Papst Benedikt XV. in den nächsten Monaten hart daran arbeitete, Italien auf dem Interventionskurs zu halten, der den mit den Habsburgern befreundeten Jesuiten den größten Dienst erweisen würde. … “

 

(12) Pierre Dominique, op.cit., S.252.

 

Gleichzeitig wurde der Kampfgeist der Alliierten auf raffinierte Weise untergraben.

 

„Am 10.Januar 1915 ordnete ein von Kardinal Gasparri, dem Staatssekretär Benedikts XV., unterschriebenes Dekret an, zur Beschleunigung des Friedens einen Gebetstag abzuhalten. … Eine der Frömmigkeits-Pflichtübungen war das Rezitieren eines von Benedikt XV. höchstselbst verfassten Gedichts. … Die französische Regierung gab Order, das päpstliche Dokument einzuziehen. Zu einer Zeit, wo die deutschen Horden soeben den unaufhaltsamen Druck spürten, der unser Land von ihnen befreien würde, und wo sich dem Kaiser die furchtbare Strafe ankündigte, die seine unentschuldbaren Verbrechen verdienten, sah man in diesem Friedensgebet eine aufweichende und zersetzende Bekundung, dazu geeignet, unsere Armeen zu entmotivieren. … Der Papst, so sagte man, habe Frieden um jeden Preis gewollt, der zu jener Zeit nur zugunsten der Mittelmächte habe sein können. Der Papst könne Frankreich nicht ab; er sei »deutsch«.“

 

(10), (11) und (13) Abt Brugerette, op.cit., III, S.553, 528, 529.

 

Charles Ledré, ein anderer katholischer Autor, bestätigt: „Bei zwei in einigen wohlbekannten Artikeln der »La Revue de Paris« erwähnten Gelegenheiten forderte der Heilige Stuhl Italien und später die Vereinigten Staaten auf, sich aus dem Kriege herauszuhalten und zeigte dieserart, dass er nicht allein ein rascheres Ende des Konfliktes wünschte. … Abt Brugerette zufolge habe dies den Interessen unserer Feinde gedient und uns entgegengearbeitet.“

 

(14) Charles Ledré, op.cit., S.154.

 

Das Wirken aber der Jesuiten, und somit des Vatikans, war nicht nur in Italien und den Vereinigten Staaten zu spüren. Recht ist ihnen jegliches Mittel, jeder Ort.

 

„Verwunderlich ist es also nicht, zu sehen, wie die päpstliche Diplomatie von Beginn an eifrig unsere Lebensmittelversorgung behindert; die Neutralen davon abbringt, sich an unsere Seite zu stellen, um die die »Entente« (Mittelmächtegegner) zusammenhaltenden Bande zu zerstören. … Nichts wurde als zu unbedeutend angesehen, konnte es der großen Aufgabe zunutze sein und durch Hervorrufen so mancher Schwäche unter den Alliierten den Frieden herbeibringen.

 

Es kam schlimmeres: das Drängen nach einem Separatfrieden (nur einseit. m. nur einem d. Gegner abgeschlossenen Frieden). Zwischen dem 2. und 10. Januar 1916 begaben sich einige deutsche Katholiken nach Belgien, um, wie sie sagten, im Namen des Papstes einen Separatfrieden zu propagieren. Die belgischen Bischöfe beschuldigten jene der Lüge, Nuntius und Papst indes hüllten sich in Schweigen. …

 

Der Heilige Stuhl gedachte damals, Frankreich und Österreich zusammenzubringen in der Hoffnung, Frankreich unterschreibt einen Separatfrieden, oder zu fordern, es solle mit seinen Verbündeten einen allgemeinen Frieden aushandeln. … Wenige Wochen später, am 31.März 1917, übergab Prinz Sixtus von Burbon (ERKL.: Sixtus Prinz v.Burbon-Parma; belg. Offizier, *1886, †1934) den berühmten Brief Kaiser Karls (ERKL.: Karl I., Kaiser von Österreich u. König von Ungarn, *1881, †1922) dem Präsidenten der Republik.

 

Da diesseits der Alpen das Manöver fehlgeschlagen war, musste der Versuch unbedingt an anderer Stelle wiederholt werden, in England, in Amerika und vor allem in Italien. …

 

5.1.4              Beim Abschluss des Versailler Vertrages von 1919 war den Alliierten die Rolle der Katholischen Kirche als Kriegstreiberin wohl bewusst; Monsignore Pacelli bereitet die Inthronisierung Hitlers vor

 

Aufbrechen der weltlichen Kräfte der »Entente«, um ihre Offensiven zu stoppen, Zunichtemachen ihres moralischen Ansehens mit dem Ziel, ihr den Mut zu nehmen und Bedingungen aufzuzwingen. … Diese zwei bilden die Politik Benedikts XV. und sämtliche Anstrengungen seiner Unparteilichkeit zielten und zielen weiter darauf ab, uns lahm zu legen.“

 

(15) Louis Canet: „Die Politik Benedikts XV.“ (Revue de Paris, 15.Oktober und 1.November 1918).

 

Soweit die Aussage des bekannten Katholiken Louis Canet; hören wir Abt Brugerette:

 

„Wir erfuhren vier Jahre später nur, über Erzbergers (ERKL.: Matthias Erzberger; Politiker, *1875, †1921) in der »Germania « vom 22.April 1921 erschienene Erklärungen, dass dem vom Papst im August 1917 bekannt gegebenen Friedensangebot ein »Geheimabkommen« zwischen dem Heiligen Stuhl und Deutschland vorausging.“

 

(16) Abt Brugerette, op.cit., III, S.543.

 

Interessant auch, dass der Kirchendiplomat, der besagtes „Geheimabkommen“ aushandelte, der Nuntius in München, Monsignore Pacelli, späterer Papst Pius XII., war.

 

Einer seiner Apologeten (Verteidiger), PJ Fernesole (Jesuitenpater Fernesole; ERKL.: Pater der Jesuiten; Pierre Fernesole), schrieb: „Am 28.Mai (1917) legte Monsignore Pacelli dem bayrischen König seine Ernennungsurkunden vor. … Er gab sich große Mühe, Wilhelm den II. und Kanzler Bethmann Hollweg (ERKL.: Theobald v. Bethmann Hollweg, *1856, †1921) für eine Zusammenarbeit zu gewinnen. Am 29.Juni wurde Monsignore Pacelli von Kaiser Wilhelm II. feierlich im Kreuznacher Hauptquartier empfangen.“

 

(17) Hw.P.SJ Fernesole: „Pro Pontifice“ („Für d. Pontifex“), Imprimatur 26.Juni 1947 (Beauchesne, Paris, 1947, S.15).

 

Und somit begann der künftige Papst seine zwölf Jahre als Nuntius in München, später Berlin, in dem Willen, seinen Kurs fortzusetzen, denn während jener Jahre mehrte er die Intrigen zum Sturze der nach dem Ersten Weltkrieg gegründeten Deutschen Republik (gegründeten u. nach d. ersten Tagungsort d. Nationalversammlung benannten Weimarer Republik) und zur Vorbereitung der Revanche von 1939 durch die Inthronisierung Hitlers.

 

Als aber die Alliierten im Juli 1919 den Versailler Vertrag (d. Friedensvertrag zwischen d. Dt.Reich u. d. Ententemächten) unterzeichneten, war ihnen die vom Vatikan in diesem Kriege gespielte Rolle derart bewusst, dass sie letztere sorgsam vom Konferenztisch fernhielten. Was noch mehr überrascht, ist, dass es der katholischste Staat, also Italien, war, der auf deren Ausklammerung bestand.

 

„Durch den Artikel XV des Londoner Paktes (d. Londoner Vertrages vom 26.April 1915, i. dem d. Ententemächte Großbritannien, Russland u. Frankreich Italien f. d. Fall seines Kriegseintritts an d. Seite Großbritanniens u. Frankreichs Gebietserweiterungen auf Kosten Österreich-Ungarns zusicherten), der die Teilnahme Italiens am Kriege regelte, hatte Baron Sonnino (ERKL.: Giorgio Sydney Baron Sonnino; ital. Politiker, *1847, †1922) bei den anderen Alliierten durchgesetzt, dass sie jede Mitwirkung des Heiligen Stuhles auf der Friedenskonferenz ablehnen sollten.“

 

Eine kluge Maßnahme, aber unzureichend.

 

Statt die Sanktionen gegen den Heiligen Stuhl, der diese für das Hervorrufen des Ersten Weltkrieges verdient hatte, zur Anwendung zu bringen, unternahmen die Sieger zur Vorbeugung weiterer Intrigen der Jesuiten und des Vatikans nichts; diese führten schließlich 20 Jahre später in eine noch schlimmere Katastrophe, die vielleicht schlimmste, die die Welt je gesehen hat.

 

(18) Charles Pichon: „Histoire de Vatican“ (Sefi, Paris, 1946, S.143). IN DEUTSCH: Charles Pichon: „Geschichte des Vatikans“ (Fredebeul & Koenen, Essen, 1950, S.108)

 

5.2                  Kapitel 2:  Vorbereitungen auf den Zweiten Weltkrieg

 

5.1.5              Die Katholische Kirche geht als Verliererin aus dem 1. Weltkrieg! Jesuiten erneut in Russland aktiv

 

Die bitteren Früchte ihrer verbrecherischen Politik ernteten die Söhne Loyolas 1919. Frankreich hatte sich der „völligen Ausblutung“ nicht ergeben. Das apostolische (vom Papst beauftragte) Reich der Habsburger, die von ihnen ermutigt worden waren, „die Serben zu bestrafen“, war zerfallen und hatte so die orthodoxen Slawen vom Joche Roms befreit. Russland war, statt in die römische Gemeinde zurückzukehren, marxistisch, kirchenfeindlich und offiziell atheistisch geworden. Und das unbesiegbare Deutschland, es versank im Chaos.

 

Eine Sünde aber zu bekennen, würde der stolzen Natur der Kompanie nie in den Sinn kommen. Als Benedikt XV. 1922 starb, war sie bereit, auf neuer Basis neu zu beginnen. War sie nicht in Rom allmächtig? Lesen wir Pierre Dominique: „Der neue Papst Pius XI. (ERKL.: *1857, †1939), der, wie einige sagen, Jesuit sei, versucht, die Dinge wieder ins Lot zu bringen. Er bittet den Jesuitenpater d’Herbigny (ERKL.: Michel d’Herbigny, *1880, †1957), nach Russland zu gehen, in dem Versuch, alles zu sammeln, was vom Katholizismus übriggeblieben sei und vor allem zu schauen, was getan werden könne. Eine vage und große Hoffnung: die verfolgte orthodoxe Welt um den Pontifex zu sammeln.

 

In Rom gibt es neununddreißig kirchliche Hochschulen, deren Gründung die Zeitpunkte großer Gegenangriffe markiert; die meisten dieser Gegenangriffe waren in ihrer Wirkungsweise und Ausrichtung jesuitisch: Deutsch-Ungarisches Kolleg (1552), Englisches (1578), Irisches (1628, wiedergegründet 1826), Schottisches (1600), Nordamerikanisches (1859), Kanadisches (1888), Äthiopisches (1919, wiedereingerichtet 1930).

 

Pius XI. begründet das Russische Kolleg (Ponteficio Collegio Russo dedicato a S.Teresa del Bambino Gesù) (Päpstliches Russ. Kolleg z. Hl.Theresia vom Jesuskind) und gibt es unter die Obhut der Jesuiten. Diese betreuen außerdem noch das Orientalische Institut, das Johannes-Damascenus-Institut, das Polnische und später das Litauische Kolleg. Sind dies Erinnerungen an Pater Possevin, Iwan den Schrecklichen und den falschen Dimitri? Das zweite der drei großen Ziele aus der Zeit des Ignatius rückt vor auf Platz eins. Einmal mehr sind die inspirierenden Agenten und Darsteller jenes großen Unternehmens die Jesuiten.“

 

(19) und (20) Pierre Dominique, op.cit., S.253, 254.

 

In ihrer gerade erlittenen Niederlage wird für die Söhne Loyolas der Ansatz eines Hoffnungsschimmers erkennbar. Hatte nicht die Russische Revolution durch die Beseitigung des Zaren, des Beschützers der orthodoxen Kirche, dem großen Rivalen den Kopf abgehauen und der römischen Kirche geholfen, einzudringen? Man soll das Eisen schmieden solange es heiß ist! Das berühmte „Russicum“ (Russ. Kolleg) wird gegründet und die frohe Botschaft von seinen heimlichen Missionaren in dieses schismatische Land gebracht. (19a) Ein Jahrhundert nach ihrer Ausweisung durch Zar Alexander den Ersten (ERKL.: *1777, †1825) werden sich die Jesuiten erneut an die Eroberung der slawischen Welt machen. Ihr General war seit 1915 Halke von Ledochowski (ERKL.: Wladimir [Halke v.] Ledochowski, *1868, †1942).

 

(19a) Siehe auch Frédéric Hoffets „L’Équivoque catholique et le nouveau cléricalisme“ („Die kath. Zweideutigkeit und d. neue Klerikalismus“), Fischbacher, Paris.

 

Und wieder Pierre Dominique: „Mancher mag sagen, ich sehe überall Jesuiten! Aber ich fühle mich gedrungen, ihre Anwesenheit und Aktivitäten zu betonen; zu sagen, dass sie hinter der Monarchie Alfons des XIII. (ERKL.: König von Spanien, *1886, †1941) standen, dessen Beichtvater Pater López war; dass, als die spanische Monarchie beendet und ihre Klöster und Kollegien niedergebrannt wurden, sie wiederum hinter Gil-Robles (ERKL.: José María Gil (-) Robles Qiñones; span. Politiker, *1898, †1980) zu finden waren, später, als es zum Bürgerkrieg kam, hinter Franco. In Portugal unterstützen sie Salazar (ERKL.: António Oliveira Salazar; Politiker, *1889, †1976, mittlerweile muss es lauten: „… unterstützten sie …“; die amerikanische, dieser Übersetzung zugrunde liegende Ausgabe von „Die verborgene Geschichte der Jesuiten“ ist m. 1975 datiert!). In Österreich und Ungarn Kaiser Karl, der dreimal abgesetzt wurde (Welche Rolle haben sie gespielt bei jenen Versuchen, die ungarische Krone wiederzuerlangen? Wer weiß!); ohne groß zu wissen für wen oder was – man hielt den Platz warm. Monsignore Seipel, (ERKL.: Ignaz Seipel, *1876, †1932) Dollfuß (ERKL.: Engelbert Dollfuß; österr. Politiker, *1892, †1934) und Schussnigg (ERKL.: Kurt (v.) Schuschnigg, auch Schussnigg; österr. Politiker, *1897, †1977) kommen aus ihren Reihen. Eine Zeitlang träumt man von einem Großdeutschland mit katholischer Mehrheit, zu dem notwendigerweise auch die Österreicher gehören würden: eine moderne Version der alten Allianz des 16.Jahrhunderts zwischen den Wittelsbachern und Habsburgen. In Italien unterstützen sie zunächst Don Sturzo (ERKL.: Luigi Sturzo; kath. Theologe u. ital. Politiker, *1871, †1959), den Gründer der Volkspartei (der 1926 aufgelösten, ein klassenübergreifendes Reformprogramm auf d. Basis d. kath. Soziallehre vertretenden Ital.Volkspartei [Partito Popolare Italiano]), dann Mussolini. … Der Jesuitenpater Tacchi Venturi (ERKL.: Pietro Tacchi Venturi, *1861, †1956), Generalsekretär (oberster Geschäftsführer) der Kompanie, fungierte als Mittelsmann zwischen Pius XI., dessen Beichtväter die Patres Alissiardi und Celebrano (Jesuiten) sind, und Mussolini.

 

5.1.6              Papst Pius XI. schliesst mit Mussolini den Lateranvertrag und toleriert dessen Überfall auf Abesinien

 

Im Februar 1929, um die Zeit des Lateranvertrages (Abschlusses d. dreiteil. Übereinkunft der nach ihrem Abschlussort, dem ehem. röm. Papstpalast Lateran, benannten Lateranverträge zum Zwecke d. Lösung d. Konflikts zwischen Kurie u. ital. Regierung), wird Mussolini vom Papst als »der Mann, den uns die Vorsehung hat treffen lassen«, bezeichnet. Rom verurteilt, was gemeinhin der „Überfall auf Äthiopien“ genannt wird nicht und Mussolinis aufrichtiger Freund ist der Vatikan auch 1940 noch.

 

In ihm haben die Jesuiten ihren geheimen Aufenthaltsort. Von dort aus inspizieren sie die allumfassende Kirche mit dem kalten und berechnenden Auge des Politikers.“

 

(19) und (20) Pierre Dominique, op.cit., S.253, 254.

 

Das ist die perfekte Zusammenfassung der Jesuitentätigkeit zwischen den zwei Weltkriegen. Der „geheime Aufenthaltsort“ der Söhne Loyolas ist das politische Gehirn des Vatikans. Die Beichtväter Pius’ XI. sind Jesuiten; jene seines Nachfolgers, Pius des XII., werden ebenfalls Jesuiten sein und in nicht geringem Maße Deutsche. Egal ob so die Verschwörung offensichtlich wird: alles ist, wie es scheint, bereit zur Revanche.

 

Unter dem Pontifikat Pius’ XI. aber läuft die Fase der Vorbereitung. Noch liegt das Schwert des besiegt wordenen deutschen „weltlichen Arms“ am Boden. Darauf wartend, es wieder aufzunehmen, wird in Europa der seiner künftigen Großtaten würdige Boden bereitet und vor allem das bedrohliche Emporkommen der Demokratie zum Stillstand gebracht.

 

Erstes Betätigungsfeld wird Italien sein. Dort gibt es einen lautstarken Sozialistenführer, der Veteranen um sich schart. Dieser Mann verkündet eine offensichtlich kompromisslose Lehre, ist aber soweit ambitioniert und Herr der Lage, sich trotz seiner maßlosen Großtuerei seiner gefahrvollen Position bewusst zu werden.

 

In Kürze wird er sich von der jesuitischen Diplomatie gewinnen lassen.

 

François Charles-Roux (ERKL.: *1909, †1999) vom Institut, der damals unser (d.h. französischer) Botschafter beim Vatikan war, sagt: „Zu der Zeit, als der spätere Duce noch ein einfacher Abgeordneter war, hatte Staatssekretär Kardinal Gasparri eine geheime Unterredung mit ihm. … Der Faschistenführer hatte sich unverzüglich damit eins gemacht, dass der Papst über einen Teil Roms eine weltliche Herrschaft ausüben solle. …

 

Mir von jener Unterredung berichtend, folgerte Kardinal Gasparri: »Mit dieser Zusage war mir klar - käme dieser Mann an die Macht, so wäre der Erfolg unser

 

Von dem Bericht über die Verhandlungen zwischen den Geheimagenten Pius’ XI. und Mussolini ganz zu schweigen. …

 

(21) François Charles-Roux: „Huit ans au Vatican“ („Acht Jahre im Vatikan“), Flammarion, Paris, 1947, S.47 ff.

 

Besagte Geheimagenten – deren wichtigster der Jesuitenpater Tacchi Venturi – erfüllten ihre Mission außerordentlich gut. Dies verwundert nicht, wenn man weiß, dass er der Sekretär der Societas Iesu und zur gleichen Zeit Mussolinis Beichtvater war. In diese „Liebedienerei“ des Faschistenführers wurde er letztlich vom General seines Ordens, Halke von Ledochowski, „hineingeleitet“, wie uns Gaston Gaillard berichtet.

 

(22) Gaston Gaillard, S.353, „La Fin du Temps“ ([„Das Ende d. Zeit“,] Éd. Albert, Paris, 1933).

 

„Die im Jahre 1921 im Zeichen des nationalen Blocks gewählte Kammer sollte dann am 16.November (16.November 1922) mit dreihundertsechs gegen hundertsechzehn Stimmen Mussolini ihr Vertrauen aussprechen, und man erlebte bei dieser Sitzung, dass die Fraktion der katholischen Volkspartei (von Don Sturzo), die sich als christliche Demokratie ausgab, einstimmig für die erste faschistische Regierung stimmte.“

 

(23) Pietro Nenni, „Sei anni di Guerra civile in Italia“ (Lecconi editore, Paris, 1929). IN DEUTSCH: Pietro Nenni, „Todeskampf der Freiheit“ (Dietz, Berlin, 1930, S.113).

 

Zehn Jahre später führte das gleiche Manöver zu einem ähnlichen Ergebnis in Deutschland. Die massive Stimmabgabe der katholischen Zentrumspartei von Monsignore Kaas (ERKL.: Ludwig Kaas, *1881, †1952) sorgte für die Sicherstellung der Diktatur des Nationalsozialismus.

 

Im Grunde war Italien 1922 Versuchsfeld für die neue Formel des autoritären Konservatismus (autoritären, am Hergebrachten Festhaltenden, das sich nur ungern auf Neuerungen einlässt): bei Bedarf mit einem Schuss Pseudsozialismus verfeinerter Faschismus (, nach d. Führerprinzip organisierter, nationalist., antidemokrat., rechtsradikaler Regierungsstil) – je nach örtlicher Gegebenheit. Ab sofort richteten sich sämtliche Anstrengungen der Vatikanjesuiten auf die europaweite Verbreitung dieser neuen in ihrer Zweideutigkeit jesuitentypischen „Lehre“.

 

Noch heute sind aus Sicht der italienischen Christdemokraten weder der Zusammenbruch des Mussoliniregimes, noch die Niederlage, noch die Ruinen hinreichend genug, den ihrem Lande vom Vatikan aufgezwungenen größenwahnsinnigen Diktator in Zweifel zu ziehen. Allein äußerlich verstoßen, bleibt in den Herzen der Geistlichen sein Ansehen unbeschadet. Folgendes konnte man in der Presse lesen:

 

„Wir haben uns entschieden: zu den Olympischen Spielen 1960 nach Rom kommende Besucher werden erleben können, wie der von Benito Mussolini zu seinen eigenen Ehren errichtete marmorne Obelisk vom Tiberufer aus das Olympiastadion dominiert. Dieses dreiunddreißig Meter hohe Denkmal trägt die Inschrift »Mussolini Dux« und wird geschmückt von – den Faschismus lobpreisenden – Mosaiken. Mehr als einhundertmal wird der Satz »Hoch lebe der Duce wiederholt und ebenfalls mehrere Male die Losung »Viel Feind, viel Ehr!«. Das Monument hat auf jeder Seite Marmorblöcke, die der wichtigsten Ereignisse des Faschismus gedenken, von der Gründung der Zeitschrift »Popolo d’Italia« durch Mussolini bishin zur Errichtung des kurzlebigen faschistischen Staates und einschließlich des Krieges in Äthiopien. Als Krönung des Obelisken war ein gigantisches, Mussolini als fast einhundert Meter hohen nackten Athleten darstellendes Standbild geplant. Bevor aber dieses merkwürdige Projekt seine Realisierung erfuhr, brach das Regime zusammen.

 

Nach einjähriger Kontroverse hat die Regierung Segni (ERKL.: Regierung Antonio Segnis [*1891, †1972]) soeben beschlossen, der Duce-Obelisk solle stehen bleiben.“

 

(24) Italienische Presse, New York Herald Tribune, Time und Paris-press, 3.November 1959.

 

Ungeachtet des Krieges, des Blutes, das in Strömen floss, der Tränen, der Ruinen. Sind es doch nur Kleinigkeiten, kleine Flecken an dem Monument, errichtet zu Ehren desjenigen, den Pius XI. als den „Mann, den uns die Vorsehung hat treffen lassen“, beschreibt.

 

Kein Irren, Versagen oder Verbrechen, das dieses vordergründigste Verdienst auszulöschen vermag: die Tatsache nämlich, dass er die weltliche Macht des Papstes wiederherstellte, den römischen Katholizismus zur Staatsreligion erklärte und mittels Gesetzen, die immer noch in Kraft sind, dem Klerus die absolute Macht über das Leben der Nation verlieh.

 

Auf dass dies bezeugt würde, hatte Mussolinis Obelisk im Herzen von Rom Stand zu nehmen, zugunsten der ihn bewundernd oder ironisch betrachtenden Touristen und in der Hoffnung auf bessere Zeiten, in denen es schließlich möglich sein würde, ihn zu errichten – den einhundert Meter hohen „nackten Athleten“ und symbolischen Vatikanverfechter.

 

5.1.7              Durch den Lateranvertrag wurde das Papsttum weltlicher Herrscher über die Vatikanstadt: Religion und Politik erneut vereint!

 

Der Lateranvertrag, mit dem Mussolini dem Papsttum seine Dankbarkeit zeigte, brachte dem Heiligen Stuhl außer der Zahlung von 750 Millionen Lire (d.h. € 20.000.000 [ERKL.: i.J. 2006]) auch die weltliche Herrschaft über das Gebiet der Vatikanstadt. Die Signifikanz dieses Ereignisses erklärt Monsignore Cristiani, Prälat Seiner Heiligkeit:

 

„Es steht außer Frage – für die Etablierung des Papsttums als politische Macht war die Gründung der Vatikanstadt eine Angelegenheit von vorderster Wichtigkeit.“

 

(25) Monsignore Cristiani: „Le Vatican politique”, Imprimatur 15.Juli 1956 ([„Der polit. Vatikan”;] Éd. Du Centurion, Paris, 1957, S.136).

 

Wir sparen uns die Zeit für den Versuch, dieses eindeutige Bekenntnis mit dem derart oft gehörten Satz „Die Kirche betätigt sich nicht in der Politik.“ in Einklang zu bringen. Betonen werden wir die einzigartige Weltstellung eines sowohl säkularen als auch geistlichen und somit in seinem Wesen doppeldeutigen Staates und die sich aus dieser Stellung ergebenden Folgen.

 

Welches sind die schlauen jesuitischen Kunstgriffe, eingesetzt von dieser Macht, die, um von sämtlichen durch internationale Gesetze festgelegten Regelungen ausgenommen zu sein, je nach den Umständen, in ihrer säkularen oder geistlichen Gestalt auftritt?

 

Bis zum heutigen Tage haben die Nationen ihrerseits dieser Trickserei die Hand gereicht und ihm so für das Eindringen in ihre Mitte Tür und Tor geöffnet – dem Trojanischen Pferd des Klerikalismus (d. Bestrebens d. kath. Kirche, das gesamte öffentl. Leben zu beeinflussen).

 

„Zu sehr schien der Papst sich mit den Diktatoren zu identifizieren.“ (26), schrieb der französische Botschafter beim Vatikan, François Charles-Roux. Aber wie hätte es anders sein können, wo der Heilige Stuhl diese Männer doch selbst erst an die Macht gebracht hatte?

 

(26) François Charles-Roux: op.cit., S.231.

 

Von jener Reihe der Männer der „Vorsehung“, dieser Schwertträger, die die Revanche für 1918 vorbereiten würden, war Prototyp (Vorbild) Mussolini der Inaugurator (Wegbereiter). Von Italien aus, wo der Faschismus unter Pater Tacchi Venturi und seinen Helfershelfern derart gut gedieh, sollte er alsbald nach Deutschland exportiert werden. „Hitler erhält seinen Anstoß von Mussolini; das Ideal der Nazis ist dasselbe wie das in Italien. … Berlin werden sämtliche Sympathien zuteil, weil Mussolini an der Spitze steht. … Der Nationalsozialismus des letzteren und der Faschismus gehen 1923 zusammen. Mussolini wird Hitlers Freund und versorgt diesen mit Waffen und Geld.“

 

(27) Antonio Aniante: „Mussolini” (Grasset, Paris, 1923, S.123 ff.).

 

Zu jener Zeit ist Monsignore Pacelli, späterer Pius XII. und damaliger bester Diplomat der Kurie, Nuntius in München, der Hauptstadt des katholischen Bayern. Von dort aus beginnt der Stern des kommenden deutschen Diktators seinen Aufstieg; er ist katholisch wie die meisten seiner wichtigsten Vertrauten. Von jenem Lande und Schoss des Nazismus lässt uns Maurice Laporte wissen: „Seine zwei Feinde heißen Protestantismus und Demokratie.“

 

Preußens Besorgtheit ist somit verständlich.

 

„Welche Art besonderer Fürsorge der Vatikan Bayern angedeihen lässt, das ihm mit seinem Hitlerschen Nationalsozialismus die stärksten Kontingente rekrutiert, ist leicht zu erraten.“

 

(28) Maurice Laporte: „Sous le casque d’acier” ([„Unterm Stahlhelm”;] A.Rédier, Paris, 1931, S.105).

 

Das „ketzerische“ Preußen der Lenkung des „weltlichen Armes“ entledigen und sie dem katholischen Bayern übertragen; was für ein Traum! Um ihn zu verwirklichen, tut Monsignore Pacelli in Zusammenarbeit mit dem Oberhaupt der Societas Iesu alles in seiner Macht Stehende.

 

Nach dem letzten Krieg (1914-1918) hatte sich Jesuitengeneral Halke von Ledochowski einen gewaltigen Plan zurechtgelegt: … die Schaffung einer Föderation katholischer Nationen in Mittel- und Osteuropa, mit oder ohne Habsburgerkaiser: Österreich, Slowakei, Böhmen, Polen, Ungarn, Kroatien und natürlich Bayern.

 

http://1phil4everyill.files.wordpress.com/2010/11/faulhaber.jpg?w=291&h=401„Dieses neue Reich der Mitte hätte an zwei Fronten kämpfen müssen, im Osten gegen die Sowjetunion, im Westen gegen Preußen, das protestantische Großbritannien und das republikanische Frankreich. Monsignore Pacelli, späterer Pius XII., war damals Nuntius in München, danach in Berlin, und war enger Freund von Kardinal Michael von Faulhaber, von Ledochowskis wichtigstem Mitarbeiter. Der Ledochowski-Plan war Pius’ XII. Jugendtraum.“

 

(29) „La Tribune des Nations”, 30.Juni 1950.

 

War es aber nur ein Jugendtraum? Abgesehen von dem Vorhandensein der nicht allzu gefährlichen Minderheit des lutherischen Preußens und den anerkannten Einflusszonen, die – vorübergehend vielleicht – zu Italien gehört hätten, kam das „Mitteleuropa“, das Hitler zu organisieren versuchte, jenem Plane sehr nahe. Angepasst an die Erfordernisse der Zeit, war es in der Tat der Ledochowskiplan, den der Führer unter der Schirmherrschaft des Heiligen Stuhls, mit Hilfe des päpstlichen Geheimkämmerers Franz von Papen und des Münchner, später Berliner, Nuntius Monsignore Pacelli, soeben versuchte, zu verwirklichen.

 

François Charles-Roux schreibt: „Während der Neuzeit hat die Weltpolitik das katholische Eingreifen nie stärker zu spüren bekommen wie in der Amtsperiode Monsignore Pacellis.“ (30) (30) François Charles-Roux: op.cit., S.93.

 

Und von Joseph Rovan: „Das katholische Bayern … macht sich also daran, all jene, die Unfrieden säen, sowie die Komplizen und Mörder der heiligen Feme (der hl. geheimen, über die Ermordung polit. Gegner u. Verräter i. d. eigenen Reihen entscheidenden Gerichtsversammlung) aufzunehmen und zu schützen.“

 

(31) Joseph Rovan, op.cit., S.195.

 

5.1.8              Hitler auserkoren von Monsignore Pacelli als Pius dem XI. als „deutschestem“ aller Päpste die „demokratischen Irrtümer“ auszumerzen; Franz von Pappen amtete als Königsmacher; am 20.Juli 1932 wird in Berlin Belagerungszustand ausgerufen

 

Unter all diesen Agitatoren (Aufklärern) wird die Wahl für Deutschlands „Wohltäter“ auf Hitler fallen, der dazu bestimmt ist, unter der Standarte des Heiligen Vaters den Sieg über die „demokratischen Irrtümer“ zu erringen. Wie seine wichtigsten Mitarbeiter, ist er selbstverständlich katholisch.

 

„Das NS-Regime gleicht einer Wiederholung der Regierung Süddeutschlands. Name und Herkunft seiner führenden Köpfe beweisen es. Hitler ist sogar Österreicher, Göring (ERKL.: Hermann Göring; Politiker, *1893, †1946) Bayer, Goebbels (ERKL.: Paul Joseph Goebbels; Politiker, *1897, †1945) Rheinländer und so weiter und so fort.“

 

(32) Gonzague de Reynold: „D’où vient l’Allemagne“ ([„Woher kommt Deutschland“,] Plon, Paris, 1939, S.185).

 

1924 unterzeichnet der Heilige Stuhl ein Konkordat mit Bayern. 1927 können wir in der „Gazette de Cologne“ lesen: „Pius XI. ist gewiss »der deutscheste« Papst, der je auf dem Stuhle Petri gesessen hat.“

 

Sein Amtsnachfolger Pius XII. wird ihm diese Siegeslorbeeren abringen. Doch widmet sich jener fürs erste seiner Diplomaten- oder vielmehr politischen Laufbahn in diesem Deutschland, für das er, wie er Ribbentrop (ERKL.: Joachim v.Ribbentrop; Diplomat u. Politiker, *1883, †1946) später wissen lässt, „immer eine besondere Zuneigung haben würde“.

 

Zum Nuntius von Berlin aufgestiegen, arbeitet er mit Franz von Papen an der Zerstörung der Weimarer Republik. Am 20.Juli 1932 ruft man in Berlin den Belagerungszustand aus und vertreibt „manu militari“ die Minister. Ein erster Schritt somit in Richtung Hitlerdiktatur. Man bereitet Neuwahlen vor, die den Erfolg der Nazis begründen werden.

