E-Book: DIE VERBORGENE GESCHICHTE
DER JESUITEN von Edmund Paris
Gott und Christus Loyalität zeigen oder Kadavergehorsam
Menschen gegenüber?
B-Divers/Edmond Paris/Jesuiten/V.Teil.htm V:20.10.11
V.
Teil: Der Teufelskreis
Inhaltsverzeichnis
des Kapitels
5.1 Kapitel 1: Der Erste Weltkrieg
5.2 Kapitel 2: Vorbereitungen auf den Zweiten Weltkrieg
5.1.11 Die
Kirche fordert die Kollaboration des besetzten Belgien mit den Deutschen
5.1.13 Jesuiten
bereiten den Einmarsch der deutschen Truppen am 11. März 1938 in Österreich
vor!
5.4 Kapitel 4: Die Jesuitenbewegung in Frankreich vor und
während des Zweiten Weltkrieges
5.1.21 Am
14. Juni 1940 wehte erstmals die Hackenkreuzfahne siegreich über Paris
5.5 Kapitel 5: Die Gestapo und die Gesellschaft Jesu
5.6 Kapitel 6: Die Todeslager und der antisemitische
Kreuzzug
5.7 Kapitel 7: Die Jesuiten und das Collegium Russicun
5.8 Kapitel 8: Papst Johannes XXIII. lässt die Maske fallen
5.1.31 Die
weitverbreitete und unausrottbare Illusion, dass von den Päpsten her frieden
ausgehe!
5.1.32 Kardial
Ottavianis Ansprache bezeichnete die russische Führung als Antichristen
5.1.33 Hitlers
Aufstieg entsprang der Hoffnung die Orthodoxe Kirche durch Gewalt mit Rom zu
vereinen
5.9 ANMERKUNG DES
HERAUSGEBERS:
Der im Vatikan durch den
französisch-russischen Zweiverband erzeugten und in der Dreyfußaffäre derart
sichtbaren Wut, dem Ärger, den das französisch-italienische Zusammengehen
heraufbeschwor und von dem der Loubet-Zwischenfall klar Zeugnis abgab, wurde
ein durch die Entente Cordiale mit England (durch die seit 1904 bestehenden
bündnisähnl. Beziehungen zwischen Großbritannien u. Frankreich zum Zwecke
militär. Absprachen f. d. Fall eines Krieges gegen d. Dt.Reich; ERKL.: „Herzl.
Einvernehmen m. England“) verursachter bitterer Groll noch hinzugefügt. Frankreich
war fest entschlossen, seinem „schwierigen Nachbarn“ sowie Österreich-Ungarn
gegenüber nicht alleine da zu stehen. Die Monsignore Cristiani zufolge derart
„blinde und unüberlegte“ Politik (Politik Frankreichs) wurde vom
katholischen Allerheiligsten für äußerst ungünstig befunden. Denn besagte Politik
war neben
der Gefährdung der „völligen Ausblutung“, die Frankreich bräuchte, eine
unbezahlbare Unterstützung des schismatischen Russlands, dieses verlorenen
Schafes, für dessen Rückkehr in die römischkatholische Gemeinde man die
Hoffnung nie aufgegeben hatte, auch wenn ihre Vollendung einen Krieg bedeuten
dürfte.
Die orthodoxe Kirche aber
blieb auf dem Balkan vorerst fest im Sattel, vor allem in Serbien, das der den
Balkankonflikt (die zwei Balkankriege von 1912-13 zwischen d. „christlichen“
Balkanstaaten u. d. Türkei, die dabei bis auf einen kleinen Teil von Thrakien
ihre europäischen Besitzungen verlor,) beendende Vertrag von Bukarest (Bukarester
Friedensschluss vom 10.8.1913, der den Zweiten Balkankrieg beendete,) zu einem
Anziehungspunkt der Südslawen machte, und insbesondere jener unter dem Joche
Österreichs. Die ehrgeizigen Pläne des Vatikans und der apostolische
Imperialismus (vom Papst beauftragte Großmachtsdrang) der
Habsburger befanden sich wie bisher in völligem Einklang. Für Rom und Wien
etikettierte die wachsende Stärke Serbiens dieses als den zu besiegenden Feind.
In der Tat begründet dies ein
in den österreichisch-ungarischen Archiven gefundenes diplomatisches Dokument;
es unterrichtet den österreichischen Minister Berchtold (ERKL.: Leopold
Graf Berchtold, *1863, †1942) über die Gespräche, die Fürst
Schönburg (ERKL.: Alois Fürst Schönburg-Hartenstein;
dt.-österr. General u. Politiker, *1858, †1944) im
Oktober-November 1913 im Vatikan führte:
„Bei den in der vergangenen
Woche zunächst mit dem Kardinalstaatssekretär (höchsten Geistlichen d. Vatikans
nach d. Papst sowie ersten offiziellen polit. u. allgemeinkirchl. Berater d.
Papstes,) (Merry del Val) besprochenen Themen wurde, wie zu erwarten war,
die Serbienfrage angeschnitten. Als erstes brachte der Kardinal seine Freude
über unsere feste und opportune (d. jeweiligen Situation angepasste) Haltung der
letzten Monate zum Ausdruck. Während der Audienz, die ich an jenem Tage bei
Seiner Heiligkeit, dem Heiligen Vater, hatte, der das Gespräch mit der
Erwähnung unserer in Belgrad unternommenen energischen Schritte begann, machte
er einige charakteristische Bemerkungen: »Besser wäre freilich gewesen“, sagte
Seine Heiligkeit, „hätte Österreich-Ungarn die Serben bestraft, für all die
Untaten, die sie begangen haben.«“
(1) Politisches Archiv (P.A.), XI,
291.
Und so wurden
bereits 1913 die militanten Gefühle Pius’ X. klar zum Ausdruck gebracht. Daran
ist, ziehen wir die Inspiratoren der römischen Politik in Betracht, nichts
Überraschendes.
„Was blieb den Habsburgern zu
tun? Serbien – eine orthodoxe Nation – zu züchtigen. Das Ansehen
Österreich-Ungarns, dieser Habsburger, die mit Spaniens Burbonen der Jesuiten
letzte Unterstützer waren, und insbesondere das Ansehen des Thronfolgers Franz
Ferdinand (ERKL.: *1863, †1914), ihres Verbündeten, würde stark
gehoben. Für Rom erlangte die Angelegenheit fast religiöse Bedeutung; ein Sieg
der apostolischen (vom Papst beauftragten) Monarchie über den Zarismus
könnte als Sieg Roms über das östliche Schisma gesehen werden.“
(2) und (3) Pierre Dominique, op.cit., S.245, 246, 250.
Allerdings zog sich die
Angelegenheit durch das ganze Jahr 1913. Doch am 28.Juni 1914 wurde in Sarajewo
Erzherzog Franz Ferdinand ermordet. Die serbische Regierung hatte mit diesem
von einem mazedonischen Studenten begangenen Verbrechen nichts zu tun, doch war
es für Kaiser Franz Joseph (ERKL.: Franz Joseph I.; Kaiser von
Österreich u. König von Ungarn, *1830, †1916) ein
hervorragender Grund, mit Feindseligkeiten zu beginnen.
„Graf Sforza (ERKL.: Carlo
[Karl] Graf Sforza; *1872, †1952) behauptet, das vorrangige Problem sei
gewesen, Franz Joseph von der Notwendigkeit eines Krieges zu überzeugen. Der
Rat des Papstes und seines Sekretärs seien das gewesen, was ihn am besten hätte
beeinflussen können.“
(2) und (3) Pierre Dominique, op.cit., S.245, 246, 250.
Selbstverständlich erging
besagter Rat an den Kaiser und dergestalt wie er von diesem Papste und seinem
Sekretär, „dem Lieblingsschüler der Jesuiten“, zu erwarten war. Während Serbien
versuchte, durch Eingehen auf sämtliche Wünsche der österreichischen Regierung,
die Belgrad eine Drohnote (förml. schriftl.
Mitteilung einer Drohung) zugesandt hatte, einzugehen, übergab der österreichische
Vertreter beim Vatikan, Graf Pálffy, seinem Minister Berchtold am 29.Juli eine
Zusammenfassung der Gespräche, die er am 27. Mit Kardinalstaatssekretär Merry
del Val hatte; Thema besagter Unterredung seien „die großen Fragen und
Probleme, die Europa heute beschäftigen“, gewesen.
Höhnisch weist der Diplomat die „menschliche
Phantasie“ hinsichtlich der angeblichen Intervention des Papstes zurück, der
sich doch „mit der Bitte an Seine k.u.k. Apostolische (vom Papst
beauftragte) Majestät gewendet hätte, den christlichen Völkern die
Schrecknisse eines Krieges zu ersparen“. Die besagten „gedankenlosen“
Vermutungen
abgehandelt habend, legt er somit die „wahre Denkart der Kurie“ dar, wie sie
ihm der Staatssekretär vermittelt hatte:
„Von einer besonderen Milde
oder Versöhnlichkeit war aber in den Bemerkungen Seiner Eminenz (Papst Pius des
X.) Nichts zu fühlen. Die an Serbien gerichtete Note, die er als
äußerst scharf bezeichnete, billigte er trotzdem rückhaltlos und gab
gleichzeitig indirekt der Hoffnung Ausdruck, dass die Monarchie durchhalten
werde. Freilich meinte der Kardinal, sei es schade, dass Serbien nicht schon
viel früher »klein gemacht « worden sei, denn damals wäre dies vielleicht ohne
einen so großen Einsatz an unübersehbaren Möglichkeiten durchführbar gewesen,
wie heute. Diese Äußerung entspricht auch der Denkungsart des Papstes, denn im
Verlauf der letzten Jahre hat Seine Heiligkeit mehrmals das Bedauern geäußert,
dass Oesterreich-Ungarn es unterlassen habe, seinen gefährlichen Nachbar an der
Donau zu »züchtigen«.“
(4) „Veröffentlichungen der
Kommission für Neuere Geschichte Österreichs“, 26, Wien-Leipzig, 1930, S.893,
894.
Zugegebenermaßen ist dies das
genaue Gegenteil zu „der menschlichen Phantasie“ hinsichtlich
einer päpstlichen Intervention zugunsten des Friedens.
Dabei ist der österreichische
Diplomat auch nicht der einzige, der Bericht erstattet, über die „wahre
Denkart“ des Römischen Bischofs (d. Papstes) und seines
Sekretärs.
Tags zuvor, am 26.Juli (ERKL.: FALSCH;
RICHTIG: Drei Tage zuvor, am 24.7. [1914]!), hatte der bayrische
Vatikangesandte Baron Ritter an seine Regierung geschrieben (ERKL.:
telegraf.):
„Papst billigt scharfes
Vorgehen Österreichs gegen Serbien und schätzt im Kriegsfalle mit Deutschland
russische und französische Armee nicht hoch ein. Karsek (ERKL.: Abk. f.
„Kardinalstaatssekretär“) hofft ebenfalls, dass Österreich diesmal durchhält, und
wüsste nicht, wann es sonst noch Krieg führen sollte, wenn es nicht einmal
ausländische Agitation, die zum Morde des Thronfolgers geführt hat und außerdem
bei der jetzigen Konstellation Österreichs Existenz gefährdet, entschlossen
ist, mit Waffen zurückzuweisen.“
(5) Diese Mitteilung findet sich
in „Bayerische Dokumente zum Kriegsausbruch“, Band 3, S.205.
Der Heilige Stuhl war sich
demnach der „unübersehbaren Möglichkeiten“ vollends bewusst, die eine
österreichisch-serbische Auseinandersetzung in sich barg, tat aber dennoch, um
letztere zu begünstigen, alles in seiner Macht Stehende.
Das den „christlichen
Völkern“ drohende Leid kümmerte weder den Heiligen Vater noch seine
jesuitischen Ratgeber! Es war nicht das erste Mal, dass diese Nationen für die
Zwecke der römischen Politik herhalten mussten. Endlich war sie gekommen, die
herbeigesehnte Gelegenheit für den Einsatz des deutschen weltlichen Armes gegen
das orthodoxe Russland, das „gottlose“ Frankreich, das eine „völlige
Ausblutung“ brauchte, und, als Zugabe, gegen das „ketzerische“ England. Alles
schien einen „lebhaften und freudigen“ Krieg zu versprechen.
Dessen Entwicklung und
Ergebnis, beide im Widerspruch zum Vorhergesagten Pius X., erlebte letzterer
nicht. Er starb zu Kriegsbeginn, am 20.August 1914. Vierzig Jahre später aber
wurde der ehrwürdige Papst durch Pius XII. kanonisiert (heilig
gesprochen), und der für den Kirchenkatechismus (kath.
Katechismus) verwendete „Précis d’Histoire sainte“ (Grundriss der
Heiligengeschichte) (ERKL.: verfasst u. herausgegeben von den Maristen; Lyon,
1909) widmete ihm diese erhebenden Worte:
„Pius X. tat alles, um den
Beginn des Krieges von 1914 zu verhindern und starb voller Schmerz angesichts
des Leides, das dieser Krieg bringen würde.“
War dies Satire, so hätte sie
in besserer Weise nicht formuliert werden können!
Wenige Jahre vor 1914 sagte
Yves Guyot (ERKL.: frz. Schriftsteller, *1843, †1928), ein wahrer
Prophet: „Wenn jemals der Krieg ausbricht – hört es wohl, ihr Frauen, die
ihr beichten geht, ihr Männer, die ihr die Kirche als eine Bürgschaft für
Ordnung und Frieden betrachtet, und ihr Einfältigen, die ihr glaubt, der
Weihwedel könne Brände verhüten und auslöschen – wenn je der Krieg ausbricht, so
suchet die Verantwortlichkeit nirgends anders als im Vatikan: er wird dafür
verantwortlich sein, wie er auch verantwortlich ist für den Krieg von 1870!“
(6) Yves Guyot: „Bilan social et politique de l’Église“, S.139. IN DEUTSCH: Yves
Guyot: „Soziale und politische Bilanz der römischen Kirche“, S.76.
Der Vatikan, Initiator des
Abschlachtens, beabsichtigte diesmal nicht weniger hinterhältig seine
österreichisch-deutschen Verfechter den ganzen Krieg hindurch zu unterstützen.
Die Truppen, die der deutsche Kaiser sich brüstete, nach Frankreich schicken zu
wollen, brachte man an der Marne zum Stehen und schlug den Aggressor nach jedem
seiner heftigen Angriffe in die Defensive zurück. Die päpstliche Diplomatie
aber ließ dem Kaiser letztlich alle erdenkliche Hilfe zukommen, was nicht
überrascht, bedenkt man, dass die göttliche Vorsehung das Begünstigen der
Mittelmächte (Deutschlands, Österreichs u. ihrer Verbündeten i.1.Weltkrieg; ERKL.: i. d. Mitte zwischen den Alliierten liegend) zu lieben
schien.
In der Tat war der als
pro-französisch geltende – und aus diesem Grunde auf ein Veto Österreichs hin
vom päpstlichen Throne ausgeschlossene – Kardinal Rampolla nicht mehr unter
jenen, die hätten Papst werden können, da er wenige Monate vor Pius X.
gestorben war, ein, wie es scheint, sehr gelegener Tod. Doch dies soll nicht
das Eingreifen „Gottes“ in seiner Gesamtheit gewesen sein: Wie er es
versprochen hatte, ernannte der neue Papst Benedikt der XV. (ERKL.: *1854,
†1922) noch vor Stattfinden der Abstimmung Kardinal Ferrata (ERKL.: Domenico
Ferrata, *1847, †1914) zum Staatssekretär.
Doch hatte der Kardinal (7)
gar nicht erst die Zeit, seinen neuen Posten richtig anzutreten. Er war gegen
Ende September 1914 gerade erst in das Sekretariat eingezogen, als ER am
20.Oktober nach der Einnahme eines „IMBISSES“ einem furchtbaren Unwohlsein zum
Opfer fiel und PLÖTZLICH STARB.
(7) Er war den
Jesuiten nicht freundlich gesinnt.
„Er saß gerade an seinem
Schreibtische, als ihm unvermittelt speiübel wurde. Wie vom Blitz getroffen
stürzte er zu Boden. Die Bediensteten eilten ihm zu helfen. Der unverzüglich
herbeigerufene Arzt erfasste sofort den Ernst der Lage und bat um rasche
Rücksprache. Was Ferrata betraf, so hatte er bereits verstanden und wusste,
dass es keine Hoffnung gab. … Er ersuchte inständig, dass man jenen zum Sterben
nicht im Vatikan beließe. … Ohne Verzug kam es zu der ärztlichen Rücksprache
mit sechs Medizinern in seinem Hotel. … Ein ärztliches Bulletin (ärztl. Schreiben
in Form eines Berichts über d. Zustand des Kranken f. d. Facharzt; ERKL.: Krankenbericht über eine Person d. öffentl. Lebens) anzufertigen,
lehnten sie ab; ein solches erschien dann doch, aber ohne Unterschriften.“ (8)
Wonach er zuletzt an keinerlei Krankheit oder Gebrechlichkeit gelitten habe.
(8) und (9) Abt Daniel: „Le
baptême de sang“, („Die Bluttaufe“, Éd. de l’Idée Libre, Herblay, 1935,
S.28-30).
„Das Aufsehen, das dieser Tod
erregte, war derart, dass sich eine Untersuchung seiner Ursache nicht vermeiden
ließ. Deren Ergebnis: in dem Büro sei ein Glas zu Bruch gegangen. Dieserart
erklärte man ganz einfach das Vorhandensein zerstoßenen Glases in der vom
Kardinal verwendeten Zuckerdose. Wozu Kristallzucker so nütze ist! Damit wurde
die Untersuchung beendet. … “
(8) und (9) Abt Daniel: „Le
baptême de sang“, („Die Bluttaufe“, Éd. de l’Idée Libre, Herblay, 1935,
S.28-30).
Abt Daniel fügt hinzu, dass
wenige Tage später die plötzliche Abreise des Dieners des verstorbenen
Kardinals nicht wenige Bemerkungen nach sich gezogen haben soll, v.a. da er
offenbar, bevor sein Herr die Weihe (Priesterwürde) empfangen
habe, der Diener von Monsignore von Gerlach gewesen sei. Dieser deutsche Prälat
und berüchtigte Spion soll 1916 aus Rom geflohen sein: er sei im Begriff
gewesen, verhaftet und angeklagt zu werden wegen Sabotage des italienischen
Schlachtschiffes „Leonardo da Vinci“, das zusammen mit 21 Offizieren und 221
Matrosen im Golf von Tarent explodiert sei. „1919 kam es zur Wiederaufnahme
seines Verfahrens. Von Gerlach erschien nicht und wurde zu zwanzig Jahren
harter Arbeit verurteilt.“
(10), (11) und (13) Abt
Brugerette, op.cit., III, S.553, 528, 529.
Durch das Beispiel dieses
„Ehrenkämmerers“ (päpstl. Finanzbeamten; ERKL.: Geheimkämmerers) und
Herausgebers des „Osservatore Romano“ bekommen wir eine klare Vorstellung von
der Geisteshaltung in den höheren Sphären des Vatikans.
Es ist wieder Abt Brugerette,
der das „Gefolge des Heiligen Stuhls“ beschreibt: „Professoren oder Geistliche,
es gibt keinerlei Hindernis, das sie abhält von ihrem Bestreben, dem
italienischen Klerus und der katholischen Welt in Rom Respekt und Bewunderung
für die deutsch-österreichische Armee, Hass und Verachtung für Frankreich
einzuschärfen.“.
(10), (11) und (13) Abt
Brugerette, op.cit., III, S.553, 528, 529.
Ferrata, der für Neutralität
war, war zur rechten Zeit gestorben und Staatssekretär wurde Kardinal Gasparri (ERKL.: Pietro
Gasparri, *1852, †1934); in völliger Übereinstimmung mit Benedikt XV. tat dieser
sein Bestes, den Interessen der Mittelmächte zu dienen.
„In Anbetracht all dessen ist
es nicht mehr überraschend, dass Papst Benedikt XV. in den nächsten Monaten
hart daran arbeitete, Italien auf dem Interventionskurs zu halten, der den mit
den Habsburgern befreundeten Jesuiten den größten Dienst erweisen würde. … “
(12) Pierre Dominique, op.cit.,
S.252.
Gleichzeitig wurde der
Kampfgeist der Alliierten auf raffinierte Weise untergraben.
„Am 10.Januar 1915 ordnete ein
von Kardinal Gasparri, dem Staatssekretär Benedikts XV., unterschriebenes
Dekret an, zur Beschleunigung des Friedens einen Gebetstag abzuhalten. … Eine
der Frömmigkeits-Pflichtübungen war das Rezitieren eines von Benedikt XV.
höchstselbst verfassten Gedichts. … Die französische Regierung gab Order, das
päpstliche Dokument einzuziehen. Zu einer Zeit, wo die deutschen Horden soeben
den unaufhaltsamen Druck spürten, der unser Land von ihnen befreien würde, und
wo sich dem Kaiser die furchtbare Strafe ankündigte, die seine unentschuldbaren
Verbrechen verdienten, sah man in diesem Friedensgebet eine aufweichende und
zersetzende Bekundung, dazu geeignet, unsere Armeen zu entmotivieren. … Der
Papst, so sagte man, habe Frieden um jeden Preis gewollt, der zu jener Zeit nur
zugunsten der Mittelmächte habe sein können. Der Papst könne Frankreich nicht
ab; er sei »deutsch«.“
(10), (11) und (13) Abt
Brugerette, op.cit., III, S.553, 528, 529.
Charles Ledré, ein anderer
katholischer Autor, bestätigt: „Bei zwei in einigen wohlbekannten Artikeln der
»La Revue de Paris« erwähnten Gelegenheiten forderte der Heilige Stuhl Italien
und später die Vereinigten Staaten auf, sich aus dem Kriege herauszuhalten und
zeigte dieserart, dass er nicht allein ein rascheres Ende des Konfliktes
wünschte. … Abt Brugerette zufolge habe dies den Interessen unserer Feinde
gedient und uns entgegengearbeitet.“
(14) Charles Ledré, op.cit., S.154.
Das Wirken aber der Jesuiten,
und somit des Vatikans, war nicht nur in Italien und den Vereinigten Staaten zu
spüren. Recht ist ihnen jegliches Mittel, jeder Ort.
„Verwunderlich ist es also
nicht, zu sehen, wie die päpstliche Diplomatie von Beginn an eifrig unsere
Lebensmittelversorgung behindert; die Neutralen davon abbringt, sich an unsere
Seite zu stellen, um die die »Entente« (Mittelmächtegegner) zusammenhaltenden
Bande zu zerstören. … Nichts wurde als zu unbedeutend angesehen, konnte es der
großen Aufgabe zunutze sein und durch Hervorrufen so mancher Schwäche unter den
Alliierten den Frieden herbeibringen.
Es kam schlimmeres: das
Drängen nach einem Separatfrieden (nur einseit. m. nur einem d. Gegner
abgeschlossenen Frieden). Zwischen dem 2. und 10. Januar 1916 begaben sich einige
deutsche Katholiken nach Belgien, um, wie sie sagten, im Namen des Papstes
einen Separatfrieden zu propagieren. Die belgischen Bischöfe beschuldigten jene
der Lüge, Nuntius und Papst indes hüllten sich in Schweigen. …
Der Heilige Stuhl gedachte
damals, Frankreich und Österreich zusammenzubringen in der Hoffnung, Frankreich
unterschreibt einen Separatfrieden, oder zu fordern, es solle mit seinen
Verbündeten einen allgemeinen Frieden aushandeln. … Wenige Wochen später, am
31.März 1917, übergab Prinz Sixtus von Burbon (ERKL.:
Sixtus Prinz v.Burbon-Parma; belg. Offizier, *1886, †1934) den berühmten
Brief Kaiser Karls (ERKL.: Karl I., Kaiser von Österreich u. König von Ungarn,
*1881, †1922) dem Präsidenten der Republik.
Da diesseits der Alpen das
Manöver fehlgeschlagen war, musste der Versuch unbedingt an anderer Stelle
wiederholt werden, in England, in Amerika und vor allem in Italien. …
Aufbrechen der weltlichen
Kräfte der »Entente«, um ihre Offensiven zu stoppen, Zunichtemachen ihres
moralischen Ansehens mit dem Ziel, ihr den Mut zu nehmen und Bedingungen
aufzuzwingen. … Diese zwei bilden die Politik Benedikts XV. und sämtliche
Anstrengungen seiner Unparteilichkeit zielten und zielen weiter darauf ab, uns
lahm zu legen.“
(15) Louis Canet: „Die Politik
Benedikts XV.“ (Revue de Paris, 15.Oktober und 1.November 1918).
Soweit die Aussage des
bekannten Katholiken Louis Canet; hören wir Abt Brugerette:
„Wir erfuhren vier Jahre
später nur, über Erzbergers (ERKL.: Matthias Erzberger; Politiker, *1875, †1921) in der
»Germania « vom 22.April 1921 erschienene Erklärungen, dass dem vom Papst im
August 1917 bekannt gegebenen Friedensangebot ein »Geheimabkommen« zwischen dem
Heiligen Stuhl und Deutschland vorausging.“
(16) Abt Brugerette, op.cit., III,
S.543.
Interessant auch, dass der
Kirchendiplomat, der besagtes „Geheimabkommen“ aushandelte, der Nuntius in
München, Monsignore Pacelli, späterer Papst Pius XII., war.
Einer seiner Apologeten (Verteidiger), PJ
Fernesole (Jesuitenpater Fernesole; ERKL.: Pater der Jesuiten; Pierre
Fernesole), schrieb: „Am 28.Mai (1917) legte Monsignore Pacelli dem
bayrischen König seine Ernennungsurkunden vor. … Er gab sich große Mühe,
Wilhelm den II. und Kanzler Bethmann Hollweg (ERKL.: Theobald v. Bethmann
Hollweg, *1856, †1921) für eine Zusammenarbeit zu gewinnen. Am 29.Juni wurde
Monsignore Pacelli von Kaiser Wilhelm II. feierlich im Kreuznacher
Hauptquartier empfangen.“
(17) Hw.P.SJ Fernesole: „Pro Pontifice“ („Für d. Pontifex“),
Imprimatur 26.Juni 1947 (Beauchesne, Paris, 1947, S.15).
Und somit begann der künftige
Papst seine zwölf Jahre als Nuntius in München, später Berlin, in dem Willen,
seinen Kurs fortzusetzen, denn während jener Jahre mehrte er die Intrigen zum
Sturze der nach dem Ersten Weltkrieg gegründeten Deutschen Republik (gegründeten u.
nach d. ersten Tagungsort d. Nationalversammlung benannten Weimarer Republik) und zur
Vorbereitung der Revanche von 1939 durch die Inthronisierung Hitlers.
Als aber die Alliierten im
Juli 1919 den Versailler Vertrag (d. Friedensvertrag zwischen d. Dt.Reich
u. d. Ententemächten) unterzeichneten, war ihnen die vom Vatikan in diesem
Kriege gespielte Rolle derart bewusst, dass sie letztere sorgsam vom
Konferenztisch fernhielten. Was noch mehr überrascht, ist, dass es der katholischste
Staat, also Italien, war, der auf deren Ausklammerung bestand.
„Durch den Artikel XV des
Londoner Paktes (d. Londoner Vertrages vom 26.April 1915, i. dem d.
Ententemächte Großbritannien, Russland u. Frankreich Italien f. d. Fall seines
Kriegseintritts an d. Seite Großbritanniens u. Frankreichs Gebietserweiterungen
auf Kosten Österreich-Ungarns zusicherten), der die Teilnahme Italiens
am Kriege regelte, hatte Baron Sonnino (ERKL.: Giorgio Sydney Baron Sonnino;
ital. Politiker, *1847, †1922) bei den anderen Alliierten
durchgesetzt, dass sie jede Mitwirkung des Heiligen Stuhles auf der
Friedenskonferenz ablehnen sollten.“
Eine kluge Maßnahme, aber
unzureichend.
Statt die Sanktionen gegen den
Heiligen Stuhl, der diese für das Hervorrufen des Ersten Weltkrieges verdient
hatte, zur Anwendung zu bringen, unternahmen die Sieger zur Vorbeugung weiterer
Intrigen der Jesuiten und des Vatikans nichts; diese führten schließlich 20
Jahre später in eine noch schlimmere Katastrophe, die vielleicht schlimmste,
die die Welt je gesehen hat.
(18) Charles Pichon: „Histoire de Vatican“ (Sefi, Paris, 1946, S.143). IN DEUTSCH:
Charles Pichon: „Geschichte des Vatikans“ (Fredebeul & Koenen, Essen, 1950,
S.108)
Die bitteren Früchte ihrer
verbrecherischen Politik ernteten die Söhne Loyolas 1919. Frankreich hatte sich
der „völligen Ausblutung“ nicht ergeben. Das apostolische (vom Papst
beauftragte) Reich der Habsburger, die von ihnen ermutigt worden waren,
„die Serben zu bestrafen“, war zerfallen und hatte so die orthodoxen Slawen vom
Joche Roms befreit. Russland war, statt in die römische Gemeinde
zurückzukehren, marxistisch, kirchenfeindlich und offiziell atheistisch
geworden. Und das unbesiegbare Deutschland, es versank im Chaos.
Eine Sünde aber zu bekennen,
würde der stolzen Natur der Kompanie nie in den Sinn kommen. Als Benedikt XV.
1922 starb, war sie bereit, auf neuer Basis neu zu beginnen. War sie nicht in
Rom allmächtig? Lesen wir Pierre Dominique: „Der neue Papst Pius XI. (ERKL.: *1857,
†1939), der, wie einige sagen, Jesuit sei, versucht, die Dinge wieder
ins Lot zu bringen. Er bittet den Jesuitenpater d’Herbigny (ERKL.: Michel
d’Herbigny, *1880, †1957), nach Russland zu gehen, in dem Versuch, alles zu sammeln,
was vom Katholizismus übriggeblieben sei und vor allem zu schauen, was getan
werden könne. Eine vage und große Hoffnung: die verfolgte orthodoxe Welt um den
Pontifex zu sammeln.
In Rom gibt es neununddreißig
kirchliche Hochschulen, deren Gründung die Zeitpunkte großer Gegenangriffe
markiert; die meisten dieser Gegenangriffe waren in ihrer Wirkungsweise und
Ausrichtung jesuitisch: Deutsch-Ungarisches Kolleg (1552), Englisches (1578),
Irisches (1628, wiedergegründet 1826), Schottisches (1600), Nordamerikanisches
(1859), Kanadisches (1888), Äthiopisches (1919, wiedereingerichtet 1930).
Pius XI. begründet das
Russische Kolleg (Ponteficio Collegio Russo dedicato a S.Teresa del Bambino
Gesù) (Päpstliches Russ. Kolleg z. Hl.Theresia vom Jesuskind) und gibt es
unter die Obhut der Jesuiten. Diese betreuen außerdem noch das Orientalische
Institut, das Johannes-Damascenus-Institut, das Polnische und später das Litauische
Kolleg. Sind dies Erinnerungen an Pater Possevin, Iwan den Schrecklichen und
den falschen Dimitri? Das zweite der drei großen Ziele aus der Zeit des
Ignatius rückt vor auf Platz eins. Einmal mehr sind die inspirierenden Agenten
und Darsteller jenes großen Unternehmens die Jesuiten.“
(19) und (20) Pierre Dominique, op.cit., S.253, 254.
In ihrer gerade erlittenen
Niederlage wird für die Söhne Loyolas der Ansatz eines Hoffnungsschimmers
erkennbar. Hatte nicht die Russische Revolution durch die Beseitigung des
Zaren, des Beschützers der orthodoxen Kirche, dem großen Rivalen den Kopf
abgehauen und der römischen Kirche geholfen, einzudringen? Man soll das Eisen
schmieden solange es heiß ist! Das berühmte „Russicum“ (Russ. Kolleg) wird
gegründet und die frohe Botschaft von seinen heimlichen Missionaren in dieses
schismatische Land gebracht. (19a) Ein Jahrhundert nach ihrer Ausweisung durch
Zar Alexander den Ersten (ERKL.: *1777, †1825) werden sich die Jesuiten erneut an
die Eroberung der slawischen Welt machen. Ihr General war seit 1915 Halke von
Ledochowski (ERKL.: Wladimir [Halke v.] Ledochowski, *1868, †1942).
(19a) Siehe auch Frédéric Hoffets „L’Équivoque catholique et le nouveau
cléricalisme“ („Die kath. Zweideutigkeit und d. neue
Klerikalismus“), Fischbacher, Paris.
Und wieder Pierre Dominique:
„Mancher mag sagen, ich sehe überall Jesuiten! Aber ich fühle mich gedrungen,
ihre Anwesenheit und Aktivitäten zu betonen; zu sagen, dass sie hinter der
Monarchie Alfons des XIII. (ERKL.: König von Spanien, *1886, †1941) standen,
dessen Beichtvater Pater López war; dass, als die spanische Monarchie beendet
und ihre Klöster und Kollegien niedergebrannt wurden, sie wiederum hinter
Gil-Robles (ERKL.: José María Gil (-) Robles Qiñones; span. Politiker, *1898,
†1980) zu finden waren, später, als es zum Bürgerkrieg kam, hinter
Franco. In Portugal unterstützen sie Salazar (ERKL.: António Oliveira Salazar;
Politiker, *1889, †1976, mittlerweile muss es lauten: „… unterstützten sie …“; die
amerikanische, dieser Übersetzung zugrunde liegende Ausgabe von „Die verborgene
Geschichte der Jesuiten“ ist m. 1975 datiert!). In
Österreich und Ungarn Kaiser Karl, der dreimal abgesetzt wurde (Welche Rolle
haben sie gespielt bei jenen Versuchen, die ungarische Krone wiederzuerlangen?
Wer weiß!); ohne groß zu wissen für wen oder was – man hielt den Platz warm.
Monsignore Seipel, (ERKL.: Ignaz Seipel, *1876, †1932) Dollfuß (ERKL.: Engelbert
Dollfuß; österr. Politiker, *1892, †1934) und Schussnigg (ERKL.: Kurt (v.)
Schuschnigg, auch Schussnigg; österr. Politiker, *1897, †1977) kommen aus
ihren Reihen. Eine Zeitlang träumt man von einem Großdeutschland mit
katholischer Mehrheit, zu dem notwendigerweise auch die Österreicher gehören
würden: eine moderne Version der alten Allianz des 16.Jahrhunderts zwischen den
Wittelsbachern und Habsburgen. In Italien unterstützen sie zunächst Don Sturzo (ERKL.: Luigi Sturzo; kath. Theologe u. ital. Politiker,
*1871, †1959), den Gründer der Volkspartei (der 1926
aufgelösten, ein klassenübergreifendes Reformprogramm auf d. Basis d. kath.
Soziallehre vertretenden Ital.Volkspartei [Partito Popolare Italiano]), dann
Mussolini. … Der Jesuitenpater Tacchi Venturi (ERKL.: Pietro Tacchi Venturi,
*1861, †1956), Generalsekretär (oberster Geschäftsführer) der Kompanie,
fungierte als Mittelsmann zwischen Pius XI., dessen Beichtväter die Patres
Alissiardi und Celebrano (Jesuiten) sind, und Mussolini.
Im Februar 1929, um die Zeit
des Lateranvertrages (Abschlusses d. dreiteil. Übereinkunft der nach ihrem
Abschlussort, dem ehem. röm. Papstpalast Lateran, benannten Lateranverträge zum
Zwecke d. Lösung d. Konflikts zwischen Kurie u. ital. Regierung), wird
Mussolini vom Papst als »der Mann, den uns die Vorsehung hat treffen lassen«,
bezeichnet. Rom verurteilt, was gemeinhin der „Überfall auf Äthiopien“ genannt
wird nicht und Mussolinis aufrichtiger Freund ist der Vatikan auch 1940 noch.