 

„Unter Zustimmung Hitlers traten Göring und Strasser (ERKL.: Gregor Strasser; Politiker, *1892, †1934) mit Monsignore Kaas, dem Chef der katholischen Zentrumspartei, in Verbindung.“

 

(33) Walter Görlitz und Herbert A. Quint: „Adolf Hitler“ (Amiot Dumont, Paris, 1953, S.32). IN DEUTSCH: Walter Görlitz und Herbert A. Quint: „Adolf Hitler“ (Steingruber, Stuttgart, 1952).

 

Kardinal Bertram (ERKL.: Adolf Johannes Bertram, *1859, †1945), Erzbischof von Breslau und Metropolit von Ostdeutschland (u. Vorsteher d. Kirchprovinz Ostdeutschland), erklärte: „Wir als Christen und Katholiken schauen weder auf Religion noch Rasse. … “. Mit vielen anderen Bischöfen versuchte er die Gläubigen vor „dem heidnischen Ideal der Nazis“ zu warnen. Offensichtlich hatte dieser Prälat die päpstliche Politik nicht verstanden, doch sollte er alsbald belehrt werden.

 

1934 brachte der „Mercure de France“ eine hervorragende Studie: „Den deutschen Katholiken war 1932 nicht klar, dass sie die Sache verloren hatten. Ihre Oberhäupter waren sich im Frühjahr anscheinend etwas unschlüssig. Sie hatten erfahren, dass der Papst Hitler persönlich zugetan wäre.“

 

Dass Pius XI. mit Hitler sympatisierte, sollte uns nicht überraschen. … Für ihn hätte Europa nur über eine Vorherrschaft Deutschlands wieder zur Ruhe kommen können. … Schon seit langem dachte der Vatikan an eine Verlagerung des Reichsschwerpunktes mithilfe des „Anschlusses“, und die Societas Iesu arbeitete jetzt öffentlich, insbesondere in Österreich, auf dieses Ziel (Ledochowskis Plan) hin. Wir wissen, wie Pius XI. auf Österreich baute, um, was er seine Politik nannte, zum Siege zu führen. Was verhindert werden musste, war die Vorherrschaft des protestantischen Preußens, und da es das Reich war, das Europa beherrschen sollte … galt es, ein neues Reich zu schaffen, in dem die Katholiken das Sagen hätten. …

http://i46.tinypic.com/10xaa21.jpg

„Im März 1933 nutzten die in Fulda zusammenkommenden deutschen Bischöfe die Rede, die Hitler in Potsdam hielt, um zu erklären: Es ist nunmehr anzuerkennen, dass von dem höchsten Vertreter der Reichsregierung, der zugleich autoritärer Führer jener Bewegung ist, öffentlich und feierlich Erklärungen gegeben sind, durch die der Unverletzlichkeit der katholischen Glaubenslehre und den unveränderlichen Aufgaben und Rechten der Kirche Rechnung getragen, sowie die vollinhaltliche Geltung der von den einzelnen deutschen Ländern mit der Kirche abgeschlossenen Staatsverträge durch die Reichsregierung ausdrücklich zugesichert wird. … Von Papen begibt sich nach Rom. Dieser Mann, dessen Vergangenheit derart himmelschreiend ist, wird zum frommen Pilger in der Mission, ein Konkordat (für ganz Deutschland) mit dem Papst abzuschließen. Und im Angebotemachen an den Letzteren wird er Mussolini hinterher eifern.“

 

(34) „Mercure de France“, „Pius XI. und Hitler“ (15.Januar 1934).

 

5.1.9              In Deutschland und Italien ist es jeweils die „Katholische Partei“, die den Machtwechsel zu Hitler und Mussolini ermöglichte

 

Im Grunde geschieht in beiden Ländern das Gleiche: In Italien ist es die katholische Partei von Don Sturzo, die Mussolinis Machtübernahme absichert; in Deutschland tut dies für Hitler das „Zentrum“ von Monsignore Kaas, und in beiden Fällen besiegelt den Pakt ein Konkordat.

 

Dies gibt Joseph Rovan wie folgt zu: „Dank von Papen, 1920 Zentrumsabgeordneter und Inhaber des Parteiorgans »Germania«, kam Hitler am 30.Januar 1933 an die Macht. … Um Hitler am 26.März 1933 zu ermächtigen, wurde dieser nicht Christdemokrat, sondern der deutsche politische Katholizismus geschaffen. … Sollte die Abstimmung zugunsten der Ermächtigung ausfallen, so bedurfte es einer Zweidrittelmehrheit und war, um letztere zu erlangen, das »Zentrum« unverzichtbar.“ (35) Selbiger Autor fährt fort: „Was wir in den Korrespondenzen und Erklärungen der kirchlichen Würdenträger unter dem NS-Regime stets finden werden, ist die inbrünstige Zustimmung der Bischöfe.“

 

(35) und (36) Joseph Rovan, op.cit., S.197, 209, 214.

 

Diese Inbrunst ist unschwer erklärt, lesen wir im Folgenden von Papen:

 

http://www.dhm.de/lemo/objekte/pict/papenbio/200.jpg„Zwischen dem Vatikan und dem Reiche hatte es seit den Tagen der Reformation kein Konkordat mehr gegeben. Einige Länder mit überwiegend katholischer Bevölkerung hatten Länderkonkordate geschlossen, wie beispielsweise Bayern. Das überwiegend protestantische Preußen hatte trotz aller Bemühungen des Nuntius nur ein ziemlich dürftiges Abkommen mit dem Hl. Stuhl. Während der Weimarer Periode hatte das Zentrum wiederholt gesucht, zu einer Verständigung zu gelangen. Die enge Partnerschaft und Rücksichtnahme auf die Sozialdemokratie hatten diese Bemühungen immer an der Schulfrage scheitern lassen. Die neue Lage in Deutschland schien nun günstig für die endgültige Regelung der kulturellen Frage. Gleichartige Abmachungen mit der evangelischen Kirche sollten folgen. … Das Kernproblem christlicher Erziehung, die Schulfrage, war nun einheitlich geregelt, die Bekenntnisschule gewährleistet und den geistlichen Orden das Recht zur Führung von Privatschulen zuerkannt. Diese Rechtstitel, seit Jahrhunderten heiß umstritten, mußten für die christliche Regeneration der europäischen Mitte von besonderer Bedeutung sein.“ und „Er (Hitler) beauftragte mich, dem Kardinalstaatssekretär (Pacelli) zu versichern, er würde alle Übergriffe rigoros unterbinden.“

 

(37) Franz von Papen, „Mémoires“ (Flammarion, Paris, 1953, S.207). IN DEUTSCH: Franz von Papen, „DER WAHRHEIT EINE GASSE“ (LIST, München, 1952, S.313, 316)

 

Das war kein leeres Versprechen. Neben dem antijüdischen Gemetzel und von Nazis begangenen Attentaten gab es in jenem Jahr (1933) in Deutschland bereits 45 Konzentrationslager mit 40.000 Gefangenen unterschiedlicher politischer Auffassungen, die meisten aber Liberale. Der päpstliche Geheimkämmerer Franz von Papen hat die tiefere Bedeutung des Paktes zwischen dem Vatikan und Hitler treffend charakterisiert – mit diesem Satz, den man sich merken sollte: „Der Nationalsozialismus ist eine christliche Gegenbewegung zu 1789.“

 

Unter dem Druck der Weltöffentlichkeit werden von Pius XI. 1937 die Rassentheorien als unvereinbar mit den katholischen Ansichten und Grundsätzen „verdammt“, unter denen seine Apologeten amüsanterweise die „erbärmliche“ Enzyklika „Mit brennender Sorge“ nennen. Der NS-Rassismus wird verdammt, sein Führer Hitler hingegen nicht: „Distinguo.“ („Ich unterscheide.“). Und sorgsam unterlässt es der Vatikan, das vier Jahre zuvor mit dem faschistischen Deutschen Reich abgeschlossene „günstige“ Konkordat zu denunzieren.

 

Während in Deutschland das Kreuz Christi und das Hakenkreuz gerade zusammenarbeiteten, machte sich Benito Mussolini mit dem Segen des Heiligen Vaters an die leichte Eroberung Äthiopiens.

 

„ … Der Oberhirte verdammte Mussolinis Politik nicht und ermöglichte dem italienischen Klerus, völlig ungehindert mit der faschistischen Regierung zu kooperieren. … Die Geistlichen, vom schlichten Gemeindepriester bis zum Kardinal, waren für den Krieg. …

 

Eines der bemerkenswertesten Beispiele kam vom Kardinal-Erzbischof von Mailand, Alfredo Ildefonso Schuster (Jesuit) (ERKL.: *1880, †1954), der diesen Feldzug gar „einen katholischen Kreuzzug“ nannte.

 

(38) Kardinal Schusters Leidenschaft ist verständlich, da der Societas Iesu in Abessinien das gleiche Schicksal wie in den europäischen Ländern zuteil wurde. Mithilfe des Kaisers Seged (Susenyos; ERKL.: *um 1571, †1632), den sie bekehrt und auf den Thron gebracht hatten, versuchten die Söhne Loyolas durch das Hervorrufen von Aufständen und blutigen Repressionen landesweit den Katholizismus durchzusetzen, werden aber schließlich von Negus (König) Basilides (Fasiladas; ERKL.: *1609, †1667) vertrieben.

Übrigens, Schuster war auch Rektor der merkwürdigen Institution mit dem Namen „Mystische Schule des Faschismus“ ([„Scuola Mistica del Fascismo“; ERKL.: Mussolinische Kaderschmiede]; Anmerkung d. Verfassers).

 

„»Aufgrund der drängenden Erfordernis einer Expansion«, so Pius des XI. Klarstellung, »hält Italien diesen Krieg für gerechtfertigt. …«

 

Zehn Tage später brachte Pius XI. in einer vor einem Veteranenpublikum gehaltenen Rede den Wunsch zum Ausdruck, dass den berechtigten Ansprüchen einer großen und edlen Nation, der er, wie er jene erinnerte, selbst entstamme, Genüge getan würde.“ (39) (39) und (40) Camille Cianfarra: „La Guerre et le Vatican“ (Le Portulan, Paris, 1946, S.46, 47, 48). IN DEUTSCH:Camille Cianfarra: „Der Vatikan und der Krieg“ (Köln, 1961).

 

Des gleichen „Verständnisses“ erfreute sich die faschistische (nach d. Führerprinzip organisierte, nationalist., antidemokrat., rechtsradikale) Aggression gegen Albanien am Karfreitag 1939, wie uns Camille Cianfarra (ERKL.: Korrespondent d. New York Times, †1956) berichtet: „Die italienische Besetzung Albaniens war für die Kirche sehr vorteilhaft. … Von den eine Million zählenden Albanern, die italienische Untertanen wurden, waren 68 % moslemisch, 20 % griechisch-orthodox und nur 12 % römisch-katholisch. … Vom politischen Standpunkt betrachtet, konnte die Annexion des Landes durch eine katholische Macht die Position der Kirche und, bitteschön, des Vatikans nur verbessern.“

 

(39) und (40) Camille Cianfarra: „La Guerre et le Vatican“ (Le Portulan, Paris, 1946, S.46, 47, 48).

 

In Spanien hatte die Gründung der Republik nach wie vor nicht aufgehört, von der römischen Kurie als persönlicher Angriff übelgenommen zu werden. „Ich hätte es nie gewagt, Pius dem XI. gegenüber die spanische Frage auch nur zu erwähnen.“, schrieb François Charles-Roux. „Er würde mich wohl sonst nur daran erinnert haben, dass die kirchlichen Interessen in jenem großen und historischen Lande Spanien einzig und allein Sache des Papsttums wären.“

 

(41) François Charles-Roux, op.cit., S.181.

 

Und also wurde diesem „geschützten Jagdrevier“ in Bälde eine Diktatur verabreicht, ähnlich jenen, die es bereits mit Erfolg in Italien und Deutschland waren. Das Abenteuer General Franco aber fand erst Mitte Juli 1936 seinen Anfang, am 21.März 1934 (ERKL.: FALSCH; RICHTIG: 1924) bereits kam es zur Besiegelung des „Pakts von Rom“ zwischen Mussolini und den Chefs der spanischen reaktionären Parteien, darunter Goicoechea (ERKL.: Antonio Goicoechea, *1876, †1953), Chef der „Renovación Española“ („Span. Erneuerung“). Durch diesen Pakt verpflichtete sich die italienische faschistische Partei, die Rebellen mit Geld, Kriegsmaterial, Waffen und Munition zu versorgen. Wir wissen, dass sie sogar noch mehr, als sie versprochen hatten, taten, und dass Mussolini und Hitler nicht davon abließen, den spanischen Aufstand mit Material, Flugtechnik und „Freiwilligen“ „aufzutanken“.

 

Der Vatikan – sich seiner höchsteigenen Grundsätze, dass die Gläubigen die bestehende Regierung zu respektieren hätten, bewusst – setzte seinerseits Spanien mit Drohungen unter Druck.

 

„Der Papst exkommunizierte (verhängte d. Ausschluss aus d. kath. Kirche über) die Oberhäupter der Spanischen Republik und erklärte zwischen dem Heiligen Stuhl und Madrid den geistlichen Krieg. Daran anschließend verfasste er die Enzyklika »Dilectissima nobis« (ERKL.: Enzyklika gegen d. Anerkennung u. antiklerikale Gesetzgebung d. sozialist.-bürgerl. Zweiten Republik; »Unser heiß geliebtes«) … Erzbischof Gomá (ERKL.: Isidro Gomá Tomás, *1869, †1940), neuer Primas (oberster kath. Bischof) von Spanien, rief den Bürgerkrieg aus.“

 

(42) André Ribard: „1960 et Le Secret du Vatican“ ([„1960 u. Das Geheimnis d. Vatikans“;] Libr. Robin, Paris, 1954, S.45)

 

Voller Freude akzeptierten die Prälaten Seiner Heiligkeit die Schrecken dieses brudermörderischen Konflikts und voller Bewunderung interpretiert Monsignore Gómara (ERKL.: Miguel de los Santos Díaz y Gómara, *1885, †1949), Bischof von Kartagena, ihre apostolische (päpstl.) Gesinnung, wenn er spricht: „Gesegnet die Kanonen, in deren Breschen, die sie schlagen, das Evangelium blüht!“

 

Zwanzig Monate vor Bürgerkriegsende, am 3.August 1937, ward die Franco-Regierung gar vom Vatikan anerkannt.

 

5.1.10           Die „Katholische Aktion“ unter der Fahne der Ultramontanen und der Jesuiten bereitet den Fall Belgiens

 

http://1phil4everyill.files.wordpress.com/2010/11/hitlerschurch01.jpg?w=570&h=259Und um Belgien kümmerte sich die Katholische Aktion (ERKL.: eng an den hierarch. Klerus angebundene u. dessen Leitung unterstellte kath. Laienbewegung z. Zurückdrängung d. zunehmenden Atheismus) – diese Bewegung war in ihrem Wesen natürlich durch und durch ultramontan und jesuitisch. Es galt, dem bevorstehenden Einmarsch der Hitlertruppen den Boden zu bereiten! Also wurde dort unter dem Vorwand „geistlicher Erneuerung“ von Monsignore Picard (ERKL.: Louis Picard), Jesuit, Pater Arendt, Jesuit, Pater Foucart, Jesuit usw. gewissenhaft das Adolf-Hitler-Evangelium gepredigt. Ein junger Belgier, der, gleichsam vielen anderen, ihr Opfer wurde, bestätigt dies: „Zu jener Zeit waren wir bereits alle von einer Art Faschismus besessen. … Die Katholische Aktion, zu der ich gehörte, stand dem italienischen Faschismus sehr nahe. … Monsignore Picard verkündete es laut und breit der Öffentlichkeit, Mussolini sei ein Genie und brenne darauf, Diktator zu werden. … Um Kontakte mit Italien und dem Faschismus zu fördern, organisierte man Wallfahrten. Als ich mit dreihundert Studenten nach Italien ging, salutierten alle auf dem Rückweg nach römischer Art und sangen die Giovinezza (ital. Faschistenhymne).

 

(43) und (45) Raymond de Becker: „Livre des vivants et des morts“, ([„Das Buch der Lebenden u. der Toten“,] Éd. de la Toison d’or, Brüssel, 1942, S.72, 73, 175).

 

Von einem anderen Zeugen: „Nach 1928 arbeitete die Gruppe Léon Degrelles (ERKL.: belg. Politiker, *1906, †1994) regelmäßig mit Monsignore Picard zusammen. … Degrelle wurde von Picard für die Unterstützung in einer besonders wichtigen Mission gewonnen: der Leitung eines neuen Verlagshauses in der Zentralstelle der Katholischen Aktion. Nicht lange und der Name des Verlages sollte berühmt werden – er lautete »Rex« (ERKL.: vollständ. Name: »Christus Rex« [»Christus König«]). …

 

„Immer zahlreicher wurden die Rufe nach einer neuen Regierungsform … Mit großem Interesse verfolgte man in Deutschland die Ergebnisse dieser Propaganda. Im Oktober 1933 erinnerte uns ein Artikel im »Vlan« (ERKL.: Brüssler Anzeigenblatt), dass 1919 die Nazis gerade mal sieben ausgemacht hätten und die ganze Aussteuer, die ihnen Hitler wenige Jahre später mitbrachte, in seinem Agitationstalent bestanden habe … Auf der Grundlage ähnlicher Prinzipien starteten die „rexistischen“ (belgische faschist.) Mannen ein landesweites aktives Propagandaprogramm. Zu ihren Treffen zog es alsbald einige Hunderte, später Tausende von Zuhörern.“.

 

(44) Jacques Saint-Germain: „La Bataille de Rex“, ([„Die Schlacht des Rex“,] Les OEvres Françaises, Paris, 1937, S.67, 69).

 

Natürlich hatte Hitler für den neugeborenen Nationalsozialismus, genauso wie Mussolini für den Faschismus, mehr als sein Agitationstalent mitgebracht: - die Unterstützung durch das Papsttum! Dieselbe Unterstützung genoss auch der nur blasse Schatten dieser beiden und „Christus Rex“-Chef (Leiter des [Christus] Rex-Verlags) Léon Degrelle – allerdings für einen deutlich anderen Zweck. Seine Aufgabe war es, dem Invasoren das Land zu öffnen.

 

Raymond de Becker (ERKL.: *1912, †1969) sagt: „Ich war Mitarbeiter bei der »Avant-Garde« gewesen. … Das Ziel dieser (von Monsignore Picard herausgegebenen) Zeitschrift bestand darin, die Belgien, Frankreich und England einenden Verbindungen abzubrechen.“

 

(43) und (45) Raymond de Becker: „Livre des vivants et des morts“, (Éd. de la Toison d’or, Brüssel, 1942, S.72, 73, 175).

 

Wie rasch die deutschen Armeen die von der kirchlichen Fünften Kolonne (kirchlich-faschist. pro-dt. Kolonne) betrogene belgische Abwehr besiegten, ist bekannt. Und vielleicht entsinnen wir uns auch, dass sich der die deutsche Uniform anziehende „Christus Rex“-Apostel unter großem Rummel aufmachte, um „im Rahmen der Waffen-SS (bewaffneten SS) an der Ostfront zu kämpfen“ – an der Spitze seiner sich vor allem aus der Jugend der Katholischen Aktion rekrutierenden „Wallonischen Legion“. Nachdem er seine „patriotischen“ Gefühle noch ein letztes Mal so richtig zum Ausdruck gebracht hatte, kam ihm ein baldiger Rückzug gerade recht und ließ ihn nach Spanien gelangen.

 

Maurice de Béhaut schreibt: „Vor 10 Jahren (1944) war der Hafen von Antwerpen – der drittwichtigste der Welt – nahezu unversehrt in die Hände der britischen Truppen gefallen. … In dem Moment, wo die Bevölkerung gerade begann, für ihre Not und Entbehrungen ein Ende zu sehn, da gingen die teuflischsten Erfindungen auf sie nieder: die fliegenden Bomben V1 und V2. Dieses Bombardement, das längste in der Geschichte, da es sechs Monate, Tag und Nacht, andauerte, wurde auf Anordnung der Alliierten Kommandantur sorgsam geheimgehalten. Das ist der Grund, warum sich das Martyrium der Städte Antwerpen und Lüttich bis auf den heutigen Tag unserem Bewusstsein entzieht.

 

Am Vorabend des ersten Bombardements (am 12.Oktober) hörten einige auf Radio Berlin die erschreckenden Äußerungen des »rexistischen« Verräters Léon Degrelle: »Ich habe meinen Führer«, kreischte er, »um zwanzigtausend fliegende Bomben gebeten. Züchtigen werden diese ein hirnverbranntes Volk. Ich verspreche Ihnen, sie werden Antwerpen in eine Stadt ohne Hafen oder einen Hafen ohne Stadt verwandeln

 

… Von jenem Tage an sollte sich der Rhythmus der Katastrophen und Elend furchtbarster Art bringenden Bombardements intensivieren, während auf Radio Berlin Verräter Degrelle brüllend versprach, dass noch Schlimmeres kommen werde.“

 

(46) Zeitschrift „Historia“, Paris, Dezember 1954.

 

So sah es aus – das letzte Lebewohl dieser Ausgeburt der Katholischen Aktion an die Heimat. Der „Christus Rex“-Chef und ergebene Schüler des Jesuiten Monsignore Picard, des Jesuiten Pater Arendt usw. hielt sich strikt an die päpstlichen Regeln.

 

„Würden die Männer der Katholischen Aktion“, schrieb Pius XI., „weil es die Situation erlaubt, aufhören in dem Versuch, die Politik ihrer Provinz und ihres Landes zu leiten, so wäre dies Pflichtverletzung.“

 

(47) Pius XI., Schreiben „Peculari Quadam“, zitiert von Hw.P.SJ de Soras in „Action catholique et action temporelle“ ([„Kath. Aktion u. zeitl. Aktion“,] Éd. Spes, Paris, 1938, S.105), Imprimatur 1938.

 

Léon Degrelle erfüllte diese Pflicht auf jeden Fall und zeitigte – wie man erleben konnte – Ergebnisse, die seinem Eifer in nichts nachstanden.

 

In Raymond de Beckers Buch lesen wir: „In Belgien hatte die Katholische Aktion außergewöhnliche Männer gefunden, die zur Musik dieser Organisation spielten, wie z.B. Monsignore Picard (der wichtigste), …, Kanonikus (der Kirchenbezirksgeistliche) Cardijn (ERKL.: *1882, †1967), Gründer der belgischen CAJBewegung (Bewegung d. »Christl. Arbeiterjugend« z. Zurückgewinnung d. Arbeiter f. Religion u. Kirche), ein verdrießlicher, mürrischer und eingebildeter Mann. … “

 

(48) Raymond de Becker, op.cit., S.66.

 

Besagter letzter schwört heute (ERKL.: FALSCH – ist 1967 gestorben!), nie je von Kollege Degrelle etwas „gehört oder gesehen“ zu haben. Demnach haben sich diese beiden Führer der belgischen Katholischen Aktion, die beide unter Kardinal van Roeys Krummstab arbeiteten, offenbar nie gekannt! Wie war das möglich? Das sagt uns der Ex-Kanonikus (Ex-Kirchenbezirksgeistliche) freilich nicht; seit damals ist Cardijn von Pius XII. ernannter „Monsignore“ (Prälat) und die prägende Gestalt der weltweiten CAJ-Bewegungen.

 

Und wie war es weiterhin möglich, dass Monsignore Cardijn den schändlichen „Rex“-Chef nicht mal von dem Kongress her kannte, den Degrelle folgendermaßen beschreibt?:

 

„Ich erinnere mich noch an den Kongress der Katholischen Jugend 1930 in Brüssel. Ich befand mich hinter Monsignore Picard, der sich seinerseits neben Kardinal van Roey (ERKL.: Jozef-Ernest van Roey, *1874, †1961) aufhielt. Hinter uns lag ein zweistündiger Vorbeimarsch von einhunderttausend, den auf der Tribüne versammelten kirchlichen Autoritäten zujubelnden Jugendlichen. … “ (49) (49) Léon Degrelle: „La Cohue de 1940“ ([„Wirrsal 1940“,] Robert Crausaz, Lausanne, 1949, S.214-215).

 

Wo also hielt sich zu besagter Zeit das Oberhaupt der CAJ, deren Truppenteile an jener gigantischen Parade teilnahmen, versteckt? War es eine spezielle Vorsehung, dass diese beiden Männer auf offiziellen Tribünen oder der Zentralstelle der Katholischen Aktion miteinander verkehrten, sich dabei aber nicht gesehen haben?

 

Monsignore Cardijn, der Jesuit ist, geht noch weiter und behauptet, er habe zudem den „Rexismus“ (belg. Faschismus) „verbal“ bekämpft.

 

Ein seltsamer Verein – diese Katholische Aktion! Nicht allein, dass die Chefs ihrer beiden zentralen „Bewegungen“ CAJ und Rex in den Gängen Versteck spielten – nein, man hätte gleichzeitig auch, wie er sagt, was der andere mit vollster Unterstützung der „Hierarchie“ („Führungsspitze“) getan habe, „bekämpfen“ können!

 

Unbestreitbar ist die Tatsache: Der Degrelle an die „Rex“-Spitze stellte, war Picard höchstpersönlich. Und zwar im Namen Kardinal van Roeys und des Apostolischen (Päpstl.) Nuntius Monsignore Micara (ERKL.: Clemente Micara, *1879, †1965). Ergo war es Cardijn zufolge angeblich so: er und Degrelle arbeiteten zwar als Kollegen in der Zentralstelle der Katholischen Aktion und beide unter der Schirmherrschaft des belgischen Primas. Der Nuntius – laut Pius XII. Degrelles „Beschützer und verehrter Freund“ – verlangte überdies von letzterem für dessen Tun keine Rechenschaft. Und doch soll, was Degrelle tat, von Cardijn scharf gemissbilligt worden sein.

 

(50) „La Croix“, 24.Mai 1946.

 

Eine reichlich deftige Behauptung. Was umso deutlicher wird, wenn wir untersuchen, was nach Hitlers Überfall auf Belgien die Haltung von Leuten wie Monsignore Cardijn und Gefährten war, die sich heute gegen Degrelle und „Rexismus“ verwahren. In einem Buch („La Cohue de 1940“), das, als es erschien, „in der Schublade verschwand“, frischte, wie zu lesen, der „Rex“-Chef höchstselbst Erinnerungen auf, die unseres Wissens nie widerlegt wurden:

 

„Für mich, als einen mit den gegenseitigen Durchdringungen von Geistlichem und Weltlichem vertrauten und leidenschaftlichen Christen, wäre eine Kollaboration (mit Hitler) ohne vorherige Absprache mit den Kirchenbehörden meines Landes nicht infrage gekommen. … Ich hatte also um eine Unterredung mit Seiner Eminenz, Kardinal van Roey gebeten. … Eines Morgens dann wurde ich im bischöflichen Palast zu Mecheln freundlich vom Kardinal empfangen. … Er ist beseelt von einem totalen und stürmischen Fanatismus. … Würde er ein paar Jahrhunderte eher gelebt haben, er hätte wohl, das »Magnifikat« (Loblied Mariens, der Mutter Jesu, anlässl. ihres Besuches bei Elisabeth,) singend, die Ungläubigen durch das Schwert sterben oder verbrennen oder die nicht so gehorsamen Schafe seiner Herde in die Klosterkerker werfen lassen. Da wir nun das 20.Jahrhundert haben, hat er nur seinen Krummstab, lässt diesen aber ein großes Werk vollbringen. Alles war ihm wichtig, solange es kirchlichen Interessen dienen würde: war etwas gut, so wäre es von uns unterstützt, alles Schlechte aber zerschlagen worden; und die Kirche hat derart viele Dienst-„Zweige“: ihre Werke, Parteien, Zeitungen, landwirtschaftlichen Genossenschaften (belgischer „Bauernbund“), Bankinstitute, die die weltliche Macht der göttlichen Institution sicherstellten. …

 

Und jetzt kann ich ehrlich und aufrichtig sagen – die Bedeutung der Bemerkungen des Kardinals war die, dass das richtige Vorgehen Kollaboration hieß, ja es war das einzige, was ein vernünftiger Mensch tun würde. Während der ganzen Unterredung hatte er es gar nicht erst erwogen, dass eine andere Haltung möglich sein könnte. Für den Kardinal war der Krieg im Herbst 1940 beendet. Gar die Erwähnung der Bezeichnung »englisch« mied er oder auch nur die Äußerung des Verdachts, dass eine Erholung der Alliierten denkbar wäre. … Der Kardinal glaubte nicht daran, dass politisch etwas anderes als Kollaboration hätte möglich sein können. … Er hatte gegen keine meiner Vorstellungen und Absichten Einwände. … Wären ihm meine Gedanken zur Politik abwegig erschienen, dann hätte er mich warnen können – oder sollen –, denn um seinen Rat hatte ich ihn ja ersucht. … Zum Abschied gab mir der Kardinal seinen väterlichen Segen. …

 

5.1.11           Die Kirche fordert die Kollaboration des besetzten Belgien mit den Deutschen

 

Auch andere Katholiken schauten im Herbst 1940 zum großen Turm der Romualdkathedrale … Viele kamen in den Bischofspalast, um Monsignore van Roey und sein Gefolge hinsichtlich moralischer Grundsätze, Nutzen oder Notwendigkeit der Kollaboration um Rat zu fragen. …  Über eintausend katholische Bürgermeister Flanderns, sämtliche Generalsekretäre (Hauptgeschäftsführer d. polit.Parteien sowie gewerkschaftl., genossenschaftl., wissenschaftl. u. industriellen Verbände) passten sich, wenn auch sorgfältig ausgewählt, unverzüglich der neuen Ordnung an. … All jene guten 1944 Inhaftierten oder Beschimpften hätten sich 1940 fragen müssen: Was denkt Mecheln? Aber wer würde glauben, dass weder Mecheln, noch seine Bischöfe, noch seine Priester hätten zur Ruhe kommen können!

 

Acht von zehn belgischen Kollaborateuren waren Katholiken. …

 

Während jener entscheidenden Wochen gaben, aufgrund der Entscheidung, die es zu treffen galt, Mecheln und diverse Bistümer schriftliche oder mündliche Negativmeldungen an mich persönlich oder all die anderen Kollaborateure heraus.

 

Obwohl nicht gerade angenehm, so ist es doch die blanke oder nackte Wahrheit. Die Haltung des hohen katholischen Klerus im Ausland konnte die Überzeugtheit der Gläubigen, dass Kollaboration mit Glauben vereinbar sei, doch nur stärken. … Nach der Unterredung zwischen Hitler und Marschall Pétain (ERKL.: Henri Joseph Pétain, *1856, †1951) ließen sich in Vichy die höchsten französischen Prälaten (höchsten der höheren frz. Geistlichen) Seite an Seite stehend mit dem Marschall und Pierre Laval (ERKL.: frz. Politiker, *1883, †1945) ablichten. Kardinal Baudrillart (ERKL.: Alfred-Henri-Marie Baudrillart, *1859, †1942) verkündete in Paris öffentlich, er sei Kollaborateur.

 

In Belgien seinerseits gab Kardinal van Roey einem der bekanntesten Priester Flanderns – seiner Eminenz größtem intellektuellem Katholiken –, Abt Verschaeve (ERKL.: Cyriel Verschaeve, *1874, †1949) die Erlaubnis, am 7.November 1940 während einer feierlichen Senatssitzung und in Gegenwart des deutschen Großadmirals Raeder (ERKL.: Erich Raeder, *1876, †1960) zu erklären:

 

»Es ist die Pflicht des Kulturrates, die Brücke zu bauen, die Flandern und Deutschland vereinigt. …«

 

Am 29.Mai 1940, dem Tag nach der Kapitulation, beschrieb Kardinal van Roey den Einmarsch als eine Art Himmelsgeschenk:

 

»Machen Sie sich bewusst«, schrieb er den Gläubigen, »dass wir soeben Zeugen eines außergewöhnlichen Eingreifens der göttlichen Vorsehung sind, die im Begriffe ist, durch große Ereignisse ihre Macht zu erweisen

 

Nach alledem schien also Hitler nichts weniger als ein das belgische Volk züchtigendes Läuterungswerkzeug

der Vorsehung zu sein.“

 

(51), (52) und (53) Léon Degrelle, op.cit., S.213, 216 ff., 219 ff.

 

Etwas sehr ähnliches geschah gleichzeitig in unserem eigenen Lande (Frankreich). „Nützlicher als Siegen ist Kapitulieren“ – behauptete man, uns fortwährend daran erinnernd, genau wie vor 1914, als Frankreich eine läuternde „völlige Ausblutung“ zugedacht wurde.

 

Näher beleuchtet wird in jenen in die tiefste Versenkung verschwundenen – oder vielmehr verbannten Memoiren auch der „belgische Bauernbund – der große katholische, politische und finanzielle Motor Kardinal van Roeys, der beträchtliche Summen in den flämischen Teil der Uni Löwen pumpte. … “

 

(51), (52) und (53) Léon Degrelle, op.cit., S.213, 216 ff., 219 ff.

 

„Die Druckerei »Standaard« arbeitete ohne Unterlass, denn sie druckte die kollaborationistischsten Aufrufe des FNV (Flämischen Nationalverbandes). Und schwamm nicht lange danach im Geld. … Zu kollaborieren wäre den »Standaard«-Leitern, diesen zweihundertprozentigen Katholiken und Stützpfeilern der Kirche Flanderns, nie in den Sinn gekommen, hätte nicht zuvor der Kardinal klar und deutlich seinen Segen gegeben.