In ihm haben die Jesuiten
ihren geheimen Aufenthaltsort. Von dort aus inspizieren sie die allumfassende
Kirche mit dem kalten und berechnenden Auge des Politikers.“
(19) und (20) Pierre Dominique, op.cit., S.253, 254.
Das ist die perfekte
Zusammenfassung der Jesuitentätigkeit zwischen den zwei Weltkriegen. Der
„geheime Aufenthaltsort“ der Söhne Loyolas ist das politische Gehirn des
Vatikans. Die Beichtväter Pius’ XI. sind Jesuiten; jene seines Nachfolgers,
Pius des XII., werden ebenfalls Jesuiten sein und in
nicht geringem Maße Deutsche. Egal ob so die Verschwörung offensichtlich wird:
alles ist, wie es scheint, bereit zur Revanche.
Unter dem Pontifikat Pius’ XI.
aber läuft die Fase der Vorbereitung. Noch liegt das Schwert des besiegt
wordenen deutschen „weltlichen Arms“ am Boden. Darauf wartend, es wieder
aufzunehmen, wird in Europa der seiner künftigen Großtaten würdige Boden
bereitet und vor allem das bedrohliche Emporkommen der Demokratie zum
Stillstand gebracht.
Erstes Betätigungsfeld wird
Italien sein. Dort gibt es einen lautstarken Sozialistenführer, der Veteranen
um sich schart. Dieser Mann verkündet eine offensichtlich kompromisslose Lehre,
ist aber soweit ambitioniert und Herr der Lage, sich trotz seiner maßlosen
Großtuerei seiner gefahrvollen Position bewusst zu werden.
In Kürze wird er sich von der
jesuitischen Diplomatie gewinnen lassen.
François Charles-Roux (ERKL.: *1909,
†1999) vom Institut, der damals unser (d.h. französischer) Botschafter
beim Vatikan war, sagt: „Zu der Zeit, als der spätere Duce noch ein einfacher
Abgeordneter war, hatte Staatssekretär Kardinal Gasparri eine geheime
Unterredung mit ihm. … Der Faschistenführer hatte sich unverzüglich damit eins
gemacht, dass der Papst über einen Teil Roms eine weltliche Herrschaft ausüben
solle. …
Mir von jener Unterredung
berichtend, folgerte Kardinal Gasparri: »Mit dieser Zusage war mir klar - käme
dieser Mann an die Macht, so wäre der Erfolg unser.«
Von dem Bericht über die
Verhandlungen zwischen den Geheimagenten Pius’ XI. und Mussolini ganz zu
schweigen. … “
(21) François Charles-Roux: „Huit ans au Vatican“ („Acht Jahre im
Vatikan“), Flammarion, Paris, 1947, S.47 ff.
Besagte Geheimagenten – deren
wichtigster der Jesuitenpater Tacchi Venturi – erfüllten ihre Mission
außerordentlich gut. Dies verwundert nicht, wenn man weiß, dass er der Sekretär
der Societas Iesu und zur gleichen Zeit Mussolinis Beichtvater war. In diese
„Liebedienerei“ des Faschistenführers wurde er letztlich vom General seines
Ordens, Halke von Ledochowski, „hineingeleitet“, wie uns Gaston Gaillard
berichtet.
(22) Gaston Gaillard, S.353, „La Fin du Temps“ ([„Das Ende d. Zeit“,]
Éd. Albert, Paris, 1933).
„Die im Jahre 1921 im Zeichen
des nationalen Blocks gewählte Kammer sollte dann am 16.November (16.November 1922)
mit
dreihundertsechs gegen hundertsechzehn Stimmen Mussolini ihr Vertrauen
aussprechen, und man erlebte bei dieser Sitzung, dass die Fraktion der
katholischen Volkspartei (von Don Sturzo), die sich als christliche Demokratie
ausgab, einstimmig für die erste faschistische Regierung stimmte.“
(23) Pietro Nenni, „Sei anni di Guerra civile in Italia“ (Lecconi
editore, Paris, 1929). IN DEUTSCH: Pietro Nenni, „Todeskampf der Freiheit“ (Dietz,
Berlin, 1930, S.113).
Zehn Jahre später führte das gleiche
Manöver zu einem ähnlichen Ergebnis in Deutschland. Die massive Stimmabgabe der
katholischen Zentrumspartei von Monsignore Kaas (ERKL.: Ludwig
Kaas, *1881, †1952) sorgte für die Sicherstellung der Diktatur des
Nationalsozialismus.
Im Grunde war Italien 1922
Versuchsfeld für die neue Formel des autoritären Konservatismus (autoritären, am
Hergebrachten Festhaltenden, das sich nur ungern auf Neuerungen einlässt): bei Bedarf
mit einem Schuss Pseudsozialismus verfeinerter Faschismus (, nach d.
Führerprinzip organisierter, nationalist., antidemokrat., rechtsradikaler
Regierungsstil) – je nach örtlicher Gegebenheit. Ab sofort richteten sich
sämtliche Anstrengungen der Vatikanjesuiten auf die europaweite Verbreitung
dieser neuen in ihrer Zweideutigkeit jesuitentypischen „Lehre“.
Noch heute sind aus Sicht der
italienischen Christdemokraten weder der Zusammenbruch des Mussoliniregimes,
noch die Niederlage, noch die Ruinen hinreichend genug, den ihrem Lande vom
Vatikan aufgezwungenen größenwahnsinnigen Diktator in Zweifel zu ziehen. Allein
äußerlich verstoßen, bleibt in den Herzen der Geistlichen sein Ansehen
unbeschadet. Folgendes konnte man in der Presse lesen:
„Wir haben uns entschieden: zu
den Olympischen Spielen 1960 nach Rom kommende Besucher werden erleben können,
wie der von Benito Mussolini zu seinen eigenen Ehren errichtete marmorne
Obelisk vom Tiberufer aus das Olympiastadion dominiert. Dieses dreiunddreißig
Meter hohe Denkmal trägt die Inschrift »Mussolini Dux« und wird geschmückt von
– den Faschismus lobpreisenden – Mosaiken. Mehr als einhundertmal wird der Satz
»Hoch lebe der Duce!« wiederholt und ebenfalls mehrere
Male die Losung »Viel Feind, viel Ehr!«. Das Monument hat auf jeder Seite
Marmorblöcke, die der wichtigsten Ereignisse des Faschismus gedenken, von der
Gründung der Zeitschrift »Popolo d’Italia« durch Mussolini bishin zur
Errichtung des kurzlebigen faschistischen Staates und einschließlich des
Krieges in Äthiopien. Als Krönung des Obelisken war ein gigantisches, Mussolini
als fast einhundert Meter hohen nackten Athleten darstellendes Standbild
geplant. Bevor aber dieses merkwürdige Projekt seine Realisierung erfuhr, brach
das Regime zusammen.
Nach einjähriger Kontroverse
hat die Regierung Segni (ERKL.: Regierung Antonio Segnis [*1891, †1972]) soeben
beschlossen, der Duce-Obelisk solle stehen bleiben.“
(24) Italienische Presse, New York Herald Tribune,
Time und Paris-press, 3.November 1959.
Ungeachtet des Krieges, des
Blutes, das in Strömen floss, der Tränen, der Ruinen. Sind es doch nur
Kleinigkeiten, kleine Flecken an dem Monument, errichtet zu Ehren desjenigen,
den Pius XI. als den „Mann, den uns die Vorsehung hat treffen lassen“,
beschreibt.
Kein Irren, Versagen oder
Verbrechen, das dieses vordergründigste Verdienst auszulöschen vermag: die
Tatsache nämlich, dass er die weltliche Macht des Papstes wiederherstellte, den
römischen Katholizismus zur Staatsreligion erklärte und mittels Gesetzen, die
immer noch in Kraft sind, dem Klerus die absolute Macht über das Leben der
Nation verlieh.
Auf dass dies bezeugt würde,
hatte Mussolinis Obelisk im Herzen von Rom Stand zu nehmen, zugunsten der ihn
bewundernd oder ironisch betrachtenden Touristen und in der Hoffnung auf
bessere Zeiten, in denen es schließlich möglich sein würde, ihn zu errichten –
den einhundert Meter hohen „nackten Athleten“ und symbolischen
Vatikanverfechter.
Der Lateranvertrag, mit dem
Mussolini dem Papsttum seine Dankbarkeit zeigte, brachte dem Heiligen Stuhl
außer der Zahlung von 750 Millionen Lire (d.h. € 20.000.000 [ERKL.: i.J.
2006]) auch die weltliche Herrschaft über das Gebiet der
Vatikanstadt. Die Signifikanz dieses Ereignisses erklärt Monsignore Cristiani,
Prälat Seiner Heiligkeit:
„Es steht außer Frage – für
die Etablierung des Papsttums als politische Macht war die Gründung der
Vatikanstadt eine Angelegenheit von vorderster Wichtigkeit.“
(25) Monsignore Cristiani: „Le Vatican politique”, Imprimatur 15.Juli
1956 ([„Der polit. Vatikan”;] Éd. Du Centurion, Paris, 1957, S.136).
Wir sparen uns die Zeit für
den Versuch, dieses eindeutige Bekenntnis mit dem derart oft gehörten Satz „Die
Kirche betätigt sich nicht in der Politik.“ in Einklang zu bringen. Betonen
werden wir die einzigartige Weltstellung eines sowohl säkularen als auch
geistlichen und somit in seinem Wesen doppeldeutigen Staates und die sich aus
dieser Stellung ergebenden Folgen.
Welches sind die schlauen
jesuitischen Kunstgriffe, eingesetzt von dieser Macht, die, um von sämtlichen
durch internationale Gesetze festgelegten Regelungen ausgenommen zu sein, je
nach den Umständen, in ihrer säkularen oder geistlichen Gestalt auftritt?
Bis zum heutigen Tage haben
die Nationen ihrerseits dieser Trickserei die Hand gereicht und ihm so für das
Eindringen in ihre Mitte Tür und Tor geöffnet – dem Trojanischen Pferd des
Klerikalismus (d. Bestrebens d. kath. Kirche, das gesamte öffentl. Leben zu
beeinflussen).
„Zu sehr schien der Papst sich
mit den Diktatoren zu identifizieren.“ (26), schrieb der französische
Botschafter beim Vatikan, François Charles-Roux. Aber wie hätte es anders sein
können, wo der Heilige Stuhl diese Männer doch selbst erst an die Macht
gebracht hatte?
(26) François Charles-Roux: op.cit., S.231.
Von jener Reihe der Männer der
„Vorsehung“, dieser Schwertträger, die die Revanche für 1918 vorbereiten
würden, war Prototyp (Vorbild) Mussolini der Inaugurator (Wegbereiter). Von Italien
aus, wo der Faschismus unter Pater Tacchi Venturi und seinen Helfershelfern
derart gut gedieh, sollte er alsbald nach Deutschland exportiert werden.
„Hitler erhält seinen Anstoß von Mussolini; das Ideal der Nazis ist dasselbe
wie das in Italien. … Berlin werden sämtliche Sympathien zuteil, weil Mussolini
an der Spitze steht. … Der Nationalsozialismus des letzteren und der Faschismus
gehen 1923 zusammen. Mussolini wird Hitlers Freund und versorgt diesen mit
Waffen und Geld.“
(27) Antonio Aniante: „Mussolini” (Grasset, Paris, 1923, S.123 ff.).
Zu jener Zeit ist Monsignore
Pacelli, späterer Pius XII. und damaliger bester Diplomat der Kurie, Nuntius in
München, der Hauptstadt des katholischen Bayern. Von dort aus beginnt der Stern
des kommenden deutschen Diktators seinen Aufstieg; er ist katholisch wie die
meisten seiner wichtigsten Vertrauten. Von jenem Lande und Schoss des Nazismus
lässt uns Maurice Laporte wissen: „Seine zwei Feinde heißen Protestantismus und
Demokratie.“
Preußens Besorgtheit ist somit
verständlich.
„Welche Art besonderer
Fürsorge der Vatikan Bayern angedeihen lässt, das ihm mit seinem Hitlerschen
Nationalsozialismus die stärksten Kontingente rekrutiert, ist leicht zu
erraten.“
(28) Maurice Laporte: „Sous le casque d’acier” ([„Unterm Stahlhelm”;]
A.Rédier, Paris, 1931, S.105).
Das „ketzerische“ Preußen der
Lenkung des „weltlichen Armes“ entledigen und sie dem katholischen Bayern
übertragen; was für ein Traum! Um ihn zu verwirklichen, tut Monsignore Pacelli
in Zusammenarbeit mit dem Oberhaupt der Societas Iesu alles in seiner Macht
Stehende.
Nach dem letzten Krieg
(1914-1918) hatte sich Jesuitengeneral Halke von Ledochowski einen gewaltigen
Plan zurechtgelegt: … die Schaffung einer Föderation katholischer Nationen in
Mittel- und Osteuropa, mit oder ohne Habsburgerkaiser: Österreich, Slowakei,
Böhmen, Polen, Ungarn, Kroatien und natürlich Bayern.
„Dieses neue Reich der Mitte hätte an zwei Fronten kämpfen
müssen, im Osten gegen die Sowjetunion, im Westen gegen Preußen, das
protestantische Großbritannien und das republikanische Frankreich. Monsignore
Pacelli, späterer Pius XII., war damals Nuntius in München, danach in Berlin,
und war enger Freund von Kardinal
Michael von Faulhaber, von Ledochowskis wichtigstem Mitarbeiter. Der
Ledochowski-Plan war Pius’ XII. Jugendtraum.“
(29) „La Tribune des Nations”,
30.Juni 1950.
War es aber nur ein
Jugendtraum? Abgesehen von dem Vorhandensein der nicht allzu gefährlichen
Minderheit des lutherischen Preußens und den anerkannten Einflusszonen, die –
vorübergehend vielleicht – zu Italien gehört hätten, kam das „Mitteleuropa“,
das Hitler zu organisieren versuchte, jenem Plane sehr nahe. Angepasst an die
Erfordernisse der Zeit, war es in der Tat der Ledochowskiplan, den der Führer
unter der Schirmherrschaft des Heiligen Stuhls, mit Hilfe des päpstlichen
Geheimkämmerers Franz von Papen und des Münchner, später Berliner, Nuntius
Monsignore Pacelli, soeben versuchte, zu verwirklichen.
François Charles-Roux
schreibt: „Während der Neuzeit hat die Weltpolitik das katholische Eingreifen
nie stärker zu spüren bekommen wie in der Amtsperiode Monsignore Pacellis.“
(30) (30)
François Charles-Roux: op.cit., S.93.
Und von Joseph Rovan: „Das
katholische Bayern … macht sich also daran, all jene, die Unfrieden säen, sowie
die Komplizen und Mörder der heiligen Feme (der hl. geheimen, über die
Ermordung polit. Gegner u. Verräter i. d. eigenen Reihen entscheidenden
Gerichtsversammlung) aufzunehmen und zu schützen.“
(31) Joseph Rovan, op.cit., S.195.
Unter all diesen Agitatoren (Aufklärern) wird die Wahl
für Deutschlands „Wohltäter“ auf Hitler fallen, der dazu bestimmt ist, unter
der Standarte des Heiligen Vaters den Sieg über die „demokratischen Irrtümer“
zu erringen. Wie seine wichtigsten Mitarbeiter, ist er selbstverständlich
katholisch.
„Das NS-Regime gleicht einer
Wiederholung der Regierung Süddeutschlands. Name und Herkunft seiner führenden
Köpfe beweisen es. Hitler ist sogar Österreicher, Göring (ERKL.: Hermann
Göring; Politiker, *1893, †1946) Bayer, Goebbels (ERKL.: Paul
Joseph Goebbels; Politiker, *1897, †1945) Rheinländer und so weiter und
so fort.“
(32) Gonzague de Reynold: „D’où
vient l’Allemagne“ ([„Woher kommt Deutschland“,] Plon, Paris, 1939,
S.185).
1924 unterzeichnet der Heilige
Stuhl ein Konkordat mit Bayern. 1927 können wir in der „Gazette de Cologne“
lesen: „Pius XI. ist gewiss »der deutscheste« Papst, der je auf dem Stuhle
Petri gesessen hat.“
Sein Amtsnachfolger Pius XII.
wird ihm diese Siegeslorbeeren abringen. Doch widmet sich jener fürs erste
seiner Diplomaten- oder vielmehr politischen Laufbahn in diesem Deutschland,
für das er, wie er Ribbentrop (ERKL.: Joachim v.Ribbentrop; Diplomat
u. Politiker, *1883, †1946) später wissen lässt, „immer eine
besondere Zuneigung haben würde“.
Zum Nuntius von Berlin
aufgestiegen, arbeitet er mit Franz von Papen an der Zerstörung der Weimarer
Republik. Am 20.Juli 1932 ruft man in Berlin den Belagerungszustand aus und
vertreibt „manu militari“ die Minister. Ein erster Schritt somit in Richtung
Hitlerdiktatur. Man bereitet Neuwahlen vor, die den Erfolg der Nazis begründen
werden.
„Unter Zustimmung Hitlers
traten Göring und Strasser (ERKL.: Gregor Strasser; Politiker, *1892, †1934) mit
Monsignore Kaas, dem Chef der katholischen Zentrumspartei, in Verbindung.“
(33) Walter Görlitz und Herbert A.
Quint: „Adolf Hitler“ (Amiot Dumont, Paris, 1953, S.32). IN DEUTSCH: Walter
Görlitz und Herbert A. Quint: „Adolf Hitler“ (Steingruber, Stuttgart, 1952).
Kardinal Bertram (ERKL.: Adolf
Johannes Bertram, *1859, †1945), Erzbischof von Breslau und
Metropolit von Ostdeutschland (u. Vorsteher d. Kirchprovinz
Ostdeutschland), erklärte: „Wir als Christen und Katholiken schauen weder
auf Religion noch Rasse. … “. Mit vielen anderen Bischöfen versuchte er die
Gläubigen vor „dem heidnischen Ideal der Nazis“ zu warnen. Offensichtlich hatte
dieser Prälat die päpstliche Politik nicht verstanden, doch sollte er alsbald
belehrt werden.
1934 brachte der „Mercure de
France“ eine hervorragende Studie: „Den deutschen Katholiken war 1932 nicht
klar, dass sie die Sache verloren hatten. Ihre Oberhäupter waren sich im
Frühjahr anscheinend etwas unschlüssig. Sie hatten erfahren, dass der Papst
Hitler persönlich zugetan wäre.“
Dass Pius XI. mit Hitler
sympatisierte, sollte uns nicht überraschen. … Für ihn hätte Europa nur über
eine Vorherrschaft Deutschlands wieder zur Ruhe kommen können. … Schon seit
langem dachte der Vatikan an eine Verlagerung des Reichsschwerpunktes mithilfe des
„Anschlusses“, und die Societas Iesu arbeitete jetzt öffentlich, insbesondere
in Österreich, auf dieses Ziel (Ledochowskis Plan) hin. Wir wissen, wie Pius
XI. auf Österreich baute, um, was er seine Politik nannte, zum Siege zu führen.
Was verhindert werden musste, war die Vorherrschaft des protestantischen
Preußens, und da es das Reich war, das Europa beherrschen sollte … galt es, ein
neues Reich zu schaffen, in dem die Katholiken das Sagen hätten. …

„Im März 1933 nutzten die in
Fulda zusammenkommenden deutschen Bischöfe die Rede, die Hitler in Potsdam
hielt, um zu erklären: Es ist nunmehr anzuerkennen, dass von dem höchsten
Vertreter der Reichsregierung, der zugleich autoritärer Führer jener Bewegung
ist, öffentlich und feierlich Erklärungen gegeben sind, durch die der
Unverletzlichkeit der katholischen Glaubenslehre und den unveränderlichen
Aufgaben und Rechten der Kirche Rechnung getragen, sowie die vollinhaltliche
Geltung der von den einzelnen deutschen Ländern mit der Kirche abgeschlossenen
Staatsverträge durch die Reichsregierung ausdrücklich zugesichert wird. … Von Papen
begibt sich nach Rom. Dieser Mann, dessen Vergangenheit derart himmelschreiend
ist, wird zum frommen Pilger in der Mission, ein Konkordat (für ganz
Deutschland) mit dem Papst abzuschließen. Und im Angebotemachen an den
Letzteren wird er Mussolini hinterher eifern.“
(34) „Mercure de France“, „Pius
XI. und Hitler“ (15.Januar 1934).
Im Grunde geschieht in beiden
Ländern das Gleiche: In Italien ist es die katholische Partei von Don Sturzo,
die Mussolinis Machtübernahme absichert; in Deutschland tut dies für Hitler das
„Zentrum“ von Monsignore Kaas, und in beiden Fällen besiegelt den Pakt ein
Konkordat.
Dies gibt Joseph Rovan wie
folgt zu: „Dank von Papen, 1920 Zentrumsabgeordneter und Inhaber des
Parteiorgans »Germania«, kam Hitler am 30.Januar 1933 an die Macht. … Um Hitler
am 26.März 1933 zu ermächtigen, wurde dieser nicht Christdemokrat, sondern der
deutsche politische Katholizismus geschaffen. … Sollte die Abstimmung zugunsten
der Ermächtigung ausfallen, so bedurfte es einer Zweidrittelmehrheit und war,
um letztere zu erlangen, das »Zentrum« unverzichtbar.“ (35) Selbiger Autor
fährt fort: „Was wir in den Korrespondenzen und Erklärungen der kirchlichen
Würdenträger unter dem NS-Regime stets finden werden, ist die inbrünstige
Zustimmung der Bischöfe.“
(35) und (36) Joseph Rovan,
op.cit., S.197, 209, 214.
Diese Inbrunst ist unschwer
erklärt, lesen wir im Folgenden von Papen:
„Zwischen dem
Vatikan und dem Reiche hatte es seit den Tagen der Reformation kein Konkordat
mehr gegeben. Einige Länder mit überwiegend katholischer Bevölkerung hatten
Länderkonkordate geschlossen, wie beispielsweise Bayern. Das überwiegend
protestantische Preußen hatte trotz aller Bemühungen des Nuntius nur ein
ziemlich dürftiges Abkommen mit dem Hl. Stuhl. Während der Weimarer Periode
hatte das Zentrum wiederholt gesucht, zu einer Verständigung zu gelangen. Die
enge Partnerschaft und Rücksichtnahme auf die Sozialdemokratie hatten diese
Bemühungen immer an der Schulfrage scheitern lassen. Die neue Lage in
Deutschland schien nun günstig für die endgültige Regelung der kulturellen
Frage. Gleichartige Abmachungen mit der evangelischen Kirche sollten folgen. …
Das Kernproblem christlicher Erziehung, die Schulfrage, war nun einheitlich
geregelt, die Bekenntnisschule gewährleistet und den geistlichen Orden das
Recht zur Führung von Privatschulen zuerkannt. Diese Rechtstitel, seit
Jahrhunderten heiß umstritten, mußten für die christliche Regeneration der
europäischen Mitte von besonderer Bedeutung sein.“ und „Er (Hitler) beauftragte
mich, dem Kardinalstaatssekretär (Pacelli) zu
versichern, er würde alle Übergriffe rigoros unterbinden.“
(37) Franz von Papen, „Mémoires“ (Flammarion, Paris, 1953, S.207). IN DEUTSCH: Franz
von Papen, „DER WAHRHEIT EINE GASSE“ (LIST, München, 1952, S.313, 316)
Das war kein leeres Versprechen.
Neben dem antijüdischen Gemetzel und von Nazis begangenen Attentaten gab es in
jenem Jahr (1933) in Deutschland bereits 45 Konzentrationslager mit 40.000
Gefangenen unterschiedlicher politischer Auffassungen, die meisten aber
Liberale. Der päpstliche Geheimkämmerer Franz von Papen hat die tiefere
Bedeutung des Paktes zwischen dem Vatikan und Hitler treffend charakterisiert –
mit diesem Satz, den man sich merken sollte: „Der Nationalsozialismus ist
eine christliche Gegenbewegung zu 1789.“
Unter dem Druck der
Weltöffentlichkeit werden von Pius XI. 1937 die Rassentheorien als unvereinbar
mit den katholischen Ansichten und Grundsätzen „verdammt“, unter denen seine
Apologeten amüsanterweise die „erbärmliche“ Enzyklika „Mit brennender Sorge“
nennen. Der NS-Rassismus wird verdammt, sein Führer Hitler hingegen nicht:
„Distinguo.“ („Ich unterscheide.“). Und sorgsam unterlässt es der
Vatikan, das vier Jahre zuvor mit dem faschistischen Deutschen Reich
abgeschlossene „günstige“ Konkordat zu denunzieren.
Während in Deutschland das
Kreuz Christi und das Hakenkreuz gerade zusammenarbeiteten, machte sich Benito
Mussolini mit dem Segen des Heiligen Vaters an die leichte Eroberung
Äthiopiens.
„ … Der Oberhirte verdammte
Mussolinis Politik nicht und ermöglichte dem italienischen Klerus, völlig
ungehindert mit der faschistischen Regierung zu kooperieren. … Die Geistlichen,
vom schlichten Gemeindepriester bis zum Kardinal, waren für den Krieg. …
Eines der bemerkenswertesten
Beispiele kam vom Kardinal-Erzbischof von Mailand, Alfredo Ildefonso Schuster
(Jesuit) (ERKL.: *1880, †1954), der diesen Feldzug gar „einen
katholischen Kreuzzug“ nannte.
(38) Kardinal Schusters
Leidenschaft ist verständlich, da der Societas Iesu in Abessinien das gleiche Schicksal
wie in den europäischen Ländern zuteil wurde. Mithilfe des Kaisers Seged (Susenyos;
ERKL.: *um 1571, †1632), den sie bekehrt und auf den Thron gebracht hatten,
versuchten die Söhne Loyolas durch das Hervorrufen von Aufständen und blutigen
Repressionen landesweit den Katholizismus durchzusetzen, werden aber
schließlich von Negus (König) Basilides (Fasiladas; ERKL.: *1609,
†1667) vertrieben.
Übrigens, Schuster war auch Rektor
der merkwürdigen Institution mit dem Namen „Mystische Schule des Faschismus“ ([„Scuola
Mistica del Fascismo“; ERKL.: Mussolinische Kaderschmiede]; Anmerkung d.
Verfassers).
„»Aufgrund der drängenden
Erfordernis einer Expansion«, so Pius des XI. Klarstellung, »hält Italien
diesen Krieg für gerechtfertigt. …«
Zehn Tage später brachte Pius
XI. in einer vor einem Veteranenpublikum gehaltenen Rede den Wunsch zum
Ausdruck, dass den berechtigten Ansprüchen einer großen und edlen Nation, der
er, wie er jene erinnerte, selbst entstamme, Genüge getan würde.“ (39) (39) und (40)
Camille Cianfarra: „La Guerre et le Vatican“ (Le Portulan, Paris, 1946, S.46,
47, 48). IN DEUTSCH:Camille Cianfarra: „Der Vatikan und der Krieg“ (Köln,
1961).
Des gleichen „Verständnisses“
erfreute sich die faschistische (nach d. Führerprinzip organisierte,
nationalist., antidemokrat., rechtsradikale) Aggression gegen Albanien am
Karfreitag 1939, wie uns Camille Cianfarra (ERKL.: Korrespondent d. New York
Times, †1956) berichtet: „Die italienische Besetzung Albaniens war für
die Kirche sehr vorteilhaft. … Von den eine Million zählenden Albanern, die
italienische Untertanen wurden, waren 68 % moslemisch, 20 % griechisch-orthodox
und nur 12 % römisch-katholisch. … Vom politischen Standpunkt betrachtet,
konnte die Annexion des Landes durch eine katholische Macht die Position der
Kirche und, bitteschön, des Vatikans nur verbessern.“
(39) und (40) Camille Cianfarra: „La Guerre et le Vatican“ (Le Portulan,
Paris, 1946, S.46, 47, 48).
In Spanien hatte die Gründung
der Republik nach wie vor nicht aufgehört, von der römischen Kurie als
persönlicher Angriff übelgenommen zu werden. „Ich hätte es nie gewagt, Pius dem
XI. gegenüber die spanische Frage auch nur zu erwähnen.“, schrieb François
Charles-Roux. „Er würde mich wohl sonst nur daran erinnert haben, dass die
kirchlichen Interessen in jenem großen und historischen Lande Spanien einzig
und allein Sache des Papsttums wären.“
(41) François Charles-Roux, op.cit., S.181.
Und also wurde diesem
„geschützten Jagdrevier“ in Bälde eine Diktatur verabreicht, ähnlich jenen, die
es bereits mit Erfolg in Italien und Deutschland waren. Das Abenteuer General
Franco aber fand erst Mitte Juli 1936 seinen Anfang, am 21.März 1934 (ERKL.: FALSCH;
RICHTIG: 1924) bereits kam es zur Besiegelung des „Pakts von Rom“
zwischen Mussolini und den Chefs der spanischen reaktionären Parteien, darunter
Goicoechea (ERKL.: Antonio Goicoechea, *1876, †1953), Chef der
„Renovación Española“ („Span. Erneuerung“). Durch diesen Pakt verpflichtete
sich die italienische faschistische Partei, die Rebellen mit Geld, Kriegsmaterial,
Waffen und Munition zu versorgen. Wir wissen, dass sie sogar noch mehr, als sie
versprochen hatten, taten, und dass Mussolini und Hitler nicht davon abließen,
den spanischen Aufstand mit Material, Flugtechnik und „Freiwilligen“ „aufzutanken“.
Der Vatikan – sich seiner
höchsteigenen Grundsätze, dass die Gläubigen die bestehende Regierung zu
respektieren hätten, bewusst – setzte seinerseits Spanien mit Drohungen unter
Druck.
„Der Papst exkommunizierte (verhängte d. Ausschluss
aus d. kath. Kirche über) die Oberhäupter der Spanischen Republik und erklärte
zwischen dem Heiligen Stuhl und Madrid den geistlichen Krieg. Daran
anschließend verfasste er die Enzyklika »Dilectissima nobis« (ERKL.: Enzyklika gegen d. Anerkennung u. antiklerikale
Gesetzgebung d. sozialist.-bürgerl. Zweiten Republik; »Unser heiß geliebtes«) … Erzbischof
Gomá (ERKL.: Isidro Gomá Tomás, *1869, †1940), neuer
Primas (oberster kath. Bischof) von Spanien, rief den Bürgerkrieg
aus.“
(42) André Ribard: „1960 et Le
Secret du Vatican“ ([„1960 u. Das Geheimnis d. Vatikans“;] Libr. Robin,
Paris, 1954, S.45)
Voller Freude akzeptierten die
Prälaten Seiner Heiligkeit die Schrecken dieses brudermörderischen Konflikts
und voller Bewunderung interpretiert Monsignore Gómara (ERKL.: Miguel de
los Santos Díaz y Gómara, *1885, †1949), Bischof von Kartagena, ihre
apostolische (päpstl.) Gesinnung, wenn er spricht: „Gesegnet die Kanonen, in
deren Breschen, die sie schlagen, das Evangelium blüht!“
Zwanzig Monate vor Bürgerkriegsende,
am 3.August 1937, ward die Franco-Regierung gar vom Vatikan anerkannt.
Und um Belgien kümmerte sich die Katholische Aktion (ERKL.: eng an den hierarch. Klerus angebundene u. dessen
Leitung unterstellte kath. Laienbewegung z. Zurückdrängung d. zunehmenden Atheismus) – diese Bewegung war in ihrem
Wesen natürlich durch und durch ultramontan und jesuitisch. Es galt, dem
bevorstehenden Einmarsch der Hitlertruppen den Boden zu bereiten! Also wurde
dort unter dem Vorwand „geistlicher Erneuerung“ von Monsignore Picard (ERKL.: Louis
Picard), Jesuit, Pater Arendt, Jesuit, Pater Foucart, Jesuit usw.
gewissenhaft das Adolf-Hitler-Evangelium gepredigt. Ein junger Belgier, der,
gleichsam vielen anderen, ihr Opfer wurde, bestätigt dies: „Zu jener Zeit waren
wir bereits alle von einer Art Faschismus besessen. … Die Katholische Aktion,
zu der ich gehörte, stand dem italienischen Faschismus sehr nahe. … Monsignore
Picard verkündete es laut und breit der Öffentlichkeit, Mussolini sei ein Genie
und brenne darauf, Diktator zu werden. … Um Kontakte mit Italien und dem
Faschismus zu fördern, organisierte man Wallfahrten. Als ich mit dreihundert
Studenten nach Italien ging, salutierten alle auf dem Rückweg nach römischer
Art und sangen die Giovinezza (ital. Faschistenhymne).
(43) und (45) Raymond de Becker:
„Livre des vivants et des morts“, ([„Das Buch der Lebenden u. der Toten“,] Éd.
de la Toison d’or, Brüssel, 1942, S.72, 73, 175).
Von einem anderen Zeugen:
„Nach 1928 arbeitete die Gruppe Léon Degrelles (ERKL.: belg. Politiker, *1906, †1994) regelmäßig
mit Monsignore Picard zusammen. … Degrelle wurde von Picard für die
Unterstützung in einer besonders wichtigen Mission gewonnen: der Leitung eines
neuen Verlagshauses in der Zentralstelle der Katholischen Aktion. Nicht lange
und der Name des Verlages sollte berühmt werden – er lautete »Rex« (ERKL.: vollständ. Name: »Christus Rex« [»Christus König«]). …
„Immer zahlreicher wurden die
Rufe nach einer neuen Regierungsform … Mit großem Interesse verfolgte man in
Deutschland die Ergebnisse dieser Propaganda. Im Oktober 1933 erinnerte uns ein
Artikel im »Vlan« (ERKL.: Brüssler Anzeigenblatt), dass 1919
die Nazis gerade mal sieben ausgemacht hätten und die ganze Aussteuer, die
ihnen Hitler wenige Jahre später mitbrachte, in seinem Agitationstalent
bestanden habe … Auf der Grundlage ähnlicher Prinzipien starteten die
„rexistischen“ (belgische faschist.) Mannen ein landesweites aktives
Propagandaprogramm. Zu ihren Treffen zog es alsbald einige Hunderte, später
Tausende von Zuhörern.“.
(44) Jacques Saint-Germain: „La Bataille de Rex“, ([„Die Schlacht des
Rex“,] Les OEvres Françaises, Paris, 1937, S.67, 69).
Natürlich hatte Hitler für den
neugeborenen Nationalsozialismus, genauso wie Mussolini für den Faschismus,
mehr als sein Agitationstalent mitgebracht: - die Unterstützung durch das
Papsttum! Dieselbe Unterstützung genoss auch der nur blasse Schatten dieser
beiden und „Christus Rex“-Chef (Leiter des [Christus] Rex-Verlags) Léon Degrelle
– allerdings für einen deutlich anderen Zweck. Seine Aufgabe war es, dem Invasoren das Land zu öffnen.
Raymond de Becker (ERKL.: *1912,
†1969) sagt: „Ich war Mitarbeiter bei der »Avant-Garde« gewesen. … Das
Ziel dieser (von Monsignore Picard herausgegebenen) Zeitschrift bestand darin,
die Belgien, Frankreich und England einenden Verbindungen abzubrechen.“
(43) und (45) Raymond de Becker: „Livre des vivants et des morts“, (Éd.
de la Toison d’or, Brüssel, 1942, S.72, 73, 175).