 

Das Gleiche sagte man von der katholischen Presse überhaupt. … “

 

(51), (52) und (53) Léon Degrelle, op.cit., S.213, 216 ff., 219 ff.

 

Alle diese Anstrengungen galten damals keinem geringeren Ziele, als Belgiens Zusammenbruch, wie uns ein weiterer katholischer Autor, Gaston Gaillard, erinnert:

 

„Die flämischsprachigen Katholiken wie auch die autonomistischen (nach Autonomie strebenden) elsässischen Katholiken rechtfertigten ihre Haltung mit ihrer stillschweigenden Unterstützung, die sie über den Heiligen Stuhl allezeit der deutschsprachigen Propaganda angedeihen ließen. Als sie auf das denkwürdige, von Pius XI. am 26.Juni 1923 an seinen Staatssekretär Kardinal Gasparri gesandte Schreiben bezugnahmen, konnten sie sich leicht davon überzeugen, dass sie Roms Wohlwollen hatten und Rom natürlich nichts tat, sie umzustimmen. Hatte nicht Nuntius Pacelli (späterer Pius XII.) deutsche Nationalisten kompetent unterstützt und der so genannten „unterdrückten“ Bevölkerung Oberschlesiens Mut gemacht? War nicht den autonomistischen Verschwörungen in Elsaß, Eupen-Malmedy und Schlesien die nicht immer unauffällige kirchliche Zustimmung zuteilgeworden? Für die Flamen war es damals leicht, ihr Vorgehen gegen Belgiens Einheit hinter den römischen Anweisungen zu verstecken. …

 

(54) Gaston Gaillard: „La Fin du Temps“ (Éd. Albert, Paris, 1933, II, S.141).

 

Auch bat 1942 Papst Pius XII. seine Berliner Nuntiatur (diplomat. Vertretung), Paris seine Kondolenzen zum Tode Kardinal Baudrillarts zu übermitteln und zeigte dieserart an, dass sie die Annexion Nordfrankreichs durch Deutschland als Tatsache betrachte. Womit sie wieder einmal mehr die der deutschen Expansion allezeit durch den Heiligen Stuhl und insbesondere Pius den XII. gewährte „stillschweigende Unterstützung“ nur bekräftigte.

 

5.1.12           Untergrundarbeit der Jesuiten in den USA sollten deren Kriegseintritt verhindern oder zumindest verzögern!

 

Voll Verachtung kann man heutzutage nur darüber lachen, wenn man sieht, wie die Jesuiten Seiner Heiligkeit derart Offensichtliches abstreiten und sämtliche Mittäterschaft mit der von ihnen doch selbst erst organisierten Fünften Kolonne (faschist. pro-dt. Kolonne) und vor allem mit Degrelle von sich weisen. Letzterer – abgeschirmt in seiner Zuflucht lebend, denn er weiß zu viel – kann in Ruhe auf Ovids berühmte Verse zurückgreifen: „Donec eris felix, multos numerabis amicos. Tempora si fuerint nubila, solus eris.“.

 

(55) Solange du glücklich bist, zählst du viele Freunde. Sind die Zeiten bewölkt, bist du allein.

 

Lächerlich auch, was Hw.P.Fessard (Jesuit) (ERKL.: Gaston Fessard, *1897, †1978) schreibt:

 

„Mit derart großer Ungeduld warteten wir 1916 und 1917 auf die amerikanischen Verstärkungen! Mit Schmerz erlebten wir 1939 dass, als der Krieg sogar schon erklärt worden war, Hitler von einem Großteil der Amerikaner mit Wohlwollen betrachtet wurde, noch dazu und vor allem von Katholiken! 1941 und 1942 standen wir wieder vor der Frage: Würden die Amerikaner eingreifen oder nicht.“

 

(56) Hw.P.Fessard SJ: „Libre méditation sur un message de Pie XII“, ([„Freie Meditation über eine Botschaft Pius’ XII.“,] Plon, Paris, 1957, S.202).

 

Dem Scheine nach also erfüllten den guten Pater die durch seine eigenen jesuitischen Brüder in Amerika erreichten Resultate „Mit Schmerz“! Denn, und das ist eine historische Tatsache, die „Christliche Front“, eine sich gegen die US-Intervention stellende katholische Bewegung, wurde von dem Jesuitenpater Coughlin (ERKL.: Charles Edward Coughlin, *1891, †1979), einem notorischen Hitlersympathisanten, geleitet.

 

„Diese fromme Organisation war bestens ausgestattet und bekam aus Berlin vom Goebbels-Ministerium vorbereitetes Propagandamaterial in Hülle und Fülle. Über sein Blatt »Social Justice« (ERKL.: »Soziale Gerechtigkeit «) und Rundfunksendungen erreichte Hakenkreuzapostel und Jesuitenpater Coughlin eine breite Öffentlichkeit. In den wichtigsten städtischen Ballungszentren betreute er außerdem geheime, nach den Methoden der Söhne Loyolas geführte und von Naziagenten ausgebildete »Kommandozellen«.“

 

57) Edmond Paris: „Le Vatican contre l’Europe“ (Fischbacher, Paris, 1959, S.141).

 

Ein geheimes Dokument der Wilhelmstraße erklärt Folgendes:

 

„Presse und amtliche Berichterstattung aus Nordamerika melden laufend von antijüdischen Kundgebungen der Bevölkerung. Es ist vielleicht symptomatisch für die innenpolitische Entwicklung in USA, dass die Hörerschar des bekannten antijüdisch eingestellten »Radiopriesters« Coughlin auf über 20 Millionen angewachsen ist.“

 

(58) Auswärtiges Amt, Wilhelmstraße, Dokument Nr. 83-26 19/1 (Berlin, 25.Januar 1939).

 

Muss an die Aktivitäten des Jesuitenpaters Walsh (ERKL.: Edmund Aloysius Walsh, *1885, †1956) erinnert werden, den Papstagenten, Dekan (Vorsteher) der Schule der Politikwissenschaften an der Universität Georgetown – der jesuitischen Pflanzstätte der amerikanischen Diplomatie – und eifrigen Propagandisten (Befürworter) der deutschen Politik?

 

General der Gesellschaft Jesu war, als wöllte es der Zufall, zu jener Zeit gerade Halke von Ledochowski, vormaliger General in der österreichischen Armee und seit 1915 Amtsnachfolger des Preußen Wernz.

 

Hatte Hw.P.Fessard mittlerweile auch vergessen, was „La Croix“ den ganzen Krieg hindurch schrieb, und vor allem dies: „Ein Truppeneinmarsch von jenseits des Ärmelkanals und Atlantiks wäre keinerlei Gewinn.“

 

(59) „La Croix“, 10.August 1943.

 

Erinnert er sich auch nicht mehr an das Telegramm Seiner Heiligkeit Pius’ XII.: „Der Papst übermittelt »La Croix«, der Stimme des päpstlichen Denkens, seinen Segen.“

 

(60) „La Croix“, 28.Januar 1942.

 

Muss man nun schließen, dass Mitglieder der Gesellschaft Jesu bei ihrer derart großen Vergesslichkeit ein ausgegeprägtes Kurzzeitgedächtnis hätten? Diesen Vorwurf wies man allerdings selbst den Feinden gegenüber weit von sich! So wollen wir vielmehr darauf hinweisen, dass Hw.P.Fessard seine patriotischen Ängste von 1941-1942 erst 1957 zum Ausdruck brachte. Seine „freien Meditationen“ über fünfzehn Jahre brachten so manches Ergebnis und er hatte Zeit, eine gewisse Passage der „Exerzitien“ wiederholt zu lesen, die da besagt, „ … und wenn die Kirche, was unserem Auge weiß erscheint, als schwarz definiert, so sind wir verpflichtet, es für schwarz zu erklären.“

 

(61) „ … siquid quodoculis nostris apparet album, nigrum illa esse definierit debemus itidem quod nigrum sit pronuntiare.“, „Institutum Societatis Iesu“ (Römische Ausgabe von 1869, II, S.417).

 

Letzteres betreffend ist Hw.P.Fessard offenbar ein hervorragender Jesuit!

 

Am 7.März 1936 führte Hitler die Wehrmacht ins entmilitarisierte Rheinland und erklärte so den Locarnopakt für null und nichtig. Am 11.März 1938 kam es zum „Anschluss“ (Zusammenführung Österreichs und Deutschlands) und im selben Jahr, am 29.September, beschlossen, ohne Beteiligung der Tschechoslowakei, in München das Deutsche Reich, Großbritannien, Frankreich und Italien die sofortige Abtretung des Sudetenlandes.

 

Dank der Stimmen der katholischen Zentrumspartei war der Führer nur fünf Jahre zuvor an die Macht gekommen, doch hatte man die meisten der in „Mein Kampf“ zynisch geoffenbarten Ziele bereits realisiert; der Schreiber dieses eine überhebliche Herausforderung an die westlichen Demokratien darstellenden Buches war Jesuitenpater Staempfle (ERKL.: Bernhardt Staempfle, *?, †1934) – Hitler leistete die Unterschrift. Denn – da sich diese Tatsache dem Bewusstsein derart vieler entzieht – es war die Gesellschaft Jesu, die das berühmte großdeutsche Programm, wie in besagtem Buche dargelegt, perfektionierte, und der Führer, der es unterschriftlich auf sich übertrug.

 

5.3                  Kapitel 3:  Die deutsche Aggression und die Jesuiten. Österreich – Polen – Tschechoslowakei – Jugoslawien

 

5.1.13           Jesuiten bereiten den Einmarsch der deutschen Truppen am 11. März 1938 in Österreich vor!

 

Betrachten wir, wie der „Anschluss“ vorbereitet wurde:

 

Zunächst und durch parallele „Vorsehungen“ wurde, als Mussolini dank dem Jesuiten und Chef der Katholischen Partei Don Sturzo in Italien die Macht ergriff, zur gleichen Zeit der Jesuit Monsignore Seipel österreichischer Bundeskanzler. Letzterer befand sich in dieser Position, mit einer zweijährigen Unterbrechung, bis 1929 und brachte während jener entscheidenden Jahre die österreichische Innenpolitik auf einen reaktionären und klerikalen Kurs; dieser Kurs wurde von Seipels Amtsnachfolgern fortgesetzt und führte in das Aufgehen jenes Landes im deutschen Block. Die blutigen Niederschlagungen von Arbeiterdemonstrationen brachten ihm den Beinamen „Prälat ohne Milde“ ein.

 

„Anfang Mai (1936) trat von Papen in Geheimverhandlungen mit Dr. Schussnigg (österreichischer Kanzler) ein und bearbeitete diesen an seiner schwachen Stelle, indem er ihm zeigte, wie vorteilhaft – hinsichtlich der Vatikaninteressen – ein Ausgleich mit Hitler wäre; das Argument mag seltsam erscheinen, doch Schussnigg war sehr fromm, und von Papen päpstlicher Kammerherr (Finanzbeamter; ERKL.: = Geheimkämmerer).“

 

(62) G.E.R. Gedye: „Fallen Bastions“ (Victor Gollancz, London, 1939, S.188). IN DEUTSCH: G.E.R. Gedye: „Als die Bastionen fielen“ (Aufbau, Wien, 1948).

 

Die ganze Angelegenheit verlief – wie könnte es anders sein – unter der Federführung des Geheimkämmerers (päpstl. Finanzbeamten) und endete am 11.März 1938 mit dem Rücktritt des strenggläubigen Jesuitenschülers Schussnigg zugunsten Seyß-Inquarts (ERKL.: Artur Seiss-Inquart, auch Arthur Seyß-Inquart, *1892, †1946), des Chefs der österreichischen Nazis. Tags darauf marschierten in Österreich die deutschen Truppen ein und proklamierte die Marionettenregierung Seyß-Inquart die Vereinigung des Landes mit Nazideutschland. Enthusiastisch begrüßte dieses Ereignis der Wiener Erzbischof (und Jesuit) Kardinal Innitzer (ERKL.: Theodor Innitzer, *1875, †1955).

 

„Am 15.März veröffentlichte die deutsche Presse folgende Erklärung Innitzers: »Die Priester und die Gläubigen haben sich bedingungslos hinter den Großdeutschen Staat und seinen Führer zu stellen, dessen Kampf um die Begründung der Stärke, Ehre und Wirtschaftsblüte Deutschlands dem Willen der Vorsehung entspricht.

 

Um keinen Zweifel an der Echtheit dieser Erklärung aufkommen zu lassen, wurde sie von den Zeitungen faksimiliert (i. vorlagengetreuer Nachbildung gedruckt). In Wien und den anderen österreichischen Städten beklebte man Wände mit Reproduktionen (Vervielfältigungen). Vor seine Unterschrift hatte Kardinal Innitzer zuvor noch eigenhändig die Worte: »Heil Hitler gesetzt.

 

Drei Tage später erging vom gesamten österreichischen Episkopat (Bischofsapparat) ein Hirtenbrief an seine Gläubigen; die italienischen Zeitungen veröffentlichten den Text dieses Briefes am 28.März: er war eine unmittelbare Unterstützung des NS-Regimes, dessen Tugenden in den höchsten Tönen gelobt wurden.“

 

(63) François Charles-Roux, op.cit., S.118, 122.

 

Kardinal Innitzer, höchster Vertreter der römischen Kirche in Österreich, schrieb außerdem in seiner Erklärung: „Die Vorsitzenden der Jugendverbände fordere ich dazu auf, ihre Vereinigung auf die Organisation des Deutschen Reiches vorzubereiten.

 

(64) Ernest Pezet, früherer Vizepräsident des französischen Senats, „L’Autriche et la paix“ ([„Österreich u. d. Frieden“,] Éd. Self, Paris, 1945, S.149).

 

Der von seinem Episkopat gefolgte Kardinal-Erzbischof von Wien tat sich demnach nicht allein voller Enthusiasmus mit Hitler zusammen, sondern überantwortete zudem die „christliche“ Jugend einer Ausbildung nach Nazimethoden; diese Methoden waren in der „erbärmlichen“ Enzyklika „Mit brennender Sorge“ „offiziell verdammt“ worden!

 

Der „Mercure de France“ stellte damals berechtigterweise fest: „ … Nicht haben diese Bischöfe nunmehr eine eigenmächtige, die gesamte Kirche einbeziehende Entscheidung getroffen, sondern sie befolgten schlichtweg Anweisungen des Heiligen Stuhls.“.

 

(65) Österreich und Hitler („Mercure de France“, 1.Mai 1938, S.720).

 

Das ist offensichtlich. Welche anderen „Anweisungen“ aber hätte man von diesem Heiligen Stuhl, der Mussolini, Hitler und Franco an die Macht brachte und Léon Degrelles „Christus Rex“ schuf, erwarten können?

 

„Wir verstehen daher, warum englische Autoren wie beispielsweise F.A. Ridley (ERKL.: Francis Ambrose Ridley, *1897, †1994), Secker (ERKL.: Martin Secker) und Warburg die Politik Pius’ XI., die faschistische Bewegungen allerorten begünstigte, thematisierten.“

 

(66) J. Tchernoff: „Les démagogies contre les démocracies“ ([„Demagogien gegen Demokratien“,] R. Pichon & Durand-Auzias, Paris, 1947, S.80).

 

Warum der Anschluss bei der Kirche auf derartiges Wohlwollen stieß, sagt uns François Charles-Roux: „Acht Millionen österreichische Katholiken, vereinigt mit den Katholiken des Reichs, könnten eine weit einflussreichere und mächtigere deutsche katholische Körperschaft bilden.“

 

(67) François Charles-Roux, op.cit., S.114.

 

In derselben Lage wie Österreich befand sich Polen, als letzteres von Hitler nach dem Einmarsch zum Teil im Namen des „Vaterlandes“ annektiert wurde. Wieder ein paar Millionen Katholiken mehr – zur Stärkung des deutschen Kontingents unter römischem Gehorsam: dem konnte der Heilige Stuhl doch nicht anders, als zugetan sein – auch wenn er sein „liebes polnisches Volk“ angeblich so innig gern hatte. In der Tat wurde die dem Plane des Jesuitengenerals Halke von Ledochowski entsprechende brutale Neugruppierung der Katholiken Mitteleuropas vom Kirchenoberhaupt gebilligt.

 

Die zugelassenen Thurifer des Vatikans ließen nicht davon ab, ihre Leser daran zu erinnern, dass Pius XII. in seiner Enzyklika „Summi pontificatus“ (ERKL.: Enzyklika über d. Einheit d. menschl. Gesellschaft; „Des höchsten Pontifikats“) gegen die Aggression „protestiert“ habe. In Wirklichkeit enthält dieses nicht weniger als 45 Seiten umfassende Dokument – lächerlich wie alle anderen derartigen Dokumente – einen einzigen Satz am Schluss über das von Hitler überrannte Polen. Dieser nur andeutende Satz rät dem polnischen Volke, es möge viel zur Jungfrau Maria beten! Größer könnte der Kontrast nicht sein – zwischen jenen wenigen Worten banalen Mitgefühls und den schmeichelnden Seiten für das faschistische Italien und das Hochlebenlassen des Lateranvertrags; jenes Vertrages zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Hitler-Kollaborateur Mussolini, der, als der Papst gerade seine Enzyklika schrieb, eine, die Welt herausfordernde, aufsehenerregende Rede hielt, die er mit den Worten begann: „Liquidata la Polonia!“ (ERKL.: „Polen ist erledigt!“).

 

Welche Risiken birgt es schon, wenn man unter Gebrauch dieser Ausreden zu den Bekehrten predigt? Wie viele letzterer wären auch darauf bedacht, derlei Bezugnahmen zu prüfen?

 

Nichtsdestotrotz – was sehen wir, wenn wir das Verhalten des Vatikans in dieser Sache verfolgen? Als erstes, wie der Nuntius in Warschau, Monsignore Cortesi (ERKL.: Filippo Cortesi, *1876, †1947), Polen dazu drängt, Hitler in allem nachzugeben: Danzig, der „Korridor“ (Landstreifen zwischen Pommern u. d. Unterweichsel; ERKL.: d. Poln. Korridor), die Gebiete, wo deutsche Minderheiten leben. (68) Und, daran anschließend, wie der Heilige Vater dem Aggressor hilft, sein „liebes Polen“ um einen Großteil seiner Fläche zu verkleinern und von Paris und

London die Sanktionierung dessen zu erwirken.

 

(68) Vgl. Graf Szembecks „Journal 1933-1939“ ([„Tagebuch 1933-1939“,] Plon, Paris, S.499).

(69) Vgl. Camille Cianfarra, op.cit., S.259, 260.

 

Für die ob einer solchen Vorgehensweise mit einem katholischen Lande Überraschten – hier ein Präzedenzfall: nach der Ersten Teilung Polens (ERKL.: i.J. 1772), einer Katastrophe, an der die Intrigen der Jesuiten einen wesentlichen Anteil hatten, äußerte Papst Klemens XIV. in einem Brief an die österreichische Kaiserin Maria Theresia seine Zufriedenheit wie folgt:

 

„Herbeigekommen ist die Besetzung und Teilung Polens nicht allein aus politischer Raison; dieses Erfordernis der größtmöglichen Erweiterung der Herrschaft des Wiener Hofes auf Polen entspricht den Interessen der Religion und geistlichen Zugewinnung der Kirche.“

 

Offensichtlich gibt es nichts Neues unter der Sonne – vor allem im Vatikan. Wo doch diesmal die „geistliche Zugewinnung der Kirche“ aus mehreren Millionen, sich dem Großdeutschen Reiche angliedernden polnischen Katholiken bestand, was sollte man da 1939 in jener zynischen Erklärung irgendein Wort fallen lassen.

 

Durch diese Tatsache ist das sparsame päpstliche Mitgefühl im „Summi pontificatus“ leicht erklärt. In der Slowakei ließ es der Vatikan noch besser kommen: er stellte Hitler einen seiner höchsteigenen Prälaten zur Seite, einen Geheimkämmerer, der zum Oberhaupt dieses Satellitenstaats des Reiches ernannt werden sollte.

 

„Hatte in Europa bereits der Anschluss für viel Lärm gesorgt, so roch es ab jetzt mit Hitlers über der Tschechoslowakei schwebender Drohung nach Krieg. Im Vatikan aber störte das keinen. Lesen wir François Charles-Roux:

 

„Mitte August hatte ich versucht, den Papst zu überreden, sich für einen Frieden auszusprechen – einen gerechten Frieden, versteht sich … Erfolg aber hatten meine anfänglichen Bemühungen nicht. Ab Anfang September 1938 dann, als sich die internationale Krise ihren tiefsten Stand erreichte, hatte ich den steten Eindruck, dass sich im Vatikan, im absurden Kontrast zur sich rasch verschlechternden Situation, Zufriedenheit breitmachte.“

 

(70) François Charles-Roux, op.cit., S.127, 128.

 

„Auf alle meine Bemühungen“, so der ehemalige französische Botschafter weiter, „bekam ich von Pius XI. dieselbe Antwort: »Es wäre zwecklos, unnötig, ungelegen. Sein hartnäckiges Schweigen war mir unbegreiflich.“

 

(71) François Charles-Roux, op.cit., S.127, 128.

 

Die Ereignisse sollten dieses Schweigen in Bälde erklären. Zunächst wäre da – mit Unterstützung der Christlich-Sozialen Partei (ERKL.: eng m. d. kath. Kirche zusammenarbeitende, sich an deren Weltbild orientierende, antijüd. u. antiliberale Partei) natürlich – die Annektierung des Sudetenlandes; durch das Münchner Abkommen wurde sie verfügt und somit die Tschechoslowakei geteilt. Hitler aber, der garantiert hatte, ihre territoriale Integrität (Unversehrtheit) zu respektieren, beabsichtigte in Wirklichkeit, einerseits die Böhmischen Länder zu annektieren – ohne die Slowakei, die ihrerseits einen von ihm persönlich ernannten Herrscher erhalten würde. 

 

Diese Ziele zu erreichen, war nicht besonders schwer für ihn, da das Gros der wichtigsten slowakischen Oberpolitiker laut Walter Hagen (ERKL.: Pseudonym von Wilhelm Höttl; *1915, †1999) (72) katholische Geistliche waren, von denen Priester Hlinka (Jesuit) über eine nach SA-Grundsätzen ausgebildete „Garde“ verfügte.

 

(72) Vgl. Walter Hagen: „Le front secret“ (Les Iles d’Or, Paris, 1950). IN DEUTSCH: Walter Hagen: „Die geheime Front“ (NIBELUNGEN=VERLAG, Linz u. Wien, 1950).

 

Wir wissen, dass nach kirchlichem Recht kein Priester ein öffentliches Amt oder politisches Mandat ohne das Einverständnis des Heiligen Stuhls begleiten kann. Dies bestätigt und erklärt JP de Soras: „Wie könnte es auch anders sein? So, wie wir es immer schon gesagt haben: ein Priester hat kraft des »Charakters«, mit dem ihn seine Weihe auszeichnet, kraft der amtlichen Aufgaben, die er in der Kirche an sich wahrnimmt, kraft der Sutane, die er trägt, die Pflicht, als Katholik zu handeln, spätestens, wenn es um eine öffentliche Handlung geht. Wo der Priester ist, da ist die Kirche.“

 

(73) JP de Soras, op.cit., S.96.

 

Mit dem Einverständnis des Vatikans war es demnach, dass Kleriker im tschechoslowakischen Parlament saßen. Mehr noch – einer dieser Priester sollte die Zustimmung des Heiligen Stuhls haben, als ihn der Führer persönlich als Staatsoberhaupt einsetzte – und später mit den höchsten Hitlerschen Auszeichnungen bedachte: dem Eisernen Kreuz und dem Orden des Schwarzen Adlers.

 

5.1.14           Hitlers annektiert am 15.März 1939 die „Resttschechei“ und kombiniert durch den Jesuiten Monsignore Tiso Katholizismus mit Nazismus

 

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/b/b0/Jozef_Tiso_%28Berlin%29.jpg/300px-Jozef_Tiso_%28Berlin%29.jpgWie erwartet, annektierte Hitler am 15.März 1939 die so genannte „Resttschechei“ und stellte die Slowakei, die er mit einem Federstrich geschaffen hatte, „unter seinen Schutz“. An die Spitze setzte er den Jesuiten Monsignore Tiso, „der davon träumte, Katholizismus und Nazismus zu kombinieren.“. Ein hehres Ziel, und leicht zu verwirklichen, hatten es doch bereits der deutsche und österreichische Episkopat (Bischofsapparat) erprobt. „Katholizismus und Nazismus“, verkündete Monsignore Tiso, „haben viel gemeinsam; sie arbeiten bei der Weltverbesserung Hand in Hand.

 

(74) und (75) Henriette Feuillet: „France Nouvelle“, 25.Juni 1949.

 

Hitler lobte die Politik hinsichtlich der Judenfrage in der Slowakei anlässlich eines Treffens mit Tiso im Schloss Klessheim in Salzburg (in der Ostmark) am 22. April 1942. Es wurden um dir 58.000 Juden (75%) hauptsächlich in das Todeslager  Ausschwitz deportiert. Nach der deutschen Besetzung des ganzen Territoriums der Slowakei wurde Tiso im Amt belassen und weitere 13.500 Juden deportiert und etwa 5000 inhaftiert, viele davon wurde ermordet.

Nach der russischen Befreiung wurde Tiso wegen Landesverrats und Kollaboration mit Nazideutschland zum Tode verurteilt und in seinem Priestergewand bekleidet gehängt.

 

Trotz der „erbärmlichen“ Enzyklika „Mit brennender Sorge“ gab der Vatikan diesem Gauleiter-Priester seine Bewilligung und dürfte in Sachen Weltverbesserung also kaum anderer Meinung gewesen sein.

 

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/c/c1/50_Slovak_Koruna_1944_front_Josef_Tiso.png/220px-50_Slovak_Koruna_1944_front_Josef_Tiso.png„Im Juni 1940 gab Radio Vatikan bekannt: »Die Erklärung des Oberhauptes des slowakischen Staates, Monsignore Tiso, über seine Absicht, eine Slowakei nach christlichem Plane aufzubauen, hat die vollste Zustimmung des Heiligen Stuhls.“

 

(74) und (75) Henriette Feuillet: „France Nouvelle“, 25.Juni 1949.

 

50 Slovakische Kronen-Silbermünze zum fünfzigsten Jahrestag der Slovakischen Republik (1939-1945) mit dem Abbild des Slovakischen Präsidenten Joyef Tiso

 

„Seine besondere Not hatte das Tiso-Regime mit der evangelischen Kirche jenes Landes, die ein Fünftel der Bevölkerung ausmachte. Monsignore Tiso versuchte, den evangelischen Einfluss auf ein Minimum zu reduzieren, ihn gar zu beseitigen. … Einflussreiche Mitglieder der evangelischen Kirche wurden in KZs geschickt.“

 

(76) „Réforme“, 17.August 1947.

 

5.1.15           Jesuitengeneral Wernz hatte bestätigt, dass die Kirche Ketzer zum Tode verurteilen kann und Prälat Tiso liefert demgemäss erste Juden nach dem Konzentrationslager Ausschwitz ein

 

Und hätten sich glücklich schätzen können angesichts dieser Erklärung des Preußen und Jesuitengenerals Wernz (1906-1915): „Die Kirche kann Ketzer zum Tode verurteilen, da sich jegliche Rechte, die sie haben, in unserer Nachsicht begründen, … “.

 

http://www.wsg-hist.uni-linz.ac.at/auschwitz/GIF/Seite-1.GIFSehen wir nun, welche Art von apostolischer Geduld der Gauleiter und Prälat Tiso mit den Juden hatte: „1941 traf aus der Slowakei und Oberschlesein der erste Judentransport ein, und von Anfang an wurden alle Arbeitsunfähigen in einem Raum des Krematoriumsgebäudes vergast.“

 

(77) Lord Russell of Liverpool: „Sous le signe de la croix gammée.“ (Les Amis du Livre, Genf, 1956, S.217). IN DEUTSCH: Lord Russell of Liverpool: „Geißel der Menschheit“ (VOLK UND WELT, Berlin, 1955, S.244).

 

Wer dies geschrieben hat? Lord Russell of Liverpool – ein Chefankläger der Kriegsverbrecherprozesse und Zeuge, den man nicht wird ablehnen können.

 

Der Heilige Stuhl hatte Hitler also keinen seiner Prälaten vergeblich geliehen. Das jesuitische Staatsoberhaupt erledigte seine Arbeit gut und die durch Radio Vatikan zum Ausdruck gebrachte Zufriedenheit ist verständlich. Der erste Lieferant für Auschwitz gewesen zu sein – was für eine Ehre für diesen heiligen Mann und die Gesellschaft der Jesuiten in ihrer Gesamtheit!

 

In der Tat fehlte es diesem Triumph an nichts. Zur Zeit der Befreiung wurde besagter Prälat durch die Amerikaner an die Tschechoslowakei übergeben, wurde 1946 zum Tode verurteilt und gehängt – die Krone, für einen Märtyrer!

 

„Alles gegen die Juden Getane tun wir aus Liebe zu unserer Nation. Bis heute hat die Liebe zu unseren Mitmenschen und die Liebe zu unserem Land die Entwicklung eines erfolgreichen Kampfes gegen die Feinde des Nazismus genommen.“

 

(78) Henriette Feuillet: „France Nouvelle“, 25.Juni 1949.

 

Ein anderer hoher Würdenträger der römischen Kirche in einem Nachbarland (westl. Land; ERKL.: gemeint ist sicher das an Frankreich grenzende Italien) könnte sich doch diese Erklärung Monsignore Tisos zueigen gemacht haben. Wenn nun schon – in Entsprechung der unerschütterlichen Tradition der Kirche – das, worauf sich die slowakische „Stadt Gottes“ gründete, Hass und Verfolgung war, was wird es dann erst zu sagen geben über den zutiefst katholischen Staat Kroatien, diesem Ergebnis des Zusammenwirkens von Killer Pawelitsch und Monsignore Stepinatz sowie der Unterstützung durch den päpstlichen Legaten Marcone!

 

Wir müssten Rückblende halten, die bis zur Eroberung der Neuen Welt geht, und dann Kortes (ERKL.: Ferdinand Kortes; span. Eroberer Mexikos, *1485, †1547) und seine Abenteurer im Zusammenhang mit den nicht weniger grausamen Bekehrermönchen sehen, um etwas zu finden, das einem Vergleich mit den Gräueltaten jener Ustaschas standhält, die durch wahnhaft fanatische Geistliche unterstützt, befehligt und motiviert wurden. Was diese „Mörder im Namen Gottes“, wie sie Hervé Laurière (ERKL.: Pseudonym von Branko Miljuš; ehem. serb. Minister d. königlich-jugoslaw. Regierung, flieht später nach Paris) ganz richtig nennt, über vier Jahre lang getan haben, übersteigt jede Vorstellung, und die Annalen (Jahrbücher) der römischen Kirche können – sind sie auch noch so reich an derartigem Material – nichts Ebenbürtiges in Europa hervorbringen. Muss jetzt eigentlich noch gesagt werden, dass der Kompagnon des blutrünstigen Ante Pawelitsch ein weiterer Jesuit war und Monsignore Stepinatz hieß?

 

5.1.16           Kroatische Terrororganisation der „Ustaschas“ nach Königsmord an Alexander I. von Jugoslawien vom Papst in Ehren empfangen: Treue zur Religion und zur Kirche berechtigt zum Mord!

 

1934 trat in Marseille die von Pawelitsch geführte kroatische Terrororganisation der „Ustaschas“ erstmals in das Bewusstsein der Franzosen – und zwar mit der Ermordung König Alexanders I. von Jugoslawien als auch unseres (des frz.) Außenministers Louis Barthou (ERKL.: Jean Louis Barthou, *1862, †1934). „Da die Regierung Mussolini offenbar in das Verbrechen verwickelt war“ (79) und Pawelitsch in Italien Zuflucht gefunden hatte, forderte Frankreich dessen Auslieferung; diese nicht zu bewilligen, war der Duce sichtbar bemüht und so musste das Schwurgericht Aix-en-Provence das „Ustascha“-Oberhaupt in Abwesenheit zum Tode verurteilen.

 

Dieser von Mussolini angeheuerte Terroristenchef „arbeitete“ für die italienische Expansion an der Adriaküste. Als Hitler und Mussolini Jugoslawien 1941 besetzten und teilten, wurde dieser vorgebliche kroatische Patriot von jenen an die Spitze des Satellitenstaates gestellt, den sie unter der Bezeichnung „Unabhängiger Staat Kroatien“ schufen. Am 18.Mai selbigen Jahres reichte Pawelitsch in Rom die Krone jenes Staates dem Herzog von Spoleto, der den Namen „Tomislaus II.“ (ERKL.: *1900, †1948) annahm. Dieser achtete freilich darauf, seines Scheinreiches blutgetränkten Boden niemals zu betreten.

 

Ebenfalls an diesem Tage bekamen Pawelitsch und seine „Freunde“ bei Pius XII. eine Privataudienz (einen nichtdienstl. Empfang). Einer der „Freunde“ war Monsignore Salis-Sewis (ERKL.: Franz Salis-Seewis, auch Salis-Sewis, *1872, †1967), Generalvikar von Monsignore Stepinatz.

 

5.1.17           Massenmord an orthodoxen Serben und Zwangskonvertierung zum Katholizismus unter den Augen des Papstes Pius XII.