Wie rasch die deutschen Armeen
die von der kirchlichen Fünften Kolonne (kirchlich-faschist. pro-dt. Kolonne) betrogene belgische
Abwehr besiegten, ist bekannt. Und vielleicht entsinnen wir uns auch, dass sich
der die deutsche Uniform anziehende „Christus Rex“-Apostel unter großem Rummel
aufmachte, um „im Rahmen der Waffen-SS (bewaffneten SS) an der
Ostfront zu kämpfen“ – an der Spitze seiner sich vor allem aus der Jugend der
Katholischen Aktion rekrutierenden „Wallonischen Legion“. Nachdem er seine
„patriotischen“ Gefühle noch ein letztes Mal so richtig zum Ausdruck gebracht
hatte, kam ihm ein baldiger Rückzug gerade recht und ließ ihn nach Spanien
gelangen.
Maurice de Béhaut schreibt:
„Vor 10 Jahren (1944) war der Hafen von Antwerpen – der drittwichtigste der
Welt – nahezu unversehrt in die Hände der britischen Truppen gefallen. … In dem
Moment, wo die Bevölkerung gerade begann, für ihre Not und Entbehrungen ein
Ende zu sehn, da gingen die teuflischsten Erfindungen auf sie nieder: die
fliegenden Bomben V1 und V2. Dieses Bombardement, das längste in der
Geschichte, da es sechs Monate, Tag und Nacht, andauerte, wurde auf Anordnung
der Alliierten Kommandantur sorgsam geheimgehalten. Das ist der Grund, warum
sich das Martyrium der Städte Antwerpen und Lüttich bis auf den heutigen Tag
unserem Bewusstsein entzieht.
Am Vorabend des ersten
Bombardements (am 12.Oktober) hörten einige auf Radio Berlin die erschreckenden
Äußerungen des »rexistischen« Verräters Léon Degrelle: »Ich habe meinen
Führer«, kreischte er, »um zwanzigtausend fliegende Bomben gebeten. Züchtigen
werden diese ein hirnverbranntes Volk. Ich verspreche Ihnen, sie werden
Antwerpen in eine Stadt ohne Hafen oder einen Hafen ohne Stadt verwandeln.«
… Von jenem Tage an sollte
sich der Rhythmus der Katastrophen und Elend furchtbarster Art bringenden
Bombardements intensivieren, während auf Radio Berlin Verräter Degrelle brüllend
versprach, dass noch Schlimmeres kommen werde.“
(46) Zeitschrift „Historia“,
Paris, Dezember 1954.
So sah es aus – das letzte
Lebewohl dieser Ausgeburt der Katholischen Aktion an die Heimat. Der „Christus
Rex“-Chef und ergebene Schüler des Jesuiten Monsignore Picard, des Jesuiten
Pater Arendt usw. hielt sich strikt an die päpstlichen Regeln.
„Würden die Männer der
Katholischen Aktion“, schrieb Pius XI., „weil es die Situation erlaubt,
aufhören in dem Versuch, die Politik ihrer Provinz und ihres Landes zu leiten,
so wäre dies Pflichtverletzung.“
(47) Pius XI., Schreiben „Peculari Quadam“, zitiert von Hw.P.SJ de Soras
in „Action catholique et action temporelle“ ([„Kath. Aktion u. zeitl.
Aktion“,] Éd. Spes, Paris, 1938, S.105), Imprimatur 1938.
Léon Degrelle erfüllte diese
Pflicht auf jeden Fall und zeitigte – wie man erleben konnte – Ergebnisse, die
seinem Eifer in nichts nachstanden.
In Raymond de Beckers Buch
lesen wir: „In Belgien hatte die Katholische Aktion außergewöhnliche Männer
gefunden, die zur Musik dieser Organisation spielten, wie z.B. Monsignore
Picard (der wichtigste), …, Kanonikus (der Kirchenbezirksgeistliche) Cardijn (ERKL.: *1882,
†1967), Gründer der belgischen CAJBewegung (Bewegung d.
»Christl. Arbeiterjugend« z. Zurückgewinnung d. Arbeiter f. Religion u. Kirche), ein
verdrießlicher, mürrischer und eingebildeter Mann. … “
(48) Raymond de Becker, op.cit.,
S.66.
Besagter letzter schwört heute
(ERKL.:
FALSCH – ist 1967 gestorben!), nie je von Kollege Degrelle etwas
„gehört oder gesehen“ zu haben. Demnach haben sich diese beiden Führer der
belgischen Katholischen Aktion, die beide unter Kardinal van Roeys Krummstab
arbeiteten, offenbar nie gekannt! Wie war das möglich? Das sagt uns der
Ex-Kanonikus (Ex-Kirchenbezirksgeistliche) freilich nicht; seit damals
ist Cardijn von Pius XII. ernannter „Monsignore“ (Prälat) und die
prägende Gestalt der weltweiten CAJ-Bewegungen.
Und wie war es weiterhin
möglich, dass Monsignore Cardijn den schändlichen „Rex“-Chef nicht mal von dem
Kongress her kannte, den Degrelle folgendermaßen beschreibt?:
„Ich erinnere mich noch an den
Kongress der Katholischen Jugend 1930 in Brüssel. Ich befand mich hinter
Monsignore Picard, der sich seinerseits neben Kardinal van Roey (ERKL.: Jozef-Ernest
van Roey, *1874, †1961) aufhielt. Hinter uns lag ein zweistündiger Vorbeimarsch
von einhunderttausend, den auf der Tribüne versammelten kirchlichen Autoritäten
zujubelnden Jugendlichen. … “ (49) (49) Léon
Degrelle: „La Cohue de 1940“ ([„Wirrsal 1940“,] Robert Crausaz,
Lausanne, 1949, S.214-215).
Wo also hielt sich zu besagter
Zeit das Oberhaupt der CAJ, deren Truppenteile an jener gigantischen Parade
teilnahmen, versteckt? War es eine spezielle Vorsehung, dass diese beiden
Männer auf offiziellen Tribünen oder der Zentralstelle der Katholischen Aktion
miteinander verkehrten, sich dabei aber nicht gesehen haben?
Monsignore Cardijn, der Jesuit
ist, geht noch weiter und behauptet, er habe zudem den „Rexismus“ (belg.
Faschismus) „verbal“ bekämpft.
Ein seltsamer Verein – diese
Katholische Aktion! Nicht allein, dass die Chefs ihrer beiden zentralen
„Bewegungen“ CAJ und Rex in den Gängen Versteck spielten – nein, man hätte
gleichzeitig auch, wie er sagt, was der andere mit vollster Unterstützung der „Hierarchie“
(„Führungsspitze“)
getan
habe, „bekämpfen“ können!
Unbestreitbar ist die
Tatsache: Der Degrelle an die „Rex“-Spitze stellte, war Picard
höchstpersönlich. Und zwar im Namen Kardinal van Roeys und des Apostolischen (Päpstl.) Nuntius
Monsignore Micara (ERKL.: Clemente Micara, *1879, †1965). Ergo war es
Cardijn zufolge angeblich so: er und Degrelle arbeiteten zwar als Kollegen in
der Zentralstelle der Katholischen Aktion und beide unter der Schirmherrschaft
des belgischen Primas. Der Nuntius – laut Pius XII. Degrelles „Beschützer und
verehrter Freund“ – verlangte überdies von letzterem für dessen Tun keine
Rechenschaft. Und doch soll, was Degrelle tat, von Cardijn scharf gemissbilligt
worden sein.
(50) „La Croix“, 24.Mai 1946.
Eine reichlich deftige
Behauptung. Was umso deutlicher wird, wenn wir untersuchen, was nach Hitlers
Überfall auf Belgien die Haltung von Leuten wie Monsignore Cardijn und
Gefährten war, die sich heute gegen Degrelle und „Rexismus“ verwahren. In einem
Buch („La Cohue de 1940“), das, als es erschien, „in der
Schublade verschwand“, frischte, wie zu lesen, der „Rex“-Chef höchstselbst
Erinnerungen auf, die unseres Wissens nie widerlegt wurden:
„Für mich, als einen mit den
gegenseitigen Durchdringungen von Geistlichem und Weltlichem vertrauten und
leidenschaftlichen Christen, wäre eine Kollaboration (mit Hitler) ohne
vorherige Absprache mit den Kirchenbehörden meines Landes nicht infrage
gekommen. … Ich hatte also um eine Unterredung mit Seiner Eminenz, Kardinal van
Roey gebeten. … Eines Morgens dann wurde ich im bischöflichen Palast zu Mecheln
freundlich vom Kardinal empfangen. … Er ist beseelt von einem totalen und
stürmischen Fanatismus. … Würde er ein paar Jahrhunderte eher gelebt haben, er
hätte wohl, das »Magnifikat« (Loblied Mariens, der Mutter Jesu, anlässl. ihres Besuches
bei Elisabeth,) singend, die Ungläubigen durch das Schwert sterben oder
verbrennen oder die nicht so gehorsamen Schafe seiner Herde in die
Klosterkerker werfen lassen. Da wir nun das 20.Jahrhundert haben, hat er nur
seinen Krummstab, lässt diesen aber ein großes Werk vollbringen. Alles war ihm
wichtig, solange es kirchlichen Interessen dienen würde: war etwas gut, so wäre
es von uns unterstützt, alles Schlechte aber zerschlagen worden; und die Kirche
hat derart viele Dienst-„Zweige“: ihre Werke, Parteien, Zeitungen,
landwirtschaftlichen Genossenschaften (belgischer „Bauernbund“), Bankinstitute,
die die weltliche Macht der göttlichen Institution sicherstellten. …
Und jetzt kann ich ehrlich und
aufrichtig sagen – die Bedeutung der Bemerkungen des Kardinals war die, dass
das richtige Vorgehen Kollaboration hieß, ja es war das einzige, was ein
vernünftiger Mensch tun würde. Während der ganzen Unterredung hatte er es gar
nicht erst erwogen, dass eine andere Haltung möglich sein könnte. Für den
Kardinal war der Krieg im Herbst 1940 beendet. Gar die Erwähnung der
Bezeichnung »englisch« mied er oder auch nur die Äußerung des Verdachts, dass
eine Erholung der Alliierten denkbar wäre. … Der Kardinal glaubte nicht daran,
dass politisch etwas anderes als Kollaboration hätte möglich sein können. … Er
hatte gegen keine meiner Vorstellungen und Absichten Einwände. … Wären ihm
meine Gedanken zur Politik abwegig erschienen, dann hätte er mich warnen können
– oder sollen –, denn um seinen Rat hatte ich ihn ja ersucht. … Zum Abschied
gab mir der Kardinal seinen väterlichen Segen. …
Auch andere Katholiken
schauten im Herbst 1940 zum großen Turm der Romualdkathedrale … Viele kamen in
den Bischofspalast, um Monsignore van Roey und sein Gefolge hinsichtlich
moralischer Grundsätze, Nutzen oder Notwendigkeit der Kollaboration um Rat zu
fragen. … Über eintausend katholische
Bürgermeister Flanderns, sämtliche Generalsekretäre (Hauptgeschäftsführer
d. polit.Parteien sowie gewerkschaftl., genossenschaftl., wissenschaftl. u.
industriellen Verbände) passten sich, wenn auch sorgfältig ausgewählt,
unverzüglich der neuen Ordnung an. … All jene guten 1944 Inhaftierten oder
Beschimpften hätten sich 1940 fragen müssen: Was denkt Mecheln? Aber wer würde
glauben, dass weder Mecheln, noch seine Bischöfe, noch seine Priester hätten
zur Ruhe kommen können!
Acht von zehn belgischen
Kollaborateuren waren Katholiken. …
Während jener entscheidenden
Wochen gaben, aufgrund der Entscheidung, die es zu treffen galt, Mecheln und
diverse Bistümer schriftliche oder mündliche Negativmeldungen an mich
persönlich oder all die anderen Kollaborateure heraus.
Obwohl nicht gerade angenehm, so
ist es doch die blanke oder nackte Wahrheit. Die Haltung des hohen katholischen
Klerus im Ausland konnte die Überzeugtheit der Gläubigen, dass Kollaboration
mit Glauben vereinbar sei, doch nur stärken. … Nach der Unterredung zwischen
Hitler und Marschall Pétain (ERKL.: Henri Joseph Pétain, *1856, †1951) ließen sich
in Vichy die höchsten französischen Prälaten (höchsten der höheren frz.
Geistlichen) Seite an Seite stehend mit dem Marschall und Pierre Laval (ERKL.: frz. Politiker, *1883, †1945) ablichten. Kardinal
Baudrillart (ERKL.: Alfred-Henri-Marie Baudrillart, *1859, †1942) verkündete in
Paris öffentlich, er sei Kollaborateur.
In Belgien seinerseits gab
Kardinal van Roey einem der bekanntesten Priester Flanderns – seiner Eminenz größtem
intellektuellem Katholiken –, Abt Verschaeve (ERKL.: Cyriel Verschaeve, *1874,
†1949) die Erlaubnis, am 7.November 1940 während einer feierlichen
Senatssitzung und in Gegenwart des deutschen Großadmirals Raeder (ERKL.: Erich
Raeder, *1876, †1960) zu erklären:
»Es ist die Pflicht des
Kulturrates, die Brücke zu bauen, die Flandern und Deutschland vereinigt. …«
Am 29.Mai 1940, dem Tag nach
der Kapitulation, beschrieb Kardinal van Roey den Einmarsch als eine Art
Himmelsgeschenk:
»Machen Sie sich bewusst«,
schrieb er den Gläubigen, »dass wir soeben Zeugen eines außergewöhnlichen
Eingreifens der göttlichen Vorsehung sind, die im Begriffe ist, durch große
Ereignisse ihre Macht zu erweisen.«
Nach alledem schien also
Hitler nichts weniger als ein das belgische Volk züchtigendes
Läuterungswerkzeug
der Vorsehung zu sein.“
(51), (52) und (53) Léon Degrelle,
op.cit., S.213, 216 ff., 219 ff.
Etwas sehr ähnliches geschah
gleichzeitig in unserem eigenen Lande (Frankreich). „Nützlicher als Siegen ist
Kapitulieren“ – behauptete man, uns fortwährend daran erinnernd, genau wie vor
1914, als Frankreich eine läuternde „völlige Ausblutung“ zugedacht wurde.
Näher beleuchtet wird in jenen
in die tiefste Versenkung verschwundenen – oder vielmehr verbannten Memoiren
auch der „belgische Bauernbund – der große katholische, politische und
finanzielle Motor Kardinal van Roeys, der beträchtliche Summen in den
flämischen Teil der Uni Löwen pumpte. … “
(51), (52) und (53) Léon Degrelle,
op.cit., S.213, 216 ff., 219 ff.
„Die Druckerei »Standaard«
arbeitete ohne Unterlass, denn sie druckte die kollaborationistischsten Aufrufe
des FNV (Flämischen Nationalverbandes). Und schwamm nicht lange danach im Geld.
… Zu kollaborieren wäre den »Standaard«-Leitern, diesen zweihundertprozentigen
Katholiken und Stützpfeilern der Kirche Flanderns, nie in den Sinn gekommen,
hätte nicht zuvor der Kardinal klar und deutlich seinen Segen gegeben.
Das Gleiche sagte man von der
katholischen Presse überhaupt. … “
(51), (52) und (53) Léon Degrelle,
op.cit., S.213, 216 ff., 219 ff.
Alle diese Anstrengungen
galten damals keinem geringeren Ziele, als Belgiens Zusammenbruch, wie uns ein
weiterer katholischer Autor, Gaston Gaillard, erinnert:
„Die flämischsprachigen Katholiken
wie auch die autonomistischen (nach Autonomie strebenden) elsässischen
Katholiken rechtfertigten ihre Haltung mit ihrer stillschweigenden
Unterstützung, die sie über den Heiligen Stuhl allezeit der deutschsprachigen
Propaganda angedeihen ließen. Als sie auf das denkwürdige, von Pius XI. am
26.Juni 1923 an seinen Staatssekretär Kardinal Gasparri gesandte Schreiben
bezugnahmen, konnten sie sich leicht davon überzeugen, dass sie Roms Wohlwollen
hatten und Rom natürlich nichts tat, sie umzustimmen. Hatte nicht Nuntius
Pacelli (späterer Pius XII.) deutsche Nationalisten kompetent unterstützt und
der so genannten „unterdrückten“ Bevölkerung Oberschlesiens Mut gemacht? War
nicht den autonomistischen Verschwörungen in Elsaß, Eupen-Malmedy und Schlesien
die nicht immer unauffällige kirchliche Zustimmung zuteilgeworden? Für die
Flamen war es damals leicht, ihr Vorgehen gegen Belgiens Einheit hinter den
römischen Anweisungen zu verstecken. … “
(54) Gaston Gaillard: „La Fin du Temps“ (Éd. Albert, Paris, 1933, II,
S.141).
Auch bat 1942 Papst Pius XII.
seine Berliner Nuntiatur (diplomat. Vertretung), Paris seine Kondolenzen zum Tode
Kardinal Baudrillarts zu übermitteln und zeigte dieserart an, dass sie die
Annexion Nordfrankreichs durch Deutschland als Tatsache betrachte. Womit sie
wieder einmal mehr die der deutschen Expansion allezeit durch den Heiligen
Stuhl und insbesondere Pius den XII. gewährte „stillschweigende Unterstützung“
nur bekräftigte.
Voll Verachtung kann man
heutzutage nur darüber lachen, wenn man sieht, wie die Jesuiten Seiner
Heiligkeit derart Offensichtliches abstreiten und sämtliche Mittäterschaft mit
der von ihnen doch selbst erst organisierten Fünften Kolonne (faschist.
pro-dt. Kolonne) und vor allem mit Degrelle von sich weisen. Letzterer –
abgeschirmt in seiner Zuflucht lebend, denn er weiß zu viel – kann in Ruhe auf
Ovids berühmte Verse zurückgreifen: „Donec eris felix, multos numerabis amicos.
Tempora si fuerint nubila, solus eris.“.
(55) Solange du glücklich bist,
zählst du viele Freunde. Sind die Zeiten bewölkt, bist du allein.
Lächerlich auch, was
Hw.P.Fessard (Jesuit) (ERKL.: Gaston Fessard, *1897, †1978) schreibt:
„Mit derart großer Ungeduld
warteten wir 1916 und 1917 auf die amerikanischen Verstärkungen! Mit Schmerz
erlebten wir 1939 dass, als der Krieg sogar schon erklärt worden war, Hitler
von einem Großteil der Amerikaner mit Wohlwollen betrachtet wurde, noch dazu
und vor allem von Katholiken! 1941 und 1942 standen wir wieder vor der Frage:
Würden die Amerikaner eingreifen oder nicht.“
(56) Hw.P.Fessard SJ: „Libre
méditation sur un message de Pie XII“, ([„Freie Meditation über eine
Botschaft Pius’ XII.“,] Plon, Paris, 1957, S.202).
Dem Scheine nach also
erfüllten den guten Pater die durch seine eigenen jesuitischen Brüder in
Amerika erreichten Resultate „Mit Schmerz“! Denn, und das ist eine historische
Tatsache, die „Christliche Front“, eine sich gegen die US-Intervention
stellende katholische Bewegung, wurde von dem Jesuitenpater Coughlin (ERKL.: Charles
Edward Coughlin, *1891, †1979), einem notorischen
Hitlersympathisanten, geleitet.
„Diese fromme Organisation war
bestens ausgestattet und bekam aus Berlin vom Goebbels-Ministerium
vorbereitetes Propagandamaterial in Hülle und Fülle. Über sein Blatt »Social
Justice« (ERKL.: »Soziale Gerechtigkeit «) und
Rundfunksendungen erreichte Hakenkreuzapostel und Jesuitenpater Coughlin eine
breite Öffentlichkeit. In den wichtigsten städtischen Ballungszentren betreute
er außerdem geheime, nach den Methoden der Söhne Loyolas geführte und von
Naziagenten ausgebildete »Kommandozellen«.“
57) Edmond Paris: „Le Vatican contre l’Europe“ (Fischbacher, Paris,
1959, S.141).
Ein geheimes Dokument der
Wilhelmstraße erklärt Folgendes:
„Presse und amtliche
Berichterstattung aus Nordamerika melden laufend von antijüdischen Kundgebungen
der Bevölkerung. Es ist vielleicht symptomatisch für die innenpolitische
Entwicklung in USA, dass die Hörerschar des bekannten antijüdisch eingestellten
»Radiopriesters« Coughlin auf über 20 Millionen angewachsen ist.“
(58) Auswärtiges Amt,
Wilhelmstraße, Dokument Nr. 83-26 19/1 (Berlin, 25.Januar 1939).
Muss an die Aktivitäten des
Jesuitenpaters Walsh (ERKL.: Edmund Aloysius Walsh, *1885, †1956) erinnert
werden, den Papstagenten, Dekan (Vorsteher) der Schule
der Politikwissenschaften an der Universität Georgetown – der jesuitischen
Pflanzstätte der amerikanischen Diplomatie – und eifrigen Propagandisten (Befürworter) der deutschen
Politik?
General der Gesellschaft Jesu
war, als wöllte es der Zufall, zu jener Zeit gerade Halke von Ledochowski,
vormaliger General in der österreichischen Armee und seit 1915 Amtsnachfolger
des Preußen Wernz.
Hatte Hw.P.Fessard
mittlerweile auch vergessen, was „La Croix“ den ganzen Krieg hindurch schrieb,
und vor allem dies: „Ein Truppeneinmarsch von jenseits des Ärmelkanals und
Atlantiks wäre keinerlei Gewinn.“
(59) „La Croix“, 10.August 1943.
Erinnert er sich auch nicht
mehr an das Telegramm Seiner Heiligkeit Pius’ XII.:
„Der Papst übermittelt »La Croix«, der Stimme des päpstlichen Denkens, seinen
Segen.“
(60) „La Croix“, 28.Januar 1942.
Muss man nun schließen, dass
Mitglieder der Gesellschaft Jesu bei ihrer derart großen Vergesslichkeit ein
ausgegeprägtes Kurzzeitgedächtnis hätten? Diesen Vorwurf wies man allerdings
selbst den Feinden gegenüber weit von sich! So wollen wir vielmehr darauf
hinweisen, dass Hw.P.Fessard seine patriotischen Ängste von 1941-1942 erst 1957
zum Ausdruck brachte. Seine „freien Meditationen“ über fünfzehn Jahre brachten
so manches Ergebnis und er hatte Zeit, eine gewisse Passage der „Exerzitien“
wiederholt zu lesen, die da besagt, „ … und wenn die Kirche, was unserem Auge
weiß erscheint, als schwarz definiert, so sind wir verpflichtet, es für schwarz
zu erklären.“
(61) „ … siquid quodoculis nostris
apparet album, nigrum illa esse definierit debemus itidem quod nigrum sit
pronuntiare.“, „Institutum Societatis Iesu“ (Römische Ausgabe von 1869, II,
S.417).
Letzteres betreffend ist
Hw.P.Fessard offenbar ein hervorragender Jesuit!
Am 7.März 1936 führte Hitler
die Wehrmacht ins entmilitarisierte Rheinland und erklärte so den Locarnopakt
für null und nichtig. Am 11.März 1938 kam es zum „Anschluss“ (Zusammenführung
Österreichs und Deutschlands) und im selben Jahr, am 29.September, beschlossen,
ohne Beteiligung der Tschechoslowakei, in München das Deutsche Reich,
Großbritannien, Frankreich und Italien die sofortige Abtretung des Sudetenlandes.
Dank der Stimmen der
katholischen Zentrumspartei war der Führer nur fünf Jahre zuvor an die Macht
gekommen, doch hatte man die meisten der in „Mein Kampf“ zynisch geoffenbarten
Ziele bereits realisiert; der Schreiber dieses eine überhebliche Herausforderung
an die westlichen Demokratien darstellenden Buches war Jesuitenpater Staempfle (ERKL.: Bernhardt
Staempfle, *?, †1934) – Hitler leistete die Unterschrift. Denn – da sich diese
Tatsache dem Bewusstsein derart vieler entzieht – es war die Gesellschaft Jesu,
die das berühmte großdeutsche Programm, wie in besagtem Buche dargelegt,
perfektionierte, und der Führer, der es unterschriftlich auf sich übertrug.
Betrachten wir, wie der
„Anschluss“ vorbereitet wurde:
Zunächst und durch parallele
„Vorsehungen“ wurde, als Mussolini dank dem Jesuiten und Chef der Katholischen
Partei Don Sturzo in Italien die Macht ergriff, zur gleichen Zeit der Jesuit
Monsignore Seipel österreichischer Bundeskanzler. Letzterer befand sich in
dieser Position, mit einer zweijährigen Unterbrechung, bis 1929 und brachte
während jener entscheidenden Jahre die österreichische Innenpolitik auf einen
reaktionären und klerikalen Kurs; dieser Kurs wurde von Seipels Amtsnachfolgern
fortgesetzt und führte in das Aufgehen jenes Landes im deutschen Block. Die
blutigen Niederschlagungen von Arbeiterdemonstrationen brachten ihm den
Beinamen „Prälat ohne Milde“ ein.
„Anfang Mai (1936) trat von
Papen in Geheimverhandlungen mit Dr. Schussnigg (österreichischer Kanzler) ein
und bearbeitete diesen an seiner schwachen Stelle, indem er ihm zeigte, wie
vorteilhaft – hinsichtlich der Vatikaninteressen – ein Ausgleich mit Hitler
wäre; das Argument mag seltsam erscheinen, doch Schussnigg war sehr fromm, und
von Papen päpstlicher Kammerherr (Finanzbeamter; ERKL.: = Geheimkämmerer).“
(62) G.E.R. Gedye: „Fallen Bastions“ (Victor Gollancz, London, 1939,
S.188). IN DEUTSCH: G.E.R. Gedye: „Als die Bastionen fielen“ (Aufbau, Wien,
1948).
Die ganze Angelegenheit
verlief – wie könnte es anders sein – unter der Federführung des
Geheimkämmerers (päpstl. Finanzbeamten) und endete am 11.März 1938 mit
dem Rücktritt des strenggläubigen Jesuitenschülers Schussnigg zugunsten
Seyß-Inquarts (ERKL.: Artur Seiss-Inquart, auch Arthur Seyß-Inquart, *1892,
†1946), des Chefs der österreichischen Nazis. Tags darauf marschierten
in Österreich die deutschen Truppen ein und proklamierte die
Marionettenregierung Seyß-Inquart die Vereinigung des Landes mit
Nazideutschland. Enthusiastisch begrüßte dieses Ereignis der Wiener Erzbischof
(und Jesuit) Kardinal Innitzer (ERKL.: Theodor Innitzer, *1875, †1955).
„Am 15.März veröffentlichte
die deutsche Presse folgende Erklärung Innitzers: »Die Priester und die
Gläubigen haben sich bedingungslos hinter den Großdeutschen Staat und seinen
Führer zu stellen, dessen Kampf um die Begründung der Stärke, Ehre und
Wirtschaftsblüte Deutschlands dem Willen der Vorsehung entspricht.«.
Um keinen Zweifel an der
Echtheit dieser Erklärung aufkommen zu lassen, wurde sie von den Zeitungen
faksimiliert (i. vorlagengetreuer Nachbildung gedruckt). In Wien und
den anderen österreichischen Städten beklebte man Wände mit Reproduktionen (Vervielfältigungen). Vor seine
Unterschrift hatte Kardinal Innitzer zuvor noch eigenhändig die Worte: »Heil
Hitler!« gesetzt.
Drei Tage später erging vom
gesamten österreichischen Episkopat (Bischofsapparat) ein
Hirtenbrief an seine Gläubigen; die italienischen Zeitungen veröffentlichten
den Text dieses Briefes am 28.März: er war eine unmittelbare Unterstützung des
NS-Regimes, dessen Tugenden in den höchsten Tönen gelobt wurden.“
(63) François Charles-Roux, op.cit., S.118, 122.
Kardinal Innitzer, höchster
Vertreter der römischen Kirche in Österreich, schrieb außerdem in seiner
Erklärung: „Die Vorsitzenden der Jugendverbände fordere ich dazu auf, ihre
Vereinigung auf die Organisation des Deutschen Reiches vorzubereiten.
(64) Ernest Pezet, früherer
Vizepräsident des französischen Senats, „L’Autriche et la paix“ ([„Österreich
u. d. Frieden“,] Éd. Self, Paris, 1945, S.149).
Der von seinem Episkopat
gefolgte Kardinal-Erzbischof von Wien tat sich demnach nicht allein voller
Enthusiasmus mit Hitler zusammen, sondern überantwortete zudem die
„christliche“ Jugend einer Ausbildung nach Nazimethoden; diese Methoden waren
in der „erbärmlichen“ Enzyklika „Mit brennender Sorge“ „offiziell verdammt“
worden!
Der „Mercure de France“
stellte damals berechtigterweise fest: „ … Nicht haben diese Bischöfe nunmehr
eine eigenmächtige, die gesamte Kirche einbeziehende Entscheidung getroffen,
sondern sie befolgten schlichtweg Anweisungen des Heiligen Stuhls.“.
(65) Österreich und Hitler
(„Mercure de France“, 1.Mai 1938, S.720).
Das ist offensichtlich. Welche
anderen „Anweisungen“ aber hätte man von diesem Heiligen Stuhl, der Mussolini,
Hitler und Franco an die Macht brachte und Léon Degrelles „Christus Rex“ schuf,
erwarten können?
„Wir verstehen daher, warum
englische Autoren wie beispielsweise F.A. Ridley (ERKL.: Francis
Ambrose Ridley, *1897, †1994), Secker (ERKL.: Martin
Secker) und Warburg die Politik Pius’ XI., die
faschistische Bewegungen allerorten begünstigte, thematisierten.“
(66) J. Tchernoff: „Les démagogies contre les démocracies“ ([„Demagogien
gegen Demokratien“,] R. Pichon & Durand-Auzias, Paris, 1947, S.80).
Warum der Anschluss bei der
Kirche auf derartiges Wohlwollen stieß, sagt uns François Charles-Roux: „Acht
Millionen österreichische Katholiken, vereinigt mit den Katholiken des Reichs,
könnten eine weit einflussreichere und mächtigere deutsche katholische
Körperschaft bilden.“
(67) François Charles-Roux, op.cit., S.114.
In derselben Lage wie
Österreich befand sich Polen, als letzteres von Hitler nach dem Einmarsch zum
Teil im Namen des „Vaterlandes“ annektiert wurde. Wieder ein paar Millionen
Katholiken mehr – zur Stärkung des deutschen Kontingents unter römischem
Gehorsam: dem konnte der Heilige Stuhl doch nicht anders, als zugetan sein –
auch wenn er sein „liebes polnisches Volk“ angeblich so innig gern hatte. In
der Tat wurde die dem Plane des Jesuitengenerals Halke von Ledochowski
entsprechende brutale Neugruppierung der Katholiken Mitteleuropas vom
Kirchenoberhaupt gebilligt.
Die zugelassenen Thurifer des
Vatikans ließen nicht davon ab, ihre Leser daran zu erinnern, dass Pius XII. in
seiner Enzyklika „Summi pontificatus“ (ERKL.:
Enzyklika über d. Einheit d. menschl. Gesellschaft; „Des höchsten Pontifikats“)
gegen
die Aggression „protestiert“ habe. In Wirklichkeit enthält dieses nicht weniger
als 45 Seiten umfassende Dokument – lächerlich wie alle anderen derartigen
Dokumente – einen einzigen Satz am Schluss über das von Hitler überrannte
Polen. Dieser nur andeutende Satz rät dem polnischen Volke, es möge viel zur
Jungfrau Maria beten! Größer könnte der Kontrast nicht sein – zwischen jenen
wenigen Worten banalen Mitgefühls und den schmeichelnden Seiten für das
faschistische Italien und das Hochlebenlassen des Lateranvertrags; jenes
Vertrages zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Hitler-Kollaborateur Mussolini,
der, als der Papst gerade seine Enzyklika schrieb, eine, die Welt herausfordernde,
aufsehenerregende Rede hielt, die er mit den Worten begann: „Liquidata la
Polonia!“ (ERKL.: „Polen ist erledigt!“).
Welche Risiken birgt es schon,
wenn man unter Gebrauch dieser Ausreden zu den Bekehrten predigt? Wie viele
letzterer wären auch darauf bedacht, derlei Bezugnahmen zu prüfen?
Nichtsdestotrotz – was sehen
wir, wenn wir das Verhalten des Vatikans in dieser Sache verfolgen? Als erstes,
wie der Nuntius in Warschau, Monsignore Cortesi (ERKL.: Filippo
Cortesi, *1876, †1947), Polen dazu drängt, Hitler in allem nachzugeben: Danzig,
der „Korridor“ (Landstreifen zwischen Pommern u. d. Unterweichsel; ERKL.: d.
Poln. Korridor), die Gebiete, wo deutsche Minderheiten leben. (68) Und,
daran anschließend, wie der Heilige Vater dem Aggressor hilft, sein „liebes
Polen“ um einen Großteil seiner Fläche zu verkleinern und von Paris und
London die Sanktionierung
dessen zu erwirken.
(68) Vgl. Graf Szembecks „Journal
1933-1939“ ([„Tagebuch 1933-1939“,] Plon, Paris, S.499).
(69) Vgl. Camille Cianfarra,
op.cit., S.259, 260.
Für die ob einer solchen
Vorgehensweise mit einem katholischen Lande Überraschten – hier ein
Präzedenzfall: nach der Ersten Teilung Polens (ERKL.: i.J. 1772), einer
Katastrophe, an der die Intrigen der Jesuiten einen wesentlichen Anteil hatten,
äußerte Papst Klemens XIV. in einem Brief an die österreichische Kaiserin Maria
Theresia seine Zufriedenheit wie folgt:
„Herbeigekommen ist die
Besetzung und Teilung Polens nicht allein aus politischer Raison; dieses
Erfordernis der größtmöglichen Erweiterung der Herrschaft des Wiener Hofes auf
Polen entspricht den Interessen der Religion und geistlichen Zugewinnung der
Kirche.“
Offensichtlich gibt es nichts
Neues unter der Sonne – vor allem im Vatikan. Wo doch diesmal die „geistliche
Zugewinnung der Kirche“ aus mehreren Millionen, sich dem Großdeutschen Reiche
angliedernden polnischen Katholiken bestand, was sollte man da 1939 in jener
zynischen Erklärung irgendein Wort fallen lassen.
Durch diese Tatsache ist das
sparsame päpstliche Mitgefühl im „Summi pontificatus“ leicht erklärt. In der
Slowakei ließ es der Vatikan noch besser kommen: er stellte Hitler einen seiner
höchsteigenen Prälaten zur Seite, einen Geheimkämmerer, der zum Oberhaupt
dieses Satellitenstaats des Reiches ernannt werden sollte.
„Hatte in Europa bereits der
Anschluss für viel Lärm gesorgt, so roch es ab jetzt mit Hitlers über der
Tschechoslowakei schwebender Drohung nach Krieg. Im Vatikan aber störte das
keinen. Lesen wir François Charles-Roux:
„Mitte August hatte ich
versucht, den Papst zu überreden, sich für einen Frieden auszusprechen – einen
gerechten Frieden, versteht sich … Erfolg aber hatten meine anfänglichen
Bemühungen nicht. Ab Anfang September 1938 dann, als sich die internationale
Krise ihren tiefsten Stand erreichte, hatte ich den steten Eindruck, dass sich
im Vatikan, im absurden Kontrast zur sich rasch verschlechternden Situation,
Zufriedenheit breitmachte.“
(70) François Charles-Roux, op.cit., S.127, 128.
„Auf alle meine Bemühungen“,
so der ehemalige französische Botschafter weiter, „bekam ich von Pius XI.
dieselbe Antwort: »Es wäre zwecklos, unnötig, ungelegen.«.
Sein hartnäckiges Schweigen war mir unbegreiflich.“
(71) François Charles-Roux,
op.cit., S.127, 128.
Die Ereignisse sollten dieses
Schweigen in Bälde erklären. Zunächst wäre da – mit Unterstützung der
Christlich-Sozialen Partei (ERKL.: eng m. d. kath. Kirche
zusammenarbeitende, sich an deren Weltbild orientierende, antijüd. u.
antiliberale Partei) natürlich – die Annektierung des Sudetenlandes; durch das
Münchner Abkommen wurde sie verfügt und somit die Tschechoslowakei geteilt.
Hitler aber, der garantiert hatte, ihre territoriale Integrität (Unversehrtheit) zu
respektieren, beabsichtigte in Wirklichkeit, einerseits die Böhmischen Länder
zu annektieren – ohne die Slowakei, die ihrerseits einen von ihm persönlich
ernannten Herrscher erhalten würde.
Diese Ziele zu erreichen, war
nicht besonders schwer für ihn, da das Gros der wichtigsten slowakischen
Oberpolitiker laut Walter Hagen (ERKL.: Pseudonym von Wilhelm Höttl;
*1915, †1999) (72) katholische Geistliche waren, von denen Priester
Hlinka (Jesuit) über eine nach SA-Grundsätzen ausgebildete „Garde“ verfügte.
(72) Vgl. Walter Hagen: „Le front secret“ (Les Iles d’Or, Paris, 1950). IN DEUTSCH:
Walter Hagen: „Die geheime Front“ (NIBELUNGEN=VERLAG, Linz u. Wien, 1950).
Wir wissen, dass nach
kirchlichem Recht kein Priester ein öffentliches Amt oder politisches Mandat
ohne das Einverständnis des Heiligen Stuhls begleiten kann. Dies bestätigt und
erklärt JP de Soras: „Wie könnte es auch anders sein? So, wie wir es immer
schon gesagt haben: ein Priester hat kraft des »Charakters«, mit dem ihn seine
Weihe auszeichnet, kraft der amtlichen Aufgaben, die er in der Kirche an sich
wahrnimmt, kraft der Sutane, die er trägt, die Pflicht, als Katholik zu
handeln, spätestens, wenn es um eine öffentliche Handlung geht. Wo der Priester
ist, da ist die Kirche.“
(73) JP de Soras, op.cit., S.96.
Mit dem Einverständnis des
Vatikans war es demnach, dass Kleriker im tschechoslowakischen Parlament saßen.
Mehr noch – einer dieser Priester sollte die Zustimmung des Heiligen Stuhls
haben, als ihn der Führer persönlich als Staatsoberhaupt einsetzte – und später
mit den höchsten Hitlerschen Auszeichnungen bedachte: dem Eisernen Kreuz und
dem Orden des Schwarzen Adlers.
Wie erwartet, annektierte Hitler am 15.März 1939 die so
genannte „Resttschechei“ und stellte die Slowakei, die er mit einem Federstrich
geschaffen hatte, „unter seinen Schutz“. An die Spitze setzte er den Jesuiten
Monsignore Tiso, „der davon träumte, Katholizismus und Nazismus zu
kombinieren.“. Ein hehres Ziel, und leicht zu verwirklichen, hatten es doch
bereits der deutsche und österreichische Episkopat (Bischofsapparat)
erprobt.
„Katholizismus und Nazismus“, verkündete Monsignore Tiso, „haben viel
gemeinsam; sie arbeiten bei der Weltverbesserung Hand in Hand.
(74) und (75) Henriette Feuillet: „France Nouvelle“, 25.Juni 1949.
Hitler lobte die Politik hinsichtlich der Judenfrage in der Slowakei anlässlich eines Treffens mit Tiso im Schloss Klessheim in Salzburg (in der Ostmark) am 22. April 1942. Es wurden um dir 58.000 Juden (75%) hauptsächlich in das Todeslager Ausschwitz deportiert. Nach der deutschen Besetzung des ganzen Territoriums der Slowakei wurde Tiso im Amt belassen und weitere 13.500 Juden deportiert und etwa 5000 inhaftiert, viele davon wurde ermordet.
Nach der russischen Befreiung wurde Tiso wegen Landesverrats und Kollaboration mit Nazideutschland zum Tode verurteilt und in seinem Priestergewand bekleidet gehängt.
Trotz der „erbärmlichen“ Enzyklika
„Mit brennender Sorge“ gab der Vatikan diesem Gauleiter-Priester seine
Bewilligung und dürfte in Sachen Weltverbesserung also kaum anderer Meinung
gewesen sein.
„Im Juni 1940 gab Radio Vatikan bekannt: »Die Erklärung
des Oberhauptes des slowakischen Staates, Monsignore Tiso, über seine Absicht,
eine Slowakei nach christlichem Plane aufzubauen, hat die vollste Zustimmung
des Heiligen Stuhls.«.“
(74) und (75) Henriette Feuillet: „France Nouvelle“, 25.Juni 1949.
50 Slovakische Kronen-Silbermünze zum fünfzigsten Jahrestag der Slovakischen Republik (1939-1945) mit dem Abbild des Slovakischen Präsidenten Joyef Tiso
„Seine besondere Not hatte das
Tiso-Regime mit der evangelischen Kirche jenes Landes, die ein Fünftel der Bevölkerung
ausmachte. Monsignore Tiso versuchte, den evangelischen Einfluss auf ein
Minimum zu reduzieren, ihn gar zu beseitigen. … Einflussreiche Mitglieder der
evangelischen Kirche wurden in KZs geschickt.“
(76) „Réforme“, 17.August 1947.
Und hätten sich glücklich
schätzen können angesichts dieser Erklärung des Preußen und Jesuitengenerals
Wernz (1906-1915): „Die Kirche kann Ketzer zum Tode verurteilen, da sich
jegliche Rechte, die sie haben, in unserer Nachsicht begründen, … “.
Sehen wir
nun, welche Art von apostolischer Geduld der Gauleiter und Prälat Tiso mit den
Juden hatte: „1941 traf aus der Slowakei und Oberschlesein der erste
Judentransport ein, und von Anfang an wurden alle Arbeitsunfähigen in einem
Raum des Krematoriumsgebäudes vergast.“
(77) Lord Russell of Liverpool: „Sous le signe de la croix gammée.“ (Les Amis du
Livre, Genf, 1956, S.217). IN DEUTSCH: Lord Russell of Liverpool: „Geißel der
Menschheit“ (VOLK UND WELT, Berlin, 1955, S.244).
Wer dies geschrieben hat? Lord
Russell of Liverpool – ein Chefankläger der Kriegsverbrecherprozesse und Zeuge,
den man nicht wird ablehnen können.
Der Heilige Stuhl hatte Hitler
also keinen seiner Prälaten vergeblich geliehen. Das jesuitische
Staatsoberhaupt erledigte seine Arbeit gut und die durch Radio Vatikan zum
Ausdruck gebrachte Zufriedenheit ist verständlich. Der erste Lieferant für
Auschwitz gewesen zu sein – was für eine Ehre für diesen heiligen Mann und die
Gesellschaft der Jesuiten in ihrer Gesamtheit!
In der Tat fehlte es diesem
Triumph an nichts. Zur Zeit der Befreiung wurde besagter Prälat durch die
Amerikaner an die Tschechoslowakei übergeben, wurde 1946 zum Tode verurteilt
und gehängt – die Krone, für einen Märtyrer!
„Alles gegen die Juden Getane
tun wir aus Liebe zu unserer Nation. Bis heute hat die Liebe zu unseren
Mitmenschen und die Liebe zu unserem Land die Entwicklung eines erfolgreichen
Kampfes gegen die Feinde des Nazismus genommen.“
(78) Henriette Feuillet: „France Nouvelle“, 25.Juni 1949.
Ein anderer hoher Würdenträger
der römischen Kirche in einem Nachbarland (westl. Land; ERKL.: gemeint ist
sicher das an Frankreich grenzende Italien) könnte sich doch diese
Erklärung Monsignore Tisos zueigen gemacht haben. Wenn nun schon – in
Entsprechung der unerschütterlichen Tradition der Kirche – das, worauf sich die
slowakische „Stadt Gottes“ gründete, Hass und Verfolgung war, was wird es dann
erst zu sagen geben über den zutiefst katholischen Staat Kroatien, diesem
Ergebnis des Zusammenwirkens von Killer Pawelitsch und Monsignore Stepinatz
sowie der Unterstützung durch den päpstlichen Legaten Marcone!
Wir müssten Rückblende halten,
die bis zur Eroberung der Neuen Welt geht, und dann Kortes (ERKL.: Ferdinand Kortes; span. Eroberer Mexikos, *1485,
†1547) und seine Abenteurer im Zusammenhang mit den nicht weniger
grausamen Bekehrermönchen sehen, um etwas zu finden, das einem Vergleich mit
den Gräueltaten jener Ustaschas standhält, die durch wahnhaft fanatische
Geistliche unterstützt, befehligt und motiviert wurden. Was diese „Mörder im
Namen Gottes“, wie sie Hervé Laurière (ERKL.: Pseudonym von Branko Miljuš; ehem.
serb. Minister d. königlich-jugoslaw. Regierung, flieht später nach Paris) ganz richtig
nennt, über vier Jahre lang getan haben, übersteigt jede Vorstellung, und die
Annalen (Jahrbücher) der römischen Kirche können – sind sie auch noch so reich
an derartigem Material – nichts Ebenbürtiges in Europa hervorbringen. Muss
jetzt eigentlich noch gesagt werden, dass der Kompagnon des blutrünstigen Ante
Pawelitsch ein weiterer Jesuit war und Monsignore Stepinatz hieß?
1934 trat in Marseille die von
Pawelitsch geführte kroatische Terrororganisation der „Ustaschas“ erstmals in das
Bewusstsein der Franzosen – und zwar mit der Ermordung König Alexanders I. von
Jugoslawien als auch unseres (des frz.) Außenministers Louis Barthou (ERKL.: Jean
Louis Barthou, *1862, †1934). „Da die Regierung Mussolini
offenbar in das Verbrechen verwickelt war“ (79) und Pawelitsch in Italien
Zuflucht gefunden hatte, forderte Frankreich dessen Auslieferung; diese nicht
zu bewilligen, war der Duce sichtbar bemüht und so musste das Schwurgericht
Aix-en-Provence das „Ustascha“-Oberhaupt in Abwesenheit zum Tode verurteilen.
Dieser von Mussolini
angeheuerte Terroristenchef „arbeitete“ für die italienische Expansion an der
Adriaküste. Als Hitler und Mussolini Jugoslawien 1941 besetzten und teilten,
wurde dieser vorgebliche kroatische Patriot von jenen an die Spitze des
Satellitenstaates gestellt, den sie unter der Bezeichnung „Unabhängiger Staat
Kroatien“ schufen. Am 18.Mai selbigen Jahres reichte Pawelitsch in Rom die
Krone jenes Staates dem Herzog von Spoleto, der den Namen „Tomislaus II.“ (ERKL.: *1900,
†1948) annahm. Dieser achtete freilich darauf, seines Scheinreiches
blutgetränkten Boden niemals zu betreten.
Ebenfalls an diesem Tage
bekamen Pawelitsch und seine „Freunde“ bei Pius XII. eine Privataudienz (einen
nichtdienstl. Empfang). Einer der „Freunde“ war Monsignore Salis-Sewis (ERKL.: Franz
Salis-Seewis, auch Salis-Sewis, *1872, †1967), Generalvikar von Monsignore
Stepinatz.
„Keine Scheu hatte also der
Heilige Stuhl beim Händeschütteln mit einem ausgemachten Mörder, der in
Abwesenheit für den Mord an König Alexander I. und Louis Barthou zum Tode
verurteilt worden war, einem Terroristenchef, der die furchtbarsten Verbrechen
auf dem Gewissen hatte! Und in der Tat erlebte am 18.Mai 1941, als Pawelitsch
und seine Mörderbande freudig von Pius XII. begrüßt wurden, das Massenmorden an
orthodoxen Serben seinen Höhepunkt, einhergehend mit Zwangskonvertierungen zum
Katholizismus.“
(79) François Charles-Roux, op.cit., S.132.
(79a) Vgl. Hervé Laurière: „Assassins au nom de Dieu“ ([„Mörder im
Namen Gottes“,] Éd. Dufour, Paris, 1951, S.40 ff.).
Die serbische
Bevölkerungsminderheit war es, die man im Visier hatte, wie es der Autor Walter
Hagen erklärt: „Aber die Lage wurde auch noch durch die innerpolitischen
Maßnahmen der Ustaša-Machthaber sehr erschwert. Sie überantworteten das Land
binnen kurzem einem blutigen Chaos … Der wahrhaft tödliche Haß der neuen Herren
richtete sich gegen die Juden und gegen die Serben, die geradezu offiziell für
vogelfrei erklärt wurden. … Ganze Dörfer, wie zum Beispiel Vojnić, ja
ganze Landstriche wurden systematisch ausgemordet oder es wurden die Einwohner
zur Flucht nach Serbien getrieben. Da nach alter Überlieferung Kroatentum und
katholischer Glaube, Serbentum und orthodoxes Bekenntnis gleichgesetzt wurden,
begann man die Orthodoxen zum Übertritt in die katholische Kirche zu zwingen.
Diese zwangsweise »Umtaufe« war eben die Form, in der sich die »Kroatisierung«
vollzog.“
(80) Walter Hagen, op.cit., S.168,
176, 198, 199. IN DEUTSCH: S.237, 238.
Der große Organisator dieser
Massaker und Zwangsbekehrungen war der Innenminister Andrija Artuković (ERKL.: *1899,
†1988); der sich – so ein Zeuge in hoher Stellung – während er es tat,
„moralisch“ als rechtschaffen verteidigte.
Und als die jugoslawische
Regierung die Vereinigten Staaten, wo er Zuflucht gefunden hatte, um seine
Auslieferung bat, da war gar jemand, der für ihn sprach: Hw.P.Lacković (ERKL.: Stjepan
Lacković), der ebenfalls in den Vereinigten Staaten lebte und im
zurückliegenden Krieg Sekretär des Agramer Erzbischofs Monsignore Stepinatz
war.
„Artuković“, so der
Jesuit, „war Monsignore Stepinatzens Laiensprecher (nichtprofessioneller
Sprecher). Zwischen 1941 und 1945 verging kein Tag, an dem er nicht in
meinem Büro war oder ich in seinem. Was die moralische Seite seines Vorgehens
betraf, so hatte er sich grundsätzlich den Rat des Erzbischofs einholt.“
(81) „Mirror News“ Los Angeles,
24.Januar 1958.
Wenn man aber um das
„Vorgehen“ dieses Vollstreckers weiß, dann wird einem auch klar, welcher Art
der erbauliche Rat des Monsignore Stepinatz gewesen sein muss.
Zu Massakern und „Bekehrungen“
kam es bis zur Befreiung, und des Heiligen Vaters Wohlwollen für die Killer
blieb unverändert.
Man lese einmal in den
kroatischen Zeitungen jener Zeit den Austausch von Komplimenten zwischen Pius
XII. und Pawelitsch, jenem „Poglavnik“ (kroatischen „Führer“), dem der
jesuitische Erzbischof von Sarajewo und Freizeitdichter Monsignore Šarić (ERKL.: Ivan Šarić) von
verzückter Verehrung durchdrungene Verse widmete.
Doch war dies nur Schöntuerei:
„Monsignore Stepinatz wird Mitglied des »Ustascha«-Parlaments.“ (82) Er trägt
„Ustascha“-Abzeichen, bei sämtlichen wichtigen offiziellen
„Ustascha“-Auftritten ist er zugegen und hält sogar Reden. ... „Haben wir uns
da noch über die Monsignore Stepinatz vom Satellitenstaat Kroatien erwiesene
Ehrerbietung zu verwundern? Oder dass ihm die »Ustascha«-Presse Loblieder sang?
Es springt einem ja geradezu ins Auge, dass ohne Monsignore Stepinatzens
Unterstützung von religiöser und politischer Seite her ein Ante Pawelitsch nie
die Mitarbeit katholischer Kroaten in einem derartigen Ausmaße gewonnen hätte.“
(82) Mit weiteren katholischen
Geistlichen, wie Monsignore Aksamović, dem Jesuiten Irgolić, Lonacir,
Pavunić, Mikan, Polić, Severović, Šipić, Skrinjar,
Vučetić (Anmerkung des Verfassers).
(83) „Le Monde“, 27.Mai 1953.
Um das volle Ausmaß jener
Mitarbeit zu begreifen, muss man die kroatische katholische Presse lesen, den
„Katolički tjednik“, den „Katolički List“, den „Hrvatski Narod“ und viele
andere Publikationen, von denen in der Schmeichelei für den blutigen
„Poglavnik“ eine die andere übertraf; und dass dieser ein „Katholik der Tat“
war – davon war Pius XII. besonders angetan, und die hohe Wertschätzung durch
den Oberhirten schloss selbst noch die Komplizen des großartigen Mannes mit
ein.
Vom „Osservatore Romano“
erfahren wir, dass am 22.Juli 1941 einhundert Mitglieder der vom Agramer
Polizeichef Evgen Dido Kvaternik geleiteten Ustascha-Miliz vom Papst empfangen
wurden. Der diese kroatische SS-Truppe, die Elite der in den KZs operierenden
Henker und Folterknechte, vorzeigte, verübte derart furchtbare Verbrechen, dass
seine eigene Mutter in ihrer Verzweiflung Selbstmord beging.
Durch den apostolischen Eifer
dieser Killer ist das Wohlwollen seiner Heiligkeit Pius’ XII. leicht
nachvollziehbar. Ein weiterer „Katholik der Tat“, der Kultusminister Mile
Budak, verkündete im August 1941 in Karlstadt: „Grundlage der
»Ustascha«-Bewegung ist die Religion. Unser ganzes Werk beruht auf der Treue
zur Religion und katholischen Kirche.“
(84) Vgl. Hervé Laurière: „Assassins au nom de Dieu“ (Éd. Dufour, Paris,
1951, S.97).
Ebendieser Kultusminister hat
besagtes Werk am 22.Juli in Gospitsch in treffender Weise definiert: „Wir
werden einige der Serben töten, wieder andere deportieren, und der Rest wird
zur Annahme der römisch-katholischen Religion gezwungen.“.
(85) „L’Ordre de Paris“, 8.Februar
1947.
Dieses tolle Programm kam zur
buchstäblichen Ausführung. Als die Befreiung dieser Tragödie ein Ende setzte,
waren 300.000 Serben und Juden deportiert und mehr als 500.000 niedergemetzelt
worden. Auf diese Weise hatte die römische Kirche zudem 240.000 orthodoxe
Gläubige ihrer Gemeinde zugeführt … die, als deren Freiheit wiederhergestellt
war, rasch zur Religion ihrer Vorfahren zurückkehrten.
Um dieses lächerliche Ergebnis
aber zu erreichen, welches Grauen hatte sich über dieses unglückselige Land
ergossen! Man lese in Hervé Laurières Buch „Assassins au nom de Dieu“
Einzelheiten der ungeheuerlichen Folterungen, die diese Katholiken der Tat, die
die Ustaschas waren, an ihren armen Opfern verübten.
Der englische Journalist F.A.
Voigt (ERKL.: Frederick Augustus Voigt, *1892, †1957) schrieb: „Die
kroatische Politik bestand aus Massakern, Deportationen oder Bekehrungen. Die
Zahl derer, die hingemetzelt wurden, geht in die Hunderttausende. Begleitet
waren die Massaker von den bestialischsten Folterungen. Die »Ustaschas «
entnahmen ihren Opfern die Augen und fertigten daraus Girlanden, die sie als
Andenken trugen oder vorzeigten.“.
(86) „Nineteenth Century and
After“ („Neunzehntes Jahrhundert und danach“), August 1943.
„In Kroatien implantierten die
Jesuiten den politischen Klerikalismus.“
(87) und (88) Hervé Laurière,
op.cit., S.82, 84, 85.
Es ist das von der Kompanie
den Nationen, die es begrüßen, ausnahmslos angebotene Geschenk. Selbiger Autor
fügt hinzu: „Mit dem Tode des großen kroatischen Tribuns Raditsch (ERKL.: Joseph
Raditsch, *1871, †1928) verliert Kroatien seinen Hauptgegner des politischen
Klerikalismus, der den von Friedrich Muckermann (ERKL.: Friedrich
Joseph Muckermann, *1883, †1946) definierten Auftrag der Katholischen
Aktion zu seiner Sache machen wird. In einem Buch, dessen Vorwort Monsignore
Pacelli, damaliger Apostolischer Nuntius in Berlin, verfasste, machte dieser
noch vor Hitlers In-Erscheinung-Treten weithin bekannte deutsche Jesuit
besagten Auftrag 1928 bekannt. Muckermann drückte sich wie folgt aus: „Der
Papst spricht sich für den neuen Kreuzzug der Katholischen Aktion aus. Er ist
der Anführer, der das Banner Christi trägt. … Katholische Aktion heißt Sammlung
des Weltkatholizismus. Er muss sein heroisches Zeitalter leben. … Die neue
Epoche kann für Christus nur über den Preis des Blutes erreicht werden.“
(87) und (88) Hervé Laurière,
op.cit., S.82, 84, 85.
Zehn Jahre nachdem dies
verfasst worden war, saß der Schreiber des Vorworts zu Jesuitenpater
Muckermanns Buch auf Petri Stuhl (dem Papststuhle), und während
seines Pontifikats flossen vom Blut „für Christus“ in Europa im wahrsten Sinne
des Wortes Ströme; Kroatien aber durchlitt das Schlimmste der grauenhaften
Taten jener „neuen Epoche“.
Da waren nicht allein die von
der Kanzel herunter das Abschlachten voll und ganz befürwortenden Priester,
sondern einige marschierten sogar an der Spitze der Mörder. Andere bekleideten
neben ihrem priesterlichen auch öffentliche Ämter als Gespane (Landräte) oder Chefs
der „Ustascha“-Polizei, selbst als Leiter von Konzentrationslagern, deren
Grauen das von Dachau oder Auschwitz noch übertraf.
In diese blutige Ehrungsliste
haben wir die Namen von Abt Božidar Bralo, des Priesters Dragutin Kamber (ERKL.: *1901,
†1969), des Jesuiten Lacković und von Abt Ivan Šalić,
Sekretären von Monsignore Stepinatz, sowie des Priesters Nikola Bilogrivić
etc. aufzunehmen ... und zahllose Franziskaner; von denen einer der schlimmsten
Bruder Miroslav Filipović (ERKL.: *1915, †1946),
Hauptorganisator jener Massaker, Leiter und Vollstrecker im KZ Jasenovac, der
grauenhaftesten dieser irdischen Höllen, war.
Bruder Filipovićs
Schicksal war das Gleiche wie Monsignore Tisos in der Slowakei: als die
Befreiung kam, wurde er, seine Sutane tragend, gehängt. Viele seiner nicht so
sehr auf die Erringung der Märtyrerpalme bedachten Rivalen aber flohen
halsüberkopf mit den Mördern, denen sie derart gut assistiert hatten, nach
Österreich.
Was aber tat hier die
„Hierarchie“ („Führungsspitze“) im Angesicht des Blutrauschs derart
vieler ihrer Untergebenen? Die „Hierarchie“, oder der Episkopat (Bischofsapparat)
und
sein Führer, Monsignore Stepinatz, stimmten im „Ustascha“-Parlament für die die
Bekehrung der Orthodoxen zum Katholizismus betreffenden Dekrete, sandten
„Missionare“ zu den terrorisierten Bauern, bekehrten ohne mit der Wimper zu
zucken ganze Dörfer (89), nahmen die serbisch-orthodoxen Kirchengüter in Besitz
und übergossen, dem durch Papst Pius XII. aus der Höhe her gegebenen Beispiele
folgend, den Poglavnik ohne Unterlass mit Lob und Segen.
(89) In Monsignore Stepinatzens
eigener Diözese Kamensko kehrten an einem Tage 400 in die römisch-katholische
Gemeinde zurück. Mit der Anmerkung, zu ihnen sei es „spontan und ohne jeden
Druck seitens weltlicher und kirchlicher Behörden“ gekommen, gab „Radio
Vatikan“ am 12.Juni 1942 diese Massenbekehrungen bekannt.
Die persönliche Vertretung
Seiner Heiligkeit Pius XII. in Agram war der angesehene Mönch Hw.P.Marcone.
Dieser „Sancti Sedis Legatus“ („Legat d. Hl.Stuhls“), der auf
sämtlichen „Ustascha“-Feierlichkeiten den Ehrenplatz bekam und sich
scheinheilig im Hause von Killerchef Pawelitsch samt dessen Familie, die ihn
als Freund empfing, ablichten ließ. ... „Gleich und Gleich gesellt sich gern.“.
Jederzeit herrschte demnach die
allerehrlichste Aufrichtigkeit in den Beziehungen zwischen den Mördern und den
Geistlichen – nicht wenige dieser Geistlichen freilich hatten beiderlei
Funktionen inne, wofür sie nie je zur Verantwortung gezogen wurden. „Der Zweck
heiligt die Mittel.“
Als Pawelitsch und seine 4.000
„Ustaschas“ – die den Jesuiten und Erzbischof Šarić, Bischof Garić (ERKL.: Jozo Garić) sowie 400
Geistliche mit einschlossen – den Ort ihrer Heldentaten verließen, um zunächst
nach Österreich, dann nach Italien zu gehen, ließen sie einen Teil ihrer
„Schätze“ zurück: Filme, Fotografien, aufgezeichnete Reden Ante Pawelitschs,
Truhen voller Edelsteine, Goldmünzen, Zahngold und - platin, Armbänder,
Eheringe sowie Zahnprothesenteile aus Gold und Platin. Diese aus den elend Dahingemordeten geschlagene Beute versteckte man
im Erzbischöflichen Palais, wo sie schließlich gefunden wurde.
Und die Flüchtigen – denen kam
die eigens zur Rettung von Kriegsverbrechern geschaffene „Päpstliche
Hilfskommission“ zu passe. Diese karitative Einrichtung versteckte sie in
Klöstern, hauptsächlich in Österreich und Italien, und versorgte die Chefs mit
falschen Pässen, die es ihnen ermöglichten, in „befreundete“ Länder zu gehen,
wo sie die Früchte ihrer Raubzüge in Ruhe genießen können würden. So geschehen
bei Ante Pawelitsch, dessen Anwesenheit in Argentinien 1957 ein ihn nur
verwundender Mordversuch enttarnte.
Von da an brach das
diktatorische Regime in Buenos Aires zusammen. Wie auch Ex-Präsident Perón
selbst, so hatte sein Schützling Argentinien zu verlassen. Von Paraguay aus, wo
er zunächst hinging, erreichte er Spanien, wo er am 28.Dezember 1959 im
deutschen Krankenhaus zu Madrid starb. Bei jener Gelegenheit erinnerte die
französische Presse an seine blutige Kariere und – diskreter – an die „mächtigen
Komplizen“, die es ihm ermöglichten, der Strafe zu entgehen.
Unter der Überschrift „Belgrad
forderte seine Auslieferung vergeblich“ lesen wir in „Le Monde“: „Die heute
morgen in der Presse veröffentlichte Kurzinformation hat unter den Jugoslawen
Erinnerungen an eine Vergangenheit wiederbelebt, angefüllt mit Leiden und
Bitterkeit gegen jene, die durch das Verstecken Ante Pawelitschs ihn so fast
fünfzehn Jahre lang dem Zugriff der Gerechtigkeit entzogen.“
(90) „Le Monde“, 31.Dezember 1959.
„Paris-Press“ hebt das letzte
dem Terroristen angebotene Obdach mit diesem kurzen, aber bezeichnenden Satz
hervor: „Er endete in einem Madrider Franziskanerkloster.“
(91) „Paris-Press“, 31.Dezember
1959.
Und just von da aus wurde
Pawelitsch ins Krankenhaus eingeliefert, wo er sich der Natur stellte, nicht
aber der von seinen leicht auszumachenden „mächtigen Komplizen“ verspotteten
Gerechtigkeit.
Monsignore Stepinatz, der, wie
er sagte, ein „reines Gewissen“ hätte, blieb in Agram, wo ihm 1946 der Prozess
gemacht wurde. Verurteilt zu harter Arbeit, wurde es ihm praktisch nur
auferlegt, in seinem Heimatdorf zu residieren (zu wohnen). Wie wir
sehen können, war die Strafe leicht zu tragen – die Kirche aber braucht
Märtyrer. Damals wurde der spätere Erzbischof von Agram – noch vor Erreichung
des kanonischen Alters – von Pius XII., der ihm für „sein den reinsten Glanz
aufweisendes Apostolat“ eilends den „Kardinals“-Titel verlieh, zum Koadjutor
erhoben.
Wir wissen um die symbolische
Bedeutung des Kardinalspurpurs (Kardinalsrocks): wer ihn
anlegt, hat bereit zu sein, seinen Glauben „usque ad sanguinis effusionem“ zu
bekennen: bis zum Blutvergießen. Dass dieses Vergießen in Kroatien unter dem
Apostolat des besagten Heiligen reichlich war, kann nicht bestritten werden,
nur dass das dort in Strömen geflossene Blut nicht das des Prälaten war: es war
das Blut von orthodoxen Gläubigen und Juden. Haben wir hierin eine
„Umkehrbarkeit von Verdiensten“ zu sehen?
Ist jenes der Fall, so kann
das Kardinalsamt Monsignore Stepinatzens freilich nicht angefochten werden. „In
der Diözese Oberkarlstadt, einem Teile seines Erzbistums, konnten sich von den
460.000 Orthodoxen, die dort lebten, 50.000 in den Bergen verstecken, 50.000
wurden nach Serbien geschickt, 40.000 über das Terrorregime zum Katholizismus
bekehrt und 280.000 niedergemetzelt.“
(92) Vgl. Jean Hussard: „Vu en
Yougoslavie“ ([„Gesehen in Jugoslawien“,] Lausanne, 1947, S.216.
Am 19.Dezember 1958 ist in der
„France Catholique“ zu lesen: „Um die Größe und Heldenhaftigkeit Seiner Eminenz
Kardinal Stepinatz zu würdigen, wird am 21.Dezember 1958 um 16 Uhr in der
Krypta (Kellerkirche) der Odilienkirche, 2 Avenue Stéphane Mallarmé, Paris 17,
ein Treffen stattfinden. Dafür verantwortlich zeichnet Seine Eminenz Kardinal
Feltin, Erzbischof von Paris.
Senator Ernest Pezet und der
nationale Rektor der Kroatischen Mission in Frankreich, Hochwürden Pater Dragun
(ERKL.:
Bogdan Teodor Dragun) werden teilnehmen. Messe und Kommunion hält Seine
Exzellenz Monsignore Rupp.“
Und so bereicherte eine
weitere Figur, und keine geringe, nämlich die Kardinal Stepinatzens, die
„Galerie Großer Jesuiten“.
Eine weitere Absicht besagten
Treffens am 21.Dezember 1958 in der Odilienkrypta war die „Vorstellung“ eines
zur Verteidigung des Agramer Erzbischofs von Hw.P.Dragun höchstselbst
verfassten Buches; Monsignore Rupp, Kardinal Feltins Koadjutor, hatte das
Vorwort geschrieben. Eine umfassende Beurteilung vermögen wir hier nicht zu
geben, nur so viel:
Der Titel des Buches: „Le
Dossier du cardinal Stepinac“ (ERKL.: Théodore Dragoun R.P., Nouvelles
Éditions Latines, 1958) – zu deutsch: „Die Akte Kardinal
Stepinatz“ – scheint dem Leser eine objektive Darlegung des Agramer Prozesses
zu versprechen. Und tatsächlich finden wir in diesem 285 Seiten starken Bande
die Reden der zwei Anwälte des Erzbischofs in voller Länge, begleitet von
umfangreichen Anmerkungen des Autors, doch erfahren weder die Anklage
schlechthin noch der Antrag des Staatsanwalts auch nur die leiseste Erwähnung.
Das Sprichwort „Jedes Ding hat
zwei Seiten.“ schien sich Hw.P.Draguns Wahrnehmung zu entziehen, es sei denn,
er kannte es z u gut!
Wie es auch immer sei, diese
systematische Ausblendung der Kehrseite des Themas wäre hinreichend, die
Debatte zu beenden.
Betrachten wir dennoch die für
den Freispruch des Agramer Erzbischofs herangezogenen guten Gründe. Zuvorderst
aber die Frage: War Monsignore Stepinatz wirklich Metropolit von Kroatien und
Slawonien (Vorsteher der Kirchenprovinz Kroatien u. Slawonien)? Die Antwort
darauf gibt Hw.P.Draguns Buch nicht. Auf dessen Seite 142 ist bezüglich einer
Ausfertigung des Stepinatzschen Berichts, der in seiner Autentizität von der
Verteidigung nicht angefochten wurde, folgendes zu lesen:
„Im Wortlaut der Ausfertigung
wird der Erzbischof als »Metropolita Croatiæ et Sclavoniæ« (»Metropolit von
Kroatien u. Slawonien«) beschrieben, nur dass der Erzbischof eben kein Metropolit (Kirchenprovinzvorsteher)
ist
und sich als solcher selbst nie je darstellte.“
Das würde die Frage klären,
läsen wir nicht auf Seite 114 das Folgende, aus Monsignore Stepinatzens eigenen
Erklärungen vor dem Tribunal Entnommene:
„Dass die kleinen Nationen und
die nationalen Minderheiten dass Recht haben, frei zu sein, ist vom Heiligen
Stuhle oft hervorgehoben worden. Sollte da nicht ich, als »Bischof und
Metropolit«, das Recht haben, das zu erörtern?“ Man versteht, je mehr man
liest, immer weniger!
Egal! Wie wir stets aufs Neue
erinnert werden, habe Monsignore Stepinatz das Verhalten seiner Gemeinde und
Geistlichkeit in keinster Weise beeinflussen können.
An jene, die die Artikel der
die Leistungen Pawelitschs und seiner angeheuerten Mörder preisenden
katholischen Presse herzu holen, ergeht die Antwort: „Es ist schlichtweg
lächerlich, Monsignore Stepinatz für das von einer Zeitung Geschriebene
verantwortlich zu machen.“.
Und sei es der „Katolički
List“, die wichtigste katholische Zeitung in Monsignore Stepinatzens Diözese
Agram!
Unter jenen Umständen werden wir
uns nicht die Mühe machen, den den Franziskanern gehörenden „Anñeo čuvar“
(„Schutzengel“), den „Glasnik sv.Ante“ (die „Antoniusstimme“) der Konventualen (ERKL.: i. dt.
Sprachraum „Minoriten“ geheißener Zweig d. Franziskaner, der sich im Gefolge d.
Armutsstreits herausgebildet hat u. 1517 als eigener Orden päpstlich anerkannt
wurde) des Sarajewoer „Katolički tjednik“ („Katholischen
Wochenblatts“), oder Bischof Šarić zu zitieren, noch freilich den
jesuiteneigenen „Vjesnik Počasne straže Presvetog Srca Isusova“ („Boten
der Ehrenwache des göttlichen Herzens Jesu“)!
Man behauptet also, dass der
„angefochtene Metropolit“ Monsignore Stepinatz über diese Publikationen, deren
Leiter er war, und die immerdar versuchten, einander in ihrer Verherrlichung
Pawelitschs und seiner Blutherrschaft zu übertrumpfen, keinen Einfluss hatte.