 

„Keine Scheu hatte also der Heilige Stuhl beim Händeschütteln mit einem ausgemachten Mörder, der in Abwesenheit für den Mord an König Alexander I. und Louis Barthou zum Tode verurteilt worden war, einem Terroristenchef, der die furchtbarsten Verbrechen auf dem Gewissen hatte! Und in der Tat erlebte am 18.Mai 1941, als Pawelitsch und seine Mörderbande freudig von Pius XII. begrüßt wurden, das Massenmorden an orthodoxen Serben seinen Höhepunkt, einhergehend mit Zwangskonvertierungen zum Katholizismus.“

 

(79) François Charles-Roux, op.cit., S.132.

(79a) Vgl. Hervé Laurière: „Assassins au nom de Dieu“ ([„Mörder im Namen Gottes“,] Éd. Dufour, Paris, 1951, S.40 ff.).

 

Die serbische Bevölkerungsminderheit war es, die man im Visier hatte, wie es der Autor Walter Hagen erklärt: „Aber die Lage wurde auch noch durch die innerpolitischen Maßnahmen der Ustaša-Machthaber sehr erschwert. Sie überantworteten das Land binnen kurzem einem blutigen Chaos … Der wahrhaft tödliche Haß der neuen Herren richtete sich gegen die Juden und gegen die Serben, die geradezu offiziell für vogelfrei erklärt wurden. … Ganze Dörfer, wie zum Beispiel Vojnić, ja ganze Landstriche wurden systematisch ausgemordet oder es wurden die Einwohner zur Flucht nach Serbien getrieben. Da nach alter Überlieferung Kroatentum und katholischer Glaube, Serbentum und orthodoxes Bekenntnis gleichgesetzt wurden, begann man die Orthodoxen zum Übertritt in die katholische Kirche zu zwingen. Diese zwangsweise »Umtaufe« war eben die Form, in der sich die »Kroatisierung« vollzog.“

 

(80) Walter Hagen, op.cit., S.168, 176, 198, 199. IN DEUTSCH: S.237, 238.

 

Der große Organisator dieser Massaker und Zwangsbekehrungen war der Innenminister Andrija Artuković (ERKL.: *1899, †1988); der sich – so ein Zeuge in hoher Stellung – während er es tat, „moralisch“ als rechtschaffen verteidigte.

 

Und als die jugoslawische Regierung die Vereinigten Staaten, wo er Zuflucht gefunden hatte, um seine Auslieferung bat, da war gar jemand, der für ihn sprach: Hw.P.Lacković (ERKL.: Stjepan Lacković), der ebenfalls in den Vereinigten Staaten lebte und im zurückliegenden Krieg Sekretär des Agramer Erzbischofs Monsignore Stepinatz war.

 

„Artuković“, so der Jesuit, „war Monsignore Stepinatzens Laiensprecher (nichtprofessioneller Sprecher). Zwischen 1941 und 1945 verging kein Tag, an dem er nicht in meinem Büro war oder ich in seinem. Was die moralische Seite seines Vorgehens betraf, so hatte er sich grundsätzlich den Rat des Erzbischofs einholt.“

 

(81) „Mirror News“ Los Angeles, 24.Januar 1958.

 

Wenn man aber um das „Vorgehen“ dieses Vollstreckers weiß, dann wird einem auch klar, welcher Art der erbauliche Rat des Monsignore Stepinatz gewesen sein muss.

 

Zu Massakern und „Bekehrungen“ kam es bis zur Befreiung, und des Heiligen Vaters Wohlwollen für die Killer blieb unverändert.

 

Man lese einmal in den kroatischen Zeitungen jener Zeit den Austausch von Komplimenten zwischen Pius XII. und Pawelitsch, jenem „Poglavnik“ (kroatischen „Führer“), dem der jesuitische Erzbischof von Sarajewo und Freizeitdichter Monsignore Šarić (ERKL.: Ivan Šarić) von verzückter Verehrung durchdrungene Verse widmete.

 

Doch war dies nur Schöntuerei: „Monsignore Stepinatz wird Mitglied des »Ustascha«-Parlaments.“ (82) Er trägt „Ustascha“-Abzeichen, bei sämtlichen wichtigen offiziellen „Ustascha“-Auftritten ist er zugegen und hält sogar Reden. ... „Haben wir uns da noch über die Monsignore Stepinatz vom Satellitenstaat Kroatien erwiesene Ehrerbietung zu verwundern? Oder dass ihm die »Ustascha«-Presse Loblieder sang? Es springt einem ja geradezu ins Auge, dass ohne Monsignore Stepinatzens Unterstützung von religiöser und politischer Seite her ein Ante Pawelitsch nie die Mitarbeit katholischer Kroaten in einem derartigen Ausmaße gewonnen hätte.“

 

(82) Mit weiteren katholischen Geistlichen, wie Monsignore Aksamović, dem Jesuiten Irgolić, Lonacir, Pavunić, Mikan, Polić, Severović, Šipić, Skrinjar, Vučetić (Anmerkung des Verfassers).

(83) „Le Monde“, 27.Mai 1953.

 

Um das volle Ausmaß jener Mitarbeit zu begreifen, muss man die kroatische katholische Presse lesen, den „Katolički tjednik“, den „Katolički List“, den „Hrvatski Narod“ und viele andere Publikationen, von denen in der Schmeichelei für den blutigen „Poglavnik“ eine die andere übertraf; und dass dieser ein „Katholik der Tat“ war – davon war Pius XII. besonders angetan, und die hohe Wertschätzung durch den Oberhirten schloss selbst noch die Komplizen des großartigen Mannes mit ein.

 

Vom „Osservatore Romano“ erfahren wir, dass am 22.Juli 1941 einhundert Mitglieder der vom Agramer Polizeichef Evgen Dido Kvaternik geleiteten Ustascha-Miliz vom Papst empfangen wurden. Der diese kroatische SS-Truppe, die Elite der in den KZs operierenden Henker und Folterknechte, vorzeigte, verübte derart furchtbare Verbrechen, dass seine eigene Mutter in ihrer Verzweiflung Selbstmord beging.

 

Durch den apostolischen Eifer dieser Killer ist das Wohlwollen seiner Heiligkeit Pius’ XII. leicht nachvollziehbar. Ein weiterer „Katholik der Tat“, der Kultusminister Mile Budak, verkündete im August 1941 in Karlstadt: „Grundlage der »Ustascha«-Bewegung ist die Religion. Unser ganzes Werk beruht auf der Treue zur Religion und katholischen Kirche.“

 

(84) Vgl. Hervé Laurière: „Assassins au nom de Dieu“ (Éd. Dufour, Paris, 1951, S.97).

 

Ebendieser Kultusminister hat besagtes Werk am 22.Juli in Gospitsch in treffender Weise definiert: „Wir werden einige der Serben töten, wieder andere deportieren, und der Rest wird zur Annahme der römisch-katholischen Religion gezwungen.“.

 

(85) „L’Ordre de Paris“, 8.Februar 1947.

 

Dieses tolle Programm kam zur buchstäblichen Ausführung. Als die Befreiung dieser Tragödie ein Ende setzte, waren 300.000 Serben und Juden deportiert und mehr als 500.000 niedergemetzelt worden. Auf diese Weise hatte die römische Kirche zudem 240.000 orthodoxe Gläubige ihrer Gemeinde zugeführt … die, als deren Freiheit wiederhergestellt war, rasch zur Religion ihrer Vorfahren zurückkehrten.

 

5.1.18           Mörder in Gottes Namen terrorisieren Kroatien und führen durch Jesuiten den politischen Klerikalismus ein 

 

Um dieses lächerliche Ergebnis aber zu erreichen, welches Grauen hatte sich über dieses unglückselige Land ergossen! Man lese in Hervé Laurières Buch „Assassins au nom de Dieu“ Einzelheiten der ungeheuerlichen Folterungen, die diese Katholiken der Tat, die die Ustaschas waren, an ihren armen Opfern verübten.

 

Der englische Journalist F.A. Voigt (ERKL.: Frederick Augustus Voigt, *1892, †1957) schrieb: „Die kroatische Politik bestand aus Massakern, Deportationen oder Bekehrungen. Die Zahl derer, die hingemetzelt wurden, geht in die Hunderttausende. Begleitet waren die Massaker von den bestialischsten Folterungen. Die »Ustaschas « entnahmen ihren Opfern die Augen und fertigten daraus Girlanden, die sie als Andenken trugen oder vorzeigten.“.

 

(86) „Nineteenth Century and After“ („Neunzehntes Jahrhundert und danach“), August 1943.

 

„In Kroatien implantierten die Jesuiten den politischen Klerikalismus.“

 

(87) und (88) Hervé Laurière, op.cit., S.82, 84, 85.

 

Es ist das von der Kompanie den Nationen, die es begrüßen, ausnahmslos angebotene Geschenk. Selbiger Autor fügt hinzu: „Mit dem Tode des großen kroatischen Tribuns Raditsch (ERKL.: Joseph Raditsch, *1871, †1928) verliert Kroatien seinen Hauptgegner des politischen Klerikalismus, der den von Friedrich Muckermann (ERKL.: Friedrich Joseph Muckermann, *1883, †1946) definierten Auftrag der Katholischen Aktion zu seiner Sache machen wird. In einem Buch, dessen Vorwort Monsignore Pacelli, damaliger Apostolischer Nuntius in Berlin, verfasste, machte dieser noch vor Hitlers In-Erscheinung-Treten weithin bekannte deutsche Jesuit besagten Auftrag 1928 bekannt. Muckermann drückte sich wie folgt aus: „Der Papst spricht sich für den neuen Kreuzzug der Katholischen Aktion aus. Er ist der Anführer, der das Banner Christi trägt. … Katholische Aktion heißt Sammlung des Weltkatholizismus. Er muss sein heroisches Zeitalter leben. … Die neue Epoche kann für Christus nur über den Preis des Blutes erreicht werden.“

 

(87) und (88) Hervé Laurière, op.cit., S.82, 84, 85.

 

Zehn Jahre nachdem dies verfasst worden war, saß der Schreiber des Vorworts zu Jesuitenpater Muckermanns Buch auf Petri Stuhl (dem Papststuhle), und während seines Pontifikats flossen vom Blut „für Christus“ in Europa im wahrsten Sinne des Wortes Ströme; Kroatien aber durchlitt das Schlimmste der grauenhaften Taten jener „neuen Epoche“.

 

Da waren nicht allein die von der Kanzel herunter das Abschlachten voll und ganz befürwortenden Priester, sondern einige marschierten sogar an der Spitze der Mörder. Andere bekleideten neben ihrem priesterlichen auch öffentliche Ämter als Gespane (Landräte) oder Chefs der „Ustascha“-Polizei, selbst als Leiter von Konzentrationslagern, deren Grauen das von Dachau oder Auschwitz noch übertraf.

 

In diese blutige Ehrungsliste haben wir die Namen von Abt Božidar Bralo, des Priesters Dragutin Kamber (ERKL.: *1901, †1969), des Jesuiten Lacković und von Abt Ivan Šalić, Sekretären von Monsignore Stepinatz, sowie des Priesters Nikola Bilogrivić etc. aufzunehmen ... und zahllose Franziskaner; von denen einer der schlimmsten Bruder Miroslav Filipović (ERKL.: *1915, †1946), Hauptorganisator jener Massaker, Leiter und Vollstrecker im KZ Jasenovac, der grauenhaftesten dieser irdischen Höllen, war.

 

Bruder Filipovićs Schicksal war das Gleiche wie Monsignore Tisos in der Slowakei: als die Befreiung kam, wurde er, seine Sutane tragend, gehängt. Viele seiner nicht so sehr auf die Erringung der Märtyrerpalme bedachten Rivalen aber flohen halsüberkopf mit den Mördern, denen sie derart gut assistiert hatten, nach Österreich.

 

Was aber tat hier die „Hierarchie“ („Führungsspitze“) im Angesicht des Blutrauschs derart vieler ihrer Untergebenen? Die „Hierarchie“, oder der Episkopat (Bischofsapparat) und sein Führer, Monsignore Stepinatz, stimmten im „Ustascha“-Parlament für die die Bekehrung der Orthodoxen zum Katholizismus betreffenden Dekrete, sandten „Missionare“ zu den terrorisierten Bauern, bekehrten ohne mit der Wimper zu zucken ganze Dörfer (89), nahmen die serbisch-orthodoxen Kirchengüter in Besitz und übergossen, dem durch Papst Pius XII. aus der Höhe her gegebenen Beispiele folgend, den Poglavnik ohne Unterlass mit Lob und Segen.

 

(89) In Monsignore Stepinatzens eigener Diözese Kamensko kehrten an einem Tage 400 in die römisch-katholische Gemeinde zurück. Mit der Anmerkung, zu ihnen sei es „spontan und ohne jeden Druck seitens weltlicher und kirchlicher Behörden“ gekommen, gab „Radio Vatikan“ am 12.Juni 1942 diese Massenbekehrungen bekannt.

 

Die persönliche Vertretung Seiner Heiligkeit Pius XII. in Agram war der angesehene Mönch Hw.P.Marcone. Dieser „Sancti Sedis Legatus“ („Legat d. Hl.Stuhls“), der auf sämtlichen „Ustascha“-Feierlichkeiten den Ehrenplatz bekam und sich scheinheilig im Hause von Killerchef Pawelitsch samt dessen Familie, die ihn als Freund empfing, ablichten ließ. ... „Gleich und Gleich gesellt sich gern.“.

 

Jederzeit herrschte demnach die allerehrlichste Aufrichtigkeit in den Beziehungen zwischen den Mördern und den Geistlichen – nicht wenige dieser Geistlichen freilich hatten beiderlei Funktionen inne, wofür sie nie je zur Verantwortung gezogen wurden. „Der Zweck heiligt die Mittel.“

 

Als Pawelitsch und seine 4.000 „Ustaschas“ – die den Jesuiten und Erzbischof Šarić, Bischof Garić (ERKL.: Jozo Garić) sowie 400 Geistliche mit einschlossen – den Ort ihrer Heldentaten verließen, um zunächst nach Österreich, dann nach Italien zu gehen, ließen sie einen Teil ihrer „Schätze“ zurück: Filme, Fotografien, aufgezeichnete Reden Ante Pawelitschs, Truhen voller Edelsteine, Goldmünzen, Zahngold und - platin, Armbänder, Eheringe sowie Zahnprothesenteile aus Gold und Platin. Diese aus den elend Dahingemordeten geschlagene Beute versteckte man im Erzbischöflichen Palais, wo sie schließlich gefunden wurde.

 

Und die Flüchtigen – denen kam die eigens zur Rettung von Kriegsverbrechern geschaffene „Päpstliche Hilfskommission“ zu passe. Diese karitative Einrichtung versteckte sie in Klöstern, hauptsächlich in Österreich und Italien, und versorgte die Chefs mit falschen Pässen, die es ihnen ermöglichten, in „befreundete“ Länder zu gehen, wo sie die Früchte ihrer Raubzüge in Ruhe genießen können würden. So geschehen bei Ante Pawelitsch, dessen Anwesenheit in Argentinien 1957 ein ihn nur verwundender Mordversuch enttarnte.

 

Von da an brach das diktatorische Regime in Buenos Aires zusammen. Wie auch Ex-Präsident Perón selbst, so hatte sein Schützling Argentinien zu verlassen. Von Paraguay aus, wo er zunächst hinging, erreichte er Spanien, wo er am 28.Dezember 1959 im deutschen Krankenhaus zu Madrid starb. Bei jener Gelegenheit erinnerte die französische Presse an seine blutige Kariere und – diskreter – an die „mächtigen Komplizen“, die es ihm ermöglichten, der Strafe zu entgehen.

 

Unter der Überschrift „Belgrad forderte seine Auslieferung vergeblich“ lesen wir in „Le Monde“: „Die heute morgen in der Presse veröffentlichte Kurzinformation hat unter den Jugoslawen Erinnerungen an eine Vergangenheit wiederbelebt, angefüllt mit Leiden und Bitterkeit gegen jene, die durch das Verstecken Ante Pawelitschs ihn so fast fünfzehn Jahre lang dem Zugriff der Gerechtigkeit entzogen.“

 

(90) „Le Monde“, 31.Dezember 1959.

 

„Paris-Press“ hebt das letzte dem Terroristen angebotene Obdach mit diesem kurzen, aber bezeichnenden Satz hervor: „Er endete in einem Madrider Franziskanerkloster.“

 

(91) „Paris-Press“, 31.Dezember 1959.

 

Und just von da aus wurde Pawelitsch ins Krankenhaus eingeliefert, wo er sich der Natur stellte, nicht aber der von seinen leicht auszumachenden „mächtigen Komplizen“ verspotteten Gerechtigkeit.

 

Monsignore Stepinatz, der, wie er sagte, ein „reines Gewissen“ hätte, blieb in Agram, wo ihm 1946 der Prozess gemacht wurde. Verurteilt zu harter Arbeit, wurde es ihm praktisch nur auferlegt, in seinem Heimatdorf zu residieren (zu wohnen). Wie wir sehen können, war die Strafe leicht zu tragen – die Kirche aber braucht Märtyrer. Damals wurde der spätere Erzbischof von Agram – noch vor Erreichung des kanonischen Alters – von Pius XII., der ihm für „sein den reinsten Glanz aufweisendes Apostolat“ eilends den „Kardinals“-Titel verlieh, zum Koadjutor erhoben.

 

Wir wissen um die symbolische Bedeutung des Kardinalspurpurs (Kardinalsrocks): wer ihn anlegt, hat bereit zu sein, seinen Glauben „usque ad sanguinis effusionem“ zu bekennen: bis zum Blutvergießen. Dass dieses Vergießen in Kroatien unter dem Apostolat des besagten Heiligen reichlich war, kann nicht bestritten werden, nur dass das dort in Strömen geflossene Blut nicht das des Prälaten war: es war das Blut von orthodoxen Gläubigen und Juden. Haben wir hierin eine „Umkehrbarkeit von Verdiensten“ zu sehen?

 

Ist jenes der Fall, so kann das Kardinalsamt Monsignore Stepinatzens freilich nicht angefochten werden. „In der Diözese Oberkarlstadt, einem Teile seines Erzbistums, konnten sich von den 460.000 Orthodoxen, die dort lebten, 50.000 in den Bergen verstecken, 50.000 wurden nach Serbien geschickt, 40.000 über das Terrorregime zum Katholizismus bekehrt und 280.000 niedergemetzelt.“

 

(92) Vgl. Jean Hussard: „Vu en Yougoslavie“ ([„Gesehen in Jugoslawien“,] Lausanne, 1947, S.216.

 

Am 19.Dezember 1958 ist in der „France Catholique“ zu lesen: „Um die Größe und Heldenhaftigkeit Seiner Eminenz Kardinal Stepinatz zu würdigen, wird am 21.Dezember 1958 um 16 Uhr in der Krypta (Kellerkirche) der Odilienkirche, 2 Avenue Stéphane Mallarmé, Paris 17, ein Treffen stattfinden. Dafür verantwortlich zeichnet Seine Eminenz Kardinal Feltin, Erzbischof von Paris.

 

Senator Ernest Pezet und der nationale Rektor der Kroatischen Mission in Frankreich, Hochwürden Pater Dragun (ERKL.: Bogdan Teodor Dragun) werden teilnehmen. Messe und Kommunion hält Seine Exzellenz Monsignore Rupp.“

 

Und so bereicherte eine weitere Figur, und keine geringe, nämlich die Kardinal Stepinatzens, die „Galerie Großer Jesuiten“.

 

Eine weitere Absicht besagten Treffens am 21.Dezember 1958 in der Odilienkrypta war die „Vorstellung“ eines zur Verteidigung des Agramer Erzbischofs von Hw.P.Dragun höchstselbst verfassten Buches; Monsignore Rupp, Kardinal Feltins Koadjutor, hatte das Vorwort geschrieben. Eine umfassende Beurteilung vermögen wir hier nicht zu geben, nur so viel:

 

Der Titel des Buches: „Le Dossier du cardinal Stepinac“ (ERKL.: Théodore Dragoun R.P., Nouvelles Éditions Latines, 1958) – zu deutsch: „Die Akte Kardinal Stepinatz“ – scheint dem Leser eine objektive Darlegung des Agramer Prozesses zu versprechen. Und tatsächlich finden wir in diesem 285 Seiten starken Bande die Reden der zwei Anwälte des Erzbischofs in voller Länge, begleitet von umfangreichen Anmerkungen des Autors, doch erfahren weder die Anklage schlechthin noch der Antrag des Staatsanwalts auch nur die leiseste Erwähnung.

 

Das Sprichwort „Jedes Ding hat zwei Seiten.“ schien sich Hw.P.Draguns Wahrnehmung zu entziehen, es sei denn, er kannte es z u gut!

 

Wie es auch immer sei, diese systematische Ausblendung der Kehrseite des Themas wäre hinreichend, die Debatte zu beenden.

 

Betrachten wir dennoch die für den Freispruch des Agramer Erzbischofs herangezogenen guten Gründe. Zuvorderst aber die Frage: War Monsignore Stepinatz wirklich Metropolit von Kroatien und Slawonien (Vorsteher der Kirchenprovinz Kroatien u. Slawonien)? Die Antwort darauf gibt Hw.P.Draguns Buch nicht. Auf dessen Seite 142 ist bezüglich einer Ausfertigung des Stepinatzschen Berichts, der in seiner Autentizität von der Verteidigung nicht angefochten wurde, folgendes zu lesen:

 

„Im Wortlaut der Ausfertigung wird der Erzbischof als »Metropolita Croatiæ et Sclavoniæ« (»Metropolit von Kroatien u. Slawonien«) beschrieben, nur dass der Erzbischof eben kein Metropolit (Kirchenprovinzvorsteher) ist und sich als solcher selbst nie je darstellte.“

 

Das würde die Frage klären, läsen wir nicht auf Seite 114 das Folgende, aus Monsignore Stepinatzens eigenen Erklärungen vor dem Tribunal Entnommene:

 

„Dass die kleinen Nationen und die nationalen Minderheiten dass Recht haben, frei zu sein, ist vom Heiligen Stuhle oft hervorgehoben worden. Sollte da nicht ich, als »Bischof und Metropolit«, das Recht haben, das zu erörtern?“ Man versteht, je mehr man liest, immer weniger!

 

Egal! Wie wir stets aufs Neue erinnert werden, habe Monsignore Stepinatz das Verhalten seiner Gemeinde und Geistlichkeit in keinster Weise beeinflussen können.

 

An jene, die die Artikel der die Leistungen Pawelitschs und seiner angeheuerten Mörder preisenden katholischen Presse herzu holen, ergeht die Antwort: „Es ist schlichtweg lächerlich, Monsignore Stepinatz für das von einer Zeitung Geschriebene verantwortlich zu machen.“.

 

Und sei es der „Katolički List“, die wichtigste katholische Zeitung in Monsignore Stepinatzens Diözese Agram!

 

Unter jenen Umständen werden wir uns nicht die Mühe machen, den den Franziskanern gehörenden „Anñeo čuvar“ („Schutzengel“), den „Glasnik sv.Ante“ (die „Antoniusstimme“) der Konventualen (ERKL.: i. dt. Sprachraum „Minoriten“ geheißener Zweig d. Franziskaner, der sich im Gefolge d. Armutsstreits herausgebildet hat u. 1517 als eigener Orden päpstlich anerkannt wurde) des Sarajewoer „Katolički tjednik“ („Katholischen Wochenblatts“), oder Bischof Šarić zu zitieren, noch freilich den jesuiteneigenen „Vjesnik Počasne straže Presvetog Srca Isusova“ („Boten der Ehrenwache des göttlichen Herzens Jesu“)!

 

Man behauptet also, dass der „angefochtene Metropolit“ Monsignore Stepinatz über diese Publikationen, deren Leiter er war, und die immerdar versuchten, einander in ihrer Verherrlichung Pawelitschs und seiner Blutherrschaft zu übertrumpfen, keinen Einfluss hatte.

 

Weder habe er Autorität, wie zu hören, über die „Ustascha“-Bischöfe Šarić, Garić, Aksamović (ERKL.: Antun Aksamović), Šimrak (ERKL.: Janko Šimrak, *1883, †1946) etc. gehabt, die den Poglavnik mit Segen übergossen und seine Verbrechen lebhaft begrüßten, noch über die „Kreuzritter“ der Katholischen Aktion, diesen Hilfstruppen der „Ustascha“-Bekehrer, noch über die franziskanischen Mörder, noch über die Agramer Nonnen, die mit in Hitlermanier erhobenen Händen einhermarschierten.

 

Welch seltsame „Hierarchie“ („Führungsspitze“), die über nichts und niemanden Autorität gehabt haben soll!

 

Die Tatsache, dass er mit zehn anderen katholischen Priestern im „Sabor“ (dem „Ustascha“-Parlament) saß, kompromittiert (beschädigt) den Erzbischof nicht – oder wir haben dies, da man die Tatsache einfach ignoriert, wenigstens anzunehmen.

 

5.1.19           Organisierte Zwangsbekehrungen Orthodoxer zum Katholizismus in Agram durch Monsignore Stepinatz verniedlicht

 

Wir sollten ihm etwa weder seinen Vorsitz in den Bischofskonferenzen noch in der Kommission für die Anwendung des die Bekehrung der Orthodoxen betreffenden Gesetzes vorwerfen. In besagter Apologie (Rechtfertigung) wird der „humanitäre“ („menschenfreundliche“) Vorwand für die gewaltsame Eingliederung derart Vieler in die römische Kirche gänzlich – und gänzlich geschickt – dargelegt. Hinsichtlich des Monsignore Stepinatz konfrontierenden „schrecklichen Dilemmas“ lesen wir dies: „Seine seelsorgerliche Aufgabe war es, die kanonischen Prinzipien intakt zu halten, andererseits aber wurden Andersdenkende, die es ablehnten, den Katholizismus zu übernehmen, niedergemetzelt; weshalb er die Strenge der Regeln verringerte.“

 

Noch verwirrter wird man, ließt man an etwas späterer Stelle: „Um eine Klärung dieser dramatischen Alternative bemüht, wies er in dem Rundschreiben vom 2.März 1942 die Priester an, die Bekehrungsmotive eingehend zu prüfen.“

 

Eine in der Tat merkwürdige Methode, wie er „die Strenge der Regeln“ milderte und die „dramatische Alternative“ klärte!

 

War Monsignore Stepinatz jetzt dabei, den Scheinbekehrten die Tür zur römischen Kirche zu öffnen oder zu verschließen? Das herauszufinden, wäre, bezögen wir uns einzig auf diese Verteidigungsrede, absolut undenkbar. Des Erzbischofs Apologeten scheinen jedenfalls das „Verschließen“ zu wählen, wenn sie erklären: „ … Im Bereich der Erzdiözese (Hauptbischofsprovinz) Agram waren Wiedertaufefälle sehr selten.“

 

(92a) Dragoun R.P.: „Le Dossier du cardinal Stepinac“ (Nouvelles Éditions Latines, Paris, 1958, S.46 u. 163).

 

Wie schon gesagt, spricht die Statistik leider eine andere Sprache: „ … Allein in der zum Erzbistum Agram gehörenden Diözese Oberkarlstadt wurden 40.000 Menschen wiedergetauft.“

 

Dass derartige Ergebnisse nur durch Massenbekehrungen ganzer Orte erreicht werden konnten, ist offensichtlich – wie in Kamensko in der gleichnamigen Stepinatzschen Erzdiözese, wo an einem Tage 400 verlorene Schafe „spontan und ohne jeden Druck seitens weltlicher und kirchlicher Behörden“ in die römische Gemeinde zurückgekehrt seien.

 

Warum dann also diese Zahlen unterschlagen? Wären sie wirklich Folge der „wohlwollenden Gesinnung“ des kroatischen katholischen Klerus und nicht der skrupellosen Ausnutzung des Terrors gewesen, dann hätte man darauf stolz sein sollen. Wahr aber ist, dass der als Verbergungsversuch über besagte Niedertrachten gelegte Schleier transparent und nicht breit genug ist. Hinsichtlich der Deckung Stepinatzens gilt es, andere aufzudecken: die Bischöfe Šarić, Garić, Šimrak, die Priester Bilogrivić, Kamber, Bralo und deren Mittäter – die Franziskaner und Jesuiten und – schlussendlich – den Heiligen Stuhl.

 

Wir könnten uns auch des besagten sonderbaren Erzbischofs „reines Gewissen“ zu Gemüte führen ... dieses angeblich jede Autorität entbehrenden, sich – als er es nicht war – „Metropolit“ nennenden Primas von Kroatien, der, um dem Paradoxon die Krone aufzusetzen, Türen öffnete, als er sie schloss. Diesem fantastischen Prälaten zur Seite aber stand – konsequent und beleibt – noch ein weiterer – Hw.P.Marcone, der persönliche Vertreter Pius‘ XII.

 

War auch dieser „Sancti Sedis Legatus“ bar jeder Autorität über den kroatischen Klerus? Wer weiß! Denn die derart sorgsam gereinigte „Akte“ macht von dieser großartigen Person keinerlei Erwähnung, seine Existenz könnte sich gar unserem Bewusstsein entziehen, hätten wir nicht andere Informationen, wie z.B. Fotografien, die zeigen, wie er im Agramer Dom amtiert, als feierlich Eingesetzter, inmitten des „Ustascha“-Generalstabs, und vor allem mahlhaltend mit der Famile Pawelitschs, des Katholiken „der Tat“, der die Massaker organisierte.

 

In Anbetracht eines derartigen Dokuments ist es nicht überraschend, dass die Anwesenheit des päpstlichen Repräsentanten „verdunkelt“ wurde; die Mystiker würden es „erhellendes Dunkel“ nennen! Noch erhellender sind folgende Zeilen der „Akte“:

 

„Der Anwalt selbst führt in seiner Anklageschrift den Staatssekretär des Heiligen Stuhls, Kardinal Maglione an, der Erzbischof Stepinatz 1942 riet, verstärkt herzliche und freundliche Beziehungen zu den »Ustascha«-Behörden zu begründen.“

 

(92b) Dragoun R.P.: „Le Dossier du cardinal Stepinac“ (Nouvelles Éditions Latines, Paris, 1958, S.32).

 

Das ist hinreichend, um jede weitere Argumentation zu beenden.

 

Die gemeinsame Sache zwischen dem Vatikan und den „Ustascha“-Mördern ist deutlich genug. Der Heilige Stuhl höchstselbst hatte Monsignore Stepinatz gedrängt, mit ihnen zusammenzuarbeiten und der persönliche Vertreter Pius’ XII. hatte, indem er sich an Pawelitschs Tisch setzte, die päpstlichen Anweisungen buchstabengetreu in die Tat umgesetzt: Freundlichkeit und Herzlichkeit in den Beziehungen zu den Mördern der orthodoxen Gläubigen und Juden.

 

Für uns keine Überraschung!

 

Was aber denken sich die Jesuiten bei alledem, wo sie doch hartnäckig beteuerten, dass eine dauerhafte Zusammenarbeit der Prälaten Seiner Heiligkeit mit den Diktatoren eine rein persönliche und nicht vom Vatikan diktierte „Option“ gewesen sei?

 

Als Kardinal Maglione dem Agramer Erzbischof die vorstehend erwähnten Empfehlungen zusandte, sollte er da seine „persönliche Option“ zum Ausdruck gebracht haben – unter dem Siegel des Staatssekretariats?

 

Der eben erwähnte von Hw.P.Dragun gelieferte Beweis des stillscheigenden Einverständnisses zwischen dem Heiligen Stuhl und den „Ustaschas“ rundet dieses Kapitel ab.

 

Doch gibt es hierzu eine neuerliche Bestätigung der missionarischen Gesinnung, die unter den Gläubigen der kroatischen katholischen Kirche gegenüber den orthodoxen Serben gedieh und immer noch gedeiht.

 

Die „Fédération ouvrière croate en France“ (Die Vereinigung „Kroatischer Arbeiterbund in Frankreich“) verschickte eine Einladung zu der für Sonntag, den 19.April 1959 in der Zentralstelle des „Französischen Bundes christlicher Arbeiter“ in Paris anberaumten Festversammlung, um den 18. Jahrestag der Gründung des kroatischen „Ustascha“-Staates zu feiern.

 

In der Einladung zu lesen: „Die Feierlichkeiten werden mit der in der Maria-Loretto-Kirche gelesenen Heiligen Messe beginnen.“ Doch ist der von diesem frommen Anfange angetane Leser umso erschrockener angesichts des kurz darauf folgenden direkten Aufrufs: „TOD DEN SERBEN … !“.

 

(93) Vgl. „Le Monde“, 19.April 1959.

 

Laut diesem keineswegs belanglosen Dokument sei es also bedauerlich, dass diese „Brüder in Christo“ nicht mehr getötet würden.

 

Das Buch Hw.P.Draguns, des Rektors der Kroatischen Mission in Frankreich, macht Andeutungen, dass der den kroatischen Flüchtlingen durch die französischen Katholiken gegebene Empfang nicht herzlich genug gewesen sei. So zu erfahren auf den Seiten 59 und 60; und auf den Seiten 280 und 281 erwähnt der Autor die „herbe Enttäuschung“, die diese Flüchtlinge erlebt hätten, als sie auf den „völligen Mangel an Verständnis seitens ihrer Brüder im Glauben“ gestoßen seien.

 

Betrachten wir das vorgenannte Dokument, so erscheint dieser „Mangel an Verständnis“ begreiflich; wir sind froh, dass – den ach so erhebenden Einladungen zum Trotze – unsere Landsleute (die Franzosen) für eine Frömmigkeitsform wenig Sympatie zeigen, bei der nach bestem römischem und „Ustascha“-Usus der Aufruf zum Mord mit der „heiligen Messe“ Hand in Hand geht. Und wir wären noch froher, wenn das Drucken und öffentliche Verteilen dieser blutrünstigen Traktate, noch dazu in Paris, nicht erlaubt würde.