Weder habe er Autorität, wie
zu hören, über die „Ustascha“-Bischöfe Šarić, Garić, Aksamović (ERKL.: Antun
Aksamović), Šimrak (ERKL.: Janko Šimrak, *1883, †1946) etc. gehabt,
die den Poglavnik mit Segen übergossen und seine Verbrechen lebhaft begrüßten,
noch über die „Kreuzritter“ der Katholischen Aktion, diesen Hilfstruppen der
„Ustascha“-Bekehrer, noch über die franziskanischen Mörder, noch über die
Agramer Nonnen, die mit in Hitlermanier erhobenen Händen einhermarschierten.
Welch seltsame „Hierarchie“ („Führungsspitze“), die über
nichts und niemanden Autorität gehabt haben soll!
Die Tatsache, dass er mit zehn
anderen katholischen Priestern im „Sabor“ (dem „Ustascha“-Parlament) saß, kompromittiert
(beschädigt)
den
Erzbischof nicht – oder wir haben dies, da man die Tatsache einfach ignoriert,
wenigstens anzunehmen.
Wir sollten ihm etwa weder
seinen Vorsitz in den Bischofskonferenzen noch in der Kommission für die
Anwendung des die Bekehrung der Orthodoxen betreffenden Gesetzes vorwerfen. In
besagter Apologie (Rechtfertigung) wird der „humanitäre“ („menschenfreundliche“)
Vorwand
für die gewaltsame Eingliederung derart Vieler in die römische Kirche gänzlich
– und gänzlich geschickt – dargelegt. Hinsichtlich des Monsignore Stepinatz
konfrontierenden „schrecklichen Dilemmas“ lesen wir dies: „Seine
seelsorgerliche Aufgabe war es, die kanonischen Prinzipien intakt zu halten,
andererseits aber wurden Andersdenkende, die es ablehnten, den Katholizismus zu
übernehmen, niedergemetzelt; weshalb er die Strenge der Regeln verringerte.“
Noch verwirrter wird man,
ließt man an etwas späterer Stelle: „Um eine Klärung dieser dramatischen
Alternative bemüht, wies er in dem Rundschreiben vom 2.März 1942 die Priester
an, die Bekehrungsmotive eingehend zu prüfen.“
Eine in der Tat merkwürdige
Methode, wie er „die Strenge der Regeln“ milderte und die „dramatische
Alternative“ klärte!
War Monsignore Stepinatz jetzt
dabei, den Scheinbekehrten die Tür zur römischen Kirche zu öffnen oder zu
verschließen? Das herauszufinden, wäre, bezögen wir uns einzig auf diese
Verteidigungsrede, absolut undenkbar. Des Erzbischofs Apologeten scheinen
jedenfalls das „Verschließen“ zu wählen, wenn sie erklären: „ … Im Bereich der
Erzdiözese (Hauptbischofsprovinz) Agram waren Wiedertaufefälle sehr
selten.“
(92a) Dragoun R.P.: „Le Dossier du cardinal Stepinac“ (Nouvelles Éditions
Latines, Paris, 1958, S.46 u. 163).
Wie schon gesagt, spricht die
Statistik leider eine andere Sprache: „ … Allein in der zum Erzbistum Agram
gehörenden Diözese Oberkarlstadt wurden 40.000 Menschen wiedergetauft.“
Dass derartige Ergebnisse nur
durch Massenbekehrungen ganzer Orte erreicht werden konnten, ist offensichtlich
– wie in Kamensko in der gleichnamigen Stepinatzschen Erzdiözese, wo an einem
Tage 400 verlorene Schafe „spontan und ohne jeden Druck seitens weltlicher und
kirchlicher Behörden“ in die römische Gemeinde zurückgekehrt seien.
Warum dann also diese Zahlen
unterschlagen? Wären sie wirklich Folge der „wohlwollenden Gesinnung“ des
kroatischen katholischen Klerus und nicht der skrupellosen Ausnutzung des
Terrors gewesen, dann hätte man darauf stolz sein sollen. Wahr aber ist, dass
der als Verbergungsversuch über besagte Niedertrachten gelegte Schleier
transparent und nicht breit genug ist. Hinsichtlich der Deckung Stepinatzens
gilt es, andere aufzudecken: die Bischöfe Šarić, Garić, Šimrak, die
Priester Bilogrivić, Kamber, Bralo und deren Mittäter – die Franziskaner
und Jesuiten und – schlussendlich – den Heiligen Stuhl.
Wir könnten uns auch des
besagten sonderbaren Erzbischofs „reines Gewissen“ zu Gemüte führen ... dieses angeblich
jede Autorität entbehrenden, sich – als er es nicht war – „Metropolit“
nennenden Primas von Kroatien, der, um dem Paradoxon die Krone aufzusetzen,
Türen öffnete, als er sie schloss. Diesem fantastischen Prälaten zur Seite aber
stand – konsequent und beleibt – noch ein weiterer – Hw.P.Marcone, der
persönliche Vertreter Pius‘ XII.
War auch dieser „Sancti Sedis
Legatus“ bar jeder Autorität über den kroatischen Klerus? Wer weiß! Denn die
derart sorgsam gereinigte „Akte“ macht von dieser großartigen Person keinerlei
Erwähnung, seine Existenz könnte sich gar unserem Bewusstsein entziehen, hätten
wir nicht andere Informationen, wie z.B. Fotografien, die zeigen, wie er im
Agramer Dom amtiert, als feierlich Eingesetzter, inmitten des
„Ustascha“-Generalstabs, und vor allem mahlhaltend mit der Famile Pawelitschs,
des Katholiken „der Tat“, der die Massaker organisierte.
In Anbetracht eines derartigen
Dokuments ist es nicht überraschend, dass die Anwesenheit des päpstlichen
Repräsentanten „verdunkelt“ wurde; die Mystiker würden es „erhellendes Dunkel“
nennen! Noch erhellender sind folgende Zeilen der „Akte“:
„Der Anwalt selbst führt in
seiner Anklageschrift den Staatssekretär des Heiligen Stuhls, Kardinal Maglione
an, der Erzbischof Stepinatz 1942 riet, verstärkt herzliche und freundliche
Beziehungen zu den »Ustascha«-Behörden zu begründen.“
(92b) Dragoun R.P.: „Le Dossier du cardinal Stepinac“ (Nouvelles
Éditions Latines, Paris, 1958, S.32).
Das ist hinreichend, um jede
weitere Argumentation zu beenden.
Die gemeinsame Sache zwischen
dem Vatikan und den „Ustascha“-Mördern ist deutlich genug. Der Heilige Stuhl
höchstselbst hatte Monsignore Stepinatz gedrängt, mit ihnen zusammenzuarbeiten
und der persönliche Vertreter Pius’ XII. hatte, indem er sich an Pawelitschs
Tisch setzte, die päpstlichen Anweisungen buchstabengetreu in die Tat
umgesetzt: Freundlichkeit und Herzlichkeit in den Beziehungen zu den Mördern
der orthodoxen Gläubigen und Juden.
Für uns keine Überraschung!
Was aber denken sich die
Jesuiten bei alledem, wo sie doch hartnäckig beteuerten, dass eine dauerhafte
Zusammenarbeit der Prälaten Seiner Heiligkeit mit den Diktatoren eine rein
persönliche und nicht vom Vatikan diktierte „Option“ gewesen sei?
Als Kardinal Maglione dem
Agramer Erzbischof die vorstehend erwähnten Empfehlungen zusandte, sollte er da
seine „persönliche Option“ zum Ausdruck gebracht haben – unter dem Siegel des
Staatssekretariats?
Der eben erwähnte von
Hw.P.Dragun gelieferte Beweis des stillscheigenden Einverständnisses zwischen
dem Heiligen Stuhl und den „Ustaschas“ rundet dieses Kapitel ab.
Doch gibt es hierzu eine
neuerliche Bestätigung der missionarischen Gesinnung, die unter den Gläubigen
der kroatischen katholischen Kirche gegenüber den orthodoxen Serben gedieh und
immer noch gedeiht.
Die „Fédération ouvrière
croate en France“ (Die Vereinigung „Kroatischer Arbeiterbund in Frankreich“)
verschickte eine Einladung zu der für Sonntag, den 19.April 1959 in der
Zentralstelle des „Französischen Bundes christlicher Arbeiter“ in Paris
anberaumten Festversammlung, um den 18. Jahrestag der Gründung des kroatischen
„Ustascha“-Staates zu feiern.
In der Einladung zu lesen:
„Die Feierlichkeiten werden mit der in der Maria-Loretto-Kirche gelesenen Heiligen
Messe beginnen.“ Doch ist der von diesem frommen Anfange angetane Leser umso
erschrockener angesichts des kurz darauf folgenden direkten Aufrufs: „TOD DEN
SERBEN … !“.
(93) Vgl. „Le Monde“, 19.April
1959.
Laut diesem keineswegs
belanglosen Dokument sei es also bedauerlich, dass diese „Brüder in Christo“
nicht mehr getötet würden.
Das Buch Hw.P.Draguns, des
Rektors der Kroatischen Mission in Frankreich, macht Andeutungen, dass der den
kroatischen Flüchtlingen durch die französischen Katholiken gegebene Empfang
nicht herzlich genug gewesen sei. So zu erfahren auf den Seiten 59 und 60; und
auf den Seiten 280 und 281 erwähnt der Autor die „herbe Enttäuschung“, die
diese Flüchtlinge erlebt hätten, als sie auf den „völligen Mangel an
Verständnis seitens ihrer Brüder im Glauben“ gestoßen seien.
Betrachten wir das vorgenannte
Dokument, so erscheint dieser „Mangel an Verständnis“ begreiflich; wir sind
froh, dass – den ach so erhebenden Einladungen zum Trotze – unsere Landsleute (die Franzosen) für eine Frömmigkeitsform
wenig Sympatie zeigen, bei der nach bestem römischem und „Ustascha“-Usus der
Aufruf zum Mord mit der „heiligen Messe“ Hand in Hand geht. Und wir wären noch
froher, wenn das Drucken und öffentliche Verteilen dieser blutrünstigen
Traktate, noch dazu in Paris, nicht erlaubt würde.
Am 10.Februar 1960 verstarb
der niederträchtige Agramer Erzbischof Aloysius Stepinatz in seinem Heimatdorfe
Karlovice, wo ihm auferlegt worden war, zu residieren. Dieses Ableben gab dem
Vatikan die Gelegenheit, eine seiner großartigen Manifestationen zu
organisieren, mit denen er ja zu glänzen verstand.
Jener Anlass erforderte große
Anstrengungen, da viele Katholiken im Stepinatzschen „Falle“ keinen Täuschungen
erlegen waren. Um diesem Höhepunkte also den größtmöglichen Pomp zu verleihen,
übertraf sich der Heilige Stuhl selbst. Der „Osservatore Romano“ und die
gesamte katholische Presse widmeten den begeisterten Lobeshymnen auf den
„Märtyrer“, „sein geistliches Testament“ und die „seine Rücksichtnahme und
übernatürliche Liebe“ verkündenden Reden Seiner Heiligkeit Johannes XXIII.
viele Kolumnen; was auch des Papstes Beweggründe waren, zu Ehren des besagten
nicht zur Kurie gehörenden Kardinals einen Festgottesdienst im römischen
Petersdome abzuhalten und ihm die Generalabsolution (vollkommene
Sündenvergebung) zu erteilen. Und um diese Glorifizierung komplett zu
machen, gab die Presse bekannt, dass die Seligsprechung jener illustren (glänzenden) Person in
Bälde begänne.
Zugeben müssen wir, dass er
für seinen strikten „heiligen Gehorsam“ das viele Lob und auch den
Heiligenschein verdient hatte, und dass er die nachdrücklichen Anweisungen des
Heiligen Stuhls, „herzliche und freundliche“ Beziehungen zwischen sich und den
„Ustaschas“ zu begründen, buchstabengetreu ausgeführt hatte.
Doch hoffen wir, dass sich
selbst unter den Katholiken einige finden mögen, die wahrnehmen, wie der
Vatikan – hinter der Begeisterung für diesen künftigen Heiligen und hinter der
Beisetzung unter den an das blutige Stepinatzsche „Apostolat“ erinnernden
Blumen – seine eigenen Verbrechen zu verbergen sucht.
Wir haben gesehen, wie die
Katholische Aktion – mit Léon Degrelle und seinen Komplizen an der Spitze – im
„Christus Rex“-Belgien den Weg für Hitler vorbereitet hatte. Dasselbe
unterminierende Vorgehen schritt in Frankreich voran; es begann mit Mussolinis
Machtantritt und endete 1940 mit dem Zusammenbruch der Landesverteidigung. In
Belgien sollten, wie wir erfahren dürfen, zum Wohle des Landes die
„spirituellen Werte“ wiederhergestellt werden. Man rief die FNC: die
„Katholisch-Nationale Vereinigung“ („Fédération national catholique“) ins Leben
und gab sie unter den Vorsitz General de Castelnaus; bis zu drei Millionen
Anhänger traten ihr bei. Ihr Chef war clever gewählt: der General, eine große
militärische Persönlichkeit und damals 78 Jahre alt, überspielte mit seinem –
ihm aber freilich angeblich unbewussten – persönlichen Prestige ein intensives
klerikofaschistisches Propagandaprogramm.
Dass die FNC, wie ja die
Katholische Aktion überhaupt, durch und durch jesuitisch war, bleibt niemandem
verborgen. Wir wissen aber auch, dass die guten Patres, deren hartnäckige Sünde
der Stolz ist, es mögen, den Werken ihres Genies ihre Signatur zu geben. Das
taten sie bei der FNC, als sie diese katholische Armee dem Heiligen Herzen
Jesu, einer von ihrer Kompanie begründeten Anbetung, weihten, deren Basilika
auf dem Montmartre steht, von dem aus sich Ignatius von Loyola und seine
Gefährten zur Eroberung der Welt aufmachten.
Ein die FNC betreffendes Buch,
dessen Vorwort von Hw.P.Janvier geschrieben wurde, bewahrte die vom alten
General „am Altar“ gelesene Weihehandlung der Nachwelt. Hier einige Passagen
daraus:
„Heiligstes Herz Jesu, die
sich jetzt vor dir zu Boden werfenden Führer und Vertreter französischer
Katholiken haben sich unlängst zusammengefunden und die Katholisch-Nationale
Vereinigung (FNC) organisiert, um deine Herrschaft über dieses Land
wiederaufzurichten. … Wir alle, die Anwesenden wie die Abwesenden, waren
bislang nicht allezeit makellos. … Wir tragen die Last der Verbrechen, die die
französische Nation an dir begangen hat. … Es geschieht deshalb im Hinblicke
auf die Wiedergutmachung und Sühne, dass wir heute mit unserem Wunsche,
Vorhaben und einstimmigen Beschlusse vor dich treten, dass deine heilige und
königliche Macht über ganz Frankreich wiederhergestellt und seine Kinder von
einer gotteslästerlichen Lehre befreit werden mögen. … Wir werden vor diesem
Kampfe, um dessentwillen du dich herabgelassen hast, uns zu bewaffnen, nicht
mehr zurückschrecken. Wir wollen, dass alles vor deinem Gottesdienste gebeugt
und ihm treu ergeben werde. …
Heiligstes Herz Jesu, wir
flehen dich durch die Jungfrau Maria an, die Huldigung anzunehmen. … “ etc.
(94) und (95) Georges Viance:
„L’OEVRE ACCOMPLIE PAR LA FÉDÉRATION NATIONALE CATHOLIQUE“ [„VOLLBRACHTES
WERK DURCH DIE KATHOLISCH-NATIONALE VEREINIGUNG“], Vorwort von Hw.P.Janvier
(FNC, 1930, S.186, 187, 188, 78).
Und die „Verbrechen der
französischen Nation“ – der katholische Autor zählt sie auf:
Worte mit fatalen Folgen und
allgemeine Richtlinien: Sozialismus wird verdammt. … Liberalismus wird
verdammt. … Wie von Leo XIII. dargelegt, sei die Glaubensfreiheit nicht zu
rechtfertigen. Der Rede- und Meinungsfreiheit könne nicht berechtigterweise
entsprochen werden – so ebenfalls die päpstliche Klarstellung.
… Gedanken-, Presse-, Lehr-
und Glaubensfreiheit – von so manchem als natürliche Rechte des Menschen
angesehen – könne man unmöglich also gewähren. …
„Wir haben“, so Pius XI.
„besagte Lehren und Ordnungen der Kirche wieder einzuführen.“.
Solcherart ist das
FNC-Hauptziel – unter der durch die Dezentralisierung der Diözesankommissionen (Bischofsprovinzkommissionen)
sichergestellten
Aufsicht der Hierarchie.
„Aktuell wie im Kriege ist in
der Katholischen Aktion nach wie vor General Castelnaus berühmtes Wort:
»Vorwärts«.“
(94) und (95) Georges Viance: „L’OEVRE ACCOMPLIE PAR LA FÉDÉRATION
NATIONALE CATHOLIQUE“, Vorwort von Hw.P.Janvier (FNC, 1930, S.186, 187, 188,
78).
Das freilich ist klar und
deutlich. Und so wissen wir auch, was uns erwartet, wenn wir bei Pius XI.
lesen: „Die Katholische Aktion ist das Apostolat des Gläubigen. … “ (Schreiben
an Kardinal van Roey, 15.August 1929).
Seltsames Apostolat, das in
der Ablehnung sämtlicher von zivilisierten Ländern geschätzter Freiheiten
besteht und stattdessen als Schirmherr der totalitären Prinzipien auftritt! Ist
dies „das Recht, anderen Geistern die Schätze der Erlösung zu vermitteln“ (Pius
XI. „Non abbiamo bisogno“ [Enzyklika „Non abbiamo bisogno“]; „Wir haben nicht nötig“)?
Diese „Schätze der Erlösung“ …
revidiert und aktualisiert von Jesuitenpater Staempfle, dem diskreten (zurückhaltenden)
Verfasser
von „Mein Kampf“, in Belgien um sich herum zu verbreiten, übernahmen Léon
Degrelle und seine Freunde – Helden der Katholischen Aktion.
Gleiches geschah in
Frankreich, wo „bei der Tätigkeit des hierarchischen Apostolats“ (Pius XI.
„Dixit“) mitmachende Laienapostel eifrig dabei waren, eine weitere »Kollaboration«
zu begründen. Lesen wir, was der päpstliche Geheimkämmerer und Hitlers rechte
Hand Franz von Papen zu diesem Thema schrieb:
„1927 nahm ich zum ersten Mal
an einer Tagung der »Semaine sociale« (»Sozialen Woche«) im Institut
Catholique (unter Monsignore Baudrillarts Vorsitz) in Paris
teil. … Ein Gegenbesuch unserer französischen Freunde in Berlin zeigte, wie
weitgespannt das Interesse für unsere Ausgleichsbemühungen auf beiden Seiten
war. … Mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten François Marsal waren … die
Ehrwürdigen Patres Dellatre (Jesuit), de la Brière (ERKL.: Yves de la Brière) (Jesuit), Danset (Jesuit) … .“
(96) Franz von Papen: „Mémoires“ (Flammarion, Paris, 1953, S.91). IN DEUTSCH: Franz
von Papen: „DER WAHRHEIT EINE GASSE“ (LIST, München, 1952, S.152, 153).
„Dieser Katholikentag
erreichte übermenschliche Dimensionen der Bedeutung.“, so der gute Apostel an
späterer Stelle weiter.
Diese zu Zeiten auf der Konferenz
erreichte „Bedeutung“ erklomm am 14.Juni 1940, dem Tage, an dem die
hakenkreuzgeschmückte Flagge siegreich über Paris wehte, ihren Höhepunkt. Wir
wissen, dass Goebbels, Chef der Hitlerpropaganda, drei Monate zuvor, am
14.März, auf jenes Datum hinwies und die deutsche Offensive erst am 10.Mai
gestartet wurde.
So erstaunlich, wie sie
vieleicht erscheint, ist die Genauigkeit dieser Voraussage nicht.
„Im Folgenden der geheime
Bericht von Agent 654 J.56, tätig für den deutschen Geheimdienst, der diese
Enthüllungen Himmler zusandte: »Paris, 5.Juli 1939. Ich kann verkünden, dass
die Lage in Frankreich nunmehr in unserer Hand ist. Alles ist bereit für den
Stichtag und alle unsere Agenten sind auf Posten. Binnen weniger Wochen werden
Polizei und Militärwesen zusammenbrechen wie ein Kartenhaus.«.
Nicht wenige geheime Dokumente
belegen, dass man die Verräter schon vor geraumer Zeit ausgewählt hatte. Männer
wie Luchaire (ERKL.: Jean Luchaire, Journalist, *1901, †1946), Bucard (ERKL.: Marcel
Bucard, Politiker, *1895, †1946), Deat (ERKL.: Marcel
Deat, Faschist, *1894, †1955), Doriot (ERKL.: Jacques
Doriot, Politiker, *1898, †1945) … und Abel Bonnard (ERKL.:
Schriftsteller, *1883, †1968) (von der Französischen Akademie).“
(97) André Guerber: „Himmler et
ses crimes“ ([„Himmler u. seine Verbrechen“,] Les documents Nuit et
Jour, Paris, 1946).
(Letzterer floh bei der
Befreiung nach Spanien. Am 1.Juli 1958 kam er nach Frankreich zurück, stellte
sich, wurde aber unverzüglich vom Präsidenten des Obersten Gerichtshofs
vorübergehend freigelassen!) Details über die diesen Verrätern von der
deutschen Staatsregierung bereitgestellten Zahlungen gibt das außerordentlich
gut dokumentierte Buch André Guerbers. Mit ihrer sehr effektiven Arbeit hatten
jene dieses Geld auch voll und ganz verdient.
Die nunmehrige Atmosphäre
hatte man übrigens seit langem vorbereitet. In dieser Zeit war, um das Land
nach den Vorstellungen der Katholischen Aktion zu „erneuern“, eine ganze Brut
geschlüpft, Männer vom Schlage Léon Degrelles wie Deat, Bucard, Doriot, der –
André Guerber zufolge – „Agent Nr.56 BK des deutschen Geheimdienstes“ war. Aus
dieser ganzen bunten Truppe war er es auch, der beim Erzbistum und dessen
Sympathisanten … und selbstverständlich bei Hitler, der ihn späterhin ermächtigte,
die meiste Gunst genoss.
Doriot war der aufstrebende
Stern; doch für die unmittelbare Zukunft und, um nach der vorausgesagten und
gewollten Niederlage den Wechsel mit Bedacht anzugehen, bedurfte es eines
anderen Mannes, eines hochangesehenen militärischen Führers, der in der Lage
sein würde, das Desaster salonfähig zu machen und als „nationalen Wiederaufbau“
darzustellen.
Bereits 1936 schrieb Kanonikus
Coubé: „Der Herr, der Karl den Großen (ERKL.: Karl I.,
der Große, röm. Kaiser u. König der Franken, *747, †814) und die
Helden der Kreuzzüge hervorbrachte, vermag es immer noch, Erlöser zu erhöhen. …
Es muss unter uns von Ihm versiegelte Männer geben, die, wenn nun seine Zeit
gekommen ist, enthüllt werden. … Es muss unter uns Männer Gottes geben, die die
Arbeiter in den großen nationalen Erneuerungen sind. Welche nötigen
Vorraussetzungen sie zur Erfüllung dieser Mission mitzubringen haben?
Natürliche geistige und
charakterliche Qualitäten; auch sind übermenschliche Qualitäten, sprich
Gehorsam Gott und Seinem Gesetz gegenüber in gleicher Weise unerlässlich, da
diese politische Arbeit – noch vor allem andern – eine moralische und religiöse
ist. Diese Erlöser sind Männer mit großem Herzen, die allein zur Ehre Gottes
arbeiten. … “
(97) Chanoine Coubé: „Sainte
Thérèse de l'Enfant-Jésus et les crises du temps présent“ ([„Die hl.Theresa
vom Kinde Jesu u. die Krisen d. Gegenwart“], Flammarion, Paris, 1936, S.165
ff.).
Als der Schüler Loyolas diese
politischen und religösen Gedanken darlegte, wusste er, wer der besagte fromme
„Erlöser“ sein würde, denn der war unter Klerikern wie Faschisten kein
Geheimnis; so François Ternand: „Ins Rollen kam eine clevere und nachhaltige
Propagandakampagne – zu Gunsten einer »Pétain-Diktatur«. … “
1935 veröffentlichte Gustave
Hervé (ERKL.: frz. Politiker u. Publizist,
*1871, †1944) ein Pamphlet, das wir vorhaben, zu untersuchen. … Titel
des Traktats ist „Wir brauchen Pétain“. … Sein Vorwort ist ein begeistertes
Plädoyer für die „italienische Erneuerung“ und die „noch erstaunlichere
Erneuerung in Deutschland“, gepaart mit dem Hochlebenlassen der wunderbaren
Chefs, von denen diese Erneuerungen ausgingen. Und unser französisches Volk (Und die
Franzosen)? … Es gibt da einen, um den wir uns scharen könnten. … Auch wir
haben einen Mann der Vorsehung. … Sie wollen seinen Namen wissen? Er heißt
Pétain.
„Wir brauchen Pétain“, denn
die Heimat ist gefährdet; und nicht nur sie, sondern auch der Katholizismus:
„Wenn nicht in jedem Lande ein diktatorisches Regime errichtet wird, dann ist
die christliche Zivilisation zum Tode verurteilt. …
Merkt auf: In Friedenszeiten
kann ein Regierungssystem nur per Staatsstreich hinweggefegt werden – so es
willens oder ohne Unterstützung durch Armee und Behörden ist. Eine Operation
mit Erfolg gibt es nur durch Krieg und eine Niederlage im Besonderen.“
(99) François Ternand:
„L'ascension politique du Maréchal Pétain“ ([„Marschall Pétains polit.
Aufstieg“], Éditions du Livre Français, Paris, 1946, S.40 ff.).
Also wurde der Pfad der
„Rechristianisierung“ Frankreichs bereits 1935 markiert, das Regierungssystem
war hinwegzufegen und der beste Weg, dies zu erreichen, bestand im Erleiden
einer militärischen, uns (Frankreich) unter das deutsche Joch bringenden
Niederlage. Das wurde 1943 vom päpstlichen Grafen und Chef der Vichy-Regierung
Pierre Laval bestätigt:
„Ich hoffe, Deutschland wird
siegreich sein. Zu vernehmen, dass, wer besiegt wird, sich den Sieg des Siegers
wünscht, mag seltsam erscheinen. Doch gleicht dieser Krieg nicht den
dagewesenen. Es ist ein wahrer Religionskrieg! Ja, ein Religionskrieg.“
(100) Nationaler Rundfunk,
2.Januar 1943.
Genau das war es, was die
Kirche wollte, wenn auch unerfreulich für den an früherer Stelle erwähnten
vergesslichen Jesuiten Fessard, der nicht mehr wissen will, was im
amerikanischen Rundfunk für die 20 Millionen Zuhörer der „Christlichen Front“
von seinem loyolaschen Bruder, dem Pater Coughlin gesagt wurde: „Der deutsche
Krieg ist ein Kampf ums Christentum.“.
(101) 7.Juli 1941.
Im besetzten Frankreich aber
sagte Kardinal Baudrillart, Rektor des Katholischen Instituts in Paris, just im
selbigen Zeitraume das gleiche. Und zwar:
„Hitlers Krieg ist eine hehre
Maßnahme zur Verteidigung der europäischen Kultur.“ (102) (102) 30.Juli
1941.
Auf beiden Seiten des
Atlantiks also sangen damals, wie ja überhaupt weltweit, die kirchlichen Organe
ihre Hymnen auf den siegreichen Nazismus.
So wie in Frankreich der
Erzbischof von Paris – Kardinal Suhard (ERKL.: Emmanuel-Célestin Suhard, *1874,
†1949) – dem ganzen Episkopat (Bischofsapparat) durch
allseitige „Zusammenarbeit“ als Beispiel voranschritt, so auch der jesuitische
Nuntius Monsignore Valerio Valeri (ERKL.: *1883, †1963).
Nach der Befreiung ersuchte
die Regierung den Vatikan, nicht weniger als dreißig schwer belastete Bischöfe
und Erzbischöfe abzuberufen. Drei Abberufungen stimmte er letztlich zu.
„Frankreich hat vergessen. …“,
schrieb Maurice Nadeau (ERKL.: einer d. angesehensten frz.
Literaturkritiker, *1911, †1979). „»La Croix«, das gefährlichste
Sprachrohr im Dienste der Kollaboration, reiht sich unter die Publikationen
eines befreiten Frankreichs; den Prälaten, die die französische Jugend dazu
gedrängt hatten, für den Sieg Deutschlands zu arbeiten, wurde kein Prozess
gemacht.“
(103) Vorwort zu „L’Église at-elle
collaboré?“ [„Die Kirche hat kollaboriert?“] von Jean Cotereau
(Spartacus, Paris, Mai 1946).
Im „Artaban“ (ERKL.: frz. Zeitung) vom 13.Dezember 1957 konnte man
lesen:
„1944 wurde »La Croix« wegen
Feindbegünstigung strafrechtlich verfolgt und vor den Pariser Gerichtshof
gebracht; man übertrug den Fall Richter Raoult, der ihn einstellte. Am 13.März
1946 wurde die Angelegenheit in der Kammer (gesetzgebenden Körperschaft d.
Parlaments) besprochen (siehe JO [Journal Officiel] Débats
parlementaires, Seiten 713-714) (ERKL.: siehe Abl. [Amtsblatt]
Parlamentsdebatten, Seiten 713-714) und man erfuhr, dass der damalige,
die französische Presse sorgsam säubernde Justizminister de Menthon sich
zugunsten von »La Croix« ausgesprochen hatte.
Genau genommen war die »Stimme
des päpstlichen Denkens« – wie sie Pius XII. 1942, als er ihr seinen Segen
übermittelte, nannte – die einzige von den zur Unterdrückung sämtlicher während
der Besatzung herausgegebenen Zeitungen unternommenen allgemeinen Maßnahmen
ausgenommene. Obwohl, wie uns der »Artaban« erinnert:
»La Croix« erhielt Anweisungen
vom deutschen Leutnant Sahm und in Vichy von Pierre Laval.“ Klar doch waren die
Gedanken des „päpstlichen Denkens“ und Hitlers Anweisungen in der glücklichen
Lage, sich zu decken. Das wird bestätigt, wenn wir dieses schätzenswerten
Papiers in Kriegsausgaben studieren.
Ein Attribut (Wesensmerkmal) der Jesuiten,
und kein geringes, ist es, die ganze katholische Presse zu überwachen. In den
verschiedenen, gegebenenfalls den Bedürfnissen ihrer Leser angepassten,
Blättern bringen sie die verschiedenen Töne dieses „päpstlichen Denkens“
heraus, das – in seinen wogenden Sichtweisen – nichtsdestotrotz unbeirrt seinen
Zielen zustrebt. Und da ist nicht eine „christliche“ Zeitung oder Zeitschrift,
die sich nicht der Mitarbeit einiger – diskreter (zurückhaltender)
–
Jesuiten erfreut.
Sind doch diese „allen alles“
seienden Patres die besten im Chamäleon spielen. Das wissen wir ja, und nach
der Befreiung durften wir uns allerorten von Patres überraschen lassen, „die
zur Résistance gehört hatten“ (, der sie später als andere beitraten!) und
bezeugten, dass die Kirche ZU KEINER ZEIT „kollaboriert“ habe.
Vergessen, aufgehoben,
verflogen waren die Artikel von „La Croix“ und anderen katholischen Zeitungen,
die bischöflichen Mandate (Erlasse), die Hirtenbriefe (bischöfl. Rundbriefe), die Bescheide
der Versammlung der Kardinäle und Erzbischöfe, die Appelle Kardinal
Baudrillards an die französischen Jugendlichen, Nazi-Uniformen anzuziehen und,
nach Ablegung des Treueids auf Hitler, in der FFL (Französischen
Freiwilligenlegion) zu dienen! Alles das war vorbei und vergessen!
„Die Geschichte ist ein
Roman“, sagte ein desillusionierter Denker. Jene unserer Epoche hält dieser
Definition die Treue: der Roman wird soeben vor unseren Augen geschrieben.
Unter Beteiligung vieler „Historiker“ – wohlgesinnter Geistlicher und Laien –
und das erhebende Ergebnis ist uns gewiss: ein katholischer Roman, was sonst.
Beträchtlich ist der Beitrag der Jesuiten, der würdigen Erben Pater Loriquets (ERKL.:
Jean-Nicolas Loriquet, *1767, †1840), dessen „Histoire de France“ (Rusand, Lyon,
1820) ein derart absurdes Bild Napoleons zeichnete.
Verglichen mit dieser
gekonnten Meisterleistung, war, die von 1940 bis 1944 währende Zusammenarbeit
zwischen den Geistlichen und dem deutschen Besatzer zu tarnen und verschwinden
zu lassen, eine Leichtigkeit. Und es setzt sich weiter fort; über die Jahre
sind unter der Schirmherrschaft des „Imprimatur“ (katholisch-bischöfl.
Druckerlaubniszeichens) derart viele Artikel in Zeitungen, Zeitschriften, Büchern
verfasst worden, um sie zu würdigen – die fehleingeschätzten Superpatrioten wie
Suhard, Baudrillard, Duthois, Auvity (ERKL.: François-Louis Auvity, Bischof,
*1874, †1964), du Bois de la Villerabel (ERKL.: André du
Bois de la Villerabel, Erbischof von Rouen, *1877, †1951), Mayol de
Luppé etc.! So viele geschwärzte Seiten zur Würdigung der derart heroischen
Haltung des Episkopats (Bischofsapparats) in den Kriegsjahren, in denen
Frankreich „eine die französischen Bischöfe zu »Stadtverteidigern« machende
Situation“! erlebte, wie ein Ironiker schrieb.
(104) André Deroo: „L’épiscopat
français dans la mêlée de son temps“ ([„Der frz. Episkopat in den Wirren
unserer Zeit“] Bonne Presse, Paris, 1955, S.103) Imprimatur 1955.
„Verleumden und immer wieder
verleumden! Denn es muss etwas hinterlassen werden.“, riet schon Basilius,
dieser perfekte Jesuitentypus. Und „Schönen und immer wieder schönen.“ sagen
seine Amtsnachfolger und großen Autoren „Historischer Romane“.
Und diese Schönung findet
gerade weitgehend statt.
Kommende, von einem Strom aus
Übertreibungen beflutete Generationen werden – wir hoffen es jedenfalls –
diesen Stadt-„Verteidigern“ einen Gedanken der Dankbarkeit widmen, diesen durch
die Arbeit ihrer Apologeten „in die freie Offenheit einer reinen Weste“
gekleideten Helden der römischen Kirche und Heimat; deren einige sogar
kanonisiert wurden!
Seelenruhig beschloss am
25.August 1944 Jesuitenkardinal Suhard – Pariser Erzbischof (ab 11.Mai 1940)
und Leiter der kirchlichen Kollaborateure – in der Notre-Dame-Kathedrale das
„Te Deum“ für den Sieg zu zelebrieren. Nur durch den „energischen Protest des
Hauptgeistlichen der FFI (Französischen Streitkräfte des Inneren; ERKL.: Forces
Françaises de l'Intérieur)“ blieb uns dieses schamlose Possenspiel erspart.
In der „France Dimanche“ (ERKL.: bekannte
Zeitschrift) vom 26.Dezember 1948 lesen wir: „Seine Eminenz, Kardinal
Suhard, Erzbischof von Paris, erhielt soeben, am Jahrestag seiner
Priesterweihe, einen eigenhändigen Brief Seiner Heiligkeit Pius XII., der ihn
unter anderem für seine während der Besatzung eingenommene Rolle lobte.“ Wir
wissen, dass, wie sich der Kardinal in jener Zeit verhielt, nach der Befreiung
und bis zum heutigen Tage heftig kritisiert wurde. Als General de Gaulle (ERKL.: Charles de Gaulle, frz. General u. Politiker, *1890,
†1970) im August 1944 nach Paris zurückkehrte, kam für ihn, dem
Kardinal beim „Te Deum“ im Notre-Dame-Dom beizuwohnen, nicht in Frage.