 

Am 10.Februar 1960 verstarb der niederträchtige Agramer Erzbischof Aloysius Stepinatz in seinem Heimatdorfe Karlovice, wo ihm auferlegt worden war, zu residieren. Dieses Ableben gab dem Vatikan die Gelegenheit, eine seiner großartigen Manifestationen zu organisieren, mit denen er ja zu glänzen verstand.

 

Jener Anlass erforderte große Anstrengungen, da viele Katholiken im Stepinatzschen „Falle“ keinen Täuschungen erlegen waren. Um diesem Höhepunkte also den größtmöglichen Pomp zu verleihen, übertraf sich der Heilige Stuhl selbst. Der „Osservatore Romano“ und die gesamte katholische Presse widmeten den begeisterten Lobeshymnen auf den „Märtyrer“, „sein geistliches Testament“ und die „seine Rücksichtnahme und übernatürliche Liebe“ verkündenden Reden Seiner Heiligkeit Johannes XXIII. viele Kolumnen; was auch des Papstes Beweggründe waren, zu Ehren des besagten nicht zur Kurie gehörenden Kardinals einen Festgottesdienst im römischen Petersdome abzuhalten und ihm die Generalabsolution (vollkommene Sündenvergebung) zu erteilen. Und um diese Glorifizierung komplett zu machen, gab die Presse bekannt, dass die Seligsprechung jener illustren (glänzenden) Person in Bälde begänne.

 

Zugeben müssen wir, dass er für seinen strikten „heiligen Gehorsam“ das viele Lob und auch den Heiligenschein verdient hatte, und dass er die nachdrücklichen Anweisungen des Heiligen Stuhls, „herzliche und freundliche“ Beziehungen zwischen sich und den „Ustaschas“ zu begründen, buchstabengetreu ausgeführt hatte.

 

Doch hoffen wir, dass sich selbst unter den Katholiken einige finden mögen, die wahrnehmen, wie der Vatikan – hinter der Begeisterung für diesen künftigen Heiligen und hinter der Beisetzung unter den an das blutige Stepinatzsche „Apostolat“ erinnernden Blumen – seine eigenen Verbrechen zu verbergen sucht.

 

5.4                  Kapitel 4:  Die Jesuitenbewegung in Frankreich vor und während des Zweiten Weltkrieges

 

5.1.20           Die „Katholisch-Nationale Vereinigung“ (FNC) bereitete unter faschistisch-klerikaler Führung den Sturz Frankreichs vor

 

Wir haben gesehen, wie die Katholische Aktion – mit Léon Degrelle und seinen Komplizen an der Spitze – im „Christus Rex“-Belgien den Weg für Hitler vorbereitet hatte. Dasselbe unterminierende Vorgehen schritt in Frankreich voran; es begann mit Mussolinis Machtantritt und endete 1940 mit dem Zusammenbruch der Landesverteidigung. In Belgien sollten, wie wir erfahren dürfen, zum Wohle des Landes die „spirituellen Werte“ wiederhergestellt werden. Man rief die FNC: die „Katholisch-Nationale Vereinigung“ („Fédération national catholique“) ins Leben und gab sie unter den Vorsitz General de Castelnaus; bis zu drei Millionen Anhänger traten ihr bei. Ihr Chef war clever gewählt: der General, eine große militärische Persönlichkeit und damals 78 Jahre alt, überspielte mit seinem – ihm aber freilich angeblich unbewussten – persönlichen Prestige ein intensives klerikofaschistisches Propagandaprogramm.

 

Dass die FNC, wie ja die Katholische Aktion überhaupt, durch und durch jesuitisch war, bleibt niemandem verborgen. Wir wissen aber auch, dass die guten Patres, deren hartnäckige Sünde der Stolz ist, es mögen, den Werken ihres Genies ihre Signatur zu geben. Das taten sie bei der FNC, als sie diese katholische Armee dem Heiligen Herzen Jesu, einer von ihrer Kompanie begründeten Anbetung, weihten, deren Basilika auf dem Montmartre steht, von dem aus sich Ignatius von Loyola und seine Gefährten zur Eroberung der Welt aufmachten.

 

Ein die FNC betreffendes Buch, dessen Vorwort von Hw.P.Janvier geschrieben wurde, bewahrte die vom alten General „am Altar“ gelesene Weihehandlung der Nachwelt. Hier einige Passagen daraus:

 

„Heiligstes Herz Jesu, die sich jetzt vor dir zu Boden werfenden Führer und Vertreter französischer Katholiken haben sich unlängst zusammengefunden und die Katholisch-Nationale Vereinigung (FNC) organisiert, um deine Herrschaft über dieses Land wiederaufzurichten. … Wir alle, die Anwesenden wie die Abwesenden, waren bislang nicht allezeit makellos. … Wir tragen die Last der Verbrechen, die die französische Nation an dir begangen hat. … Es geschieht deshalb im Hinblicke auf die Wiedergutmachung und Sühne, dass wir heute mit unserem Wunsche, Vorhaben und einstimmigen Beschlusse vor dich treten, dass deine heilige und königliche Macht über ganz Frankreich wiederhergestellt und seine Kinder von einer gotteslästerlichen Lehre befreit werden mögen. … Wir werden vor diesem Kampfe, um dessentwillen du dich herabgelassen hast, uns zu bewaffnen, nicht mehr zurückschrecken. Wir wollen, dass alles vor deinem Gottesdienste gebeugt und ihm treu ergeben werde. …

 

Heiligstes Herz Jesu, wir flehen dich durch die Jungfrau Maria an, die Huldigung anzunehmen. … “ etc.

 

(94) und (95) Georges Viance: „L’OEVRE ACCOMPLIE PAR LA FÉDÉRATION NATIONALE CATHOLIQUE“ [„VOLLBRACHTES WERK DURCH DIE KATHOLISCH-NATIONALE VEREINIGUNG“], Vorwort von Hw.P.Janvier (FNC, 1930, S.186, 187, 188, 78).

 

Und die „Verbrechen der französischen Nation“ – der katholische Autor zählt sie auf:

 

Worte mit fatalen Folgen und allgemeine Richtlinien: Sozialismus wird verdammt. … Liberalismus wird verdammt. … Wie von Leo XIII. dargelegt, sei die Glaubensfreiheit nicht zu rechtfertigen. Der Rede- und Meinungsfreiheit könne nicht berechtigterweise entsprochen werden – so ebenfalls die päpstliche Klarstellung.

 

… Gedanken-, Presse-, Lehr- und Glaubensfreiheit – von so manchem als natürliche Rechte des Menschen angesehen – könne man unmöglich also gewähren. …

 

„Wir haben“, so Pius XI. „besagte Lehren und Ordnungen der Kirche wieder einzuführen.“.

 

Solcherart ist das FNC-Hauptziel – unter der durch die Dezentralisierung der Diözesankommissionen (Bischofsprovinzkommissionen) sichergestellten Aufsicht der Hierarchie.

 

„Aktuell wie im Kriege ist in der Katholischen Aktion nach wie vor General Castelnaus berühmtes Wort: »Vorwärts«.“

 

(94) und (95) Georges Viance: „L’OEVRE ACCOMPLIE PAR LA FÉDÉRATION NATIONALE CATHOLIQUE“, Vorwort von Hw.P.Janvier (FNC, 1930, S.186, 187, 188, 78).

 

Das freilich ist klar und deutlich. Und so wissen wir auch, was uns erwartet, wenn wir bei Pius XI. lesen: „Die Katholische Aktion ist das Apostolat des Gläubigen. … “ (Schreiben an Kardinal van Roey, 15.August 1929).

 

Seltsames Apostolat, das in der Ablehnung sämtlicher von zivilisierten Ländern geschätzter Freiheiten besteht und stattdessen als Schirmherr der totalitären Prinzipien auftritt! Ist dies „das Recht, anderen Geistern die Schätze der Erlösung zu vermitteln“ (Pius XI. „Non abbiamo bisogno“ [Enzyklika „Non abbiamo bisogno“]; „Wir haben nicht nötig)?

 

Diese „Schätze der Erlösung“ … revidiert und aktualisiert von Jesuitenpater Staempfle, dem diskreten (zurückhaltenden) Verfasser von „Mein Kampf“, in Belgien um sich herum zu verbreiten, übernahmen Léon Degrelle und seine Freunde – Helden der Katholischen Aktion.

 

Gleiches geschah in Frankreich, wo „bei der Tätigkeit des hierarchischen Apostolats“ (Pius XI. „Dixit“) mitmachende Laienapostel eifrig dabei waren, eine weitere »Kollaboration« zu begründen. Lesen wir, was der päpstliche Geheimkämmerer und Hitlers rechte Hand Franz von Papen zu diesem Thema schrieb:

 

„1927 nahm ich zum ersten Mal an einer Tagung der »Semaine sociale« (»Sozialen Woche«) im Institut Catholique (unter Monsignore Baudrillarts Vorsitz) in Paris teil. … Ein Gegenbesuch unserer französischen Freunde in Berlin zeigte, wie weitgespannt das Interesse für unsere Ausgleichsbemühungen auf beiden Seiten war. … Mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten François Marsal waren … die Ehrwürdigen Patres Dellatre (Jesuit), de la Brière (ERKL.: Yves de la Brière) (Jesuit), Danset (Jesuit) … .“

 

(96) Franz von Papen: „Mémoires“ (Flammarion, Paris, 1953, S.91). IN DEUTSCH: Franz von Papen: „DER WAHRHEIT EINE GASSE“ (LIST, München, 1952, S.152, 153).

 

„Dieser Katholikentag erreichte übermenschliche Dimensionen der Bedeutung.“, so der gute Apostel an späterer Stelle weiter.

 

5.1.21           Am 14. Juni 1940 wehte erstmals die Hackenkreuzfahne siegreich über Paris

 

Diese zu Zeiten auf der Konferenz erreichte „Bedeutung“ erklomm am 14.Juni 1940, dem Tage, an dem die hakenkreuzgeschmückte Flagge siegreich über Paris wehte, ihren Höhepunkt. Wir wissen, dass Goebbels, Chef der Hitlerpropaganda, drei Monate zuvor, am 14.März, auf jenes Datum hinwies und die deutsche Offensive erst am 10.Mai gestartet wurde.

 

So erstaunlich, wie sie vieleicht erscheint, ist die Genauigkeit dieser Voraussage nicht.

 

„Im Folgenden der geheime Bericht von Agent 654 J.56, tätig für den deutschen Geheimdienst, der diese Enthüllungen Himmler zusandte: »Paris, 5.Juli 1939. Ich kann verkünden, dass die Lage in Frankreich nunmehr in unserer Hand ist. Alles ist bereit für den Stichtag und alle unsere Agenten sind auf Posten. Binnen weniger Wochen werden Polizei und Militärwesen zusammenbrechen wie ein Kartenhaus.

 

Nicht wenige geheime Dokumente belegen, dass man die Verräter schon vor geraumer Zeit ausgewählt hatte. Männer wie Luchaire (ERKL.: Jean Luchaire, Journalist, *1901, †1946), Bucard (ERKL.: Marcel Bucard, Politiker, *1895, †1946), Deat (ERKL.: Marcel Deat, Faschist, *1894, †1955), Doriot (ERKL.: Jacques Doriot, Politiker, *1898, †1945) … und Abel Bonnard (ERKL.: Schriftsteller, *1883, †1968) (von der Französischen Akademie).“

 

(97) André Guerber: „Himmler et ses crimes“ ([„Himmler u. seine Verbrechen“,] Les documents Nuit et Jour, Paris, 1946).

 

(Letzterer floh bei der Befreiung nach Spanien. Am 1.Juli 1958 kam er nach Frankreich zurück, stellte sich, wurde aber unverzüglich vom Präsidenten des Obersten Gerichtshofs vorübergehend freigelassen!) Details über die diesen Verrätern von der deutschen Staatsregierung bereitgestellten Zahlungen gibt das außerordentlich gut dokumentierte Buch André Guerbers. Mit ihrer sehr effektiven Arbeit hatten jene dieses Geld auch voll und ganz verdient.

 

Die nunmehrige Atmosphäre hatte man übrigens seit langem vorbereitet. In dieser Zeit war, um das Land nach den Vorstellungen der Katholischen Aktion zu „erneuern“, eine ganze Brut geschlüpft, Männer vom Schlage Léon Degrelles wie Deat, Bucard, Doriot, der – André Guerber zufolge – „Agent Nr.56 BK des deutschen Geheimdienstes“ war. Aus dieser ganzen bunten Truppe war er es auch, der beim Erzbistum und dessen Sympathisanten … und selbstverständlich bei Hitler, der ihn späterhin ermächtigte, die meiste Gunst genoss.

 

Doriot war der aufstrebende Stern; doch für die unmittelbare Zukunft und, um nach der vorausgesagten und gewollten Niederlage den Wechsel mit Bedacht anzugehen, bedurfte es eines anderen Mannes, eines hochangesehenen militärischen Führers, der in der Lage sein würde, das Desaster salonfähig zu machen und als „nationalen Wiederaufbau“ darzustellen.

 

Bereits 1936 schrieb Kanonikus Coubé: „Der Herr, der Karl den Großen (ERKL.: Karl I., der Große, röm. Kaiser u. König der Franken, *747, †814) und die Helden der Kreuzzüge hervorbrachte, vermag es immer noch, Erlöser zu erhöhen. … Es muss unter uns von Ihm versiegelte Männer geben, die, wenn nun seine Zeit gekommen ist, enthüllt werden. … Es muss unter uns Männer Gottes geben, die die Arbeiter in den großen nationalen Erneuerungen sind. Welche nötigen Vorraussetzungen sie zur Erfüllung dieser Mission mitzubringen haben?

 

Natürliche geistige und charakterliche Qualitäten; auch sind übermenschliche Qualitäten, sprich Gehorsam Gott und Seinem Gesetz gegenüber in gleicher Weise unerlässlich, da diese politische Arbeit – noch vor allem andern – eine moralische und religiöse ist. Diese Erlöser sind Männer mit großem Herzen, die allein zur Ehre Gottes arbeiten. … “

 

(97) Chanoine Coubé: „Sainte Thérèse de l'Enfant-Jésus et les crises du temps présent“ ([„Die hl.Theresa vom Kinde Jesu u. die Krisen d. Gegenwart“], Flammarion, Paris, 1936, S.165 ff.).

 

Als der Schüler Loyolas diese politischen und religösen Gedanken darlegte, wusste er, wer der besagte fromme „Erlöser“ sein würde, denn der war unter Klerikern wie Faschisten kein Geheimnis; so François Ternand: „Ins Rollen kam eine clevere und nachhaltige Propagandakampagne – zu Gunsten einer »Pétain-Diktatur«. … “

 

1935 veröffentlichte Gustave Hervé (ERKL.: frz. Politiker u. Publizist, *1871, †1944) ein Pamphlet, das wir vorhaben, zu untersuchen. … Titel des Traktats ist „Wir brauchen Pétain“. … Sein Vorwort ist ein begeistertes Plädoyer für die „italienische Erneuerung“ und die „noch erstaunlichere Erneuerung in Deutschland“, gepaart mit dem Hochlebenlassen der wunderbaren Chefs, von denen diese Erneuerungen ausgingen. Und unser französisches Volk (Und die Franzosen)? … Es gibt da einen, um den wir uns scharen könnten. … Auch wir haben einen Mann der Vorsehung. … Sie wollen seinen Namen wissen? Er heißt Pétain.

 

„Wir brauchen Pétain“, denn die Heimat ist gefährdet; und nicht nur sie, sondern auch der Katholizismus: „Wenn nicht in jedem Lande ein diktatorisches Regime errichtet wird, dann ist die christliche Zivilisation zum Tode verurteilt. …

 

Merkt auf: In Friedenszeiten kann ein Regierungssystem nur per Staatsstreich hinweggefegt werden – so es willens oder ohne Unterstützung durch Armee und Behörden ist. Eine Operation mit Erfolg gibt es nur durch Krieg und eine Niederlage im Besonderen.“

 

(99) François Ternand: „L'ascension politique du Maréchal Pétain“ ([„Marschall Pétains polit. Aufstieg“], Éditions du Livre Français, Paris, 1946, S.40 ff.).

 

Also wurde der Pfad der „Rechristianisierung“ Frankreichs bereits 1935 markiert, das Regierungssystem war hinwegzufegen und der beste Weg, dies zu erreichen, bestand im Erleiden einer militärischen, uns (Frankreich) unter das deutsche Joch bringenden Niederlage. Das wurde 1943 vom päpstlichen Grafen und Chef der Vichy-Regierung Pierre Laval bestätigt:

 

„Ich hoffe, Deutschland wird siegreich sein. Zu vernehmen, dass, wer besiegt wird, sich den Sieg des Siegers wünscht, mag seltsam erscheinen. Doch gleicht dieser Krieg nicht den dagewesenen. Es ist ein wahrer Religionskrieg! Ja, ein Religionskrieg.“

 

(100) Nationaler Rundfunk, 2.Januar 1943.

 

Genau das war es, was die Kirche wollte, wenn auch unerfreulich für den an früherer Stelle erwähnten vergesslichen Jesuiten Fessard, der nicht mehr wissen will, was im amerikanischen Rundfunk für die 20 Millionen Zuhörer der „Christlichen Front“ von seinem loyolaschen Bruder, dem Pater Coughlin gesagt wurde: „Der deutsche Krieg ist ein Kampf ums Christentum.“.

 

(101) 7.Juli 1941.

 

Im besetzten Frankreich aber sagte Kardinal Baudrillart, Rektor des Katholischen Instituts in Paris, just im selbigen Zeitraume das gleiche. Und zwar:

 

„Hitlers Krieg ist eine hehre Maßnahme zur Verteidigung der europäischen Kultur.“ (102) (102) 30.Juli 1941.

 

Auf beiden Seiten des Atlantiks also sangen damals, wie ja überhaupt weltweit, die kirchlichen Organe ihre Hymnen auf den siegreichen Nazismus.

 

So wie in Frankreich der Erzbischof von Paris – Kardinal Suhard (ERKL.: Emmanuel-Célestin Suhard, *1874, †1949) – dem ganzen Episkopat (Bischofsapparat) durch allseitige „Zusammenarbeit“ als Beispiel voranschritt, so auch der jesuitische Nuntius Monsignore Valerio Valeri (ERKL.: *1883, †1963).

 

Nach der Befreiung ersuchte die Regierung den Vatikan, nicht weniger als dreißig schwer belastete Bischöfe und Erzbischöfe abzuberufen. Drei Abberufungen stimmte er letztlich zu.

 

„Frankreich hat vergessen. …“, schrieb Maurice Nadeau (ERKL.: einer d. angesehensten frz. Literaturkritiker, *1911, †1979). „»La Croix«, das gefährlichste Sprachrohr im Dienste der Kollaboration, reiht sich unter die Publikationen eines befreiten Frankreichs; den Prälaten, die die französische Jugend dazu gedrängt hatten, für den Sieg Deutschlands zu arbeiten, wurde kein Prozess gemacht.“

 

(103) Vorwort zu „L’Église at-elle collaboré?“ [„Die Kirche hat kollaboriert?“] von Jean Cotereau (Spartacus, Paris, Mai 1946).

 

Im „Artaban“ (ERKL.: frz. Zeitung) vom 13.Dezember 1957 konnte man lesen:

 

„1944 wurde »La Croix« wegen Feindbegünstigung strafrechtlich verfolgt und vor den Pariser Gerichtshof gebracht; man übertrug den Fall Richter Raoult, der ihn einstellte. Am 13.März 1946 wurde die Angelegenheit in der Kammer (gesetzgebenden Körperschaft d. Parlaments) besprochen (siehe JO [Journal Officiel] Débats parlementaires, Seiten 713-714) (ERKL.: siehe Abl. [Amtsblatt] Parlamentsdebatten, Seiten 713-714) und man erfuhr, dass der damalige, die französische Presse sorgsam säubernde Justizminister de Menthon sich zugunsten von »La Croix« ausgesprochen hatte.

 

Genau genommen war die »Stimme des päpstlichen Denkens« – wie sie Pius XII. 1942, als er ihr seinen Segen übermittelte, nannte – die einzige von den zur Unterdrückung sämtlicher während der Besatzung herausgegebenen Zeitungen unternommenen allgemeinen Maßnahmen ausgenommene. Obwohl, wie uns der »Artaban« erinnert:

 

»La Croix« erhielt Anweisungen vom deutschen Leutnant Sahm und in Vichy von Pierre Laval.“ Klar doch waren die Gedanken des „päpstlichen Denkens“ und Hitlers Anweisungen in der glücklichen Lage, sich zu decken. Das wird bestätigt, wenn wir dieses schätzenswerten Papiers in Kriegsausgaben studieren.

 

5.1.22           Die Jesuiten kontrollierte die gesamte Presse Frankreichs und schreiben deren Geschichtsbericht!

 

Ein Attribut (Wesensmerkmal) der Jesuiten, und kein geringes, ist es, die ganze katholische Presse zu überwachen. In den verschiedenen, gegebenenfalls den Bedürfnissen ihrer Leser angepassten, Blättern bringen sie die verschiedenen Töne dieses „päpstlichen Denkens“ heraus, das – in seinen wogenden Sichtweisen – nichtsdestotrotz unbeirrt seinen Zielen zustrebt. Und da ist nicht eine „christliche“ Zeitung oder Zeitschrift, die sich nicht der Mitarbeit einiger – diskreter (zurückhaltender) – Jesuiten erfreut.

 

Sind doch diese „allen alles“ seienden Patres die besten im Chamäleon spielen. Das wissen wir ja, und nach der Befreiung durften wir uns allerorten von Patres überraschen lassen, „die zur Résistance gehört hatten“ (, der sie später als andere beitraten!) und bezeugten, dass die Kirche ZU KEINER ZEIT „kollaboriert“ habe.

 

Vergessen, aufgehoben, verflogen waren die Artikel von „La Croix“ und anderen katholischen Zeitungen, die bischöflichen Mandate (Erlasse), die Hirtenbriefe (bischöfl. Rundbriefe), die Bescheide der Versammlung der Kardinäle und Erzbischöfe, die Appelle Kardinal Baudrillards an die französischen Jugendlichen, Nazi-Uniformen anzuziehen und, nach Ablegung des Treueids auf Hitler, in der FFL (Französischen Freiwilligenlegion) zu dienen! Alles das war vorbei und vergessen!

 

„Die Geschichte ist ein Roman“, sagte ein desillusionierter Denker. Jene unserer Epoche hält dieser Definition die Treue: der Roman wird soeben vor unseren Augen geschrieben. Unter Beteiligung vieler „Historiker“ – wohlgesinnter Geistlicher und Laien – und das erhebende Ergebnis ist uns gewiss: ein katholischer Roman, was sonst. Beträchtlich ist der Beitrag der Jesuiten, der würdigen Erben Pater Loriquets (ERKL.: Jean-Nicolas Loriquet, *1767, †1840), dessen „Histoire de France“ (Rusand, Lyon, 1820) ein derart absurdes Bild Napoleons zeichnete.

 

Verglichen mit dieser gekonnten Meisterleistung, war, die von 1940 bis 1944 währende Zusammenarbeit zwischen den Geistlichen und dem deutschen Besatzer zu tarnen und verschwinden zu lassen, eine Leichtigkeit. Und es setzt sich weiter fort; über die Jahre sind unter der Schirmherrschaft des „Imprimatur“ (katholisch-bischöfl. Druckerlaubniszeichens) derart viele Artikel in Zeitungen, Zeitschriften, Büchern verfasst worden, um sie zu würdigen – die fehleingeschätzten Superpatrioten wie Suhard, Baudrillard, Duthois, Auvity (ERKL.: François-Louis Auvity, Bischof, *1874, †1964), du Bois de la Villerabel (ERKL.: André du Bois de la Villerabel, Erbischof von Rouen, *1877, †1951), Mayol de Luppé etc.! So viele geschwärzte Seiten zur Würdigung der derart heroischen Haltung des Episkopats (Bischofsapparats) in den Kriegsjahren, in denen Frankreich „eine die französischen Bischöfe zu »Stadtverteidigern« machende Situation“! erlebte, wie ein Ironiker schrieb.

 

(104) André Deroo: „L’épiscopat français dans la mêlée de son temps“ ([„Der frz. Episkopat in den Wirren unserer Zeit“] Bonne Presse, Paris, 1955, S.103) Imprimatur 1955.

 

„Verleumden und immer wieder verleumden! Denn es muss etwas hinterlassen werden.“, riet schon Basilius, dieser perfekte Jesuitentypus. Und „Schönen und immer wieder schönen.“ sagen seine Amtsnachfolger und großen Autoren „Historischer Romane“.

 

Und diese Schönung findet gerade weitgehend statt.

 

Kommende, von einem Strom aus Übertreibungen beflutete Generationen werden – wir hoffen es jedenfalls – diesen Stadt-„Verteidigern“ einen Gedanken der Dankbarkeit widmen, diesen durch die Arbeit ihrer Apologeten „in die freie Offenheit einer reinen Weste“ gekleideten Helden der römischen Kirche und Heimat; deren einige sogar kanonisiert wurden!

 

Seelenruhig beschloss am 25.August 1944 Jesuitenkardinal Suhard – Pariser Erzbischof (ab 11.Mai 1940) und Leiter der kirchlichen Kollaborateure – in der Notre-Dame-Kathedrale das „Te Deum“ für den Sieg zu zelebrieren. Nur durch den „energischen Protest des Hauptgeistlichen der FFI (Französischen Streitkräfte des Inneren; ERKL.: Forces Françaises de l'Intérieur)“ blieb uns dieses schamlose Possenspiel erspart.

 

In der „France Dimanche“ (ERKL.: bekannte Zeitschrift) vom 26.Dezember 1948 lesen wir: „Seine Eminenz, Kardinal Suhard, Erzbischof von Paris, erhielt soeben, am Jahrestag seiner Priesterweihe, einen eigenhändigen Brief Seiner Heiligkeit Pius XII., der ihn unter anderem für seine während der Besatzung eingenommene Rolle lobte.“ Wir wissen, dass, wie sich der Kardinal in jener Zeit verhielt, nach der Befreiung und bis zum heutigen Tage heftig kritisiert wurde. Als General de Gaulle (ERKL.: Charles de Gaulle, frz. General u. Politiker, *1890, †1970) im August 1944 nach Paris zurückkehrte, kam für ihn, dem Kardinal beim „Te Deum“ im Notre-Dame-Dom beizuwohnen, nicht in Frage. Zeitgleich stand der Prälat unter öffentlicher Anklage wegen „Neigungen zur Kollaboration“.

 

Weshalb des Heiligen Vaters Lob nur verständlich ist. Doch ist da noch eine weitere, noch erhebendere „Te Deums“-Geschichte!:

 

Nachdem die Alliierten von Bord gegangen waren, litt die Stadt Rennes sehr unter den sich anschließenden Kampfhandlungen und viele aus der Zivilbevölkerung starben, weil es der Offizier der deutschen Garnison (Besatzungstruppe) ablehnte, sie zu evakuieren. Als die Stadt eingenommen wurde, wollte man das traditionelle „Te Deum“ abhalten, doch wies der Erzbischof des bretonischen Rennes, Monsignore Roques (ERKL.: Clément-Émile Roques, *1880, †1964) nicht nur jede Zuständigkeit von sich, sondern auch die Feier des besagten „Te Deums“ in seinem Dom. Dem Himmel für die Befreiung seiner Stadt zu danken, war in den Augen dieses Prälaten eine unerträgliche Schande. Für diese Haltung arrestierten ihn die französischen Behörden im Erzbischöflichen Palais.

 

Eine derartige Loyalität gegenüber der „Denkart des Papstes“ rief geradezu nach würdiger Belohnung. Die bald darauf aus Rom eintraf – in Form eines Kardinalshuts.

 

Beschuldigen können wir den späten Pius XII. für vieles. Doch das muss man ihm lassen: er „hat die Seinen allezeit bestätigt“. Ein schmeichelhaftes Schreiben an Kardinal Suhard, den ausgemachten Kollaborateur, den Kardinalspurpur für Mosignore Roques, den Helden des … deutschen Widerstands: dieser „große Papst“ übte hierin eine konsequente Verteilungsgerechtigkeit.

 

Sein Gefolge freilich war von der Beschaffenheit, ihn weise zu beraten: zwei deutsche Jesuiten, Hw.P.Leiber (ERKL.: Robert Leiber, *1887, †1967) und Hw.P.Hentrich (ERKL.: Wilhelm Hentrich), „seine zwei Privatsekretäre und Lieblinge“. (105) Sein Beichtvater war der deutsche Jesuit Bea (ERKL.: Augustinus Bea, *1881, †1968). Schwester Pasqualina (Pasqualina Lehnert, *1894, †1983), eine deutsche Nonne, regelte seinen Haushalt und vor allem bekochte sie ihn. Selbst der auf den süßen Namen „Dompfaff“ hörende Kanarienvogel war von jenseits des Rheins importiert worden.

 

Aber hatte nicht der Oberhirte – nach Hitlers Überfall auf Polen – Ribbentrop wissen lassen, dass er für Deutschland „immer eine besondere Zuneigung haben würde“?

 

(105) ‘La Croix’, 10.Oktober 1958.

(106) In der „Documentation Catholique“ vom 15.März 1959 lesen wir: „Was die hoch zu würdigende deutsche Nation betrifft, so werden wir dem uns von unserem Vorgänger (Pius XII.) gegebenen Beispiele folgen. Gezeichnet Johannes XXIII.“ Der Geist der Kontinuität ist eines der Attribute des Vatikans.

 

5.5                  Kapitel 5:  Die Gestapo und die Gesellschaft Jesu

 

5.1.23           Hitlers Erfüllung des Konkordates aufgrund der herausragenden Zusammenarbeit mit dem Katholischen Klerus

 

Blieb Pius’ des XI. und Pius’ des XII. Wohlwollen und Freundlichkeit gegenüber dem Führer, den sie an die Macht gebracht hatten, nie aus, so müssen wir zugeben, dass letzterer sämtliche Bedingungen des Abkommens, durch das er dem Vatikan verpflichtet war, erfüllte. Da er ausdrücklich versprochen hatte, die Antiklerikalen zu „ersticken“, folgten jene den Liberalen und Juden alsbald in die KZs. Wie der Chef des Dritten Reichs über das Schicksal der Juden entschieden hatte, ist bekannt: sie wurden schlichtweg vernichtet oder, wo vorteilhafter, zur Arbeit bis zur Erschöpfung gezwungen und dann liquidiert. In welchem letzteren Falle sich die „Endlösung“ lediglich verzögerte.

 

Schauen wir aber zunächst, wie die besonders „autorisierte“, mit dem Christusorden ausgezeichnete Persönlichkeit Franco die gemeinsame Sache zwischen Vatikan und Nazis unmissverständlich bestätigte. „Réforme“ (ERKL.: frz. Zeitschrift) zufolge hatte die Presse des spanischen Diktators (Franco) am 3.Mai 1945, dem Todestag Hitlers, das Folgende veröffentlicht:

 

„Der Sohn der katholischen Kirche Adolf Hitler starb in der Verteidigung des Christentums. Es ist daher nur verständlich, dass Worte, derer sich der Würdigung seines Lebens so viele fanden, für die Trauer um seinen Verlust nicht hinreichen. Über seinen sterblichen Überresten steht seine siegreiche tugendhafte Gestalt. Mit der Märtyrerkrone verlieh Gottes ihm die Siegeslorbeeren.“

 

(107) Réforme, 21.Juli 1945.

 

Diese Grabrede des Naziführers, eine Herausforderung für die siegreichen Alliierten, wird – unter dem Deckmantel von Francos Presse – vom Heiligen Stuhl höchstselbst ausgesprochen. Es ist eine vom Vatikan via Madrid gehaltene amtliche Pressemitteilung.

 

Natürlich hatte dieser nunmehr fehlende Held die Dankbarkeit der römischen Kirche mehr als verdient, und sie versucht es auch nicht zu verbergen. Er diente ihr in Treue: alle jene, die ihm besagte Kirche als ihre Gegner herausstellte, bekamen die Konsequenzen zu spüren. Und dieser gute „Sohn“ scheute sich nicht, zuzugeben, was er seiner Heiligsten Mutter (der kath. „Himmelskönigin“) und vor allem den sich zu ihren Weltsoldaten gemacht Habenden schuldete.

 

http://1phil4everyill.files.wordpress.com/2010/11/orange-himmler3.png?w=341&h=254Zitat Hitler: „Vor allem habe ich von den Jesuiten gelernt. … Die Welt hat niemals etwas annähernd so großartiges gesehen, wie die hierarchische Struktur der katholischen Kirche. Es gibt da so einige Dinge, die ich den Jesuiten für die Partei abgeschaut habe. … Ich will Ihnen ein Geheimnis sagen: Ich gründe einen Orden. … In meinen Ordensburgen wird eine Jugend heranwachsen, vor der sich die Welt erschrecken wird. … Aber es gibt noch Grade, von denen ich nicht sprechen darf.“

 

(108) Hermann Rauschning, früherer nationalsozialistischer Senatspräsident von Danzig: „Hitler m’a dit.“ (Coopération, Paris, 1939, S.266, 267, 273 ff.). IN DEUTSCH:Hermann Rauschning: „Gespräche mit Hitler“ (Europa Verlag, Zürich, 1938).