Zeitgleich stand der Prälat unter öffentlicher Anklage wegen „Neigungen zur
Kollaboration“.
Weshalb des Heiligen Vaters
Lob nur verständlich ist. Doch ist da noch eine weitere, noch erhebendere „Te
Deums“-Geschichte!:
Nachdem die Alliierten von
Bord gegangen waren, litt die Stadt Rennes sehr unter den sich anschließenden
Kampfhandlungen und viele aus der Zivilbevölkerung starben, weil es der
Offizier der deutschen Garnison (Besatzungstruppe) ablehnte, sie
zu evakuieren. Als die Stadt eingenommen wurde, wollte man das traditionelle
„Te Deum“ abhalten, doch wies der Erzbischof des bretonischen Rennes,
Monsignore Roques (ERKL.: Clément-Émile Roques, *1880, †1964) nicht nur
jede Zuständigkeit von sich, sondern auch die Feier des besagten „Te Deums“ in
seinem Dom. Dem Himmel für die Befreiung seiner Stadt zu danken, war in den
Augen dieses Prälaten eine unerträgliche Schande. Für diese Haltung
arrestierten ihn die französischen Behörden im Erzbischöflichen Palais.
Eine derartige Loyalität
gegenüber der „Denkart des Papstes“ rief geradezu nach würdiger Belohnung. Die
bald darauf aus Rom eintraf – in Form eines Kardinalshuts.
Beschuldigen können wir den
späten Pius XII. für vieles. Doch das muss man ihm lassen: er „hat die Seinen
allezeit bestätigt“. Ein schmeichelhaftes Schreiben an Kardinal Suhard, den
ausgemachten Kollaborateur, den Kardinalspurpur für Mosignore Roques, den Helden
des … deutschen Widerstands: dieser „große Papst“ übte hierin eine konsequente
Verteilungsgerechtigkeit.
Sein Gefolge freilich war von
der Beschaffenheit, ihn weise zu beraten: zwei deutsche Jesuiten, Hw.P.Leiber (ERKL.: Robert
Leiber, *1887, †1967) und Hw.P.Hentrich (ERKL.: Wilhelm Hentrich), „seine zwei
Privatsekretäre und Lieblinge“. (105) Sein Beichtvater war der deutsche Jesuit
Bea (ERKL.: Augustinus Bea, *1881, †1968). Schwester
Pasqualina (Pasqualina Lehnert, *1894, †1983), eine
deutsche Nonne, regelte seinen Haushalt und vor allem bekochte sie ihn. Selbst
der auf den süßen Namen „Dompfaff“ hörende Kanarienvogel war von jenseits des
Rheins importiert worden.
Aber hatte nicht der Oberhirte
– nach Hitlers Überfall auf Polen – Ribbentrop wissen lassen, dass er für
Deutschland „immer eine besondere Zuneigung haben würde“?
(105) ‘La Croix’, 10.Oktober 1958.
(106) In der „Documentation
Catholique“ vom 15.März 1959 lesen wir: „Was die hoch zu würdigende deutsche
Nation betrifft, so werden wir dem uns von unserem Vorgänger (Pius XII.) gegebenen Beispiele folgen. Gezeichnet Johannes XXIII.“ Der
Geist der Kontinuität ist eines der Attribute des Vatikans.
Blieb Pius’ des XI. und Pius’
des XII. Wohlwollen und Freundlichkeit gegenüber dem Führer, den sie an die
Macht gebracht hatten, nie aus, so müssen wir zugeben, dass letzterer sämtliche
Bedingungen des Abkommens, durch das er dem Vatikan verpflichtet war, erfüllte.
Da er ausdrücklich versprochen hatte, die Antiklerikalen zu „ersticken“,
folgten jene den Liberalen und Juden alsbald in die KZs. Wie der Chef des
Dritten Reichs über das Schicksal der Juden entschieden hatte, ist bekannt: sie
wurden schlichtweg vernichtet oder, wo vorteilhafter, zur Arbeit bis zur
Erschöpfung gezwungen und dann liquidiert. In welchem letzteren Falle sich die
„Endlösung“ lediglich verzögerte.
Schauen wir aber zunächst, wie
die besonders „autorisierte“, mit dem Christusorden ausgezeichnete
Persönlichkeit Franco die gemeinsame Sache zwischen Vatikan und Nazis
unmissverständlich bestätigte. „Réforme“ (ERKL.: frz.
Zeitschrift) zufolge hatte die Presse des spanischen Diktators (Franco)
am 3.Mai 1945, dem Todestag Hitlers, das Folgende veröffentlicht:
„Der Sohn der katholischen
Kirche Adolf Hitler starb in der Verteidigung des Christentums. Es ist daher
nur verständlich, dass Worte, derer sich der Würdigung seines Lebens so viele
fanden, für die Trauer um seinen Verlust nicht hinreichen. Über seinen
sterblichen Überresten steht seine siegreiche tugendhafte Gestalt. Mit der
Märtyrerkrone verlieh Gottes ihm die Siegeslorbeeren.“
(107) Réforme, 21.Juli 1945.
Diese Grabrede des
Naziführers, eine Herausforderung für die siegreichen Alliierten, wird – unter
dem Deckmantel von Francos Presse – vom Heiligen Stuhl höchstselbst
ausgesprochen. Es ist eine vom Vatikan via Madrid gehaltene amtliche
Pressemitteilung.
Natürlich hatte dieser nunmehr
fehlende Held die Dankbarkeit der römischen Kirche mehr als verdient, und sie
versucht es auch nicht zu verbergen. Er diente ihr in Treue: alle jene, die ihm
besagte Kirche als ihre Gegner herausstellte, bekamen die Konsequenzen zu
spüren. Und dieser gute „Sohn“ scheute sich nicht, zuzugeben, was er seiner
Heiligsten Mutter (der kath. „Himmelskönigin“) und vor allem
den sich zu ihren Weltsoldaten gemacht Habenden schuldete.
Zitat Hitler: „Vor allem habe ich von den Jesuiten
gelernt. … Die Welt hat niemals etwas annähernd so großartiges gesehen, wie die
hierarchische Struktur der katholischen Kirche. Es gibt da so einige Dinge, die
ich den Jesuiten für die Partei abgeschaut habe. … Ich will Ihnen ein Geheimnis
sagen: Ich gründe einen Orden. … In meinen Ordensburgen wird eine Jugend
heranwachsen, vor der sich die Welt erschrecken wird. … Aber es gibt noch
Grade, von denen ich nicht sprechen darf.“
(108) Hermann Rauschning, früherer
nationalsozialistischer Senatspräsident von Danzig: „Hitler m’a dit.“
(Coopération, Paris, 1939, S.266, 267, 273 ff.). IN DEUTSCH:Hermann Rauschning:
„Gespräche mit Hitler“ (Europa Verlag, Zürich, 1938).
“Vor allem habe ich von den Jesuiten gelernt. Uns
so tat es Lenin ebenso, soweit ich mich erinnere. Die Welt hat nie etwas
annähernd so großartiges gesehen, wie die hierarchische Struktur der
katholischen Kirche. Es gibt da so einige Dinge die von den Jesuiten für die
Partei abgeschaut habe” (Heinrich Himmler)
„…In [Heinrich] Himmler [welcher das Oberhaupt der Nazi-SS wurde] sehe ich unseren Ignatius von Loyola [den Gründer des Jesuitenordens].” (Hitler)
Ein weiterer hoher
Hitler-Funktionär, Walter Schellenberg (*1910, †1953), früherer Chef
der deutschen Spionageabwehr, hat nach dem Kriege diese Vertraulichkeit des
Führers vervollständigt:
„So wurde die SS-Organisation (die Organisation
d. Sicherungs- u. Überwachungsformation d. NSDAP) von ihm nach
den Grundsätzen des Jesuitenordens aufgebaut. Als Grundlagen dienten die
Dienstordnung und die Exerzitien des Ignatius von Loyola: das oberste Gesetz
war das des absoluten Gehorsams, die Ausführung eines jeden Befehls ohne
Widerspruch. Himmler (ERKL.: Heinrich Himmler, *1900, †1945) selbst, als
Reichsführer SS, war der Ordensgeneral. Der Aufbau der Führerschaft lehnte sich
an die hierarchische Ordnung der katholischen Kirche an. Bei Paderborn in
Westfalen hatte er eine mittelalterliche Burg, die sogenannte Wewelsburg
ausbauen lassen – sie war sozusagen das große »SS-Kloster«, wohin der
Ordensgeneral einmal jährlich das Geheimkonsistorium (Geheimtreffen d.
obersten Ordensführung z. Abhaltung von geistigen u. Konzentrationsübungen) einberief.“
(109) Walter Schellenberg: „Le
Chef du contre-espionnage nazi vous parle“ (Julliard, Paris, 1957, S.23-24). IN
DEUTSCH: Walter Schellenberg, Gita Petersen: „Memoiren“ (Verlag f. Politik u.
Wirtschaft, Köln, 1959).
Ihrerseits demonstrierten die
besten theologischen Federn die Ähnlichkeit zwischen katholischen und
nationalsozialistischen Lehren. Und in dieser Arbeit waren die Söhne Loyolas
die Eifrigsten. Schauen wir beispielsweise, wie der Jesuitentheologe Michael
Schmaus eine Reihe von Studien zu diesem Thema der Öffentlichkeit präsentierte:
„Reich und Kirche
ist eine Schriftenreihe, die dem Aufbau des Dritten Reiches aus den geeinten
Kräften des nationalsozialistischen Staates und des katholischen Christentums
dienen soll. … Ich sehe nämlich in der nationalsozialistischen Bewegung den
schärfsten und wuchtigsten Protest gegen die Geistigkeit des 19. und
20.Jahrhunderts. … Zwischen katholischem Glauben und liberalistischem Denken
gibt es keinen ideenmäßigen Ausgleich. … Nichts ist unkatholischer als eine
extrem demokratische Wertung des Seins. … Der heute wieder erwachte Sinn für
eine straffe Autorität öffnet von neuem das Verständnis für die kirchliche
Autorität. … In der katholischen Lehre von der Erbsünde liegt das Misstrauen in
die Freiheit begründet. … Die Tafeln des nationalsozialistischen Sollens und die
der katholischen Imperative (Moralgebote) stehen freilich in verschiedenen
Ebenen des Seins, jene in der natürlichen, diese in der übernatürlichen Ebene,
jene besorgt um die natürliche Gesundheit des Volkes, diese bemüht um das
übernatürliche Heil, wie es dem Zwecke der beiden entspricht. Aber sie weisen
in dieselbe Wegrichtung. … “
(110) „Begegnungen zwischen
katholischem Christentum und nationalsozialistischer Weltanschauung“, von
Michael Schmaus, Professor an der Universität Münster i.Westfalen (Aschendorff,
Münster i.W., 1933, S.164.
Dieses Ziel war das Europa von
Hitler versprochene „neue Mittelalter“. Die Ähnlichkeit zwischen dem
leidenschaftlichen Antiliberalismus dieses Münchner Jesuiten und dem
ebenbürtigen, bei dem „Weiheakt der FNC in der Montmartre-Kirche“ zum Ausdruck
gebrachten Fanatismus ist offensichtlich. Während der Besatzung schrieb Hw. P.
Merklen (ERKL.: Léon Merklen, La Croix-Leiter, *1875, †1949): „Dieser
Tage scheint die Freiheit nicht mehr länger irgendeines Ansehens würdig.“
(111) „La Croix“, 2.September
1951.
Zitate wie dieses ließen sich
in die Tausende fortsetzen. Ist nicht dieser Hass auf die Freiheit in allen
seinen Formen das Wesen schlechthin des römischen Meisters? Leicht ist auch zu
verstehen, wie die katholische „Lehre“ und die NS-„Lehre“ derart gut
harmonisieren konnten. Der „Jesuit Michael Schmaus“, der diese Übereinstimmung
fähig demonstrierete, wurde zehn Jahre nach dem Kriege von „La Croix“ der
„große Münchner Theologe“ genannt (112) und es wird keinen mehr verwundern, zu
erfahren, dass ihn Pius XII. zum „Kirchenfürsten“ erhob.
(112) „La Croix“, 2.September
1954.
Was angesichts dessen aus der
„erbärmlichen“ Enzyklika „Mit brennender Sorge“ aus der Feder des angeblich den
Nationalsozialismus verdammenden Pius XI. wird? Uns das zu sagen, bemühte sich
kein Kasuist … wie auch anders!
Der „große Theologe“ Michael
Schmaus hatte viele Rivalen – so ein deutscher Autor, der im
„Katholisch-konservativen Erbgut“ das sonderbarste je von deutschen
katholischen Verlagen herausgegebene Buch sah:
„Diese Anthologie bringt Texte
von den wichtigsten katholischen Theoretikern Deutschlands zusammen, von Görres
bis Vogelsang; sie macht uns glauben, dass der Nationalsozialismus schlicht und
einfach aus katholischen Ideen geboren wurde.“
(113) Gunther Buxbaum – „Die
Katholiken in Mitteleuropa“ („Mercure de France“, 15.Januar 1939.
Dem Autoren war, als er
dies schrieb, nicht klar, welch perfekte Beschreibung er gab.
Eine weitere wohlinformierte
Person und Triebfeder des Pakts zwischen Heiligem Stuhl und Berlin – der
päpstliche Geheimkämmerer Franz von Papen – wurde noch deutlicher:
„Das Dritte Reich ist die
erste Macht, die nicht nur die hohen Prinzipien des Papstes anerkennt, sondern
auch praktiziert.“
(114) Robert d’Harcourt von der
Französischen Akademie: „Franz von Papen, der Mann für alles“ (L’Aube,
3.Oktober 1946.
In Ergänzung hierzu das
Ergebnis dieses „Praktizierens“: 25 Millionen KZ-Opfer – die von den Vereinten
Nationen herausgegebene offizielle Ziffer.
Hier finden wir es notwendig,
etwas Gesondertes hinzuzufügen – für die Offenherzigen, die sich aber nicht
darauf einlassen können, dass die organisierten Massenmorde eines der
päpstlichen „hohen Prinzipien“ gewesen seien. An der einen Offenheit hält man freilich sorgsam fest:
- „Derartige Barbarentaten
gehören der Vergangenheit an!“
Wie es einige Apostel der
Einfachheit halber sagen – achselzuckend – vor Nichtkatholiken, „für die die
Feuer der Heiligen Inquisition immer noch brennen“.
(115) TÉMOIGNAGE CHRÉTIEN,
6.Dezember 1957.
So sei es! Legen wir die
überreichlichen Beweise der kirchlichen Grausamkeit vergangener Jahre beiseite,
um das 20.Jahrhundert zu betrachten.
Wir wollen weder an die
Heldentaten von Männern wie Stepinatz und Marcone in Kroatien, noch Tisos in
der Slowakei erinnern, sondern uns auf die Untersuchung der Denkweise von
gewissen „hohen Prinzipien“ beschränken, die man so wunderbar „praktiziert“
hatte.
Sind sie wirklich heutzutage
veraltet – diese Prinzipien – verstoßen von einer „aufgeklärten Lehre“,
offiziell abgelehnt vom Heiligen Stuhl samt weiteren Fehlern einer dunklen
Vergangenheit? Das ist leicht herauszufinden.
Schlagen wir doch
beispielsweise die „Grande Apologétique“ („Große Apologetik“, ERKL.: „Große
Rechtfertigung“) von Abt Jean Vieujan auf, die, ist sie doch mit „1937“
datiert, kaum als mittelalterlich beschrieben werden kann. Was lesen wir?
„Um das Prinzip der
Inquisition zu akzeptieren, braucht man allein eine christliche Einstellung,
und das ist es, was vielen Christen fehlt. … Die Kirche hat eine derartige
Scheu nicht.“
(116) Abt Jean Vieujan: „Grande
Apologétique“ (Bloud et Gay, Paris, 1937, S.1316).
Besser kanns nicht formuliert
werden.
Wird ein weiterer, nicht
weniger konservativer und moderner Beweis gebraucht? Hören wir Hw.P.Janvier, einen
berühmten Tagungsreferenten in Notre-Dame:
„Sollte die Kirche kraft ihrer
indirekten Macht über zeitliche Fragen nicht das Recht haben, von katholischen
Staaten zu erwarten, Ketzer selbst bis in den Tod hinein zu unterdrücken, um
sie dieserart zu bekämpfen?
Hier meine Antwort:
Ich befürworte es freilich – selbst bis in den Tod hinein!
… Und ich stütze mich zuvorderst auf die Praxis und alsdann auf die Lehre der
Kirche schlechthin; und bin überzeugt, dass kein Katholik, ohne sich gewaltig
zu irren, das Gegenteil sagen würde.“
(117) Tagung vom 25.Mai 1912.
Eine Rätselsprache kann man
dem Theologen nicht vorwerfen. Seine Rede ist klar und verständlich. Mehr mit
weniger Worten kann man nicht sagen. Was das Recht betrifft, das sich die Kirche
anmaßt, um jene, deren Glauben nicht dem ihrigen entspricht, auszurotten, so
ist alles darin vorhanden: die sie zwingende „Lehre“, das sie per Tradition
legitimierende „Praktizieren“, und sogar der „Aufruf an die christlichen
Staaten“, von dem der Hitlerfeldzug ein perfektes Beispiel gab.
Genauso wenig sind die
folgenden, alles andere als zweideutigen Worte in der
Finsternis des Mittelalters ausgesprochen worden:
„Die Kirche kann Ketzer zum
Tode verurteilen, da sich jegliche Rechte, die sie haben, in unserer Nachsicht
begründen, und offensichtlich sind diese Rechte keine wirklichen.“
Der dies verfasste, war
Jesuitengeneral Franz Wernz (1906-1915), und die Tatsache, dass er außerdem
Deutscher war, macht diese Erklärung umso gewichtiger. Ebenfalls im
20.Jahrhundert schrieb der bekannte Kirchenfürst Kardinal Lépicier (ERKL.:
Alexis-Henri-Marie Lépicier, *1863, †1983): „Bekundet jemand öffentlich,
Ketzer zu sein oder versucht, andere durch sein Reden oder Beispiel zu
verderben, so kann er nicht nur exkommuniziert, sondern auch zu Recht getötet
werden. … “ (118 & 118 a) „Ich verwandle mich in eine Pfeffermühle, wenn
das kein klassischer Mordaufruf ist.“, so der späte Courteline (ERKL.: Georges Courteline, frz. Bühnenschriftsteller, *1858,
†1929).
(118) „De stabilitate et progressu
dogmatis“ („Zu Stabilität u. Fortschritt d. Dogmas“), erster Teil,
Art.VI 9 I („Typographia editrix romana, Romæ, 1908“).
(118 a) Siehe Sol Ferrer – La vie
et l’oevre de Francisco Ferrer: un martyr au XXe siècle ([Leben u. Werk
Francisco Ferrers: ein Märtyrer i. 20.Jh.] Fischbacher, Paris).
Den Beitrag des Oberhirten
noch? Hier ist er, von einem modernen Papst, dessen „Liberalismus“
kompromisslose Kleriker kritisierten, von Jesuitenpapst Leo XIII.: „Verdammt
ist die Ansicht, der Heilige Geist wolle nicht, dass wir den Ketzer töten.“
Welche höhere Autorität könnte
nach dieser angerufen werden, außer dem Heiligen Geist?
Mag es auch jenen, die die
Rauchwand (den Hinweis auf die während einer Papstwahl Rauchzeichen
Ausgebenden) manipulieren, den Beschwichtigern unruhiger Gewissen, missfallen,
aber die „hohen Prinzipien“ des Papsttums bleiben unverändert, und, neben
anderem, ist die Ausrottung für den Glauben heute genauso gültig und kanonisch (u. den
Bestimmungen d. kath. Kirche entsprechend) wie ehedem. In Anbetracht der
Geschehnisse in Europa zwischen 1939 und 1945 – ein Schluss von größter
„Erleuchtung“ – um ein Lieblingswort der Mystiker (gefühlsbetont
nach unmittelbarer Verbindung m. übersinnl. Mächten Strebenden) zu gebrauchen.
„Hitler, Goebbels, Himmler und
die meisten Mitglieder der »alten Garde« der Partei waren Katholiken.“ wie
Frédéric Hoffet (ERKL.: frz. Pfarrer u.
Psychoanalytiker) uns wissen lässt. Nicht durch Zufall war es, dass, durch
die Religion ihrer Chefs, die nationalsozialistische Regierung die
katholischste war, die Deutschland je hatte. … Diese Verwandtschaft zwischen
Nationalsozialismus und Katholizismus ist, wo wir uns eingehend mit den
Propagandamethoden und der inneren Organisation der Partei befassen, nur zu
auffällig. Zu diesem Thema ist nichts aufschlussreicher, als Joseph Goebbels’
Werke. Er genoss seine Erziehung in einem Jesuitenkolleg und war, ehe er sich
der Literatur und Politik zuwendete, Seminarist (Priesteramtsauszubildender). … Jede Seite,
jede Zeile seiner Schriften erinnert an die Lehre seiner Meister; und so betont
er Gehorsam … die Missachtung der Wahrheit. … »Manche Lügen sind nützlich wie
Brot!« verkündete er kraft eines den Schriften des
Ignatius von Loyola entnommenen moralischen Relativismus (, eine absolute
Gültigkeit moralischer Werte ablehnenden Denkens). … “
(119) Frédéric Hoffet:
„L’IMPÉRIALISME PROTESTANT“ ([„DER PROTESTANT. IMPERIALISMUS“,] Flammarion,
Paris, 1948, S.172 ff.).
Die Lorbeeren des Jesuitismus
verlieh Hitler seinem Propagandachef nicht, wohl aber, wie er es seinen
Lieblingen erzählte, dem Chef der Gestapo: „Ich sehe Himmler als unseren
Ignatius von Loyola an.“
(120) Adolf Hitler: „Libres
propos“ (Flammarion, Paris, 1952, S.164). IN DEUTSCH: Adolf Hitler: „HITLERs
POLITISCHES TESTAMENT“ (Knaus, Hamburg, 1981).
Um derart zu sprechen, musste
der Führer gute Gründe gehabt haben. Zuvorderst müssen wir bemerken, dass der
Reichsführer von SS, Gestapo und Polizei – Heinrich Luitpold Himmler –, unter
den katholischen Mitgliedern von Hitlers Gefolge das vom Klerikalismus
imprägnierteste zu sein schien. Sein Vater war Direktor einer katholischen
Schule in München, dann Erzieher des Prinzen Ruprecht von Bayern (*1869, †1955). Sein
Bruder, ein Benediktinermönch, lebte im Kloster Maria Laach, einem der
alldeutschen hohen Orte. Und er besaß einen Onkel, den Jesuiten Himmler, der am
bayrischen Hofe den nicht geringen Posten eines Domkapitulars (Kirchenbezirksgeistlichen)
innehatte.
Der deutsche Autor Walter
Hagen gibt uns zudem diese diskrete Auskunft: „Ein sehr verständnisvoller
Förderer dieser Bestrebungen war der General des Jesuitenordens Graf
Wlodzimierz Halke von Ledochowsky.
Dieser hatte auf Grund der Informationen, die sein weitverzweigter Orden zu
sammeln in der Lage war, einen viel besseren Überblick über die weltpolitische
und auch über die militärische Lage als die meisten anderen der hohen
kirchlichen Würdenträger. Er besaß eine lebendige Vorstellung von der
Weltgefahr des Bolschewismus und machte sich keine Illusionen darüber, dass die
Sowjetunion im Falle einer totalen Katastrophe Deutschlands das ganze westliche
Europa unmittelbar bedrohen würde. Daher war er bereit, auf der gemeinsamen
Grundlage des Antikommunismus eine Art Zusammenarbeit zwischen dem
Jesuitenorden und dem deutschen Geheimdienst einzurichten.“
(121) Walter Hagen, op.cit.,
S.358. IN DEUTSCH: S.453.
Im Ergebnis dessen schuf man
innerhalb des SS-Reichssicherheitshauptamtes eine Organisation, deren
wichtigste Posten in schwarze SS-Uniformen gekleidete katholische Priester
besetzten. Einer dieser übergeordneten Offiziere war Jesuitenpater Himmler.
Dieser wurde nach des Dritten Reichs Kapitulation verhaftet und in Nürnberg
inhaftiert. Seine Anhörung durch den internationalen Strafgerichtshof wäre
offensichtlich höchst interessant gewesen, doch da hatte die Vorsehung ein
wachsames Auge: der Onkel Heinrich Himmlers erschien niemals vor jenem Gericht.
ER WURDE TOD IN SEINER ZELLE GEFUNDEN, eines Morgens, ohne dass der Grund
seines Ablebens je öffentlich bekannt wurde.
Wir werden nicht das Andenken
dieses Geistlichen beleidigen durch die Mutmaßung, er habe seine Tage, entgegen
den reinen Lehren der römischen Kirche, willentlich beschlossen.
Nichtsdestotrotz war sein Tod so plötzlich und gelegen wie der ihm
vorausgegangene eines anderen Jesuiten, des nicht wahrgenommenen „Mein
Kampf“-Verfassers Pater Staempfle. Ein in der Tat seltsamer Zufall. …
Kommen wir aber zurück auf den
Gestapo-Chef Heinrich Luitpold Himmler, der meinte, er habe des Regimes
grundlegende Macht in den Händen. Waren es seine persönlichen Verdienste, die
ihm einen derart hohen Posten einbrachten? Sah Hitler in ihm, als er ihn mit
dem Schöpfer des Jesuitenordens verglich, einen überlegenen Genius? Das
freilich implizieren die Zeugenaussagen jener, die ihn kannten, nicht, da diese
in Himmler nichts anderes als Mittelmäßigkeit wahrnahmen.
Schien jener Stern damals mit geliehener
Helligkeit? War es wirklich Heinrich Luitpold Himmler, der als angeblicher Chef
die Gestapo und die Geheimdienste eigentlich beherrschende? Wer war es, der
damals Millionen von aus politischen Gründen Deportierten und Juden in den Tod
schickte? War es der flachgesichtige Neffe – oder war es sein zu Ledochowskis
Lieblingen und den übergeordneten SS-Offizieren zählender und vormaliger
Domkapitular am bayrischen Hofe sowie Jesuitenpater gewesener Onkel?
Einen derart indiskreten Blick
hinter die Geschichtskulissen zu werfen, mag tollkühn und sogar vermessen
erscheinen. Das Stück läuft auf der Bühne, vor den Beleuchtungseinheiten der
Vorder-, der Ober- und der Seitenlichter. So ist das normal bei jeder Show; und
wer die Requisiten sehen will, kann leicht als lästig und schlecht erzogen
angesehen werden.
Und doch ist der Ort, von dem
die fesselnden Schauspieler kommen, an denen der Blick der Öffentlichkeit
haftet, die Hinterbühne. Da, wo wir diese „Kirchenmonster“ studieren und uns
klar wird, dass sie weit entfernt davon sind, den Persönlichkeiten, die sie
angeblich darstellen, zu gleichen, ist das nur zu offensichtlich.
Und so scheint es auch im
Falle Himmler gewesen zu sein. Aber wäre es nicht richtig, selbiges von dem zu
sagen, dessen rechte Hand er war – von Hitler?
Als wir Hitler gestikulierend
auf den Leinwänden sahen oder seine hysterischen Reden brüllen hörten, hatten
wir da nicht den Eindruck, die Bewegungen eines schlecht eingestellten Roboters
mir überdehnten Federn zu sehen? Selbst seine einfachsten und ruhigsten
Bewegungen erinnerten uns an eine mechanische Marionette. Und erst seine
dumpfen und grobschlachtenen Augen, fleischige Nase, aufgedunsene Physiognomie (Erscheinung), deren
Derbheit hinter jenem berühmten Haarteil und scheinbar unter seine Nüstern
geklebten Bürstenbart nicht zurücktrat.
War dieser Kampfhund
öffentlicher Versammlungen wirklich ein Chef?, der
„wahre“ Herr über Deutschland, ein „echter“ Staatsmann, dessen Genialität im
Begriffe war, die Welt aus den Angeln zu heben?
Oder war er nur ein schlechter
Ersatz für all jenes? Eine schlau aufgebauschte Deckhaut, ein
Massenausnutzungsphantom, ein Aufwiegler?
Er selbst gab es zu, als er
sagte: „Ich bin nur ein Bote.“ François-Poncet (ERKL.: André
François-Poncet, *1887, †1978), damaliger französischer Botschafter
in Berlin, bestätigt, dass Hitler sehr wenig arbeitete, kein Leser war und
seinen Mitarbeitern ihren Willen ließ.
Den gleichen Eindruck von
Leere und Unwirklichkeit vermittelten Seine Gehilfen. Deren erster, der 1941 nach
Schottland geflohene Rudolf Heß (ERKL.: Politiker, *1894, †1987) sah seiner
eigenen Verurteilung in Nürnberg als gänzlich Fremder zu und wir haben nie
erfahren, ob er vollständig geisteskrank oder nur ein Irrer war. Der zweite war
der groteske, eitle und fette, die ungewöhnlichsten Fantasieuniformen tragende
Vielfraß, Gemälderäuber und – als Krönung: morphiumsüchtige – Göring.
Die anderen maßgeblichen
Parteipersönlichkeiten bargen dieselbe Ähnlichkeit und bei den Nürnberger
Prozessen war die für die Journalisten überraschendste Meldung, dass diese
NS-Helden – abgesehen von ihren persönlichen Macken – weder intellektuell noch
charakterlich glänzten und sie mehr oder weniger unscheinbar waren.
Der einzige – nicht seines
moralischen Wertes, sondern seines Scharfsinnes wegen – über jener rohen Horde
Stehende war der Kämmerer Seiner Heiligkeit, Franz von Papen, „der Mann für
alles“ … der freilich freigesprochen werden musste.
Kommt der Führer als
merkwürdige Marionette daher, war da der, dem er sich nachempfand,
konsequenter? Rufen wir uns die lächerlichen Auftritte jenes „karnevalsreifen
Cäsaren“ zurück, der seine großen schwarzen Augen unter jenem seltsamen mit
Vorhangquasten geschmückten Hute funkeln lassen wollte! Und jene für die
Propaganda gemachten Fotografien von seinen Füßen, und die alleinig seine gen
Himmel weisenden Kinnladen zeigen, den Wundermann als unverrückbaren Felsen –
Darstellung eines Willens, der keine Hindernisse kannte!
Was für ein Wille! Aus den
Vertraulichkeiten einiger seiner Gefährten bekommen wir das Bild eines stetig
Unentschlossenen; dieser „furchterregende Mann“, für den es hieß, mit Urgewalt
„in alles eindringen“ (um Kardinal Rattis (ERKL.: Achille Ratti), des
späteren Pius XI. Begriffe zu verwenden), hat den ihm vom Jesuitenkardinal und
Staatssekretär Gasparri im Namen des Vatikans gemachten Annäherungsversuchen nicht widerstanden.
Nach nur wenigen geheimen
Treffen war der Revolutionär dazu überredet, unter des Heiligen Vaters Flagge
mit Sack und Pack anzuheuern und die uns derart gut bekannte glänzende Karriere
einzuschlagen – und so konnte der ebenfalls gut bekannte frühere Minister Carlo
Sforza schreiben:
„Eines Tages, wenn die Zeit
den Groll und Hass abgeschwächt haben wird, wird man – so hoffen wir –
erkennen, dass die Orgie der grausamen Brutalitäten, die Italien zwanzig Jahre
lang in ein Gefängnis verwandelte, und der Trümmerschutt des Zweiten Weltkriegs
ihren Ursprung in einem nahezu einzigartigen historischen Falle genommen
hatten: dem völligen Missverhältnis zwischen der künstlich geschaffenen Legende
um einen Namen und den wahren Eigenschaften der diesen Namen tragenden
armseligen Kreatur, eines Mannes, dem Kultur kein Hindernis war.“
(122) Graf Carlo Sforza: “L’Italie
telle que je l’ai vue” (Grasset, Paris, 1946, S.158).
Diese perfekte Formel ist
anwendbar auf Hitler und Mussolini gleichermaßen: gleiches Missverhältnis
zwischen Legende und Eigenschaften, gleiche „Kultur“-losigkeit in jenen beiden
mittelmäßigen Abenteurern mit nahezu identischen Vergangenheiten; erklären
lassen sich ihre Blitzkarrieren letztlich nur durch ihre Gabe der sie ins
Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit rückenden Massenagitation.
Wenn man weiß, dass die
Erscheinung des Führers auf den deutschen Leinwänden aus heutiger Sicht nichts
weiter als ein großes Lachen hervorruft, dann zweifelt man an der „künstlich
geschaffenen“ Legende umso weniger.
War aber nicht gerade die
Minderwertigkeit dieser „Männer der Vorsehung“ der Grund, weshalb man sich
dafür entschied, eben diese beiden an die Macht zu hieven? Tatsache ist, dass
der gleiche Mangel an persönlichen Qualitäten in allen jenen, die das Papsttum
zu seinen Verfechtern wählte, zu finden ist.
Es gab in Italien und
Deutschland einige „echte“ Staatsmänner, „echte“ Chefs, die – unter Verzicht
auf dieses wahnsinnige „Mystische“ (gefühlsbetonte Streben nach
unmittelbarer Verbindung m. übersinnl. Mächten) – die
Fähigkeit, das Ruder zu übernehmen, durchaus gehabt hätten. Nur war deren
Intellekt zu aufgeweckt und zu unfügsam. Der Vatikan und insbesondere der
„schwarze Papst“ von Ledochowski konnte diese – der feurigen Formel
entsprechend – nicht „als Stab in seiner Hand“ halten und um jeden Preis bis
zum Eintreten der Katastrophe seinen Zielen dienen lassen.
Wie der Revolutionär Mussolini
von den Abgesandten des Heiligen Stuhls gleichsam einem Handschuh vollends
umgekrempelt wurde, haben wir gesehen.
Als genauso formbar sollte
sich der eiserne Hitler erweisen. Ledochowskis Plan bestand ursprünglich darin,
eine Föderation katholischer Nationen in Mittel- und Osteuropa zu schaffen, in
der Bayern und Österreich (regiert vom Jesuiten Seipel) die Vorrangstellung
haben würden. Bayern galt es, von der deutschen Weimarer Republik zu separieren
– und wie durch Zufall war der österreichischstämmige Agitator Hitler damals
bayrischer Separatist.
Die Chance aber, diese
Föderation zu verwirklichen und einen Habsburger an ihre Spitze zu setzen,
wurde immer geringer, während sich der von München nach Berlin gezogene Nuntius
Monsignore Pacelli infolge der kläglichen Unterstützung, die ihr die Alliierten
gewährten, der Schwäche der Deutschen Republik immer bewusster wurde. Und so
wurde im Vatikan die Hoffnung geboren, sich Deutschlands in seiner Gänze zu
bemächtigen, und der Plan entsprechend geändert:
„Was verhindert werden musste,
war die Vorherrschaft des protestantischen Preußens, und da es das Reich war,
das Europa beherrschen sollte – um den Föderalismus der Deutschen abzuwenden –
galt es, ein neues Reich zu schaffen, in dem die Katholiken das Sagen hätten.“
(123) „Mercure de France“, „Pius
XI. und Hitler“ (15.Januar 1934).
Das war ausreichend. Samt
seinen „Braunhemden“ völlig aufräumend, wurde der bis dahin bayrische
Separatist Hitler über Nacht zum motivierten Verfechter des Großreichs.