“Vor allem habe ich von den Jesuiten gelernt. Uns so tat es Lenin ebenso, soweit ich mich erinnere. Die Welt hat nie etwas annähernd so großartiges gesehen, wie die hierarchische Struktur der katholischen Kirche. Es gibt da so einige Dinge die von den Jesuiten für die Partei abgeschaut habe” (Heinrich Himmler)

„…In [Heinrich] Himmler [welcher das Oberhaupt der Nazi-SS wurde] sehe ich unseren Ignatius von Loyola [den Gründer des Jesuitenordens].” (Hitler)

 

Ein weiterer hoher Hitler-Funktionär, Walter Schellenberg (*1910, †1953), früherer Chef der deutschen Spionageabwehr, hat nach dem Kriege diese Vertraulichkeit des Führers vervollständigt:

 

„So wurde die SS-Organisation (die Organisation d. Sicherungs- u. Überwachungsformation d. NSDAP) von ihm nach den Grundsätzen des Jesuitenordens aufgebaut. Als Grundlagen dienten die Dienstordnung und die Exerzitien des Ignatius von Loyola: das oberste Gesetz war das des absoluten Gehorsams, die Ausführung eines jeden Befehls ohne Widerspruch. Himmler (ERKL.: Heinrich Himmler, *1900, †1945) selbst, als Reichsführer SS, war der Ordensgeneral. Der Aufbau der Führerschaft lehnte sich an die hierarchische Ordnung der katholischen Kirche an. Bei Paderborn in Westfalen hatte er eine mittelalterliche Burg, die sogenannte Wewelsburg ausbauen lassen – sie war sozusagen das große »SS-Kloster«, wohin der Ordensgeneral einmal jährlich das Geheimkonsistorium (Geheimtreffen d. obersten Ordensführung z. Abhaltung von geistigen u. Konzentrationsübungen) einberief.“

 

(109) Walter Schellenberg: „Le Chef du contre-espionnage nazi vous parle“ (Julliard, Paris, 1957, S.23-24). IN DEUTSCH: Walter Schellenberg, Gita Petersen: „Memoiren“ (Verlag f. Politik u. Wirtschaft, Köln, 1959).

 

Ihrerseits demonstrierten die besten theologischen Federn die Ähnlichkeit zwischen katholischen und nationalsozialistischen Lehren. Und in dieser Arbeit waren die Söhne Loyolas die Eifrigsten. Schauen wir beispielsweise, wie der Jesuitentheologe Michael Schmaus eine Reihe von Studien zu diesem Thema der Öffentlichkeit präsentierte:

 

http://1phil4everyill.files.wordpress.com/2010/11/hitlerschurch03.jpg?w=570&h=259Reich und Kirche ist eine Schriftenreihe, die dem Aufbau des Dritten Reiches aus den geeinten Kräften des nationalsozialistischen Staates und des katholischen Christentums dienen soll. … Ich sehe nämlich in der nationalsozialistischen Bewegung den schärfsten und wuchtigsten Protest gegen die Geistigkeit des 19. und 20.Jahrhunderts. … Zwischen katholischem Glauben und liberalistischem Denken gibt es keinen ideenmäßigen Ausgleich. … Nichts ist unkatholischer als eine extrem demokratische Wertung des Seins. … Der heute wieder erwachte Sinn für eine straffe Autorität öffnet von neuem das Verständnis für die kirchliche Autorität. … In der katholischen Lehre von der Erbsünde liegt das Misstrauen in die Freiheit begründet. … Die Tafeln des nationalsozialistischen Sollens und die der katholischen Imperative (Moralgebote) stehen freilich in verschiedenen Ebenen des Seins, jene in der natürlichen, diese in der übernatürlichen Ebene, jene besorgt um die natürliche Gesundheit des Volkes, diese bemüht um das übernatürliche Heil, wie es dem Zwecke der beiden entspricht. Aber sie weisen in dieselbe Wegrichtung. … “

 

(110) „Begegnungen zwischen katholischem Christentum und nationalsozialistischer Weltanschauung“, von Michael Schmaus, Professor an der Universität Münster i.Westfalen (Aschendorff, Münster i.W., 1933, S.164.

 

Dieses Ziel war das Europa von Hitler versprochene „neue Mittelalter“. Die Ähnlichkeit zwischen dem leidenschaftlichen Antiliberalismus dieses Münchner Jesuiten und dem ebenbürtigen, bei dem „Weiheakt der FNC in der Montmartre-Kirche“ zum Ausdruck gebrachten Fanatismus ist offensichtlich. Während der Besatzung schrieb Hw. P. Merklen (ERKL.: Léon Merklen, La Croix-Leiter, *1875, †1949): „Dieser Tage scheint die Freiheit nicht mehr länger irgendeines Ansehens würdig.“

 

(111) „La Croix“, 2.September 1951.

 

Zitate wie dieses ließen sich in die Tausende fortsetzen. Ist nicht dieser Hass auf die Freiheit in allen seinen Formen das Wesen schlechthin des römischen Meisters? Leicht ist auch zu verstehen, wie die katholische „Lehre“ und die NS-„Lehre“ derart gut harmonisieren konnten. Der „Jesuit Michael Schmaus“, der diese Übereinstimmung fähig demonstrierete, wurde zehn Jahre nach dem Kriege von „La Croix“ der „große Münchner Theologe“ genannt (112) und es wird keinen mehr verwundern, zu erfahren, dass ihn Pius XII. zum „Kirchenfürsten“ erhob.

 

(112) „La Croix“, 2.September 1954.

 

Was angesichts dessen aus der „erbärmlichen“ Enzyklika „Mit brennender Sorge“ aus der Feder des angeblich den Nationalsozialismus verdammenden Pius XI. wird? Uns das zu sagen, bemühte sich kein Kasuist … wie auch anders!

 

Der „große Theologe“ Michael Schmaus hatte viele Rivalen – so ein deutscher Autor, der im „Katholisch-konservativen Erbgut“ das sonderbarste je von deutschen katholischen Verlagen herausgegebene Buch sah:

 

„Diese Anthologie bringt Texte von den wichtigsten katholischen Theoretikern Deutschlands zusammen, von Görres bis Vogelsang; sie macht uns glauben, dass der Nationalsozialismus schlicht und einfach aus katholischen Ideen geboren wurde.“

 

(113) Gunther Buxbaum – „Die Katholiken in Mitteleuropa“ („Mercure de France“, 15.Januar 1939.

 

Dem Autoren war, als er dies schrieb, nicht klar, welch perfekte Beschreibung er gab.

 

Eine weitere wohlinformierte Person und Triebfeder des Pakts zwischen Heiligem Stuhl und Berlin – der päpstliche Geheimkämmerer Franz von Papen – wurde noch deutlicher:

 

„Das Dritte Reich ist die erste Macht, die nicht nur die hohen Prinzipien des Papstes anerkennt, sondern auch praktiziert.“

 

(114) Robert d’Harcourt von der Französischen Akademie: „Franz von Papen, der Mann für alles“ (L’Aube, 3.Oktober 1946.

 

In Ergänzung hierzu das Ergebnis dieses „Praktizierens“: 25 Millionen KZ-Opfer – die von den Vereinten Nationen herausgegebene offizielle Ziffer.

 

Hier finden wir es notwendig, etwas Gesondertes hinzuzufügen – für die Offenherzigen, die sich aber nicht darauf einlassen können, dass die organisierten Massenmorde eines der päpstlichen „hohen Prinzipien“ gewesen seien. An der einen Offenheit hält man freilich sorgsam fest:

- „Derartige Barbarentaten gehören der Vergangenheit an!“

 

Wie es einige Apostel der Einfachheit halber sagen – achselzuckend – vor Nichtkatholiken, „für die die Feuer der Heiligen Inquisition immer noch brennen“.

 

(115) TÉMOIGNAGE CHRÉTIEN, 6.Dezember 1957.

 

5.1.24           1939 erklärte Abt Jean Vianeuf: Es braucht christliche Einstellung, um die Prinzipien der Inquisition zu verstehen! Kirchliche Rechtfertigung ungeheurer Gräuel im zwanzigsten Jahrhundert!

 

So sei es! Legen wir die überreichlichen Beweise der kirchlichen Grausamkeit vergangener Jahre beiseite, um das 20.Jahrhundert zu betrachten.

 

Wir wollen weder an die Heldentaten von Männern wie Stepinatz und Marcone in Kroatien, noch Tisos in der Slowakei erinnern, sondern uns auf die Untersuchung der Denkweise von gewissen „hohen Prinzipien“ beschränken, die man so wunderbar „praktiziert“ hatte.

 

Sind sie wirklich heutzutage veraltet – diese Prinzipien – verstoßen von einer „aufgeklärten Lehre“, offiziell abgelehnt vom Heiligen Stuhl samt weiteren Fehlern einer dunklen Vergangenheit? Das ist leicht herauszufinden.

 

Schlagen wir doch beispielsweise die „Grande Apologétique“ („Große Apologetik“, ERKL.: „Große Rechtfertigung“) von Abt Jean Vieujan auf, die, ist sie doch mit „1937“ datiert, kaum als mittelalterlich beschrieben werden kann. Was lesen wir?

 

„Um das Prinzip der Inquisition zu akzeptieren, braucht man allein eine christliche Einstellung, und das ist es, was vielen Christen fehlt. … Die Kirche hat eine derartige Scheu nicht.“

 

(116) Abt Jean Vieujan: „Grande Apologétique“ (Bloud et Gay, Paris, 1937, S.1316).

 

Besser kanns nicht formuliert werden.

 

Wird ein weiterer, nicht weniger konservativer und moderner Beweis gebraucht? Hören wir Hw.P.Janvier, einen berühmten Tagungsreferenten in Notre-Dame:

 

„Sollte die Kirche kraft ihrer indirekten Macht über zeitliche Fragen nicht das Recht haben, von katholischen Staaten zu erwarten, Ketzer selbst bis in den Tod hinein zu unterdrücken, um sie dieserart zu bekämpfen?

 

Hier meine Antwort:

 

Ich befürworte es freilich – selbst bis in den Tod hinein! … Und ich stütze mich zuvorderst auf die Praxis und alsdann auf die Lehre der Kirche schlechthin; und bin überzeugt, dass kein Katholik, ohne sich gewaltig zu irren, das Gegenteil sagen würde.“

 

(117) Tagung vom 25.Mai 1912.

 

Eine Rätselsprache kann man dem Theologen nicht vorwerfen. Seine Rede ist klar und verständlich. Mehr mit weniger Worten kann man nicht sagen. Was das Recht betrifft, das sich die Kirche anmaßt, um jene, deren Glauben nicht dem ihrigen entspricht, auszurotten, so ist alles darin vorhanden: die sie zwingende „Lehre“, das sie per Tradition legitimierende „Praktizieren“, und sogar der „Aufruf an die christlichen Staaten“, von dem der Hitlerfeldzug ein perfektes Beispiel gab.

 

Genauso wenig sind die folgenden, alles andere als zweideutigen Worte in der Finsternis des Mittelalters ausgesprochen worden:

 

„Die Kirche kann Ketzer zum Tode verurteilen, da sich jegliche Rechte, die sie haben, in unserer Nachsicht begründen, und offensichtlich sind diese Rechte keine wirklichen.“

 

Der dies verfasste, war Jesuitengeneral Franz Wernz (1906-1915), und die Tatsache, dass er außerdem Deutscher war, macht diese Erklärung umso gewichtiger. Ebenfalls im 20.Jahrhundert schrieb der bekannte Kirchenfürst Kardinal Lépicier (ERKL.: Alexis-Henri-Marie Lépicier, *1863, †1983): „Bekundet jemand öffentlich, Ketzer zu sein oder versucht, andere durch sein Reden oder Beispiel zu verderben, so kann er nicht nur exkommuniziert, sondern auch zu Recht getötet werden. … “ (118 & 118 a) „Ich verwandle mich in eine Pfeffermühle, wenn das kein klassischer Mordaufruf ist.“, so der späte Courteline (ERKL.: Georges Courteline, frz. Bühnenschriftsteller, *1858, †1929).

 

(118) „De stabilitate et progressu dogmatis“ („Zu Stabilität u. Fortschritt d. Dogmas“), erster Teil, Art.VI 9 I („Typographia editrix romana, Romæ, 1908“).

(118 a) Siehe Sol Ferrer – La vie et l’oevre de Francisco Ferrer: un martyr au XXe siècle ([Leben u. Werk Francisco Ferrers: ein Märtyrer i. 20.Jh.] Fischbacher, Paris).

 

Den Beitrag des Oberhirten noch? Hier ist er, von einem modernen Papst, dessen „Liberalismus“ kompromisslose Kleriker kritisierten, von Jesuitenpapst Leo XIII.: „Verdammt ist die Ansicht, der Heilige Geist wolle nicht, dass wir den Ketzer töten.“

 

Welche höhere Autorität könnte nach dieser angerufen werden, außer dem Heiligen Geist?

 

Mag es auch jenen, die die Rauchwand (den Hinweis auf die während einer Papstwahl Rauchzeichen Ausgebenden) manipulieren, den Beschwichtigern unruhiger Gewissen, missfallen, aber die „hohen Prinzipien“ des Papsttums bleiben unverändert, und, neben anderem, ist die Ausrottung für den Glauben heute genauso gültig und kanonisch (u. den Bestimmungen d. kath. Kirche entsprechend) wie ehedem. In Anbetracht der Geschehnisse in Europa zwischen 1939 und 1945 – ein Schluss von größter „Erleuchtung“ – um ein Lieblingswort der Mystiker (gefühlsbetont nach unmittelbarer Verbindung m. übersinnl. Mächten Strebenden) zu gebrauchen.

 

„Hitler, Goebbels, Himmler und die meisten Mitglieder der »alten Garde« der Partei waren Katholiken.“ wie Frédéric Hoffet (ERKL.: frz. Pfarrer u. Psychoanalytiker) uns wissen lässt. Nicht durch Zufall war es, dass, durch die Religion ihrer Chefs, die nationalsozialistische Regierung die katholischste war, die Deutschland je hatte. … Diese Verwandtschaft zwischen Nationalsozialismus und Katholizismus ist, wo wir uns eingehend mit den Propagandamethoden und der inneren Organisation der Partei befassen, nur zu auffällig. Zu diesem Thema ist nichts aufschlussreicher, als Joseph Goebbels’ Werke. Er genoss seine Erziehung in einem Jesuitenkolleg und war, ehe er sich der Literatur und Politik zuwendete, Seminarist (Priesteramtsauszubildender). … Jede Seite, jede Zeile seiner Schriften erinnert an die Lehre seiner Meister; und so betont er Gehorsam … die Missachtung der Wahrheit. … »Manche Lügen sind nützlich wie Brot verkündete er kraft eines den Schriften des Ignatius von Loyola entnommenen moralischen Relativismus (, eine absolute Gültigkeit moralischer Werte ablehnenden Denkens). … “

 

(119) Frédéric Hoffet: „L’IMPÉRIALISME PROTESTANT“ ([„DER PROTESTANT. IMPERIALISMUS“,] Flammarion, Paris, 1948, S.172 ff.).

 

Die Lorbeeren des Jesuitismus verlieh Hitler seinem Propagandachef nicht, wohl aber, wie er es seinen Lieblingen erzählte, dem Chef der Gestapo: „Ich sehe Himmler als unseren Ignatius von Loyola an.“

 

(120) Adolf Hitler: „Libres propos“ (Flammarion, Paris, 1952, S.164). IN DEUTSCH: Adolf Hitler: „HITLERs POLITISCHES TESTAMENT“ (Knaus, Hamburg, 1981).

 

Um derart zu sprechen, musste der Führer gute Gründe gehabt haben. Zuvorderst müssen wir bemerken, dass der Reichsführer von SS, Gestapo und Polizei – Heinrich Luitpold Himmler –, unter den katholischen Mitgliedern von Hitlers Gefolge das vom Klerikalismus imprägnierteste zu sein schien. Sein Vater war Direktor einer katholischen Schule in München, dann Erzieher des Prinzen Ruprecht von Bayern (*1869, †1955). Sein Bruder, ein Benediktinermönch, lebte im Kloster Maria Laach, einem der alldeutschen hohen Orte. Und er besaß einen Onkel, den Jesuiten Himmler, der am bayrischen Hofe den nicht geringen Posten eines Domkapitulars (Kirchenbezirksgeistlichen) innehatte.

 

Der deutsche Autor Walter Hagen gibt uns zudem diese diskrete Auskunft: „Ein sehr verständnisvoller Förderer dieser Bestrebungen war der General des Jesuitenordens Graf Wlodzimierz Halke von Ledochowsky. Dieser hatte auf Grund der Informationen, die sein weitverzweigter Orden zu sammeln in der Lage war, einen viel besseren Überblick über die weltpolitische und auch über die militärische Lage als die meisten anderen der hohen kirchlichen Würdenträger. Er besaß eine lebendige Vorstellung von der Weltgefahr des Bolschewismus und machte sich keine Illusionen darüber, dass die Sowjetunion im Falle einer totalen Katastrophe Deutschlands das ganze westliche Europa unmittelbar bedrohen würde. Daher war er bereit, auf der gemeinsamen Grundlage des Antikommunismus eine Art Zusammenarbeit zwischen dem Jesuitenorden und dem deutschen Geheimdienst einzurichten.“

 

(121) Walter Hagen, op.cit., S.358. IN DEUTSCH: S.453.

 

5.1.25           Katholische Priester in Unformen von Himmlers SS nehmen die wichtigsten Positionen im Mordkommando Hitlers ein

 

Im Ergebnis dessen schuf man innerhalb des SS-Reichssicherheitshauptamtes eine Organisation, deren wichtigste Posten in schwarze SS-Uniformen gekleidete katholische Priester besetzten. Einer dieser übergeordneten Offiziere war Jesuitenpater Himmler.

 

Dieser wurde nach des Dritten Reichs Kapitulation verhaftet und in Nürnberg inhaftiert. Seine Anhörung durch den internationalen Strafgerichtshof wäre offensichtlich höchst interessant gewesen, doch da hatte die Vorsehung ein wachsames Auge: der Onkel Heinrich Himmlers erschien niemals vor jenem Gericht. ER WURDE TOD IN SEINER ZELLE GEFUNDEN, eines Morgens, ohne dass der Grund seines Ablebens je öffentlich bekannt wurde.

 

Wir werden nicht das Andenken dieses Geistlichen beleidigen durch die Mutmaßung, er habe seine Tage, entgegen den reinen Lehren der römischen Kirche, willentlich beschlossen. Nichtsdestotrotz war sein Tod so plötzlich und gelegen wie der ihm vorausgegangene eines anderen Jesuiten, des nicht wahrgenommenen „Mein Kampf“-Verfassers Pater Staempfle. Ein in der Tat seltsamer Zufall. …

 

Kommen wir aber zurück auf den Gestapo-Chef Heinrich Luitpold Himmler, der meinte, er habe des Regimes grundlegende Macht in den Händen. Waren es seine persönlichen Verdienste, die ihm einen derart hohen Posten einbrachten? Sah Hitler in ihm, als er ihn mit dem Schöpfer des Jesuitenordens verglich, einen überlegenen Genius? Das freilich implizieren die Zeugenaussagen jener, die ihn kannten, nicht, da diese in Himmler nichts anderes als Mittelmäßigkeit wahrnahmen.

 

Schien jener Stern damals mit geliehener Helligkeit? War es wirklich Heinrich Luitpold Himmler, der als angeblicher Chef die Gestapo und die Geheimdienste eigentlich beherrschende? Wer war es, der damals Millionen von aus politischen Gründen Deportierten und Juden in den Tod schickte? War es der flachgesichtige Neffe – oder war es sein zu Ledochowskis Lieblingen und den übergeordneten SS-Offizieren zählender und vormaliger Domkapitular am bayrischen Hofe sowie Jesuitenpater gewesener Onkel?

 

Einen derart indiskreten Blick hinter die Geschichtskulissen zu werfen, mag tollkühn und sogar vermessen erscheinen. Das Stück läuft auf der Bühne, vor den Beleuchtungseinheiten der Vorder-, der Ober- und der Seitenlichter. So ist das normal bei jeder Show; und wer die Requisiten sehen will, kann leicht als lästig und schlecht erzogen angesehen werden.

 

Und doch ist der Ort, von dem die fesselnden Schauspieler kommen, an denen der Blick der Öffentlichkeit haftet, die Hinterbühne. Da, wo wir diese „Kirchenmonster“ studieren und uns klar wird, dass sie weit entfernt davon sind, den Persönlichkeiten, die sie angeblich darstellen, zu gleichen, ist das nur zu offensichtlich.

 

Und so scheint es auch im Falle Himmler gewesen zu sein. Aber wäre es nicht richtig, selbiges von dem zu sagen, dessen rechte Hand er war – von Hitler?

 

Als wir Hitler gestikulierend auf den Leinwänden sahen oder seine hysterischen Reden brüllen hörten, hatten wir da nicht den Eindruck, die Bewegungen eines schlecht eingestellten Roboters mir überdehnten Federn zu sehen? Selbst seine einfachsten und ruhigsten Bewegungen erinnerten uns an eine mechanische Marionette. Und erst seine dumpfen und grobschlachtenen Augen, fleischige Nase, aufgedunsene Physiognomie (Erscheinung), deren Derbheit hinter jenem berühmten Haarteil und scheinbar unter seine Nüstern geklebten Bürstenbart nicht zurücktrat.

 

War dieser Kampfhund öffentlicher Versammlungen wirklich ein Chef?, der „wahre“ Herr über Deutschland, ein „echter“ Staatsmann, dessen Genialität im Begriffe war, die Welt aus den Angeln zu heben?

 

Oder war er nur ein schlechter Ersatz für all jenes? Eine schlau aufgebauschte Deckhaut, ein Massenausnutzungsphantom, ein Aufwiegler?

 

Er selbst gab es zu, als er sagte: „Ich bin nur ein Bote.“ François-Poncet (ERKL.: André François-Poncet, *1887, †1978), damaliger französischer Botschafter in Berlin, bestätigt, dass Hitler sehr wenig arbeitete, kein Leser war und seinen Mitarbeitern ihren Willen ließ.

 

Den gleichen Eindruck von Leere und Unwirklichkeit vermittelten Seine Gehilfen. Deren erster, der 1941 nach Schottland geflohene Rudolf Heß (ERKL.: Politiker, *1894, †1987) sah seiner eigenen Verurteilung in Nürnberg als gänzlich Fremder zu und wir haben nie erfahren, ob er vollständig geisteskrank oder nur ein Irrer war. Der zweite war der groteske, eitle und fette, die ungewöhnlichsten Fantasieuniformen tragende Vielfraß, Gemälderäuber und – als Krönung: morphiumsüchtige – Göring.

 

Die anderen maßgeblichen Parteipersönlichkeiten bargen dieselbe Ähnlichkeit und bei den Nürnberger Prozessen war die für die Journalisten überraschendste Meldung, dass diese NS-Helden – abgesehen von ihren persönlichen Macken – weder intellektuell noch charakterlich glänzten und sie mehr oder weniger unscheinbar waren.

 

Der einzige – nicht seines moralischen Wertes, sondern seines Scharfsinnes wegen – über jener rohen Horde Stehende war der Kämmerer Seiner Heiligkeit, Franz von Papen, „der Mann für alles“ … der freilich freigesprochen werden musste.

 

Kommt der Führer als merkwürdige Marionette daher, war da der, dem er sich nachempfand, konsequenter? Rufen wir uns die lächerlichen Auftritte jenes „karnevalsreifen Cäsaren“ zurück, der seine großen schwarzen Augen unter jenem seltsamen mit Vorhangquasten geschmückten Hute funkeln lassen wollte! Und jene für die Propaganda gemachten Fotografien von seinen Füßen, und die alleinig seine gen Himmel weisenden Kinnladen zeigen, den Wundermann als unverrückbaren Felsen – Darstellung eines Willens, der keine Hindernisse kannte!

 

Was für ein Wille! Aus den Vertraulichkeiten einiger seiner Gefährten bekommen wir das Bild eines stetig Unentschlossenen; dieser „furchterregende Mann“, für den es hieß, mit Urgewalt „in alles eindringen“ (um Kardinal Rattis (ERKL.: Achille Ratti), des späteren Pius XI. Begriffe zu verwenden), hat den ihm vom Jesuitenkardinal und Staatssekretär Gasparri im Namen des Vatikans gemachten Annäherungsversuchen nicht widerstanden.

 

Nach nur wenigen geheimen Treffen war der Revolutionär dazu überredet, unter des Heiligen Vaters Flagge mit Sack und Pack anzuheuern und die uns derart gut bekannte glänzende Karriere einzuschlagen – und so konnte der ebenfalls gut bekannte frühere Minister Carlo Sforza schreiben:

 

„Eines Tages, wenn die Zeit den Groll und Hass abgeschwächt haben wird, wird man – so hoffen wir – erkennen, dass die Orgie der grausamen Brutalitäten, die Italien zwanzig Jahre lang in ein Gefängnis verwandelte, und der Trümmerschutt des Zweiten Weltkriegs ihren Ursprung in einem nahezu einzigartigen historischen Falle genommen hatten: dem völligen Missverhältnis zwischen der künstlich geschaffenen Legende um einen Namen und den wahren Eigenschaften der diesen Namen tragenden armseligen Kreatur, eines Mannes, dem Kultur kein Hindernis war.“

 

(122) Graf Carlo Sforza: “L’Italie telle que je l’ai vue” (Grasset, Paris, 1946, S.158).

 

Diese perfekte Formel ist anwendbar auf Hitler und Mussolini gleichermaßen: gleiches Missverhältnis zwischen Legende und Eigenschaften, gleiche „Kultur“-losigkeit in jenen beiden mittelmäßigen Abenteurern mit nahezu identischen Vergangenheiten; erklären lassen sich ihre Blitzkarrieren letztlich nur durch ihre Gabe der sie ins Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit rückenden Massenagitation.

 

Wenn man weiß, dass die Erscheinung des Führers auf den deutschen Leinwänden aus heutiger Sicht nichts weiter als ein großes Lachen hervorruft, dann zweifelt man an der „künstlich geschaffenen“ Legende umso weniger.

 

War aber nicht gerade die Minderwertigkeit dieser „Männer der Vorsehung“ der Grund, weshalb man sich dafür entschied, eben diese beiden an die Macht zu hieven? Tatsache ist, dass der gleiche Mangel an persönlichen Qualitäten in allen jenen, die das Papsttum zu seinen Verfechtern wählte, zu finden ist.

 

Es gab in Italien und Deutschland einige „echte“ Staatsmänner, „echte“ Chefs, die – unter Verzicht auf dieses wahnsinnige „Mystische“ (gefühlsbetonte Streben nach unmittelbarer Verbindung m. übersinnl. Mächten) – die Fähigkeit, das Ruder zu übernehmen, durchaus gehabt hätten. Nur war deren Intellekt zu aufgeweckt und zu unfügsam. Der Vatikan und insbesondere der „schwarze Papst“ von Ledochowski konnte diese – der feurigen Formel entsprechend – nicht „als Stab in seiner Hand“ halten und um jeden Preis bis zum Eintreten der Katastrophe seinen Zielen dienen lassen.

 

Wie der Revolutionär Mussolini von den Abgesandten des Heiligen Stuhls gleichsam einem Handschuh vollends umgekrempelt wurde, haben wir gesehen.

 

Als genauso formbar sollte sich der eiserne Hitler erweisen. Ledochowskis Plan bestand ursprünglich darin, eine Föderation katholischer Nationen in Mittel- und Osteuropa zu schaffen, in der Bayern und Österreich (regiert vom Jesuiten Seipel) die Vorrangstellung haben würden. Bayern galt es, von der deutschen Weimarer Republik zu separieren – und wie durch Zufall war der österreichischstämmige Agitator Hitler damals bayrischer Separatist.

 

Die Chance aber, diese Föderation zu verwirklichen und einen Habsburger an ihre Spitze zu setzen, wurde immer geringer, während sich der von München nach Berlin gezogene Nuntius Monsignore Pacelli infolge der kläglichen Unterstützung, die ihr die Alliierten gewährten, der Schwäche der Deutschen Republik immer bewusster wurde. Und so wurde im Vatikan die Hoffnung geboren, sich Deutschlands in seiner Gänze zu bemächtigen, und der Plan entsprechend geändert:

 

„Was verhindert werden musste, war die Vorherrschaft des protestantischen Preußens, und da es das Reich war, das Europa beherrschen sollte – um den Föderalismus der Deutschen abzuwenden – galt es, ein neues Reich zu schaffen, in dem die Katholiken das Sagen hätten.“

 

(123) „Mercure de France“, „Pius XI. und Hitler“ (15.Januar 1934).

 

Das war ausreichend. Samt seinen „Braunhemden“ völlig aufräumend, wurde der bis dahin bayrische Separatist Hitler über Nacht zum motivierten Verfechter des Großreichs.

 

5.6                  Kapitel 6:  Die Todeslager und der antisemitische Kreuzzug

 

5.1.26           http://1phil4everyill.files.wordpress.com/2010/11/derstuermer.jpg?w=344&h=445Das scheinbar unverbrüchliche Recht der Katholischen Kirche all jene auszurotten, die ihr im Wege stehen: Himmlers Vorbild war Ignatius von Loyola!

 

In welchem Maße die Katholiken in Nazi-Deutschland das Sagen hatten – das – und auch die Härte, mit der einige der „hohen Prinzipien des Papstes“ angewendet wurden, konnte man in Bälde deutlich sehen.

 

Die Liberalen und Juden hatten jede Menge freie Zeit, um herauszufinden, dass besagte Prinzipien alles andere als altmodisch waren, da die strenggläubigsten Stimmen es bestätigten. Das Recht, das sich die Kirche anmaßt, jene, die im Wege stehen, über kurz oder lang auszurotten, würde „praktiziert“ werden – in Auschwitz, Dachau, Belsen, Buchenwald und anderen Todeslagern.

 

Die Gestapo Himmlers, „unseres Ignatius von Loyola“, erwies diese Mildtätigkeit gewissenhaft; das zivile und militärische Deutschland musste sich „perinde ac cadaver“ dieser allmächtigen Organisation unterwerfen.

 

Dass der Vatikan mit diesen Gräueln nichts zu tun haben wollte, braucht nicht gesagt zu werden. Bei einer Audienz des türkischen Journalisten Dr. Nerin E. Gün (ERKL.: Dr. Nerin Emrullah Gün), der selbst deportiert worden war und sich fragte, warum der Papst nicht eingegriffen, ja den vielen unglücklichen Menschen nicht in irgendeiner Weise geholfen habe, besaß Seine Heiligkeit Pius XII. die Unverfrorenheit, zu antworten:

 

„Wir wussten, dass aus politischen Gründen gewaltsame Verfolgungen in Deutschland stattfanden, nicht bekannt geworden aber war uns der unmenschliche Charakter der nationalsozialistischen Unterdrückung.“

 

(124) „Gazette de Lausanne“, 15.November 1945.

 

Und das zu einer Zeit, wo gleichzeitig Hw. P. Mistiaen (ERKL.: Emmanuel Mistiaen), der Sprecher von Radio Vatikan, erklärte, dass „überwältigende Belege der Grausamkeit der Nazis eingegangen“ seien.

 

(125) Hw.P.Duclos: „Le Vatican et la Séconde Guerre mondiale“ ([„Der Vatikan und der Zweite Weltkrieg“,] Éd.Pédone, Paris, 1955, S.255), Imprimatur 1955.

 

Ohne jeden Zweifel war der Heilige Vater genauso wenig darüber informiert, was in den Ustascha-KZs vor sich ging, trotz der Anwesenheit seines eigenen Legaten in Agram.

 

Einmal allerdings war zu beobachten, wie der Heilige Stuhl doch einiges Interesse am Schicksal bestimmter zur Deportation Verurteilter nahm. Es handelte sich um 528 protestantische Missionare, Überlebende all jener, die von den Japanern in Ozeanien gefangen genommen und in KZs auf den Philippinen interniert worden waren. In seinem hervorragenden Buche „1960 et le secret du Vatican“ (ERKL.: „1960 u. d. Geheimnis des Papstes“) wird von André Ribard die päpstliche Intervention um der Unglücklichen willen entschleiert:

 

„Der Wortlaut erscheint unter Nr.1591, datiert: Tokio 6.April 1943, in einem Bericht des Ministeriums für religiöse Angelegenheiten in besetzten Gebieten, und ich zitiere den folgenden Auszug: er habe den Wunsch der römischen Kirche geäußert, die Japaner ihre Politik fortsetzen zu sehen und gewisse religiöse Irrlehrer an der Wiedererlangung einer Freiheit zu hindern, auf die sie keinen Anspruch hätten.“

 

(126) André Ribard: „1960 et le secret du Vatican“ (Librerie Robin, 38, rue de Vaugirard, Paris, 1954, S.80) und Frédéric Hoffet: „Politique romaine et démission des protestants“ ([„Römische Politik u. Abdankung der Protestanten “,] Fischbacher, Paris).

 

Vom „christlichen“ Standpunkte her bedarf dieser großzügige Akt keines Kommentars, doch politisch betrachtet – ist er da nicht höchst bemerkenswert? In der Slowakei war – wie wir wissen – der jesuitische Gauleiter Monsignore Tiso so frei, die „getrennten Brüder“ zu verfolgen, obwohl sein Staat Satellit des hauptsächlich protestantischen Deutschlands war. Das sagt viel über den Einfluss, den die römische Kirche im Hitlerland hatte!

 

http://t1.gstatic.com/images?q=tbn:ANd9GcTdE0R8a-HwFE2kzXBc0ZG2dnEsQuKEi0dlw0WQLlU41HcWkvxW7QAuch haben wir die in Kroatien von den Vertretern jener Kirche bei der Ausrottung der orthodoxen Gläubigen gespielte Rolle gesehen.

 

Was den antijüdischen Kreuzzug, das Meisterstück der Gestapo, angeht, so mag es überflüssig erscheinen, die dabei von Rom gespielte Rolle nochmals zu erwähnen, denn von den Heldentaten Monsignore Tisos, des ersten Lieferanten für die Auschwitzer Gaskammern und Krematoriumsöfen, wurde bereits berichtet. Zu diesem Dossier (Schriftstück) werden wir lediglich einige wenige charakteristische Dokumente hinzufügen.

 

Da wäre als erstes ein Brief vom Botschafter der Vichy-Regierung beim Heiligen Stuhl Léon Bérard (ERKL.: *1876, †1960):

 

„Sehr geehrter Herr Marschall Pétain,

In Ihrem Brief vom 7.August 1941 gaben Sie mir die Ehre, mich um gewisse Informationen zu bitten, die die Fragen und Schwierigkeiten berühren, die sich, vom römisch-katholischen Standpunkte her, aus den von Ihrer Regierung bezüglich der Juden unternommenen Maßnahmen erheben könnten. Es ehrt mich, Ihnen zu antworten, dass ich im Vatikan nichts erfuhr, das als Kritik oder Missbilligung der fraglichen Gesetze oder anweisenden Dokumente gedeutet werden könnte. … “

 

(127) und (129) Léon Poliakov: „Bréviaire de la Haine“ ([Brevier des Hasses,] Calmann-Lévy, Paris, 1951), S.354, 350, 351.

 

Bei der Erwähnung dieses Schreibens in einem mit „Das Schweigen Pius’ XII“ betitelten Beitrag berichtet die Zeitschrift „L’Arche“ von einem anschließenden und ergänzenden Bericht, den Léon Bérard am 2.September 1941 nach Vichy sandte:

 

Gibt es zwischen dem Status der Juden und der katholischen Lehre einen Widerspruch? Nur einen, und auf diesen weist Léon Bérard das Staatsoberhaupt hin. Er besteht in der Tatsache, dass das Gesetz vom 2.Juni 1941 die Juden als Rasse definiert. … Die Kirche (schrieb Vichys Botschafter) hat nie je, dass allen Bürgern dieselben Rechte zu gewähren seien, bekundet. … „Wie mich eine Autorität im Vatikan wissen ließ, werden Ihnen über dem Status der Juden keine Unannehmlichkeiten erwachsen.“

 

(128) „L’Arche“, November, 1958.

 

Da wird doch die „erbärmliche“ Enzyklika „Mit brennender Sorge“ gegen Rassismus oft von Apologeten als „in die Praxis umgesetzt“ hingestellt.

 

Wir finden aber noch Besseres – in Lew Poljakows (ERKL.: auch: Léon Poliakov, frz. Antisemitismusforscher, *1910, †1997) Buch: „Der Vorschlag der Protestantischen Kirche in Frankreich, dass man, zusammen mit der römischen Kirche, gegen das Zusammentreiben der Juden im Sommer 1942 etwaige Maßnahmen ergreifen sollte, wurde von den katholischen Würdenträgern abgelehnt.“

 

(127) und (129) Léon Poliakov: „Bréviaire de la Haine“ (Calmann-Lévy, Paris, 1951), S.354, 350, 351.

 

Viele Pariser erinnern sich noch, wie die jüdischen Kinder von ihren Müttern getrennt und mit Sonderzügen zu den Krematoriumsöfen von Auschwitz verschickt wurden. Diese Kinderdeportationen werden, neben anderen offiziellen Dokumenten, in einer mit dem 21.Juli 1942 datierten Notiz von „SSHauptsturmführer Dannecker“ (ERKL.: Theodor Dannecker, *1913, †1945) bestätigt.

 

Die außerordentliche Herzlosigkeit der römischen Kirche – und ihres Oberhauptes im Besonderen – veranlassten unlängst zu diesen anklagenden Zeilen der oben genannten Zeitschrift „L’Arche“:

 

5.1.27           Unter den sechs Millionen ermordeten Juden waren 1,8 Millionen Kinder: Alles unter den Augen der Katholischen Obrigkeit!

 

„Fünf Jahre hindurch war der Nationalsozialismus der Urheber von Ausschreitung, Entweihung, Gotteslästerung und Verbrechen. Fünf Jahre hindurch mordete er sechs Millionen Juden dahin. Von diesen sechs Millionen waren 1.800.000 Kinder. Wer, ja, wer sagte einst: Lasset die Kindlein zu mir kommen? Und warum dann »Lasset sie zu mir kommen, dass ich sie abschlachten kann?“ Dem kämpferischen Papst folgte ein diplomatischer Papst.

 

Vom besetzten Paris gehen wir in das nach dem italienischen Zusammenbruch ebenfalls von den Deutschen besetzte Rom. Lesen wir eine an den Nazi-Außenminister von Ribbentrop adressierte Nachricht:

 

„Deutsche Botschaft beim Heiligen Stuhl. Rom, 28.Oktober 1943.

 

Der Papst hat sich, obwohl dem Vernehmen nach von verschiedenen Seiten bestürmt, zu keiner demonstrativen Äußerung gegen den Abtransport der Juden hinreißen lassen. Obgleich er damit rechnen muß, daß ihm diese Haltung von Seiten unserer Gegner nachgetragen wird, hat er auch in dieser heiklen Frage alles getan, um das Verhältnis zu der deutschen Regierung nicht zu belasten. Da hier in Rom weitere Aktionen in der Judenfrage nicht mehr durchzuführen sein dürften, kann also damit gerechnet werden, daß diese für das deutsch-vatikanische Verhältnis unangenehme Frage liquidiert ist. …

 

Gezeichnet: Ernst von Weizsäcker (ERKL.: Ernst Freiherr v. Weizsäcker, Diplomat, *1882, †1952)

 

(130) „Auswärtiges Amt, Wilhelmstraße“.

 

Sich auf die Karriere dieses „wegen Vorbereitung von Todeslisten“ als Kriegsverbrecher verurteilten Freiherrn von Weizsäcker beziehend – schrieb „Le Monde“ vom 27.Juli 1947: „Er lässt sich im Vorgefühl einer deutschen Niederlage in den Vatikan versetzen und nutzt diese Gelegenheit zur engen Kooperation mit der Gestapo.“

 

Unsern noch nicht völlig überzeugten Lesern zuliebe werden wir das folgende offizielle deutsche Dokument zitieren, das die auf die Juden gerichteten Dispositionen (Pläne) des Vatikans – und jene der Jesuiten – vor dem Kriege darlegt:

 

„Presse und amtliche Berichterstattung aus Nordamerika melden laufend von antijüdischen Kundgebungen der Bevölkerung. Es ist vielleicht symptomatisch für die innenpolitische Entwicklung in USA, dass die Hörerschar des bekannten antijüdisch eingestellten »Radiopriesters« Coughlin auf über 20 Millionen angewachsen ist.“

 

(131) Auswärtiges Amt, Wilhelmstraße, Dokument 83-26 19/1 (Berlin, 25.Januar 1939).

 

Der militante Antisemitismus der Jesuiten in den Vereinigten Staaten – wie überall – ist seitens dieser Ultramontanen keine Überraschung, da er in völliger Übereinstimmumg mit der „Lehre“ steht. Lesen wir, was der auf fromme Literatur spezialisierte und allein unter dem Patronat „des Imprimatur“ publizierende Autor Daniel-Rops von der Französischen Akademie zu dem Thema zu sagen hat. Da steht im 1947 herausgegebenen „JESUS: DER HEILAND IN SEINER ZEIT“, einem seiner bekanntesten Werke:

 

„All die Jahrhunderte hindurch, in allen Ländern, wo Menschen der jüdischen Rasse zu finden sind, kommt dieses Blut über sie und der Schrei »tötet ihn!«, der vor dem Gerichtsgebäude des Pilatus ausgestoßen wurde, übertönt den tausendfachen Schrei der Not. Das Antlitz des verfolgten Israels erfüllt die Geschichte, aber man darf darüber das andere Antlitz nicht vergessen, das mit Blut und Speichel besudelt ist, und mit dem die Menge der Juden kein Mitleid hatte. Wahrscheinlich konnte man von Israel nicht erwarten, seinen Gott, den es verkannt hat, nicht zu töten, und da das Blut geheimnisvollerweise wieder nach Blut verlangt, konnte man vielleicht auch von der christlichen Barmherzigkeit genauso wenig verlangen, so zu handeln, dass der Schrecken des Pogroms in geheimnisvollem Gleichgewicht des göttlichen Willens den unerklärbaren Schrecken der Kreuzigung nicht ausgleicht.“

 

(132) Daniel-Rops: „Jésus et son temps“ (Arthème Fayard, Paris, 1944, S.526, 527) Imprimatur, 17.April 1944. IN DEUTSCH : Daniel-Rops: „JESUS: DER HEILAND IN SEINER ZEIT“, zitiert in: Jules Isaac: „JESUS UND ISRAEL“ (HANS DEUTSCH VERLAG, Wien / Zürich, 1968, S.302, 303).

 

Gut gesagt! Oder noch direkter: wenn Millionen von Juden durch die Gaskammern und Krematoriumsöfen von Auschwitz, Dachau und anderswo gehen mussten, so sei das ihr gerechter Lohn gewesen. Der „göttliche Wille“ habe dieses Unglück beabsichtigt, und eine sich jenen zuwendende „christliche Nächstenliebe“ sei eine verfehlte.

 

Der führende Professor und Vorsitzende der Amitié Judéo-Chrétienne (ERKL.: Jüd.-christl. Freundschaft), Jules Isaac (ERKL.: *1877, †1963), rief unter Bezugnahme auf diese Passage aus:

 

„Furchterregende Sätze, gottlose Sätze, die selbst von »einem unerklärbaren Schrecken« sind, der noch von jener Stelle vergrößert wird, wo geschrieben steht:“ (133) „Unter den jetzt lebenden Juden … versucht eine gewisse Anzahl das Gewicht dieser schweren Verantwortung von ihren Schultern abzuwälzen … Sehr ehrbare Gefühle, doch man kann das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen … und das schreckliche Gewicht (der Tod Jesu), das auf den Schultern Israels lastet, kann der Mensch nicht abwälzen.“

 

(132 a) Daniel-Rops, op.cit.

(133) Jules Isaac: „Jésus et Israël“ (Albin Michel, Paris, 1948, S.382). IN DEUTSCH : Jules Isaac: „Jesus und Israel“ (HANS DEUTSCH VERLAG, Wien / Zürich, 1968).

 

Jene fraglichen Sätze wurden Jules Isaacs Hinweis zufolge „in den neueren Ausgaben“ dieses erhebenden Buches – sprich nach der Befreiung – vom Verleger geändert. „Alles hat seine Zeit“: die Krematoriumsöfen waren veraltet. Von der dogmatischen Erklärung der hohen Prinzipien des Papstes also, bis hin zu deren Praktizierung durch Himmler, „unsern Ignatius von Loyola“, wird der Kreis geschlossen – und wir werden hinzufügen, dass des Führers halb verrückter Antisemitismus somit viel an Geheimnisvollem verliert.

 

Und wirft es nicht – da wir gerade bei diesem Thema sind – auch auf jene rätselhafte Person selbst viel mehr Licht?

 

Was man sich doch vor dem Kriege so vorstellte, im Versuche, das nicht zu übersehende Missverhältnis zwischen dem Manne und seiner zu spielenden Rolle zu erklären! Gab es doch da eine Lücke, etwas Unausgefülltes, das jeder spürte. Um diese Lücke zu schließen, machten Legenden die Runde: Geschichten wurden ins Ausland gestreut, nicht immer ohne den geheimen Zweck der Irreführung! Es seien, wie wir erfahren durften, okkulte Wissenschaften, östliche Magier, Astrologen gewesen, die den schlafwandelnden Berchtesgadner Einsiedler inspiriert hätten. Und die Wahl des Hakenkreuzes als Naziparteiabzeichen, das aus Indien stamme, schien die Vorstellung zu bestätigen.

 

Maxime Mourin (ERKL.: frz. Historiker, *1905, †1952) hat diese spezielle These widerlegt:

 

„Adolf Hitler war in Lambach zur Schule gegangen und sang im Knabenchor des dortigen Benediktinerstifts. Dort entdeckte er das Hakenkreuz, da es das Wappen des Abtes Theoderich Hagen war.“

 

(134) Maxime Mourin: „Histoire des grandes puissances“ ([„Geschichte der Großmächte “,] Payot, Paris, 1958, S.134).

 

Auch ohne auf geheimnisvolle oder exotische Philosophien zurückgreifen zu müssen, sind die „Inspirationen“ des Führers leicht erklärt. Ist es offensichtlich, dass dieser „Sohn der katholischen Kirche“, wie er von Franco beschrieben wurde, den Impulsen geheimnisvoller Führer unterworfen gewesen sei, so wissen wir, dass diese nichts mit östlicher Magie zu tun hatten.

 

Die irdischen Höllen, die 25 Millionen Opfer verschlangen, tragen einen anderen, leicht erkennbaren Stempel: den von Menschen, die eine lange und sorgfältige, wie in den „Exerzitien“ (der Jesuiten) beschriebene Ausbildung zu durchlaufen hatten.

 

5.7                  Kapitel 7:  Die Jesuiten und das Collegium Russicun

 

5.1.28           Des Vatikans Hass gegen die Orthodoxe Kirche Russlands und Serbiens als Kriegsauslöser des 1.Weltkriegs

 

Unter den verschiedenen Ursachen, die für den Vatikan den Ausschlag gaben, durch Druck auf den österreichischen Kaiser Franz Joseph, „die Serben zu bestrafen“ und so den Ersten Weltkrieg zu beginnen, war die wichtigste, wie wir gesehen haben, der orthodoxen Kirche, diesem verhassten und jahrhundertealten Rivalen, einen entscheidenden Schlag zu versetzen.

 

Über die kleine serbische Nation hinaus hatte es der Vatikan auf Russland, den traditionellen Beschützer der orthodoxen Gläubigen auf dem Balkan und im Osten abgesehen.

 

Pierre Dominique schrieb:

 

„Für Rom erlangte diese Angelegenheit fast religiöse Bedeutung; ein Sieg der apostolischen Monarchie über den Zarismus könnte als Sieg Roms über das östliche Schisma gesehen werden.“

 

(135) Pierre Dominique, op.cit., S.246.

 

Dass ein solcher Sieg nur über einen gigantischen Holocaust erreicht werden konnte, scherte die römische Kurie nicht im Geringsten. Das Risiko – oder vielmehr dessen Gewissheit – wurde, da es die Alliierten unabwendbar machten, in Kauf genommen. Von seinem Staatssekretär, dem Jesuiten Merry del Val, gedrängt, machte Pius X. daraus keinen Hehl und der bayrische Gesandte schrieb am Vorabend des Krieges an seine Regierung: „Papst billigt scharfes Vorgehen Österreichs gegen Serbien und schätzt im Kriegsfalle mit Deutschland russische und französische Armee nicht hoch ein. Karsek hofft ebenfalls, dass Österreich diesmal durchhält, und wüsste nicht, wann es sonst noch Krieg führen sollte, wenn es nicht einmal ausländische Agitation, die zum Morde des Thronfolgers geführt hat und außerdem bei der jetzigen Konstellation Österreichs Existenz gefährdet, entschlossen ist, mit Waffen zurückzuweisen.“

 

(136) Diese Mitteilung findet sich in „Bayerische Dokumente zum Kriegsausbruch“, III, S.206.

 

Dieses raffinierte Kalkül (Vorausberechnen) erwies sich als falsch. Der Erste Weltkrieg, der den Norden Frankreichs verwüstete und mehrere Millionen Tote hinterließ, erfüllte die Wünsche Roms nicht; statt dessen teilte er Österreich-Ungarn und entledigte so den Vatikan seiner wichtigsten europäischen Stütze sowie die Teil jener Doppelmonarchie gewesenen Slawen des Wiener apostolischen Jochs.

 

Die russische Revolution ihrerseits befreite jene zum größten Teile polnisch stämmigen römischen Katholiken, die im vormaligen Zarenereiche gelebt hatten, aus der vatikanischen Kontrolle.

 

Die Niederlage war eine totale. „Patiens quia æterna“ („Geduldig, weil ewig“) aber plante die römische Kirche mit frischem Engagement die Fortsetzung ihrer Politik des „Drangs nach Osten“, der sich so gut mit den großdeutschen Ambitionen verband.

 

Deshalb, wie wir an früherer Stelle bereits erwähnten, der Aufstieg von Diktatoren und der Zweite Weltkrieg mit seinem Schreckensgefolge; die „Säuberung“ des polnischen Warthelandes (des nach d. Besetzung Polens durch d. nationalsozialist. Deutschland 1939 errichteten, die Regierungsbez. Posen, Hohensalza u. Litzmannstadt umfassenden Reichsgaus Wartheland) und Kroatiens „Zwangskatholisierung“ waren zwei besonders grausame Beispiele dieses Schreckens.

 

Ohne Belang war, dass 25 Millionen in KZs starben, 32 Millionen Soldaten auf dem Schlachtfeld getötet und 29 Million verwundet und verstümmelt wurden; das ist die amtliche Statistik der Vereinten Nationen (137) und zeigt das Ausmaß jenes Blutbades! Diesmal dachte die römische Kurie, ihr Ziel sei erreicht worden und in den „Basler Nachrichten“ war zu lesen:

 

(137) „La Croix“, 7.September 1951.

 

„Die deutsche Tätigkeit in Russland erhebt die Frage nach der Missionierung des Landes; der Vatikan ist daran höchst interessiert.“

 

(138) „Basler Nachrichten“, 27.März 1942.

 

Und aus einem der Glorifizierung Pius’ XII gewidmeten Buche dies:

 

„Der Vatikan und Berlin unterzeichneten einen Pakt, der es den katholischen Missionaren des Russischen Kollegs erlaubte, in die besetzten Gebiete zu gehen und das Baltikum der Berliner Nuntiatur (diplomat. Vertretung d. päpstl. Botschafters) zu unterstellen.“

 

(139) und (140) „Messages de guerre au monde“, von Pius XII. (Éd. Spes, Paris, 1945, S.34 u. 257 ff.). IN DEUTSCH: „Der Papst spricht. Ansprachen und Botschaften Papst Pius’ XII. aus der Kriegs- und Nachkriegszeit“ (MORUS-VERLAG, Berlin, 1946).

 

Unter dem Schutz von Wehrmacht und SS war Russlands „Katholisierung“ dabei, in Angriff genommen zu werden, in der Art wie Pawelitsch und Gefährten sie in Kroatien durchführten, nur viel monumentaler.

 

Das war in der Tat ein Sieg für Rom!

 

Welche Enttäuschung dann aber, als Hitlers Drang vor Moskau gestoppt und Paulus (ERKL.: Friedrich Paulus,Generalfeldmarschall, *1890, †1957) mit seiner Armee in Stalingrad eingeschlossen wurde! Es war Weihnachtszeit, Weihnachten 1942, und man muss die vom Heiligen Vater an die „christlichen Nationen“ gerichtete Botschaft – oder vielmehr den ausdrücklichen Ruf zu den Waffen – mehr als einmal lesen:

 

„Nicht klagen sondern handeln ist das Gebot der Stunde. Nicht trauern um das, was ist und war, sondern neugestalten, was erstehen wird und soll zum Wohl der Gesellschaft. Mit Kreuzfahrergesinnung sollen die besten und edelsten Glieder der Christenheit im Geiste der Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe unter dem Ruf »Gott will es« sich zusammenschließen, dienst- und opferbereit wie jene Helden der Vorzeit. … Mit väterlicher, doch beschwörender Eindringlichkeit rufen Wir euch auf, den erschütternden Ernst, aber auch die gnadenreiche Zukunftsbedeutung dieser Stunde zu erfassen und euch zu vereinen in der Zusammenarbeit für die Erneuerung des menschlichen Gemeinschaftslebens in Geist und Wahrheit… Freiwillige Kreuzritter eines neuen und veredelten Gemeinschaftsgedankens, erhebt das neue Christusbanner einer sittlichen und christlichen Wiedergeburt, sagt Fehde an der Finsternis und Gottesferne, der Kälte des Bruderzwistes, Fehde im Namen einer schwerkranken Menschheit, sie zu heilen im Namen eines christlich geadelten Gewissens!«.“

 

(139) und (140) „Messages de guerre au monde“, von Pius XII. (Éd.Spes, Paris, 1945, S.34 u. 257 ff.). IN DEUTSCH: „Der Papst spricht. Ansprachen und Botschaften Papst Pius’ XII. aus der Kriegs- und Nachkriegszeit“ (MORUS-VERLAG, Berlin, 1946, S.29, 30 u. 36).

 

An diesem Tag der Geburt Christi waren wir weit entfernt von der „Pax Christi“!

 

Diese militante Ansprache war nicht gerade Ausdruck der „strikten Neutralitätspolitik“, die sich der Vatikan dünkt, in internationalen Angelegenheiten zu verfolgen.

 

Noch unpassender wurde besagte Ansprache durch die Tatsache, dass Russland der Verbündete Englands, Amerikas und des Freien Frankreichs (des von de Gaulle initiierten u. geleiteten Widerstands gegen Vichy u. Deutschland) war. Wir lächeln beim Lesen der vehementen Behauptung der Thurifer Pius’ XII., die uns erzählen, dass Hitlers Krieg kein richtiger „Kreuzzug“ da, wo jenes Wort in des heiligen Vaters Botschaft genannt wird, gewesen sei.

 

Die „Freiwilligen“, die der Papst zu den Waffen rief, waren jene der „Blauen Division“ (der im Rahmen d. Wehrmacht an d. Ostfront mitkämpfenden span. Division) und jene von Kardinal Baudrillart in Paris Rekrutierten.

 

„Hitlers Krieg ist eine hehre Maßnahme zur Verteidigung der europäischen Kultur.“, rief er am 30.Juli 1941 aus.

 

Jedoch merken wir an, dass der Vatikan jetzt, wo er bestrebt ist, die afrikanischen Nationen gegen Frankreich aufzuwiegeln, kein Interesse mehr an der Verteidigung besagter Kultur hat. Pius XII. ließ verlauten: „Die katholische Kirche identifiziert sich nicht mit der westlichen Kultur.“

 

(141) „Le Monde“, 13.April 1956 (Tagung afrikanischer katholischer Studenten).

(141 a) Siehe auch François Méjan: „Le Vatican contre la France d’outre-mer“ ([„Der Vatikan gegen Französisch Übersee“,] Fischbacher).

 

Die Betrügereien und krassen Gegensätze auf Seiten jener, die Satan als „Vater der Lüge“ bezichtigen, sind endlos.

 

Die russische Niederlage für Hitlers Armeen, „dieser hehren Verteidiger der europäischen Kultur“, bezog auch die jesuitischen Bekehrer mit ein. Man fragt sich, was vor einer derartigen Katastrophe die Heilige Theresia (ERKL.: Theresia von Lisieux, Karmeliterin, *1873, †1897) gerade zu tun hatte! Pius XI. hatte sie zur „Schutzpatronin des unglücklichen Russlands“ erklärt und Kanonikus Coubé stellte sie als „lächelnd, aber furchtbar wie eine gegen den bolschewistischen Giganten aufgestellte Armee“ dar.

 

(142) Kanonikus Coubé : „Sainte Thérèse de l'Enfant-Jésus et les crises du temps présent“ ([„Die Hl.Theresia vom Jesuskind u. d. Krisen d. heut. Zeit“,] Flammarion, Paris, 1936, S.6 ff.) IMPRIMATUR 11.Januar 1936.

 

5.1.29           Die Jungfrau von Fatima bemühte sich die Bekehrung Russlands zum Katholischen Glauben vorherzusagen!

 

Hatte die – von der Kirche zu Werken aller Art gebrauchte – Heilige von Lisieux – vor der ihr vom Heiligen Vater zugewiesenen neuen und gigantischen Aufgabe kapituliert? Es wäre nicht überraschend.

 

Anstelle der kleinen Heiligen aber gab es noch die Himmelskönigin, die es bereits 1917 auf sich genommen hatte, unter bestimmten Bedingungen das schismatische Russland wieder in die Gemeinde der römischen Kirche zu führen. Lesen wir, was „La Croix“ dazu schrieb:

 

„Wir werden unsere Leser daran erinnern, dass die Jungrau von Fatima höchstselbst die Bekehrung der Russen, wenn alle Christen aufrichtig und freudig sämtliche Gebote Gottes täten, versprochen hat.“

 

(143) „La Croix“ 11.Juni 1947.

 

Es sei betont, dass den Jesuitenpatres zufolge, die in übernatürlichen Fragen Spezialisten sind, die himmlische Mittlerin als besonders wirksam den täglichen Gebrauch des Rosenkranzes (Gebetsblocks zu Ehren Marias) empfohlen habe.

 

Durch einen „Tanz der Sonne“, ein Wunder, das 1950 in den Gärten des Vatikans noch einmal (noch einmal,d.h. 33 Jahre nach seinem ersten Auftreten 1917 i. Fatima), alleinig für Seine Heiligkeit Pius XII., auftrat, wurde das Versprechen der Jungfrau sogar noch versiegelt.

 

Dennoch marschierten die Russen in Berlin ein, trotz des vom Papst angemahnten Kreuzzugs – und haben, soweit wir wissen, Chruschtschows Landsleute, im Büßergewand und den Strick um den Hals vor den Türen des Petersdoms zu erscheinen, bis heute keinerlei Eifer gezeigt.

 

Was lief da falsch? Hatten Christen bis dahin zu wenig ihre Rosenkränze (Gebetsabfolgen zu Ehren Marias) „aufgesagt“? Hatte man des Himmels erforderliche Zehnzahl nicht erfüllt?

 

Zu glauben, dies sei der Grund, wären wir versucht, gäbe es da nicht in der wunderbaren Geschichte von Fatima jenes eher heikle Detail. Das 1917 zweckmäßigerweise der Hellseherin Luzie (ERKL.: Schwester Luzie, *1907, †2005) gegebene Versprechen der Bekehrung Russlands, wurde von ihr erst 1941, als sie Nonne geworden war, „enthüllt“ und im Oktober 1942 von Kardinal Schuster (Alfredo Ildefonso Schuster), einem leidenschaftlichen Anhänger der Rom-Berlin-Achse, öffentlich bekanntgegeben; letzteres geschah auf Wunsch, oder wohl vielmehr auf Befehl Pius’ XII., der drei Monate später den oben genannten Aufruf zum Kreuzzug ausgab.

 

In der Tat sehr „erleuchtend“: Einer der Fatima-Apologeten gibt es zu: die Sache „büßt offensichtlich einiges von ihrem profetischen Werte ein. … “ (144). Mindestens das kann man hier sagen! Ein gewisser Kanonikus und großer Spezialist in Sachen „portugiesisches Wunder“ erzählt uns im Vertrauen: „Und doch muss ich gestehen, dass ich selbst einen echten inneren Widerstand zu überwinden hatte, meine ersten Buchausgaben durch den Text zu ergänzen, den S. Eminenz Kardinal Schuster der Öffentlichkeit bekanntgegeben hatte, weil mir diese Orakel dunkel erschienen und das, was ich davon verstand, im 20. Jahrhundert unmöglich. … “

 

(144) Michel Agnellet: „Miracles à Fatima“ (([„Wunder i. Fatima“,] Éd. de Trévise, Paris, 1958, S.54), Imprimatur 1958.

(145) Kanonikus Barthas: „Fatima, merveille du Xxè siècle“ (Fatima-éditions, Toulouse, 1957, S.81), Imprimatur 1957. IN DEUTSCH: Kanonikus Barthas: „FATIMA – EIN WUNDER DES ZWANZIGSTEN JAHRHUNDERTS“ (HERDER, Freiburg, 1954), S.58.

 

Gewiss verstehen wir des lieben Kanonikus Empfindungen:

 

Also habe die Heilige Jungfrau 1917 zur Hirtin Luzie gesprochen: „Wenn ihr auf meine Bitte hört, dann wird Russland bekehrt … “, und beauftragte das Mädchen, dieses „Geheimnis“ für sich zu behalten. Wie aber konnten dann die Christen besagte „Bitte“ erfahren und erfüllen?

 

„Credibile quia ineptum.“ („Glaubhaft weil töricht.“) Es macht den Eindruck, als hätten die Gebete von 1917 bis 1942 um des „unglücklichen Russlands“ willen keine Notwendigkeit gehabt, und erst nach der nationalsozialistischen Niederlage vor Moskau und als Paulus in Stalingrad eingeschlossen war, waren sie anscheinend dringend nötig.

 

Das ist der einzige Schluss zumindest, den diese späte Enthüllung zulässt. Das Übernatürliche ist – wie schon gesagt – ein gewaltig Ding, doch erfordert der Umgang mit ihm Bedacht.

 

Nach Montoire (dem dt.-frz. Beschluss d. Zusammenarbeit am 24.10.1940 im frz. Montoire) sprach Jesuitengeneral Halke von Ledochowski schon voll Hochmut von der Generalkongregation, die die Kompanie, nachdem England kapituliert haben würde, in Rom abhielte, von der Bedeutung und Genialität dessen, das in seiner ganzen Geschichte keine Entsprechung fände.

 

Aber der Himmel entschied anders, trotz der Heiligen Theresia und der Gottesmutter von Fatima. Großbritannien rüstete sich gegen den Feind, die Vereinigten Staaten traten in den Krieg ein (obwohl sich die ganze Zeit Jesuitenpater Coughlin derart ins Zeug gelegt hatte), die Alliierten landeten in Nordafrika und der Russlandfeldzug war für die Nazis ein Desaster.

 

Für Ledochowski war es das Aus seines großen Traums. Wehrmacht, SS, „Säuberer“ und jesuitische Bekehrer traten geschlossen den Rückzug an. Der General hatte für eine derartige Katastrophe nicht mehr die Gesundheit und starb.

 

5.1.30           Das von Papst Pius XI. geschaffene Collegium Russicum mit dem Ziel den Orthodoxen Glauben in Russland zu unterwandern

 

Doch schauen wir, was das besagte „Russicum“ ist, um das Pius XI. und von Ledochowski 1929 die reiche und bunte römische Organisation erweiterten.

 

„Mit der Apostolischen Konstitution (der päpstlichen Verordnung) »Quam curam de orientalibus« (»Hinsichtlich der Sorge um die orientalischen«) schuf Pius XI. in Rom besagtes russische Seminar (Bildungsinstitut), wo junge Apostel jeder Nationalität ausgebildet würden, unter der Bedingung, dass sie vor allem anderen den orthodoxen Ritus (östl. papstablehnenden Religionsausübungsbrauch) annehmen und sich ihr Denken darauf ausrichte, dass sie sich voll und ganz der Aufgabe widmen, Russland zurück in die Herde Christi zu bringen.“

 

(146) „L’Homme nouveau“, 7.Dezember 1958.

 

Das ist das Ziel des russischen Kollegs, alias „Russicum“, des Päpstlichen Orientalischen Instituts und der Gregoriana – dieser drei ebenfalls von der Societas Iesu verwalteten Zentren.

 

In der „Gregoriana“ – 45, Piazza del Gesù (Jesuspl.45) – finden wir das jesuitische Noviziat (Novizenwohn- u. ausbildungsstätte) und einige unter den Novizen tragen den Namen „Russipeten“ („Russlandbitter“), da sie dafür bestimmt sind, „petere Russiam“ („f. Russland zu bitten“) oder nach Russland zu gehen.

 

Orthodoxe Gläubige sollten auf der Hut sein, denn derart viele tapfere Verfechter sind dazu bestellt, sie auszumerzen. Allerdings müssen wir darauf hinweisen, dass der oben genannte „Homme nouveau“ versichert:

 

„Freilich ist jeder dieser Priester dazu bestimmt, nach Russland zu gehen. Nur dass sich dieses Projekt noch nicht realisieren lässt.“

 

(147) „L’Homme nouveau“, 7.Dezember 1958.

 

Laut dieser speziellen Publikation nennt die sowjetische Presse besagte Apostel „die vatikanischen Fallschirmspringer“. Und vom Zeugnis eines über das Thema gut Informierten her kommen wir zu dem Schlusse, dass dieser Name ganz gut zu ihnen passt.

 

Der Fragliche ist kein Geringerer als der Jesuit Alighiero Tondi (ERKL.: *1908), Professor an der Päpstlichen Univeristät Gregoriana, der – wenn auch nicht ohne einen beträchtlichen Streit – Ignatius von Loyola und die „Exerzitien“ verwarf und sich aus der berühmten Kompanie, samt ihrem Pomp und Treiben, zurückzog.

 

In einem Interview, das er einer italienischen Zeitung gab, lesen wir neben anderen Erklärungen folgendes:

 

„Die Aktivitäten des Collegium Russicum und weiterer mit ihm verknüpfter Organisationen sind viele und vielfältige. Beispielsweise organisieren und koordinieren die Jesuiten im Verein mit italienischen Faschisten und dem, was vom deutschen Nationalsozialismus übrig ist, auf Anordnung der kirchlichen Autorität verschiedene antirussische Gruppen. Das Endziel ist es, schließlich bereit zu sein, die östlichen Regierungen zu stürzen. Finanzen fließen von den herrschenden kirchlichen Organisationen. Das ist die Arbeit, um die sich die Führer des Klerus bemühen. Selbige würden bereitwillig vor Gram ihre Sutanen zerreißen, wenn man sie wegen Einmischung in die Politik und Nötigung der östlichen Bischöfe und Geistlichen, sich gegen ihre Regierungen zu verschwören, beschuldigte.