Das
scheinbar unverbrüchliche Recht der Katholischen Kirche all jene auszurotten,
die ihr im Wege stehen: Himmlers Vorbild war Ignatius von Loyola!In welchem Maße die Katholiken
in Nazi-Deutschland das Sagen hatten – das – und auch die Härte, mit der einige
der „hohen
Prinzipien des Papstes“ angewendet wurden, konnte man in Bälde deutlich sehen.
Die Liberalen und Juden hatten
jede Menge freie Zeit, um herauszufinden, dass besagte Prinzipien alles andere als
altmodisch waren, da die strenggläubigsten Stimmen es bestätigten. Das Recht,
das sich die Kirche anmaßt, jene, die im Wege stehen, über kurz oder lang
auszurotten, würde „praktiziert“ werden – in Auschwitz, Dachau, Belsen,
Buchenwald und anderen Todeslagern.
Die Gestapo Himmlers, „unseres
Ignatius von Loyola“, erwies diese Mildtätigkeit gewissenhaft; das zivile und
militärische Deutschland musste sich „perinde ac cadaver“ dieser allmächtigen
Organisation unterwerfen.
Dass der Vatikan mit diesen
Gräueln nichts zu tun haben wollte, braucht nicht gesagt zu werden. Bei einer
Audienz des türkischen Journalisten Dr. Nerin E. Gün (ERKL.: Dr. Nerin
Emrullah Gün), der selbst deportiert worden war und sich fragte, warum
der Papst nicht eingegriffen, ja den vielen unglücklichen Menschen nicht in
irgendeiner Weise geholfen habe, besaß Seine Heiligkeit Pius XII. die
Unverfrorenheit, zu antworten:
„Wir wussten, dass aus
politischen Gründen gewaltsame Verfolgungen in Deutschland stattfanden, nicht
bekannt geworden aber war uns der unmenschliche Charakter der
nationalsozialistischen Unterdrückung.“
(124) „Gazette de Lausanne“,
15.November 1945.
Und das zu einer Zeit, wo
gleichzeitig Hw. P. Mistiaen (ERKL.: Emmanuel Mistiaen), der Sprecher von Radio Vatikan,
erklärte, dass „überwältigende Belege der Grausamkeit der Nazis eingegangen“
seien.
(125) Hw.P.Duclos: „Le Vatican et
la Séconde Guerre mondiale“ ([„Der Vatikan und der Zweite Weltkrieg“,] Éd.Pédone,
Paris, 1955, S.255), Imprimatur 1955.
Ohne jeden Zweifel war der
Heilige Vater genauso wenig darüber informiert, was in den Ustascha-KZs vor
sich ging, trotz der Anwesenheit seines eigenen Legaten in Agram.
Einmal allerdings war zu
beobachten, wie der Heilige Stuhl doch einiges Interesse am Schicksal
bestimmter zur Deportation Verurteilter nahm. Es handelte sich um 528
protestantische Missionare, Überlebende all jener, die von den Japanern in
Ozeanien gefangen genommen und in KZs auf den Philippinen interniert worden
waren. In seinem hervorragenden Buche „1960 et le secret du Vatican“ (ERKL.: „1960 u.
d. Geheimnis des Papstes“) wird von André Ribard die päpstliche Intervention um der
Unglücklichen willen entschleiert:
„Der Wortlaut erscheint unter
Nr.1591, datiert: Tokio 6.April 1943, in einem Bericht des Ministeriums für
religiöse Angelegenheiten in besetzten Gebieten, und ich zitiere den folgenden
Auszug: er habe den Wunsch der römischen Kirche geäußert, die Japaner ihre
Politik fortsetzen zu sehen und gewisse religiöse Irrlehrer an der Wiedererlangung
einer Freiheit zu hindern, auf die sie keinen Anspruch hätten.“
(126) André Ribard: „1960 et le
secret du Vatican“ (Librerie Robin, 38, rue de Vaugirard, Paris, 1954, S.80)
und Frédéric Hoffet: „Politique romaine et démission des protestants“ ([„Römische
Politik u. Abdankung der Protestanten “,] Fischbacher, Paris).
Vom „christlichen“ Standpunkte
her bedarf dieser großzügige Akt keines Kommentars, doch politisch betrachtet –
ist er da nicht höchst bemerkenswert? In der Slowakei war – wie wir wissen –
der jesuitische Gauleiter Monsignore Tiso so frei, die „getrennten Brüder“ zu
verfolgen, obwohl sein Staat Satellit des hauptsächlich protestantischen
Deutschlands war. Das sagt viel über den Einfluss, den die römische Kirche im
Hitlerland hatte!
Auch haben wir die in Kroatien von den Vertretern jener
Kirche bei der Ausrottung der orthodoxen Gläubigen gespielte Rolle gesehen.
Was den antijüdischen
Kreuzzug, das Meisterstück der Gestapo, angeht, so mag es überflüssig
erscheinen, die dabei von Rom gespielte Rolle nochmals zu erwähnen, denn von
den Heldentaten Monsignore Tisos, des ersten Lieferanten für die Auschwitzer
Gaskammern und Krematoriumsöfen, wurde bereits berichtet. Zu diesem Dossier (Schriftstück) werden wir
lediglich einige wenige charakteristische Dokumente hinzufügen.
Da wäre als erstes ein Brief
vom Botschafter der Vichy-Regierung beim Heiligen Stuhl Léon Bérard (ERKL.: *1876,
†1960):
„Sehr geehrter Herr Marschall
Pétain,
In Ihrem Brief vom 7.August
1941 gaben Sie mir die Ehre, mich um gewisse Informationen zu bitten, die die
Fragen und Schwierigkeiten berühren, die sich, vom römisch-katholischen
Standpunkte her, aus den von Ihrer Regierung bezüglich der Juden unternommenen
Maßnahmen erheben könnten. Es ehrt mich, Ihnen zu antworten, dass ich im
Vatikan nichts erfuhr, das als Kritik oder Missbilligung der fraglichen Gesetze
oder anweisenden Dokumente gedeutet werden könnte. … “
(127) und (129) Léon Poliakov:
„Bréviaire de la Haine“ ([Brevier des Hasses,] Calmann-Lévy, Paris,
1951), S.354, 350, 351.
Bei der Erwähnung dieses
Schreibens in einem mit „Das Schweigen Pius’ XII“ betitelten Beitrag berichtet
die Zeitschrift „L’Arche“ von einem anschließenden und ergänzenden Bericht, den
Léon Bérard am 2.September 1941 nach Vichy sandte:
Gibt es zwischen dem Status
der Juden und der katholischen Lehre einen Widerspruch? Nur einen, und auf
diesen weist Léon Bérard das Staatsoberhaupt hin. Er besteht in der Tatsache,
dass das Gesetz vom 2.Juni 1941 die Juden als Rasse definiert. … Die Kirche
(schrieb Vichys Botschafter) hat nie je, dass allen Bürgern dieselben Rechte zu
gewähren seien, bekundet. … „Wie mich eine Autorität im Vatikan wissen ließ,
werden Ihnen über dem Status der Juden keine Unannehmlichkeiten erwachsen.“
(128) „L’Arche“, November, 1958.
Da wird doch die „erbärmliche“
Enzyklika „Mit brennender Sorge“ gegen Rassismus oft von Apologeten als „in die
Praxis umgesetzt“ hingestellt.
Wir finden aber noch Besseres
– in Lew Poljakows (ERKL.: auch: Léon Poliakov, frz.
Antisemitismusforscher, *1910, †1997) Buch: „Der Vorschlag der
Protestantischen Kirche in Frankreich, dass man, zusammen mit der römischen
Kirche, gegen das Zusammentreiben der Juden im Sommer 1942 etwaige Maßnahmen
ergreifen sollte, wurde von den katholischen Würdenträgern abgelehnt.“
(127) und (129) Léon Poliakov:
„Bréviaire de la Haine“ (Calmann-Lévy, Paris, 1951), S.354, 350, 351.
Viele Pariser erinnern sich
noch, wie die jüdischen Kinder von ihren Müttern getrennt und mit Sonderzügen
zu den Krematoriumsöfen von Auschwitz verschickt wurden. Diese
Kinderdeportationen werden, neben anderen offiziellen Dokumenten, in einer mit
dem 21.Juli 1942 datierten Notiz von „SSHauptsturmführer Dannecker“ (ERKL.: Theodor
Dannecker, *1913, †1945) bestätigt.
Die außerordentliche Herzlosigkeit
der römischen Kirche – und ihres Oberhauptes im Besonderen – veranlassten
unlängst zu diesen anklagenden Zeilen der oben genannten Zeitschrift „L’Arche“:
„Fünf Jahre hindurch war der
Nationalsozialismus der Urheber von Ausschreitung, Entweihung, Gotteslästerung
und Verbrechen. Fünf Jahre hindurch mordete er sechs Millionen Juden dahin. Von
diesen sechs Millionen waren 1.800.000 Kinder. Wer, ja, wer sagte einst: Lasset
die Kindlein zu mir kommen? Und warum dann »Lasset sie zu mir kommen, dass ich
sie abschlachten kann.«?“ Dem kämpferischen Papst
folgte ein diplomatischer Papst.
Vom besetzten Paris gehen wir
in das nach dem italienischen Zusammenbruch ebenfalls von den Deutschen
besetzte Rom. Lesen wir eine an den Nazi-Außenminister von Ribbentrop
adressierte Nachricht:
„Deutsche Botschaft beim
Heiligen Stuhl. Rom, 28.Oktober 1943.
Der Papst hat sich, obwohl dem
Vernehmen nach von verschiedenen Seiten bestürmt, zu keiner demonstrativen
Äußerung gegen den Abtransport der Juden hinreißen lassen. Obgleich er damit
rechnen muß, daß ihm diese Haltung von Seiten unserer Gegner nachgetragen wird,
hat er auch in dieser heiklen Frage alles getan, um das Verhältnis zu der
deutschen Regierung nicht zu belasten. Da hier in Rom weitere Aktionen in der
Judenfrage nicht mehr durchzuführen sein dürften, kann also damit gerechnet
werden, daß diese für das deutsch-vatikanische Verhältnis unangenehme Frage
liquidiert ist. …
Gezeichnet: Ernst von
Weizsäcker (ERKL.: Ernst Freiherr v. Weizsäcker, Diplomat, *1882, †1952)
(130) „Auswärtiges Amt,
Wilhelmstraße“.
Sich auf die Karriere dieses „wegen
Vorbereitung von Todeslisten“ als Kriegsverbrecher verurteilten Freiherrn von
Weizsäcker beziehend – schrieb „Le Monde“ vom 27.Juli 1947: „Er lässt sich im
Vorgefühl einer deutschen Niederlage in den Vatikan versetzen und nutzt diese
Gelegenheit zur engen Kooperation mit der Gestapo.“
Unsern noch nicht völlig
überzeugten Lesern zuliebe werden wir das folgende offizielle deutsche Dokument
zitieren, das die auf die Juden gerichteten Dispositionen (Pläne) des Vatikans
– und jene der Jesuiten – vor dem Kriege darlegt:
„Presse und amtliche
Berichterstattung aus Nordamerika melden laufend von antijüdischen Kundgebungen
der Bevölkerung. Es ist vielleicht symptomatisch für die innenpolitische
Entwicklung in USA, dass die Hörerschar des bekannten antijüdisch eingestellten
»Radiopriesters« Coughlin auf über 20 Millionen angewachsen ist.“
(131) Auswärtiges Amt,
Wilhelmstraße, Dokument 83-26 19/1 (Berlin, 25.Januar 1939).
Der militante Antisemitismus
der Jesuiten in den Vereinigten Staaten – wie überall – ist seitens dieser
Ultramontanen keine Überraschung, da er in völliger Übereinstimmumg mit der
„Lehre“ steht. Lesen wir, was der auf fromme Literatur spezialisierte und
allein unter dem Patronat „des Imprimatur“ publizierende Autor Daniel-Rops von
der Französischen Akademie zu dem Thema zu sagen hat. Da steht im 1947
herausgegebenen „JESUS: DER HEILAND IN SEINER ZEIT“, einem seiner bekanntesten
Werke:
„All die Jahrhunderte
hindurch, in allen Ländern, wo Menschen der jüdischen Rasse zu finden sind,
kommt dieses Blut über sie und der Schrei »tötet ihn!«, der vor dem
Gerichtsgebäude des Pilatus ausgestoßen wurde, übertönt den tausendfachen
Schrei der Not. Das Antlitz des verfolgten Israels erfüllt die Geschichte, aber
man darf darüber das andere Antlitz nicht vergessen, das mit Blut und Speichel
besudelt ist, und mit dem die Menge der Juden kein Mitleid hatte.
Wahrscheinlich konnte man von Israel nicht erwarten, seinen Gott, den es
verkannt hat, nicht zu töten, und da das Blut geheimnisvollerweise wieder nach
Blut verlangt, konnte man vielleicht auch von der christlichen Barmherzigkeit
genauso wenig verlangen, so zu handeln, dass der Schrecken des Pogroms in
geheimnisvollem Gleichgewicht des göttlichen Willens den unerklärbaren
Schrecken der Kreuzigung nicht ausgleicht.“
(132) Daniel-Rops: „Jésus et son
temps“ (Arthème Fayard, Paris, 1944, S.526, 527) Imprimatur, 17.April 1944. IN
DEUTSCH : Daniel-Rops: „JESUS: DER HEILAND IN SEINER ZEIT“, zitiert in: Jules
Isaac: „JESUS UND ISRAEL“ (HANS DEUTSCH VERLAG, Wien / Zürich, 1968, S.302,
303).
Gut gesagt! Oder noch
direkter: wenn Millionen von Juden durch die Gaskammern und Krematoriumsöfen
von Auschwitz, Dachau und anderswo gehen mussten, so sei das ihr gerechter Lohn
gewesen. Der „göttliche Wille“ habe dieses Unglück beabsichtigt, und eine sich
jenen zuwendende „christliche Nächstenliebe“ sei eine verfehlte.
Der führende Professor und
Vorsitzende der Amitié Judéo-Chrétienne (ERKL.: Jüd.-christl. Freundschaft), Jules Isaac
(ERKL.:
*1877, †1963), rief unter Bezugnahme auf diese Passage aus:
„Furchterregende Sätze,
gottlose Sätze, die selbst von »einem unerklärbaren Schrecken« sind, der noch
von jener Stelle vergrößert wird, wo geschrieben steht:“ (133) „Unter den jetzt
lebenden Juden … versucht eine gewisse Anzahl das Gewicht dieser schweren
Verantwortung von ihren Schultern abzuwälzen … Sehr ehrbare Gefühle, doch man
kann das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen … und das schreckliche Gewicht
(der Tod Jesu), das auf den Schultern Israels lastet, kann der Mensch nicht abwälzen.“
(132 a) Daniel-Rops, op.cit.
(133) Jules Isaac: „Jésus et
Israël“ (Albin Michel, Paris, 1948, S.382). IN DEUTSCH : Jules Isaac: „Jesus
und Israel“ (HANS DEUTSCH VERLAG, Wien / Zürich, 1968).
Jene fraglichen Sätze wurden Jules
Isaacs Hinweis zufolge „in den neueren Ausgaben“ dieses erhebenden Buches –
sprich nach der Befreiung – vom Verleger geändert. „Alles hat seine Zeit“: die
Krematoriumsöfen waren veraltet. Von der dogmatischen Erklärung der hohen
Prinzipien des Papstes also, bis hin zu deren Praktizierung durch Himmler,
„unsern Ignatius von Loyola“, wird der Kreis geschlossen – und wir werden
hinzufügen, dass des Führers halb verrückter Antisemitismus somit viel an
Geheimnisvollem verliert.
Und wirft es nicht – da wir
gerade bei diesem Thema sind – auch auf jene rätselhafte Person selbst viel
mehr Licht?
Was man sich doch vor dem
Kriege so vorstellte, im Versuche, das nicht zu übersehende Missverhältnis
zwischen dem Manne und seiner zu spielenden Rolle zu erklären! Gab es doch da
eine Lücke, etwas Unausgefülltes, das jeder spürte. Um diese Lücke zu
schließen, machten Legenden die Runde: Geschichten wurden ins Ausland gestreut,
nicht immer ohne den geheimen Zweck der Irreführung! Es seien, wie wir erfahren
durften, okkulte Wissenschaften, östliche Magier, Astrologen gewesen, die den
schlafwandelnden Berchtesgadner Einsiedler inspiriert hätten. Und die Wahl des
Hakenkreuzes als Naziparteiabzeichen, das aus Indien stamme, schien die
Vorstellung zu bestätigen.
Maxime Mourin (ERKL.: frz. Historiker, *1905, †1952) hat diese
spezielle These widerlegt:
„Adolf Hitler war in Lambach
zur Schule gegangen und sang im Knabenchor des dortigen Benediktinerstifts.
Dort entdeckte er das Hakenkreuz, da es das Wappen des Abtes Theoderich Hagen
war.“
(134) Maxime Mourin: „Histoire des
grandes puissances“ ([„Geschichte der Großmächte “,] Payot, Paris, 1958,
S.134).
Auch ohne auf geheimnisvolle
oder exotische Philosophien zurückgreifen zu müssen, sind die „Inspirationen“
des Führers leicht erklärt. Ist es offensichtlich, dass dieser „Sohn der
katholischen Kirche“, wie er von Franco beschrieben wurde, den Impulsen
geheimnisvoller Führer unterworfen gewesen sei, so wissen wir, dass diese
nichts mit östlicher Magie zu tun hatten.
Die irdischen Höllen, die 25
Millionen Opfer verschlangen, tragen einen anderen, leicht erkennbaren Stempel:
den von Menschen, die eine lange und sorgfältige, wie in den „Exerzitien“ (der
Jesuiten) beschriebene Ausbildung zu durchlaufen hatten.
Unter den verschiedenen
Ursachen, die für den Vatikan den Ausschlag gaben, durch Druck auf den
österreichischen Kaiser Franz Joseph, „die Serben zu bestrafen“ und so den
Ersten Weltkrieg zu beginnen, war die wichtigste, wie wir gesehen haben, der
orthodoxen Kirche, diesem verhassten und jahrhundertealten Rivalen, einen
entscheidenden Schlag zu versetzen.
Über die kleine serbische
Nation hinaus hatte es der Vatikan auf Russland, den traditionellen Beschützer
der orthodoxen Gläubigen auf dem Balkan und im Osten abgesehen.
Pierre Dominique schrieb:
„Für Rom erlangte diese Angelegenheit
fast religiöse Bedeutung; ein Sieg der apostolischen Monarchie über den
Zarismus könnte als Sieg Roms über das östliche Schisma gesehen werden.“
(135) Pierre Dominique, op.cit.,
S.246.
Dass ein solcher Sieg nur über
einen gigantischen Holocaust erreicht werden konnte, scherte die römische Kurie
nicht im Geringsten. Das Risiko – oder vielmehr dessen Gewissheit – wurde, da
es die Alliierten unabwendbar machten, in Kauf genommen. Von seinem
Staatssekretär, dem Jesuiten Merry del Val, gedrängt, machte Pius X. daraus
keinen Hehl und der bayrische Gesandte schrieb am Vorabend des Krieges an seine
Regierung: „Papst billigt scharfes Vorgehen Österreichs gegen Serbien und
schätzt im Kriegsfalle mit Deutschland russische und französische Armee nicht hoch
ein. Karsek hofft ebenfalls, dass Österreich diesmal durchhält, und wüsste
nicht, wann es sonst noch Krieg führen sollte, wenn es nicht einmal
ausländische Agitation, die zum Morde des Thronfolgers geführt hat und außerdem
bei der jetzigen Konstellation Österreichs Existenz gefährdet, entschlossen
ist, mit Waffen zurückzuweisen.“
(136) Diese Mitteilung findet sich
in „Bayerische Dokumente zum Kriegsausbruch“, III, S.206.
Dieses raffinierte Kalkül (Vorausberechnen)
erwies
sich als falsch. Der Erste Weltkrieg, der den Norden Frankreichs verwüstete und
mehrere Millionen Tote hinterließ, erfüllte die Wünsche Roms nicht; statt
dessen teilte er Österreich-Ungarn und entledigte so den Vatikan seiner
wichtigsten europäischen Stütze sowie die Teil jener Doppelmonarchie gewesenen
Slawen des Wiener apostolischen Jochs.
Die russische Revolution
ihrerseits befreite jene zum größten Teile polnisch stämmigen römischen
Katholiken, die im vormaligen Zarenereiche gelebt
hatten, aus der vatikanischen Kontrolle.
Die Niederlage war eine
totale. „Patiens quia æterna“ („Geduldig, weil ewig“) aber plante
die römische Kirche mit frischem Engagement die Fortsetzung ihrer Politik des
„Drangs nach Osten“, der sich so gut mit den großdeutschen Ambitionen verband.
Deshalb, wie wir an früherer
Stelle bereits erwähnten, der Aufstieg von Diktatoren und der Zweite Weltkrieg
mit seinem Schreckensgefolge; die „Säuberung“ des polnischen Warthelandes (des nach d.
Besetzung Polens durch d. nationalsozialist. Deutschland 1939 errichteten, die
Regierungsbez. Posen, Hohensalza u. Litzmannstadt umfassenden Reichsgaus
Wartheland) und Kroatiens „Zwangskatholisierung“ waren zwei besonders
grausame Beispiele dieses Schreckens.
Ohne Belang war, dass 25
Millionen in KZs starben, 32 Millionen Soldaten auf dem Schlachtfeld getötet
und 29 Million verwundet und verstümmelt wurden; das ist die amtliche Statistik
der Vereinten Nationen (137) und zeigt das Ausmaß jenes Blutbades! Diesmal
dachte die römische Kurie, ihr Ziel sei erreicht worden und in den „Basler
Nachrichten“ war zu lesen:
(137) „La Croix“, 7.September
1951.
„Die deutsche Tätigkeit in
Russland erhebt die Frage nach der Missionierung des Landes; der Vatikan ist
daran höchst interessiert.“
(138) „Basler Nachrichten“,
27.März 1942.
Und aus einem der
Glorifizierung Pius’ XII gewidmeten Buche dies:
„Der Vatikan und Berlin
unterzeichneten einen Pakt, der es den katholischen Missionaren des Russischen
Kollegs erlaubte, in die besetzten Gebiete zu gehen und das Baltikum der
Berliner Nuntiatur (diplomat. Vertretung d. päpstl. Botschafters) zu
unterstellen.“
(139) und (140) „Messages de
guerre au monde“, von Pius XII. (Éd. Spes, Paris, 1945, S.34 u. 257 ff.). IN DEUTSCH:
„Der Papst spricht. Ansprachen und Botschaften Papst Pius’ XII. aus der Kriegs-
und Nachkriegszeit“ (MORUS-VERLAG, Berlin, 1946).
Unter dem Schutz von Wehrmacht
und SS war Russlands „Katholisierung“ dabei, in Angriff genommen zu werden, in
der Art wie Pawelitsch und Gefährten sie in Kroatien durchführten, nur viel
monumentaler.
Das war in der Tat ein Sieg
für Rom!
Welche Enttäuschung dann aber,
als Hitlers Drang vor Moskau gestoppt und Paulus (ERKL.: Friedrich
Paulus,Generalfeldmarschall, *1890, †1957) mit seiner
Armee in Stalingrad eingeschlossen wurde! Es war Weihnachtszeit, Weihnachten
1942, und man muss die vom Heiligen Vater an die „christlichen Nationen“
gerichtete Botschaft – oder vielmehr den ausdrücklichen Ruf zu den Waffen –
mehr als einmal lesen:
„Nicht klagen sondern handeln
ist das Gebot der Stunde. Nicht trauern um das, was ist und war, sondern
neugestalten, was erstehen wird und soll zum Wohl der Gesellschaft. Mit
Kreuzfahrergesinnung sollen die besten und edelsten Glieder der Christenheit im
Geiste der Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe unter dem Ruf »Gott will es« sich
zusammenschließen, dienst- und opferbereit wie jene Helden der Vorzeit. … Mit
väterlicher, doch beschwörender Eindringlichkeit rufen Wir euch auf, den
erschütternden Ernst, aber auch die gnadenreiche Zukunftsbedeutung dieser
Stunde zu erfassen und euch zu vereinen in der Zusammenarbeit für die
Erneuerung des menschlichen Gemeinschaftslebens in Geist und Wahrheit…
Freiwillige Kreuzritter eines neuen und veredelten Gemeinschaftsgedankens,
erhebt das neue Christusbanner einer sittlichen und christlichen Wiedergeburt,
sagt Fehde an der Finsternis und Gottesferne, der Kälte des Bruderzwistes,
Fehde im Namen einer schwerkranken Menschheit, sie zu heilen im Namen eines christlich
geadelten Gewissens!«.“
(139) und (140) „Messages de
guerre au monde“, von Pius XII. (Éd.Spes, Paris, 1945, S.34 u. 257 ff.). IN
DEUTSCH: „Der Papst spricht. Ansprachen und Botschaften Papst Pius’ XII. aus
der Kriegs- und Nachkriegszeit“ (MORUS-VERLAG, Berlin, 1946, S.29, 30 u. 36).
An diesem Tag der Geburt
Christi waren wir weit entfernt von der „Pax Christi“!
Diese militante Ansprache war
nicht gerade Ausdruck der „strikten Neutralitätspolitik“, die sich der Vatikan
dünkt, in internationalen Angelegenheiten zu verfolgen.
Noch unpassender wurde besagte
Ansprache durch die Tatsache, dass Russland der Verbündete Englands, Amerikas
und des Freien Frankreichs (des von de Gaulle initiierten u. geleiteten Widerstands
gegen Vichy u. Deutschland) war. Wir lächeln beim Lesen der
vehementen Behauptung der Thurifer Pius’ XII., die uns
erzählen, dass Hitlers Krieg kein richtiger „Kreuzzug“ da, wo jenes Wort in des
heiligen Vaters Botschaft genannt wird, gewesen sei.
Die „Freiwilligen“, die der
Papst zu den Waffen rief, waren jene der „Blauen Division“ (der im Rahmen d.
Wehrmacht an d. Ostfront mitkämpfenden span. Division) und jene von
Kardinal Baudrillart in Paris Rekrutierten.
„Hitlers Krieg ist eine hehre
Maßnahme zur Verteidigung der europäischen Kultur.“, rief er am 30.Juli 1941
aus.
Jedoch merken wir an, dass der
Vatikan jetzt, wo er bestrebt ist, die afrikanischen Nationen gegen Frankreich
aufzuwiegeln, kein Interesse mehr an der Verteidigung besagter Kultur hat. Pius
XII. ließ verlauten: „Die katholische Kirche identifiziert sich nicht mit der
westlichen Kultur.“
(141) „Le Monde“, 13.April 1956
(Tagung afrikanischer katholischer Studenten).
(141 a) Siehe auch François Méjan:
„Le Vatican contre la France d’outre-mer“ ([„Der Vatikan gegen Französisch Übersee“,]
Fischbacher).
Die Betrügereien und krassen
Gegensätze auf Seiten jener, die Satan als „Vater der Lüge“ bezichtigen, sind
endlos.
Die russische Niederlage für
Hitlers Armeen, „dieser hehren Verteidiger der europäischen Kultur“, bezog auch
die jesuitischen Bekehrer mit ein. Man fragt sich, was vor einer derartigen
Katastrophe die Heilige Theresia (ERKL.: Theresia von Lisieux,
Karmeliterin, *1873, †1897) gerade zu tun hatte! Pius XI. hatte
sie zur „Schutzpatronin des unglücklichen Russlands“ erklärt und Kanonikus
Coubé stellte sie als „lächelnd, aber furchtbar wie eine gegen den
bolschewistischen Giganten aufgestellte Armee“ dar.
(142) Kanonikus Coubé : „Sainte Thérèse de l'Enfant-Jésus et les crises
du temps présent“ ([„Die Hl.Theresia vom Jesuskind u. d. Krisen d. heut. Zeit“,] Flammarion,
Paris, 1936, S.6 ff.) IMPRIMATUR 11.Januar 1936.
Hatte die – von der Kirche zu
Werken aller Art gebrauchte – Heilige von Lisieux – vor der ihr vom Heiligen
Vater zugewiesenen neuen und gigantischen Aufgabe kapituliert? Es wäre nicht
überraschend.
Anstelle der kleinen Heiligen
aber gab es noch die Himmelskönigin, die es bereits 1917 auf sich genommen hatte,
unter bestimmten Bedingungen das schismatische Russland wieder in die Gemeinde
der römischen Kirche zu führen. Lesen wir, was „La Croix“ dazu schrieb:
„Wir werden unsere Leser daran
erinnern, dass die Jungrau von Fatima höchstselbst die Bekehrung der Russen,
wenn alle Christen aufrichtig und freudig sämtliche Gebote Gottes täten,
versprochen hat.“
(143) „La Croix“ 11.Juni 1947.
Es sei betont, dass den
Jesuitenpatres zufolge, die in übernatürlichen Fragen Spezialisten sind, die
himmlische Mittlerin als besonders wirksam den täglichen Gebrauch des
Rosenkranzes (Gebetsblocks zu Ehren Marias) empfohlen habe.
Durch einen „Tanz der Sonne“,
ein Wunder, das 1950 in den Gärten des Vatikans noch einmal (noch einmal,d.h.
33 Jahre nach seinem ersten Auftreten 1917 i. Fatima), alleinig
für Seine Heiligkeit Pius XII., auftrat, wurde das Versprechen der Jungfrau
sogar noch versiegelt.
Dennoch marschierten die
Russen in Berlin ein, trotz des vom Papst angemahnten Kreuzzugs – und haben,
soweit wir wissen, Chruschtschows Landsleute, im Büßergewand und den Strick um
den Hals vor den Türen des Petersdoms zu erscheinen, bis heute keinerlei Eifer
gezeigt.
Was lief da falsch? Hatten
Christen bis dahin zu wenig ihre Rosenkränze (Gebetsabfolgen zu Ehren Marias) „aufgesagt“?
Hatte man des Himmels erforderliche Zehnzahl nicht erfüllt?
Zu glauben, dies sei der
Grund, wären wir versucht, gäbe es da nicht in der wunderbaren Geschichte von
Fatima jenes eher heikle Detail. Das 1917 zweckmäßigerweise der Hellseherin
Luzie (ERKL.: Schwester Luzie, *1907, †2005) gegebene
Versprechen der Bekehrung Russlands, wurde von ihr erst 1941, als sie Nonne
geworden war, „enthüllt“ und im Oktober 1942 von Kardinal Schuster (Alfredo
Ildefonso Schuster), einem leidenschaftlichen Anhänger der Rom-Berlin-Achse,
öffentlich bekanntgegeben; letzteres geschah auf Wunsch, oder wohl vielmehr auf
Befehl Pius’ XII., der drei Monate später den oben genannten Aufruf zum
Kreuzzug ausgab.
In der Tat sehr „erleuchtend“:
Einer der Fatima-Apologeten gibt es zu: die Sache „büßt offensichtlich einiges
von ihrem profetischen Werte ein. … “ (144). Mindestens das kann man hier
sagen! Ein gewisser Kanonikus und großer Spezialist in Sachen „portugiesisches
Wunder“ erzählt uns im Vertrauen: „Und doch muss ich gestehen, dass ich
selbst einen echten inneren Widerstand zu überwinden hatte, meine ersten
Buchausgaben durch den Text zu ergänzen, den S. Eminenz Kardinal Schuster der
Öffentlichkeit bekanntgegeben hatte, weil mir diese Orakel dunkel erschienen
und das, was ich davon verstand, im 20. Jahrhundert unmöglich. … “
(144) Michel Agnellet: „Miracles à
Fatima“ (([„Wunder i. Fatima“,] Éd. de Trévise, Paris, 1958, S.54),
Imprimatur 1958.
(145) Kanonikus Barthas: „Fatima,
merveille du Xxè siècle“ (Fatima-éditions, Toulouse, 1957, S.81), Imprimatur
1957. IN DEUTSCH: Kanonikus Barthas: „FATIMA – EIN WUNDER DES ZWANZIGSTEN
JAHRHUNDERTS“ (HERDER, Freiburg, 1954), S.58.
Gewiss verstehen wir des
lieben Kanonikus Empfindungen:
Also habe die Heilige Jungfrau
1917 zur Hirtin Luzie gesprochen: „Wenn ihr auf meine Bitte hört, dann wird
Russland bekehrt … “, und beauftragte das Mädchen, dieses „Geheimnis“ für sich
zu behalten. Wie aber konnten dann die Christen besagte „Bitte“ erfahren und
erfüllen?
„Credibile quia ineptum.“ („Glaubhaft weil
töricht.“) Es macht den Eindruck, als hätten die Gebete von 1917 bis 1942
um des „unglücklichen Russlands“ willen keine Notwendigkeit gehabt, und erst
nach der nationalsozialistischen Niederlage vor Moskau und als Paulus in
Stalingrad eingeschlossen war, waren sie anscheinend dringend nötig.
Das ist der einzige Schluss
zumindest, den diese späte Enthüllung zulässt. Das Übernatürliche ist – wie
schon gesagt – ein gewaltig Ding, doch erfordert der
Umgang mit ihm Bedacht.
Nach Montoire (dem dt.-frz.
Beschluss d. Zusammenarbeit am 24.10.1940 im frz. Montoire) sprach
Jesuitengeneral Halke von Ledochowski schon voll Hochmut von der
Generalkongregation, die die Kompanie, nachdem England kapituliert haben würde,
in Rom abhielte, von der Bedeutung und Genialität dessen, das in seiner ganzen
Geschichte keine Entsprechung fände.
Aber der Himmel entschied
anders, trotz der Heiligen Theresia und der Gottesmutter von Fatima.
Großbritannien rüstete sich gegen den Feind, die Vereinigten Staaten traten in
den Krieg ein (obwohl sich die ganze Zeit Jesuitenpater Coughlin derart ins
Zeug gelegt hatte), die Alliierten landeten in Nordafrika und der
Russlandfeldzug war für die Nazis ein Desaster.
Für Ledochowski war es das Aus
seines großen Traums. Wehrmacht, SS, „Säuberer“ und
jesuitische Bekehrer traten geschlossen den Rückzug an. Der General hatte für
eine derartige Katastrophe nicht mehr die Gesundheit und starb.
Doch schauen wir, was das
besagte „Russicum“ ist, um das Pius XI. und von Ledochowski 1929 die reiche und
bunte römische Organisation erweiterten.
„Mit der Apostolischen
Konstitution (der päpstlichen Verordnung) »Quam curam de orientalibus« (»Hinsichtlich
der Sorge um die orientalischen«) schuf Pius XI. in Rom besagtes
russische Seminar (Bildungsinstitut), wo junge Apostel jeder Nationalität
ausgebildet würden, unter der Bedingung, dass sie vor allem anderen den
orthodoxen Ritus (östl. papstablehnenden Religionsausübungsbrauch) annehmen und
sich ihr Denken darauf ausrichte, dass sie sich voll und ganz der Aufgabe
widmen, Russland zurück in die Herde Christi zu bringen.“
(146) „L’Homme nouveau“, 7.Dezember
1958.
Das ist das Ziel des
russischen Kollegs, alias „Russicum“, des Päpstlichen Orientalischen Instituts
und der Gregoriana – dieser drei ebenfalls von der Societas Iesu verwalteten
Zentren.
In der „Gregoriana“ – 45,
Piazza del Gesù (Jesuspl.45) – finden wir das jesuitische Noviziat
(Novizenwohn-
u. ausbildungsstätte) und einige unter den Novizen tragen den Namen „Russipeten“
(„Russlandbitter“), da sie
dafür bestimmt sind, „petere Russiam“ („f. Russland zu bitten“) oder nach
Russland zu gehen.