 

Im Gespräch mit dem Jesuiten Andrej Urusow bezeichnete ich es als skandalös, im »Osservatore Romano «, dem offiziellen Organ des Vatikans, und in anderen kirchlichen Publikationen zu versichern, dass die enttarnten Spione »Märtyrer des Glaubens« gewesen seien. Urusow brach in Gelächter aus.

 

- Was würden Sie denn schreiben, Pater?, fragte er mich. Würden Sie sagen, das es Spione waren, oder sogar noch Schlimmeres? Die vatikanische Politik braucht heutzutage Märtyrer. Nur dass sich momentan schwerlich welche finden lassen. Man erfindet sie.

- Das Spiel ist aber unehrlich!

Ironisch schüttelte er den Kopf.

- Sie sind naiv, Pater. Von Ihrer Arbeit her sollten Sie es besser wissen als jeder andere, dass die die Kirchenführer inspirierenden Regeln schon immer dieselben waren.

- Und Jesus Christus?, fragte ich.

Er lachte und sagte: »An Jesus Christus darf man nicht denken. Dächten wir an ihn, endeten wir am Kreuz. Und heute ist es Zeit, statt selber an ihm erhöht zu werden, andere daran zu schlagen.“

 

(148) Am 2.Oktober 1954 im „Il Paese“ erschienenes Interview.

 

Wie es also der Jesuit Urusow so schön sagte – die vatikanische Politik benötigt Märtyrer, seien es Freiwillige oder nicht. Und Millionen solche schuf sie in den beiden Weltkriegen.

 

5.8                  Kapitel 8:  Papst Johannes XXIII. lässt die Maske fallen

 

5.1.31           Die weitverbreitete und unausrottbare Illusion, dass von den Päpsten her frieden ausgehe!

 

Von allen in dieser Welt allgemein akzeptierten Fiktionen ist der dem Heiligen Stuhle zugesprochene Geist des Friedens und der Liebe die wohl am schwersten auszurottende – da dieser Geist der Natur des apostolischen Meisters schlechthin innezuwohnen scheint.

 

Trotz der nicht gänzlich bekannten oder zu schnell vergessenen Lektionen der Geschichte, muss der, der sich selbst „Statthalter Christi“ nennt, in den Augen vieler notwendigerweise das vom Evangelium gelehrte Ideal der Liebe und Brüderlichkeit verkörpern. Wollen nicht Logik und Gefühl gleichermaßen, dass es so sei?

 

In Wirklichkeit klären uns die Ereignisse darüber auf, dass besagte positive Annahme stark abgeflaut sein muss – und wir glauben, dass es bislang hinreichend demonstriert wurde. Doch die Kirche ist umsichtig – wie wir oft erinnert werden – und es ist selten, dass ihre wahren Aktionen nicht von den unerlässlichen Vorkehrungen umgeben sind, die sich des äußeren Anscheins annehmen. „Besser arm in Ehren als reich in Schanden.“, sagt das Sprichwort. Doch Reich undin Ehren ist noch besser. Die Maxime, von der sich der steinreiche Vatikan leiten lässt. Seine politische Herrschsucht bedient sich stets „geistlicher“ und humanitärer Vorwände, die über eine durch einen Goldgürtel bescherte intensive Propaganda „urbi et orbi“ verkündet werden, und der auf diese Art konservierte „gute Ruf“ macht den Goldstrom zu besagtem Gürtel ohne Unterlass fließen.

 

Ein Abrücken von jenem Verhaltensgrundsatz gibt es für den Vatikan nicht und wo die Stellung, die er in internationalen Angelegenheiten einnimmt, durch die Haltung seiner Hierarchie deutlich zu Tage tritt, da wird durch jene feierlichen und zweideutigen Enzykliken und andere päpstliche Dokumente die Legende von der absoluten Unparteilichkeit lebendig gehalten. Beispiele dieser Art hat die Hitler-Ära erst unlängst angehäuft. Doch wie könnte es auch anders sein bei einer autoritativen (auf Ansehen beruhenden) Macht, die man als übernatürlich und zur gleichen Zeit allumfassend ansieht?

 

Die Vorkommen, wo man die Maske hat fallen sehen, sind äußerst selten. Denn auf dass die Welt eines derartigen Schauspiels Zeuge würde, bedürfte es einer Eventualität, die aus der Sicht des Heiligen Stuhls seine lebenswichtigen Interessen in Gefahr brächte. Erst dann wirft er sämtliche Zweideutigkeit zur Seite und gibt sämtliches ihm zur Verfügung stehende Ansehen in eine der Waagschalen.

 

So geschehen in Rom, am 7.Januar 1960, hinsichtlich des „Gipfel“-Treffens, das, in dem Bemühen, die Bedingungen einer wirklich friedlichen Koexistenz zwischen den Verteidigern der beiden gegensätzlichen Ideologien auszuhandeln, Oberhäupter östlicher und westlicher Regierungen zusammenbringen sollte.

 

Die Position des Vatikans vor einem derartigen Vorhaben lässt uns freilich in keinerlei Zweifel. Das demonstrierte in den Vereinigten Staaten Kardinal Spellman (ERKL.: Francis Joseph Spellman, *1889, †1967) deutlich, indem er die Katholiken drängte, Chruschtschow (ERKL.: Nikita Sergejewitsch Chruschtschow, sowjet. Politiker, *1894, †1971), als dieser zu Gast beim amerikanischen Präsidenten war, ihre Feindseligkeit zu zeigen. Seinerseits und ohne es klar zu äußern, zeigte Seine Heiligkeit Johannes XXIII. in seiner Weihnachtsbotschaft keine große Lust zur „Entspannung“. Die von ihm formulierte „Hoffnung“, in der Welt den Frieden hergestellt zu sehen, ein Wunsch, der in einem derartigen Dokument ein „Muss“ ist, schien – mit den vielen ihn begleitenden Appellen an die Klugheit westlicher Politiker –, sehr schwach. Bis hierher schaute der Vatikan aber noch freundlich drein.

 

Was aber geschah dann – in weniger als zwei Wochen? War etwa – im Dahinfahrensehen der ersteren – eine weitere lange gehegte „Hoffnung“ geplatzt? Fing etwa infolge der Entscheidung Gronchis (ERKL.: Giovanni Gronchi, *1887, †1978), des Präsidenten der Italienischen Republik, nach Moskau zu gehen, der Kelch der römischen Bitterkeit an, überzulaufen?

 

Was auch immer ablief, am 7.Januar brach urplötzlich der Sturm los – und das geistliche Donnerwetter entlud sich (mit ungekannter Wucht) über die „christlichen“ Politiker, schuldig des Wollens, dass der Kalte Krieg ein Ende fände. Am 8.Januar druckte „Le Monde“ das Folgende ab:

 

5.1.32           Kardial Ottavianis Ansprache bezeichnete die russische Führung als Antichristen

 

„An dem Tage, da der Präsident der Italienischen Republik sich zur Abstattung eines sorgfältig vorbereiteten offiziellen Besuchs der Moskauer Führung aufmachte, hielt Kardinal Ottaviani (ERKL.: Alfredo Ottaviani, *1890, †1979), der Amtsnachfolger Kardinal Pizzardos (ERKL.: Giuseppe Pizzardo, *1877, †1970) als Sekretär der Glaubenskongregation (leitender Funktionär d. höchsten kath. Behörde z. Schutze vor abweichenden Glaubensvorstellungen; ERKL.: seit 1965 Nachfolger d. höchsten Inquisitionsbehörde „Hl.Offizium“) bzw. Präfekt des Obersten Gerichtshofs der Apostolischen Signatur (Leiter d. höchsten Gerichts d. röm. Kurie), in der Marienbasilika bei einem morgendlichen Versöhnungsgottesdienst für »die Kirche des Schweigens« eine Rede, die höchst erstaunlich ist.“

 

Nie zuvor hat ein einen der wichtigsten vatikanischen Posten innehabender Kirchenfürst die sowjetischen Behörden mit derartiger Wucht attackiert, noch die Westmächte, die mit jenen verhandelten, in dieser Weise gerügt.

 

Von jener heftigen Rede, die die von „Le Monde“ soeben verwendete Bezeichnung „höchst erstaunlich“ mehr als rechtfertigte, bot die Tageszeitung wesentliche Auszüge.

 

„Timurs Zeiten sind zurück (ERKL.: asiat. Eroberer aus Transoxanien, *1336, †1405).“, versicherte Kardinal Ottaviani – und die russische Führung wurde als „neue Antichristen“ beschrieben und es heißt, sie „verurteilen zu Deportation, inhaftieren, richten Massaker an und hinterlassen nichts als Öde“. Der Redner war schockiert, denn keiner mehr nun „scheut sich, ihnen die Hände zu schütteln“ und „ganz im Gegenteil entwickelte sich ein Wettrennen darum, wer sie ihnen wohl als erster schüttle und ein Lächeln mit ihnen tausche“. Anschließend erinnerte er seine Zuhörer, dass Pius XII. sich, als Hitler nach Rom kam, nach Castel Gandolfo (ERKL.: italien. Stadt m. päpstl. Sommerresidenz) zurückzog – vergaß aber gleichzeitig, hinzuzufügen, dass ebendieser Pontifex einst mit Hitler ein für die Kirche höchst vorteilhaftes Konkordat abgeschlossen hatte.

 

Ausgespart wurde in jener heftigen Anklage auch nicht die Raumfahrt: „der neue Mensch … glaubt, er könne durch Heldentaten im All in den Himmel eindringen und demonstriert so wieder einmal mehr, dass Gott nicht existiere.“.

 

Der Kardinal meint, die westlichen „Politiker und Staatsmänner“ seien „durch den Schrecken des Verstandes beraubt“, aber ihnen sei ordentlich der Kopf gewaschen, wie überhaupt allen „Christen“, die hier „keine Reaktion und keinen Wutanfall“ mehr erkennen lassen. …

 

Schließlich dieser scharfe und bemerkenswerte Schluss:

 

„Sind wir vermöge, uns mit jedweder Art von Entspannung zufrieden zu erklären, wo es innerhalb der Menschheit vor allem gar keine Art von Ruhe geben kann, es sei denn wir beobachten einen grundlegenden Respekt vor dem Gewissen, unserem Glauben, dem mit Speichel abermals bedeckten, dornengekrönten und geschlagenen Antlitz Christi? Können wir denen unsere Hand reichen, die solches tun?“

 

Diese dramatischen Worte sind nicht in der Lage, uns vergessen zu machen, dass der Vatikan schwerlich von „Respekt vor den Gewissen“ reden kann, da er sie in Ländern, wo er dominiert, wie in Francos Spanien, wo die Protestanten verfolgt werden, schamlos unterdrückt. In der Tat ist es höchst unverschämt – insbesondere seitens des Sekretärs der Glaubenskongregation! – zu fordern, dass andere jenen grundlegenden Respekt wahren, wo die römische Kirche ihn rundweg verweigert.

 

Die Enzyklika „Quanta cura“ und der Syllabus sind unmissverständlich.

 

„Verdammt ist die Ansicht, jedermann sei frei, die Religion zu wählen und zu bekennen, die er, geführt vom Lichte der Vernunft, für wahr hält.“

(„Syllabus“, Artikel XV)

 

„ … Zu meinen, die Glaubens- und Gewissensfreiheit seien einfach jedermanns Rechte, ist Wahnsinn.“ (Enzyklika „Quanta cura“) Ausgehend von der Art, wie er „Ketzer“ behandelt, nimmt es nicht Wunder, dass der Vatikan sämtliches Bemühen um Einigung zwischen „christlichen“ Staaten und jenen, die offiziell atheistisch sind, systematisch verdammt. „Non est pax impilis.“ – „Kein Friede den Gottlosen.“

 

Und Jesuitenpater Cavelli verkündet, wie viele andere vor ihm, dass das „dringlichste Gesetz“ der römischen Kirche diese „Unnachgiebigkeit“ sei.

 

Als Pendant zu besagter Explosion der Wut seitens des Kardinals werden wir einen weiteren Artikel zitieren, der in selbiger „Le Monde“-Nummer am 9.Januar 1960 erschien:

 

„Die Menschheit ist im Begriffe, sich einem Zustande zu nähern, wo gegenseitige Vernichtung zur Wahrscheinlichkeit wird. Kein anderes Ereignis in der heutigen Welt kann in seiner Bedeutsamkeit mit diesem verglichen werden. … Weshalb wir unablässig nach einem gerechten Frieden zu streben haben.“ So gesprochen von Präsident Eisenhower (ERKL.: Dwight D[avid] Eisenhower, *1890, †1969) am gestrigen Donnerstag vor dem US-Kongress, zur selbigen Zeit, als in Rom Kardinal Ottaviani die Koexistenz als Teilhabe an der Sünde Kains (ERKL.: *3969 vZtr, †?) verdammte.

 

Schreiender kann der Kontrast zwischen zwei Denkweisen nicht sein: der menschlichen und der theokratischen – und nicht offensichtlicher die wegen jenes Kerns des blinden Fanatismus, den wir Vatikan nennen, über der Welt schwebende tötliche Gefahr. Sein „heiliger“ Egoismus ist derart, dass die Umstände und die dringende Notwendigkeit eines internationalen Abkommens, um so die die Menschheit bedrohende totale Ausrottung zu verhindern, keine Rolle spielen.

 

Der Sekretär der Glaubenskongregation – dieser Nachfolgeorganisation des die Inquisition geleitet habenden Heiligen Offiziums mit seiner nur allzu bekannten Vergangenheit – zieht derartige Eventualitäten nicht in Betracht. Ob die Russen zur Messe gingen! Darauf komme es an, und wenn Präsident Eisenhower das nicht verstünde, dann weil er „durch den Schrecken des Verstand beraubt“ sei, um mit den Worten des aufgebrachten „Porporatos“ (Kardinals; ERKL.: „Purpurträgers“) zu reden.

 

Die rasende Wut der Rede Kardinal Ottavianis erheitert und schockiert uns gleichermaßen. Und viele denken, dass es dieser Aufwiegler schwer haben wird, „Christen“ klar zu machen, dass die Atombombe dankbar anzunehmen sei. Doch seien wir auf der Hut! Hinter diesem Sprecher des Heiligen Stuhls steht die ganze päpstliche Organisation – und insonderheit besagte verborgene, nicht aus gewöhnlichen Soldaten gebildete Jesuitenarmee. Sämtliche Mitglieder jener berühmten Kompanie arbeiten in den Machtetagen und ihre Aktivitäten können ohne viel Aufsehens außerordentlich wirksam, sprich unheilvoll sein.

 

Gerüchte wurden laut, dass Kardinal Ottavianis brutale Einstellung nicht exakt das Denken des Heiligen Stuhls reflektiere, sondern das der so genannten „integristischen“ Bewegung („integristischen“, d.h. typisch synarchistischen, d.h. die eine gerechte Politik f. alle Klassen betreibende Zusammenherrschaft anstrebenden, rechtsextremen u. oft offen mystischkatholischen Bewegung). Die katholische Presse – zumindest in Frankreich – versuchte, die Bedeutung jener heftigen Rede abzuschwächen, und „La Croix“ vor allem druckte nur einen kurzen Auszug ab, aus dem man sämtliche Heftigkeit herausgelassen hatte. Wirklich weiser Opportunismus, nur konnte er keinem etwas vormachen. Es ist eben nicht möglich, dass von der Kanzel der Marienbasilika herab eine derart scharfe Kritik von außergewöhnlicher politischer Bedeutung geäußert wird, ohne dass ihr der Kongregationspräfekt und schließlich der Oberhirte zugestimmt hätte. Und letzterer hat, soweit wir wissen, seinen beredten Untergebenen nie je verstoßen. Papst Johannes XXIII. konnte doch die Bombe nicht selbst abwerfen, sondern ließ vielmehr einen der wichtigsten kurialen Würdenträger an seiner Statt auftreten und gedachte dieserart, jedermann sein stillschweigendes Einverständnis offenkundig zu machen.

 

Überdies und durch seltsamen „Zufall“ fand zur selben Zeit eine verhaltenere Explosion statt, in Gestalt eines Artikels im „Osservatore Romano“, der wieder mal den Sozialismus, selbst den nicht-marxistischen, als „der christlichen Wahrheit zuwiderlaufend“ verdammte. Jene, die den besagten politischen „Fehler“ verübten, würden jedoch nicht „ipso facto“ („durch den Fakt“) exkommuniziert wie die Kommunisten. Sie hätten noch die Hoffnung, der Hölle zu entgehen – die Androhung des Fegefeuers (Läuterungsortes, in dem d. Verstorbenen ihre kleineren Sünden abbüßen, ehe sie ins Reich Gottes eingehen) aber bliebe!

 

Versprach sich der Vatikan hier im heftigen Erzeigen seiner Ablehnung jedes Versuchs, Ost und West zusammenzubringen, irgendwelche positiven Ergebnisse? Erhoffte er sich hier wirklich, die Staatsmänner, die besagte Friedenspolitik verfolgten, einzuschüchtern? Oder hoffte er hier zumindest, eine Gegenbewegung zur „Entspannung“ unter den Gläubigen hervorzurufen?

 

So unvernünftig eine solche Hoffnung auch erscheinen mag, so dürfte sie doch wohl diese kirchlichen Köpfe heimgesucht haben. Deren seltsame Sichtweisen müssen einfach Illusionen dieser Art hervorbringen. Eine bestimmte Illusion konnten zudem diese Wahrsager nicht vergessen haben, eine Illusion, die sie derart lange nutzen, um jene zu täuschen, die ihnen vertrauten – und die sie offenbar miteinander teilten. Hier beziehen wir uns auf die „Bekehrung Russlands“, deren Ankündigung – 1917 – in Fatima von der Heiligen Jungfrau persönlich gemacht worden sein soll – gegenüber der Hirtin Luzie, die schließlich in ein Kloster aufgenommen wurde und die Profezeiung einigermaßen spät, d.h. 1942, auf Wunsch ihrer Vorsteher in ihren „Erinnerungen“ dokumentierte.

 

Dieses Lügenmärchen mag uns erheitern, doch es bleibt die Tatsache, dass es der Vatikan – unter Pius des XII. Pontifikat – in der ganzen Welt verbreitete, mit jeder Menge Ansprachen, Predigten, feierlichen Erklärungen, bergeweise Büchern und kleineren Schriften, und Rundreisen der Statue jener neuen und sehr politischen „Liebfrauenkirche“ quer durch jeden Kontinent – wo sogar die Tiere, wie man uns sagte, gekommen seien, um zu huldigen. Dieser lautstarken Propaganda wird sich von den Gläubigen noch deutlich erinnert – wie der wilden Erklärungen, von denen beispielsweise diese am 1.November 1952 von „La Croix“ abgedruckt wurde:

 

„Fatima ist zu einem Scheideweg geworden. … Das Schicksal der Nationen kann besser dort, als um Tische herum entschieden werden.“

 

Seine Thurifer können sich nicht länger in Zweideutigkeit flüchten. Die Wahl ist glasklar: „Entspannung oder Kalter Krieg“. – Der Vatikan wählt Krieg – und verbirgt die Tatsache nicht.

 

Waren uns die vergangenen Erfahrungen, selbst in der jüngsten Vergangenheit, bislang eine Lehre, dann sollte diese Entscheidung keinen mehr überraschen. Und überraschte sie jemanden, dann dürfte es, wie wir glauben, an deren rüder Bekanntgabe liegen – ganz ohne die übliche Tarnung.

 

5.1.33           Hitlers Aufstieg entsprang der Hoffnung die Orthodoxe Kirche durch Gewalt mit Rom zu vereinen

 

Wir beginnen, die Heftigkeit zu verstehen, wo wir betrachten, was der Einsatz dem römischen Bischof bedeutete. Indem wir ihn für fähig halten, dass er eine Hoffnung aufgäbe, die so alt wie das Morgenländische Schisma selber ist, jene Hoffnung, orthodoxe Gläubige über einen militärischen Erfolg wieder unter ihren Gehorsam zu bringen, würden wir den Vatikan fehleinschätzen. Hitlers Aufstieg entsprang dieser hartnäckigen Hoffnung – die letztliche Niederlage aber seines Kreuzzugs öffnete der römischen Kurie noch immer nicht die Augen für das Törichte einer derartigen Bestrebung.

 

Und es gab noch einen weiteren und viel drängenderen Wunsch: die Befreiung Polens, Ungarns und der Tschechoslowakei, dieser recht bekannten „Kirche des Schweigens“, die eine solche mittlerweile und nur infolge der – für den Heiligen Stuhl – unerwarteten Wende der Ereignisse im Nazi-Feldzug geworden ist. „Allzu viel ist ungesund“: ein weises Sprichwort, das Fanatiker nie inspirierte.

 

Um seinen ostwärts gerichteten Marsch, seinen kirchlichen „Drang nach Osten“ fortzusetzen und zunächst seine verlorenen Stützpunkte zurückzuholen, baut der Vatikan nach wie vor auf den deutschen „weltlichen Arm“, seinen wichtigsten europäischen Verfechter in der Notwendigkeit neuer Kraft und Vitalität. Mit dem Kanzler und päpstlichen Geheimkämmerer Konrad Adenauer (ERKL.: *1876, †1967) hatte er an die Spitze der Bundesrepublik – den westlichen Teil des Großdeutschen Reichs – einen Vertrauten gesetzt und die von diesem verfolgte Politik lässt für mehr als fünfzehn Jahre deutlich den Stempel des Heiligen Stuhls erkennen. Zunächst große Vorsicht und eine opportune „liberale“ Geisteshaltung an den Tag legend, arbeitete der von seinen Landsleuten mit dem Spitznamen „der alte Fuchs“ bedachte Mann an der Wiederaufrüstung seines Landes. Selbstverständlich war die „moralische“ Aufrüstung der Bevölkerung und der deutschen Jugend insonderheit ein unabdingbarer Anhang des ersteren.

 

Deshalb werden wichtige Posten in den westdeutschen Ministerien und Behörden von nicht wenigen Personen mit berüchtigter NS-Vergangenheit bekleidet – die Liste ist lang – und – gerade erst zum Kriegsverbrecher verurteilt – leiten Industrielle wie Krupp (ERKL.: Alfried Krupp v.Bohlen u. Halbach, *1907, †1967, seit 1943 Alleininh. d. Fa. Krupp, 1947/48 wegen „Plünderung“ von Wirtschaftsgütern i. besetzten Ausland u. „Sklavenarbeit“ zu 12 Jahren Haft verurteilt, 1951 begnadigt,) und Flick (ERKL.: Friedrich Flick, *1883, †1972, hatte 1933-45 maßgebl. Einfluss i. d. dt. Rüstungsindustrie u. kontrollierte m. seinem Familienkonzern d. Montanwerke d. besetzten europäischen Länder, 1947 zu 7 Jahren Haft verurteilt, 1950 entlassen) schon wieder ihre gigantischen, neu für sie aufgebauten Werke. Der Zweck heiligt die Mittel. Und dieser Zweck ist klar genug: Siegfrieds neues Schwert zu schmieden – die für die Rache erforderliche – die auch die des Vatikans ist.

 

Und so geschieht es auch mit genauer Gleichzeitigkeit, dass der Kanzler-Kämmerer in einem einer niederländischen Zeitschrift gegebenen Interview die von Kardinal Ottaviani eben erst vorgetragene Sturmrede widerspiegelte:

 

„ … Die friedliche Koexistenz von Völkern, deren Standpunkte völlig entgegengesetzt sind, ist eben eine Illusion, die leider noch zu viele Unterstützer findet.“

 

(150) „ELSEVIERS WEEKBLAD“, zitiert von „COMBAT“ am 11.Januar 1960.

 

Die am 7.Januar in der Marienbasilika gehaltene Brand-„Predigt(flammende Predigt) ging – wie zufällig – Konrad Adenauers Rombesuch um wenige Tage voraus. Die Berichte der Presse unterstrichen einstimmig die freundliche und verständnisvolle Atmosfäre, die während der Privataudienz vorherrschte, die Seine Heiligkeit Johannes XXIII. dem deutschen Bundeskanzler und seinem Außenminister von Brentano (ERKL.: Heinrich v.Brentano, *1904, †1964) gab.

 

In der „L’Aurore“ kann man sogar lesen:

 

„Dieses Treffen bewirkte eine eher unerwartete Erklärung seitens des Kanzlers, als er auf die den Mut und Glauben des deutschen Regierungsoberhauptes lobende päpstliche Ansprache antwortete:

 

»Ich denke, dass Gott dem deutschen Volke eine besondere in diesen bewegten Zeiten zu spielende Rolle zugedacht hat: der Beschützer des Westens gegen die gewaltigen Einflüsse des uns bedrohenden Ostens zu sein

 

(151) „L’Aurore“, 23.Januar 1960.

 

„Combat“ bemerkte richtig:

 

„Das hörten wir eben erst – nur kürzer: „Gott mit uns.“ (das Motto auf dem Koppelschloss der deutschen Soldaten im Ersten Weltkrieg).

 

Und jene Zeitung fügte hinzu:

 

„Dr.Adenauers Heraufbeschwörung des der deutschen Nation zugesprochenen Wirkens fand seine Inspiration in einer ähnlichen Erklärung des vorangegangenen Papstes. Was die Vermutung zulässt, dass der unter den gegenwärtigen Umständen diesen Satz aussprechende Dr.Adenauer davon ausging, bei seinen Zuhörern Gehör zu finden.“

 

(151) „L’Aurore“, 23.Januar 1960.

 

Im Grunde müsste man selten naiv und in völliger Unkenntnis der Grundlagen der Diplomatie sein, um zu denken, dass diese „unerwartete“ Erklärung nicht Teil des Programms gewesen sei. Wir wetten auch, dass sie keinerlei Schatten warf auf „das ausgedehnte Gespräch, das Adenauer mit dem Staatssekretär des Heiligen Stuhls Kardinal Tardini (ERKL.: Domenico Tardini, *1888, †1961) führte, den er in der deutschen Botschaft zum Mittagessen einlud“.

 

(153) „Le Figaro“, 23.Januar 1960.

 

Selbst Katholiken, die die Eingriffe der römischen Kirche in Staatsangelegenheiten längst gewohnt waren, hatte die von Kardinal Ottaviani ausgesprochene spektakuläre Einmischung der Glaubenskongregation in die internationale Politik schockiert. Dessen war sich Rom bewusst. Die Aufrechterhaltung des Kalten Krieges aber ist für die politische Macht, ja den finanziellen Wohlstand des Vatikans derart lebenswichtig, dass er – wenn auch der erste Anlauf keine Gegenliebe erfuhr – die Wiederholung solcher politischer Ansichten nicht scheute.

 

Eine weitere Gelegenheit verschaffte ihm Chruschtschows Frankreichreise im März 1960. Eine der von dem sowjetischen Ministerpräsidenten zu besuchenden Städte war Dijon. Wie sämtliche seiner Kollegen in der gleichen Situation, so hatte der Oberbürgermeister von Dijon den Gast der Französischen Republik höflich zu empfangen. Nur dass der OB der Burgunderhauptstadt Kanonikus Kir (ERKL.: Felix Kir, *1876, †1968) war – und somit ein Geistlicher.

 

Nach kirchlichem Recht war dem Priester zur Annahme dieses Doppelamtes – mit sämtlichen daraus erwachsenden Aufgaben und Pflichten – vom Heiligen Stuhl einst die ausdrückliche Genehmigung erteilt worden. Den Chruschtschow-Empfang untersagte dem OB-Kanonikus jetzt allerdings der Bischof. Und unter diesen Umständen ging Sutane vor Amtsschärpe.

 

Also begrüßte den Besucher ein für den unabkömmlichen OB einspringender Mitarbeiter. Die ungezwungene Art aber, mit der die „Hierarchie“ bei dieser Gelegenheit der weltlichen Obrigkeit spottete, erweckte spitzeste Bemerkungen. Am 30.März schrieb „Le Monde“:

 

„Wer ist dem OB von Dijon eigentlich weisungsberechtigt: der Bischof oder der Präfekt? Und über diesen Vertretern der Zentralgewalt: der Papst oder die französische Regierung? Das ist die von allen gestellte Frage. … “

 

Die zweifelsfreie Antwort: Erst die Theokratie. Von nun an aber – müssen sich da die Gäste der Französischen Republik, um von einem Sutane tragenden Oberbürgermeister empfangen zu werden, mit Beichtzetteln (Bescheinigungen über abgelegte Beichten) eindecken?

 

Richtig bemerkt zudem der „Le Monde“-Herausgeber im oben genannten Artikel:

 

„Jenseits dieser französischen internen Frage macht uns die Kir-Affäre ein größeres Problem bewusst. Die Tätigkeit des Vatikans hat nicht allein mit den Beziehungen zwischen einem OB und seiner Regierung zu tun. In der Art, wie sie stattfand, stellt sie einen direkten und spektakulären Eingriff in die internationale Diplomatie dar.“

 

Das ist gewiss wahr – und die von ihr nahezu allerorten hervorgerufenen Reaktionen zeigen, dass diese Affäre von der Weltöffentlichkeit ausreichend verstanden wurde. Vor allem in den Vereinigten Staaten begann die Öffentlichkeit, die bereits Zeuge der von den Kardinälen Spellman und Cushing (ERKL.: Richard James Cushing, *1895, †1970) organisierten feindseligen Demonstrationen während Chruschtschows Besuch geworden war, die wirkliche Unabhängigkeit, die ein römisch-katholischer Präsident im Hinblick auf den Heiligen Stuhl wahren könnte, in Frage zu stellen.

 

Viele fürchteten in jenem Falle die keineswegs geringe Gefahr, dass sich des Landes Außenpolitik gerade jetzt den Interessen der römischen Kirche und damit der Vorverurteilung der nationalen Interessen künftig beugen würde.

 

Nach der von Kardinal Ottaviani abgeworfenen Bombe organisierte man nunmehr gegen die Ost-West-„Entspannungs“-Bewegung „öffentlich“ den Widerstand. Ein absurdes Instrument, mag mancher sagen, verglichen mit jenen, die drohten, Nationen, die im völligen Stillstand eines knurrenden Antagonismus verharrten, – früher oder später – unter Trümmern zu begraben. Doch können wir sehen, wie sich der Vatikan, aus den „geistlichen“ Waffen, zu deren Gebrauch er gezwungen war, das Beste zu machen anstrengte. Währenddessen die die vatikanische Politik steuernden Jesuiten ihr äußerstes gaben, um das „Schlimmste“, was je über dem Heiligen Stuhle schwebte, zu verhindern: ein internationales, den Gang zu den Waffen ausschließendes Abkommen.

 

Was würde aus dem Rufe des Vatikans, seiner politischen Bedeutung und sämtlichen aus ihr herrührenden Vermögens- und anderen Vorteilen, würde er sich infolge eines derartigen Abkommens nicht mehr verschwören können, seinen Einfluss geltend machen, sein Zusammenwirken mit den Regierungen wegflunkern, manche begünstigen oder andere einschüchtern, sich Nationen entgegenstellen, zum Eigennutz Konflikte schaffen, und könnte er nicht mehr seinen maßlosen Bestrebungen dienende Soldaten finden?

 

*Niemandem – und insbesondere nicht den Jesuiten – bleibt es verborgen, dass eine allgemeine Abrüstung für die römische Kirche als Weltmacht das Ende wäre. Und das „geistliche“ Oberhaupt höchstselbst ins Wackeln käme.

 

5.9                 ANMERKUNG DES HERAUSGEBERS:

Edmond Paris war in dem Nachteile, dass er von der in Erfüllung der biblischen Profetie durch die „Hure Babylon“ bereits eingeleiteten Wende nichts wusste. Die Hure ist auf alle Eventualitäten vorbereitet.

Die Jesuiten berechneten den Dritten Weltkrieg, entschieden, dass die USA verlören, und der Vatikan stets mit dem Sieger ginge. Die Hure widmet seit dem ihre Unterstützung Moskau und beschaffte sogar aus Polen einen kommunistischen Papst. Im Geheimen arbeitet sie an einem Konkordat mit Russland, forciert weltweit eine marxistische Lehre und die Jesuiten stehen gegenwärtig hinter der Abrüstungsbewegung zur Unterwerfung der USA.

Moskau soll dem Vatikan als die Kraft zur Eroberung von Nationen dienen, wo der römische Katholizismus die einzige international tolerierte Religion wäre. Russland soll in Erfüllung der biblischen Profetien (Hesekiel 38 & 39) dazu gedrängt werden, Israel anzugreifen und der Antichrist im Vatikan seinem Schicksal bei der Wiederkunft Christi entgegensehen.

 

Weshalb wir erwarten können, dass die Söhne Loyolas sich dem Friedenswillen der Nationen und Regierungen mit ihrem ganzen Arsenal an Kunstgriffen entgegenstellen. Um das Gebäude mit seinen vorläufigen Fundamenten zu zerstören, werden sie ihre Minen und Gegenminen nicht zurückhalten. Es ist ein Krieg ohne Erbarmen, ein heiliger Krieg, eingeläutet durch die Wahnsinnsrede Kardinal Ottavianis. Und führen wird ihn die Societas Iesu mit der blinden Hartnäckigkeit des Insekts – „ad maiorem Papæ gloriam(„zur höheren Ehre d. Papstes“) – ohne jede Sorge ob der resultierenden Katastrophen. Und müsse die Welt auch vergehen – so aber noch vor dem Primat (Vorrang) des römischen Bischofs!