Orthodoxe Gläubige sollten auf
der Hut sein, denn derart viele tapfere Verfechter sind dazu bestellt, sie
auszumerzen. Allerdings müssen wir darauf hinweisen, dass der oben genannte
„Homme nouveau“ versichert:
„Freilich ist jeder dieser
Priester dazu bestimmt, nach Russland zu gehen. Nur dass sich dieses Projekt
noch nicht realisieren lässt.“
(147) „L’Homme nouveau“,
7.Dezember 1958.
Laut dieser speziellen
Publikation nennt die sowjetische Presse besagte Apostel „die vatikanischen
Fallschirmspringer“. Und vom Zeugnis eines über das Thema gut Informierten her
kommen wir zu dem Schlusse, dass dieser Name ganz gut zu ihnen passt.
Der Fragliche ist kein
Geringerer als der Jesuit Alighiero Tondi (ERKL.: *1908), Professor
an der Päpstlichen Univeristät Gregoriana, der – wenn auch nicht ohne einen
beträchtlichen Streit – Ignatius von Loyola und die „Exerzitien“ verwarf und
sich aus der berühmten Kompanie, samt ihrem Pomp und Treiben, zurückzog.
In einem Interview, das er
einer italienischen Zeitung gab, lesen wir neben anderen Erklärungen folgendes:
„Die Aktivitäten des Collegium
Russicum und weiterer mit ihm verknüpfter Organisationen sind viele und
vielfältige. Beispielsweise organisieren und koordinieren die Jesuiten im
Verein mit italienischen Faschisten und dem, was vom deutschen
Nationalsozialismus übrig ist, auf Anordnung der kirchlichen Autorität
verschiedene antirussische Gruppen. Das Endziel ist es, schließlich bereit zu
sein, die östlichen Regierungen zu stürzen. Finanzen fließen von den herrschenden
kirchlichen Organisationen. Das ist die Arbeit, um die sich die Führer des
Klerus bemühen. Selbige würden bereitwillig vor Gram ihre Sutanen zerreißen,
wenn man sie wegen Einmischung in die Politik und Nötigung der östlichen
Bischöfe und Geistlichen, sich gegen ihre Regierungen zu verschwören,
beschuldigte.
Im Gespräch mit dem Jesuiten
Andrej Urusow bezeichnete ich es als skandalös, im »Osservatore Romano «, dem
offiziellen Organ des Vatikans, und in anderen kirchlichen Publikationen zu
versichern, dass die enttarnten Spione »Märtyrer des Glaubens« gewesen seien.
Urusow brach in Gelächter aus.
- Was würden Sie denn
schreiben, Pater?, fragte er mich. Würden Sie sagen, das es Spione waren, oder sogar
noch Schlimmeres? Die vatikanische Politik braucht heutzutage Märtyrer. Nur
dass sich momentan schwerlich welche finden lassen. Man erfindet sie.
- Das Spiel ist aber
unehrlich!
Ironisch schüttelte er den
Kopf.
- Sie sind naiv, Pater. Von
Ihrer Arbeit her sollten Sie es besser wissen als jeder andere, dass die die
Kirchenführer inspirierenden Regeln schon immer dieselben waren.
- Und Jesus Christus?, fragte ich.
Er lachte und sagte: »An Jesus
Christus darf man nicht denken. Dächten wir an ihn, endeten wir am Kreuz. Und
heute ist es Zeit, statt selber an ihm erhöht zu werden, andere daran zu
schlagen.“
(148) Am 2.Oktober 1954 im „Il
Paese“ erschienenes Interview.
Wie es also der Jesuit Urusow so
schön sagte – die vatikanische Politik benötigt Märtyrer, seien es Freiwillige
oder nicht. Und Millionen solche schuf sie in den beiden Weltkriegen.
Von allen in dieser Welt
allgemein akzeptierten Fiktionen ist der dem Heiligen Stuhle zugesprochene
Geist des Friedens und der Liebe die wohl am schwersten auszurottende – da
dieser Geist der Natur des apostolischen Meisters schlechthin innezuwohnen
scheint.
Trotz der nicht gänzlich
bekannten oder zu schnell vergessenen Lektionen der Geschichte, muss der, der
sich selbst „Statthalter Christi“ nennt, in den Augen vieler notwendigerweise
das vom Evangelium gelehrte Ideal der Liebe und Brüderlichkeit verkörpern.
Wollen nicht Logik und Gefühl gleichermaßen, dass es so sei?
In Wirklichkeit klären uns die
Ereignisse darüber auf, dass besagte positive Annahme stark abgeflaut sein muss
– und wir glauben, dass es bislang hinreichend demonstriert wurde. Doch die
Kirche ist umsichtig – wie wir oft erinnert werden – und es ist selten, dass
ihre wahren Aktionen nicht von den unerlässlichen Vorkehrungen umgeben sind,
die sich des äußeren Anscheins annehmen. „Besser arm in Ehren als reich in
Schanden.“, sagt das Sprichwort. Doch Reich undin
Ehren ist noch besser. Die Maxime,
von der sich der steinreiche Vatikan leiten lässt. Seine politische
Herrschsucht bedient sich stets „geistlicher“ und humanitärer Vorwände, die
über eine durch einen Goldgürtel bescherte intensive Propaganda „urbi et orbi“
verkündet werden, und der auf diese Art konservierte „gute Ruf“ macht den
Goldstrom zu besagtem Gürtel ohne Unterlass fließen.
Ein Abrücken von jenem
Verhaltensgrundsatz gibt es für den Vatikan nicht und wo die Stellung, die er
in internationalen Angelegenheiten einnimmt, durch die Haltung seiner
Hierarchie deutlich zu Tage tritt, da wird durch jene feierlichen und
zweideutigen Enzykliken und andere päpstliche Dokumente die Legende von der
absoluten Unparteilichkeit lebendig gehalten. Beispiele dieser Art hat die
Hitler-Ära erst unlängst angehäuft. Doch wie könnte es auch anders sein bei
einer autoritativen (auf Ansehen beruhenden) Macht, die man als
übernatürlich und zur gleichen Zeit allumfassend ansieht?
Die Vorkommen, wo man die
Maske hat fallen sehen, sind äußerst selten. Denn auf dass die Welt eines
derartigen Schauspiels Zeuge würde, bedürfte es einer Eventualität, die aus der
Sicht des Heiligen Stuhls seine lebenswichtigen Interessen in Gefahr brächte.
Erst dann wirft er sämtliche Zweideutigkeit zur Seite und gibt sämtliches ihm
zur Verfügung stehende Ansehen in eine der Waagschalen.
So geschehen in Rom, am
7.Januar 1960, hinsichtlich des „Gipfel“-Treffens, das, in dem Bemühen, die
Bedingungen einer wirklich friedlichen Koexistenz zwischen den Verteidigern der
beiden gegensätzlichen Ideologien auszuhandeln, Oberhäupter östlicher und
westlicher Regierungen zusammenbringen sollte.
Die Position des Vatikans vor
einem derartigen Vorhaben lässt uns freilich in keinerlei Zweifel. Das
demonstrierte in den Vereinigten Staaten Kardinal Spellman (ERKL.: Francis
Joseph Spellman, *1889, †1967) deutlich, indem er die Katholiken
drängte, Chruschtschow (ERKL.: Nikita Sergejewitsch
Chruschtschow, sowjet. Politiker, *1894, †1971), als dieser
zu Gast beim amerikanischen Präsidenten war, ihre Feindseligkeit zu zeigen.
Seinerseits und ohne es klar zu äußern, zeigte Seine Heiligkeit Johannes XXIII.
in seiner Weihnachtsbotschaft keine große Lust zur „Entspannung“. Die von ihm
formulierte „Hoffnung“, in der Welt den Frieden hergestellt zu sehen, ein
Wunsch, der in einem derartigen Dokument ein „Muss“ ist, schien – mit den
vielen ihn begleitenden Appellen an die Klugheit westlicher Politiker –, sehr
schwach. Bis hierher schaute der Vatikan aber noch freundlich drein.
Was aber geschah dann – in
weniger als zwei Wochen? War etwa – im
Dahinfahrensehen der ersteren – eine weitere lange gehegte „Hoffnung“ geplatzt?
Fing etwa infolge der Entscheidung Gronchis (ERKL.: Giovanni Gronchi, *1887,
†1978), des Präsidenten der Italienischen Republik, nach Moskau zu
gehen, der Kelch der römischen Bitterkeit an, überzulaufen?
Was auch immer ablief, am
7.Januar brach urplötzlich der Sturm los – und das geistliche Donnerwetter
entlud sich (mit ungekannter Wucht) über die „christlichen“ Politiker, schuldig
des Wollens, dass der Kalte Krieg ein Ende fände. Am 8.Januar druckte „Le
Monde“ das Folgende ab:
„An dem Tage, da der Präsident
der Italienischen Republik sich zur Abstattung eines sorgfältig vorbereiteten
offiziellen Besuchs der Moskauer Führung aufmachte, hielt Kardinal Ottaviani (ERKL.: Alfredo
Ottaviani, *1890, †1979), der Amtsnachfolger Kardinal Pizzardos (ERKL.: Giuseppe
Pizzardo, *1877, †1970) als Sekretär der Glaubenskongregation (leitender
Funktionär d. höchsten kath. Behörde z. Schutze vor abweichenden
Glaubensvorstellungen; ERKL.: seit 1965 Nachfolger d. höchsten
Inquisitionsbehörde „Hl.Offizium“) bzw. Präfekt des Obersten
Gerichtshofs der Apostolischen Signatur (Leiter d. höchsten Gerichts d. röm.
Kurie), in der Marienbasilika bei einem morgendlichen
Versöhnungsgottesdienst für »die Kirche des Schweigens« eine Rede, die höchst
erstaunlich ist.“
Nie zuvor hat ein einen der
wichtigsten vatikanischen Posten innehabender Kirchenfürst die sowjetischen
Behörden mit derartiger Wucht attackiert, noch die Westmächte, die mit jenen
verhandelten, in dieser Weise gerügt.
Von jener heftigen Rede, die
die von „Le Monde“ soeben verwendete Bezeichnung „höchst erstaunlich“ mehr als
rechtfertigte, bot die Tageszeitung wesentliche Auszüge.
„Timurs Zeiten sind zurück (ERKL.: asiat. Eroberer aus Transoxanien, *1336, †1405).“,
versicherte Kardinal Ottaviani – und die russische Führung wurde als „neue
Antichristen“ beschrieben und es heißt, sie „verurteilen zu Deportation,
inhaftieren, richten Massaker an und hinterlassen nichts als Öde“. Der Redner
war schockiert, denn keiner mehr nun „scheut sich, ihnen die Hände zu
schütteln“ und „ganz im Gegenteil entwickelte sich ein Wettrennen darum, wer
sie ihnen wohl als erster schüttle und ein Lächeln mit ihnen tausche“.
Anschließend erinnerte er seine Zuhörer, dass Pius XII. sich, als Hitler nach
Rom kam, nach Castel Gandolfo (ERKL.:
italien. Stadt m. päpstl. Sommerresidenz) zurückzog – vergaß aber
gleichzeitig, hinzuzufügen, dass ebendieser Pontifex einst mit Hitler ein für
die Kirche höchst vorteilhaftes Konkordat abgeschlossen hatte.
Ausgespart wurde in jener
heftigen Anklage auch nicht die Raumfahrt: „der neue Mensch … glaubt, er könne
durch Heldentaten im All in den Himmel eindringen und demonstriert so wieder
einmal mehr, dass Gott nicht existiere.“.
Der Kardinal meint, die westlichen
„Politiker und Staatsmänner“ seien „durch den Schrecken des Verstandes
beraubt“, aber ihnen sei ordentlich der Kopf gewaschen, wie überhaupt allen
„Christen“, die hier „keine Reaktion und keinen Wutanfall“ mehr erkennen
lassen. …
Schließlich dieser scharfe und
bemerkenswerte Schluss:
„Sind wir vermöge, uns mit
jedweder Art von Entspannung zufrieden zu erklären, wo es innerhalb der
Menschheit vor allem gar keine Art von Ruhe geben kann, es sei denn wir
beobachten einen grundlegenden Respekt vor dem Gewissen, unserem Glauben, dem
mit Speichel abermals bedeckten, dornengekrönten und geschlagenen Antlitz
Christi? Können wir denen unsere Hand reichen, die solches tun?“
Diese dramatischen Worte sind
nicht in der Lage, uns vergessen zu machen, dass der Vatikan schwerlich von
„Respekt vor den Gewissen“ reden kann, da er sie in Ländern, wo er dominiert,
wie in Francos Spanien, wo die Protestanten verfolgt werden, schamlos
unterdrückt. In der Tat ist es höchst unverschämt – insbesondere seitens des
Sekretärs der Glaubenskongregation! – zu fordern, dass andere jenen
grundlegenden Respekt wahren, wo die römische Kirche ihn rundweg verweigert.
Die Enzyklika „Quanta cura“
und der Syllabus sind unmissverständlich.
„Verdammt ist die Ansicht,
jedermann sei frei, die Religion zu wählen und zu bekennen, die er, geführt vom
Lichte der Vernunft, für wahr hält.“
(„Syllabus“, Artikel XV)
„ … Zu meinen, die Glaubens-
und Gewissensfreiheit seien einfach jedermanns Rechte, ist Wahnsinn.“ (Enzyklika
„Quanta cura“) Ausgehend von der Art, wie er „Ketzer“ behandelt, nimmt es nicht
Wunder, dass der Vatikan sämtliches Bemühen um Einigung zwischen „christlichen“
Staaten und jenen, die offiziell atheistisch sind, systematisch verdammt. „Non
est pax impilis.“ – „Kein Friede den Gottlosen.“
Und Jesuitenpater
Cavelli verkündet, wie viele andere vor ihm, dass das „dringlichste Gesetz“
der römischen Kirche diese „Unnachgiebigkeit“ sei.
Als Pendant zu besagter
Explosion der Wut seitens des Kardinals werden wir einen weiteren Artikel
zitieren, der in selbiger „Le Monde“-Nummer am 9.Januar 1960 erschien:
„Die Menschheit ist im
Begriffe, sich einem Zustande zu nähern, wo gegenseitige Vernichtung zur
Wahrscheinlichkeit wird. Kein anderes Ereignis in der heutigen Welt kann in
seiner Bedeutsamkeit mit diesem verglichen werden. … Weshalb wir unablässig
nach einem gerechten Frieden zu streben haben.“ So gesprochen von Präsident
Eisenhower (ERKL.: Dwight D[avid] Eisenhower, *1890, †1969) am gestrigen
Donnerstag vor dem US-Kongress, zur selbigen Zeit, als in Rom Kardinal
Ottaviani die Koexistenz als Teilhabe an der Sünde Kains (ERKL.: *3969
vZtr, †?) verdammte.
Schreiender kann der Kontrast
zwischen zwei Denkweisen nicht sein: der menschlichen und der theokratischen –
und nicht offensichtlicher die wegen jenes Kerns des blinden Fanatismus, den
wir Vatikan nennen, über der Welt schwebende tötliche Gefahr. Sein „heiliger“
Egoismus ist derart, dass die Umstände und die dringende Notwendigkeit eines
internationalen Abkommens, um so die die Menschheit bedrohende totale
Ausrottung zu verhindern, keine Rolle spielen.
Der Sekretär der
Glaubenskongregation – dieser Nachfolgeorganisation des die Inquisition
geleitet habenden Heiligen Offiziums mit seiner nur allzu bekannten
Vergangenheit – zieht derartige Eventualitäten nicht in Betracht. Ob die Russen
zur Messe gingen! Darauf komme es an, und wenn Präsident Eisenhower das nicht
verstünde, dann weil er „durch den Schrecken des Verstand beraubt“ sei, um mit
den Worten des aufgebrachten „Porporatos“ (Kardinals; ERKL.:
„Purpurträgers“) zu reden.
Die rasende Wut der Rede
Kardinal Ottavianis erheitert und schockiert uns gleichermaßen. Und viele
denken, dass es dieser Aufwiegler schwer haben wird, „Christen“ klar zu machen,
dass die Atombombe dankbar anzunehmen sei. Doch seien wir auf der Hut! Hinter
diesem Sprecher des Heiligen Stuhls steht die ganze päpstliche Organisation –
und insonderheit besagte verborgene, nicht aus gewöhnlichen Soldaten gebildete
Jesuitenarmee. Sämtliche Mitglieder jener berühmten Kompanie arbeiten in den
Machtetagen und ihre Aktivitäten können ohne viel Aufsehens
außerordentlich wirksam, sprich unheilvoll sein.
Gerüchte wurden laut, dass
Kardinal Ottavianis brutale Einstellung nicht exakt das Denken des Heiligen
Stuhls reflektiere, sondern das der so genannten „integristischen“ Bewegung („integristischen“,
d.h. typisch synarchistischen, d.h. die eine gerechte Politik f. alle Klassen
betreibende Zusammenherrschaft anstrebenden, rechtsextremen u. oft offen
mystischkatholischen Bewegung). Die katholische Presse – zumindest
in Frankreich – versuchte, die Bedeutung jener heftigen Rede abzuschwächen, und
„La Croix“ vor allem druckte nur einen kurzen Auszug ab, aus dem man sämtliche
Heftigkeit herausgelassen hatte. Wirklich weiser Opportunismus, nur konnte er
keinem etwas vormachen. Es ist eben nicht möglich, dass von der Kanzel der
Marienbasilika herab eine derart scharfe Kritik von außergewöhnlicher
politischer Bedeutung geäußert wird, ohne dass ihr der Kongregationspräfekt und
schließlich der Oberhirte zugestimmt hätte. Und letzterer hat, soweit wir
wissen, seinen beredten Untergebenen nie je verstoßen. Papst Johannes XXIII.
konnte doch die Bombe nicht selbst abwerfen, sondern ließ vielmehr einen der
wichtigsten kurialen Würdenträger an seiner Statt auftreten und gedachte
dieserart, jedermann sein stillschweigendes Einverständnis offenkundig zu
machen.
Überdies und durch seltsamen
„Zufall“ fand zur selben Zeit eine verhaltenere Explosion statt, in Gestalt
eines Artikels im „Osservatore Romano“, der wieder mal den Sozialismus, selbst
den nicht-marxistischen, als „der christlichen Wahrheit zuwiderlaufend“
verdammte. Jene, die den besagten politischen „Fehler“ verübten, würden jedoch
nicht „ipso facto“ („durch den Fakt“) exkommuniziert wie die Kommunisten.
Sie hätten noch die Hoffnung, der Hölle zu entgehen – die Androhung des
Fegefeuers (Läuterungsortes, in dem d. Verstorbenen ihre kleineren Sünden
abbüßen, ehe sie ins Reich Gottes eingehen) aber bliebe!
Versprach sich der Vatikan
hier im heftigen Erzeigen seiner Ablehnung jedes Versuchs, Ost und West
zusammenzubringen, irgendwelche positiven Ergebnisse? Erhoffte er sich hier
wirklich, die Staatsmänner, die besagte Friedenspolitik verfolgten,
einzuschüchtern? Oder hoffte er hier zumindest, eine Gegenbewegung zur
„Entspannung“ unter den Gläubigen hervorzurufen?
So unvernünftig eine solche
Hoffnung auch erscheinen mag, so dürfte sie doch wohl diese kirchlichen Köpfe
heimgesucht haben. Deren seltsame Sichtweisen müssen einfach Illusionen dieser
Art hervorbringen. Eine bestimmte Illusion konnten zudem diese Wahrsager nicht
vergessen haben, eine Illusion, die sie derart lange nutzen, um jene zu
täuschen, die ihnen vertrauten – und die sie offenbar miteinander teilten. Hier
beziehen wir uns auf die „Bekehrung Russlands“, deren Ankündigung – 1917 – in
Fatima von der Heiligen Jungfrau persönlich gemacht worden sein soll –
gegenüber der Hirtin Luzie, die schließlich in ein Kloster aufgenommen wurde
und die Profezeiung einigermaßen spät, d.h. 1942, auf Wunsch ihrer Vorsteher in
ihren „Erinnerungen“ dokumentierte.
Dieses Lügenmärchen mag uns
erheitern, doch es bleibt die Tatsache, dass es der Vatikan – unter Pius des
XII. Pontifikat – in der ganzen Welt verbreitete, mit jeder Menge Ansprachen,
Predigten, feierlichen Erklärungen, bergeweise Büchern und kleineren Schriften,
und Rundreisen der Statue jener neuen und sehr politischen „Liebfrauenkirche“
quer durch jeden Kontinent – wo sogar die Tiere, wie man uns sagte, gekommen seien,
um zu huldigen. Dieser lautstarken Propaganda wird sich von den Gläubigen noch
deutlich erinnert – wie der wilden Erklärungen, von denen beispielsweise diese
am 1.November 1952 von „La Croix“ abgedruckt wurde:
„Fatima ist zu einem Scheideweg
geworden. … Das Schicksal der Nationen kann besser dort, als um Tische herum
entschieden werden.“
Seine Thurifer können sich
nicht länger in Zweideutigkeit flüchten. Die Wahl ist glasklar: „Entspannung
oder Kalter Krieg“. – Der Vatikan wählt Krieg – und verbirgt die Tatsache
nicht.
Waren uns die vergangenen
Erfahrungen, selbst in der jüngsten Vergangenheit, bislang eine Lehre, dann
sollte diese Entscheidung keinen mehr überraschen. Und überraschte sie
jemanden, dann dürfte es, wie wir glauben, an deren rüder Bekanntgabe liegen –
ganz ohne die übliche Tarnung.
Wir beginnen, die Heftigkeit
zu verstehen, wo wir betrachten, was der Einsatz dem römischen Bischof
bedeutete. Indem wir ihn für fähig halten, dass er eine Hoffnung aufgäbe, die
so alt wie das Morgenländische Schisma selber ist, jene Hoffnung, orthodoxe
Gläubige über einen militärischen Erfolg wieder unter ihren Gehorsam zu
bringen, würden wir den Vatikan fehleinschätzen. Hitlers Aufstieg entsprang
dieser hartnäckigen Hoffnung – die letztliche Niederlage aber seines Kreuzzugs öffnete der römischen Kurie noch immer nicht die Augen für
das Törichte einer derartigen Bestrebung.
Und es gab noch einen weiteren
und viel drängenderen Wunsch: die Befreiung Polens, Ungarns und der
Tschechoslowakei, dieser recht bekannten „Kirche des Schweigens“, die eine
solche mittlerweile und nur infolge der – für den Heiligen Stuhl – unerwarteten
Wende der Ereignisse im Nazi-Feldzug geworden ist. „Allzu viel ist ungesund“:
ein weises Sprichwort, das Fanatiker nie inspirierte.
Um seinen ostwärts gerichteten
Marsch, seinen kirchlichen „Drang nach Osten“ fortzusetzen und zunächst seine
verlorenen Stützpunkte zurückzuholen, baut der Vatikan nach wie vor auf den
deutschen „weltlichen Arm“, seinen wichtigsten europäischen Verfechter in der
Notwendigkeit neuer Kraft und Vitalität. Mit dem Kanzler und päpstlichen
Geheimkämmerer Konrad Adenauer (ERKL.: *1876, †1967) hatte er an die
Spitze der Bundesrepublik – den westlichen Teil des Großdeutschen Reichs –
einen Vertrauten gesetzt und die von diesem verfolgte Politik lässt für mehr
als fünfzehn Jahre deutlich den Stempel des Heiligen Stuhls erkennen. Zunächst
große Vorsicht und eine opportune „liberale“ Geisteshaltung an den Tag legend,
arbeitete der von seinen Landsleuten mit dem Spitznamen „der alte Fuchs“
bedachte Mann an der Wiederaufrüstung seines Landes. Selbstverständlich war die
„moralische“ Aufrüstung der Bevölkerung und der deutschen Jugend insonderheit
ein unabdingbarer Anhang des ersteren.
Deshalb werden wichtige Posten
in den westdeutschen Ministerien und Behörden von nicht wenigen Personen mit
berüchtigter NS-Vergangenheit bekleidet – die Liste ist lang – und – gerade
erst zum Kriegsverbrecher verurteilt – leiten Industrielle wie Krupp (ERKL.: Alfried
Krupp v.Bohlen u. Halbach, *1907, †1967, seit 1943 Alleininh. d. Fa. Krupp,
1947/48 wegen „Plünderung“ von Wirtschaftsgütern i. besetzten Ausland u.
„Sklavenarbeit“ zu 12 Jahren Haft verurteilt, 1951 begnadigt,) und Flick (ERKL.: Friedrich
Flick, *1883, †1972, hatte 1933-45 maßgebl. Einfluss i. d. dt.
Rüstungsindustrie u. kontrollierte m. seinem Familienkonzern d. Montanwerke d.
besetzten europäischen Länder, 1947 zu 7 Jahren Haft verurteilt, 1950
entlassen) schon wieder ihre gigantischen, neu für sie aufgebauten Werke.
Der Zweck heiligt die Mittel. Und dieser Zweck ist klar genug: Siegfrieds neues
Schwert zu schmieden – die für die Rache erforderliche – die auch die des Vatikans
ist.
Und so geschieht es auch mit
genauer Gleichzeitigkeit, dass der Kanzler-Kämmerer in einem einer
niederländischen Zeitschrift gegebenen Interview die von Kardinal Ottaviani
eben erst vorgetragene Sturmrede widerspiegelte:
„ … Die friedliche Koexistenz
von Völkern, deren Standpunkte völlig entgegengesetzt sind, ist eben eine
Illusion, die leider noch zu viele Unterstützer findet.“
(150) „ELSEVIERS WEEKBLAD“,
zitiert von „COMBAT“ am 11.Januar 1960.
Die am 7.Januar in der
Marienbasilika gehaltene Brand-„Predigt“ (flammende Predigt) ging – wie
zufällig – Konrad Adenauers Rombesuch um wenige Tage voraus. Die Berichte der
Presse unterstrichen einstimmig die freundliche und verständnisvolle Atmosfäre,
die während der Privataudienz vorherrschte, die Seine Heiligkeit Johannes
XXIII. dem deutschen Bundeskanzler und seinem Außenminister von Brentano (ERKL.: Heinrich
v.Brentano, *1904, †1964) gab.
In der „L’Aurore“ kann man
sogar lesen:
„Dieses Treffen bewirkte eine eher
unerwartete Erklärung seitens des Kanzlers, als er auf die den Mut und Glauben
des deutschen Regierungsoberhauptes lobende päpstliche Ansprache antwortete:
»Ich denke, dass Gott dem
deutschen Volke eine besondere in diesen bewegten Zeiten zu spielende Rolle
zugedacht hat: der Beschützer des Westens gegen die gewaltigen Einflüsse des
uns bedrohenden Ostens zu sein.«“
(151) „L’Aurore“, 23.Januar 1960.
„Combat“ bemerkte richtig:
„Das hörten wir eben erst –
nur kürzer: „Gott mit uns.“ (das Motto auf dem Koppelschloss der deutschen
Soldaten im Ersten Weltkrieg).
Und jene Zeitung fügte hinzu:
„Dr.Adenauers
Heraufbeschwörung des der deutschen Nation zugesprochenen Wirkens fand seine
Inspiration in einer ähnlichen Erklärung des vorangegangenen Papstes. Was die
Vermutung zulässt, dass der unter den gegenwärtigen Umständen diesen Satz
aussprechende Dr.Adenauer davon ausging, bei seinen Zuhörern Gehör zu finden.“
(151) „L’Aurore“, 23.Januar 1960.
Im Grunde müsste man selten
naiv und in völliger Unkenntnis der Grundlagen der Diplomatie sein, um zu
denken, dass diese „unerwartete“ Erklärung nicht Teil des Programms gewesen
sei. Wir wetten auch, dass sie keinerlei Schatten warf auf „das ausgedehnte
Gespräch, das Adenauer mit dem Staatssekretär des Heiligen Stuhls Kardinal
Tardini (ERKL.: Domenico Tardini, *1888, †1961) führte, den
er in der deutschen Botschaft zum Mittagessen einlud“.
(153) „Le Figaro“, 23.Januar 1960.
Selbst Katholiken, die die
Eingriffe der römischen Kirche in Staatsangelegenheiten längst gewohnt waren,
hatte die von Kardinal Ottaviani ausgesprochene spektakuläre Einmischung der
Glaubenskongregation in die internationale Politik schockiert. Dessen war sich
Rom bewusst. Die Aufrechterhaltung des Kalten Krieges aber ist für die
politische Macht, ja den finanziellen Wohlstand des Vatikans derart
lebenswichtig, dass er – wenn auch der erste Anlauf keine Gegenliebe erfuhr –
die Wiederholung solcher politischer Ansichten nicht scheute.
Eine weitere Gelegenheit
verschaffte ihm Chruschtschows Frankreichreise im März 1960. Eine der von dem
sowjetischen Ministerpräsidenten zu besuchenden Städte war Dijon. Wie sämtliche
seiner Kollegen in der gleichen Situation, so hatte der Oberbürgermeister von
Dijon den Gast der Französischen Republik höflich zu empfangen. Nur dass der OB
der Burgunderhauptstadt Kanonikus Kir (ERKL.: Felix Kir, *1876, †1968) war – und
somit ein Geistlicher.
Nach kirchlichem Recht war dem
Priester zur Annahme dieses Doppelamtes – mit sämtlichen daraus erwachsenden
Aufgaben und Pflichten – vom Heiligen Stuhl einst die ausdrückliche Genehmigung
erteilt worden. Den Chruschtschow-Empfang untersagte dem OB-Kanonikus jetzt
allerdings der Bischof. Und unter
diesen Umständen ging Sutane vor Amtsschärpe.
Also begrüßte den Besucher ein
für den unabkömmlichen OB einspringender Mitarbeiter. Die ungezwungene Art
aber, mit der die „Hierarchie“ bei dieser Gelegenheit der weltlichen Obrigkeit
spottete, erweckte spitzeste Bemerkungen. Am 30.März schrieb „Le Monde“:
„Wer ist dem OB von Dijon eigentlich
weisungsberechtigt: der Bischof oder der Präfekt? Und über diesen Vertretern
der Zentralgewalt: der Papst oder die französische Regierung? Das ist die von
allen gestellte Frage. … “
Die zweifelsfreie Antwort:
Erst die Theokratie. Von nun an aber – müssen sich da die Gäste der
Französischen Republik, um von einem Sutane tragenden Oberbürgermeister
empfangen zu werden, mit Beichtzetteln (Bescheinigungen über abgelegte
Beichten) eindecken?
Richtig bemerkt zudem der „Le
Monde“-Herausgeber im oben genannten Artikel:
„Jenseits dieser französischen
internen Frage macht uns die Kir-Affäre ein größeres Problem bewusst. Die
Tätigkeit des Vatikans hat nicht allein mit den Beziehungen zwischen einem OB
und seiner Regierung zu tun. In der Art, wie sie stattfand, stellt sie einen
direkten und spektakulären Eingriff in die internationale Diplomatie dar.“
Das ist gewiss wahr – und die
von ihr nahezu allerorten hervorgerufenen Reaktionen zeigen, dass diese Affäre
von der Weltöffentlichkeit ausreichend verstanden wurde. Vor allem in den
Vereinigten Staaten begann die Öffentlichkeit, die bereits Zeuge der von den
Kardinälen Spellman und Cushing (ERKL.: Richard James Cushing, *1895,
†1970) organisierten feindseligen Demonstrationen während
Chruschtschows Besuch geworden war, die wirkliche Unabhängigkeit, die ein
römisch-katholischer Präsident im Hinblick auf den Heiligen Stuhl wahren
könnte, in Frage zu stellen.
Viele fürchteten in jenem
Falle die keineswegs geringe Gefahr, dass sich des Landes Außenpolitik gerade
jetzt den Interessen der römischen Kirche und damit der Vorverurteilung der
nationalen Interessen künftig beugen würde.
Nach der von Kardinal
Ottaviani abgeworfenen Bombe organisierte man nunmehr gegen die
Ost-West-„Entspannungs“-Bewegung „öffentlich“ den Widerstand. Ein absurdes
Instrument, mag mancher sagen, verglichen mit jenen, die drohten, Nationen, die
im völligen Stillstand eines knurrenden Antagonismus verharrten, – früher oder
später – unter Trümmern zu begraben. Doch können wir sehen, wie sich der
Vatikan, aus den „geistlichen“ Waffen, zu deren Gebrauch er gezwungen war, das
Beste zu machen anstrengte. Währenddessen die die vatikanische Politik
steuernden Jesuiten ihr äußerstes gaben, um das „Schlimmste“, was je über dem
Heiligen Stuhle schwebte, zu verhindern: ein internationales, den Gang zu den
Waffen ausschließendes Abkommen.
Was würde aus dem Rufe des
Vatikans, seiner politischen Bedeutung und sämtlichen aus ihr herrührenden
Vermögens- und anderen Vorteilen, würde er sich infolge eines derartigen
Abkommens nicht mehr verschwören können, seinen Einfluss geltend machen, sein
Zusammenwirken mit den Regierungen wegflunkern, manche begünstigen oder andere
einschüchtern, sich Nationen entgegenstellen, zum Eigennutz Konflikte schaffen,
und könnte er nicht mehr seinen maßlosen Bestrebungen dienende Soldaten finden?
*Niemandem – und insbesondere
nicht den Jesuiten – bleibt es verborgen, dass eine allgemeine Abrüstung für
die römische Kirche als Weltmacht das Ende wäre. Und das „geistliche“ Oberhaupt
höchstselbst ins Wackeln käme.
Edmond Paris war in dem Nachteile,
dass er von der in Erfüllung der biblischen Profetie durch die „Hure Babylon“
bereits eingeleiteten Wende nichts wusste. Die Hure ist auf alle Eventualitäten
vorbereitet.
Die Jesuiten berechneten den
Dritten Weltkrieg, entschieden, dass die USA verlören, und der Vatikan stets
mit dem Sieger ginge. Die Hure widmet seit dem ihre Unterstützung Moskau und
beschaffte sogar aus Polen einen kommunistischen Papst. Im Geheimen arbeitet
sie an einem Konkordat mit Russland, forciert weltweit eine marxistische Lehre
und die Jesuiten stehen gegenwärtig hinter der Abrüstungsbewegung zur
Unterwerfung der USA.
Moskau soll dem Vatikan als die
Kraft zur Eroberung von Nationen dienen, wo der römische Katholizismus die
einzige international tolerierte Religion wäre. Russland soll in Erfüllung der
biblischen Profetien (Hesekiel 38 & 39) dazu gedrängt werden, Israel
anzugreifen und der Antichrist im Vatikan seinem Schicksal bei der Wiederkunft
Christi entgegensehen.
Weshalb wir erwarten können,
dass die Söhne Loyolas sich dem Friedenswillen der Nationen und Regierungen mit
ihrem ganzen Arsenal an Kunstgriffen entgegenstellen. Um das Gebäude mit seinen
vorläufigen Fundamenten zu zerstören, werden sie ihre Minen und Gegenminen
nicht zurückhalten. Es ist ein Krieg ohne Erbarmen, ein heiliger Krieg,
eingeläutet durch die Wahnsinnsrede Kardinal Ottavianis. Und führen wird ihn
die Societas Iesu mit der blinden Hartnäckigkeit des Insekts – „ad maiorem Papæ
gloriam“ („zur höheren Ehre d. Papstes“) – ohne jede
Sorge ob der resultierenden Katastrophen. Und müsse die Welt auch vergehen – so
aber noch vor dem Primat (Vorrang) des römischen Bischofs!